Offener Brief an Apple bezüglich Scannen von Inhalten

Do, 19. August 2021, Ralf Hersel

Am 5. August 2021 kündigte Apple Inc. unter dem Titel "Expanded Protections for Children" neue technologische Massnahmen an, die für praktisch alle seine Geräte gelten sollen. Obwohl die Ausbeutung von Kindern ein ernstes Problem ist und die Bemühungen zu seiner Bekämpfung zweifellos gut gemeint sind, führt der Vorschlag von Apple eine Hintertür ein, die den grundlegenden Schutz der Privatsphäre für alle Nutzer von Apple-Produkten zu untergraben droht.


Die von Apple vorgeschlagene Technologie funktioniert durch die kontinuierliche Überwachung von Fotos, die auf dem iPhone, iPad oder Mac des Nutzers gespeichert oder freigegeben werden. Ein System erkennt, wenn eine bestimmte Anzahl anstössiger Fotos im iCloud-Speicher entdeckt wird und alarmiert die Behörden. Ein anderes System benachrichtigt die Eltern eines Kindes, wenn über iMessage Fotos gesendet oder empfangen werden, die nach Ansicht eines maschinellen Lernalgorithmus Nacktheit enthalten.

Da beide Überprüfungen auf dem Gerät des Nutzers durchgeführt werden, haben sie das Potenzial, jede Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu umgehen, die ansonsten die Privatsphäre des Nutzers schützen würde.

Unmittelbar nach der Ankündigung von Apple schlugen Experten auf der ganzen Welt Alarm darüber, wie die von Apple vorgeschlagenen Massnahmen jedes iPhone in ein Gerät verwandeln könnten, das kontinuierlich alle Fotos und Nachrichten, die es durchläuft, scannt, um etwaige anstössige Inhalte an die Strafverfolgungsbehörden zu melden und so einen Präzedenzfall zu schaffen, bei dem unsere persönlichen Geräte zu einem radikalen neuen Werkzeug für eine invasive Überwachung werden, ohne dass es eine Kontrolle gibt, die einen möglichen Missbrauch und eine unangemessene Ausweitung des Umfangs der Überwachung verhindert.

Der offene Brief wurde bisher von 35 Organisationen und knapp 10'000 Privatpersonen unterzeichnet.

Quelle: https://appleprivacyletter.com/