OpenIndiana: Freie Weiterentwicklung von Solaris

​Mo, 22. Februar 2021, Niklas

Das Betriebssystem Solaris hat eine lange Geschichte. Das Projekt wurde von der Firma Sun Microsystems als Nachfolger für SunOS gestartet und die erste Version ist bereits im Jahr 1991 erschienen. Solaris war damals closed-source und kostenpflichtig. Es wurde für die Computer von Sun entwickelt.

Im Jahr 2005 konnte man es erstmals kostenlos herunterladen. Wenige Monate später wurde der Quelltext der Nachfolgeversion veröffentlicht, die sich damals noch in Entwicklung befand. OpenSolaris war geboren und wurde bis zum Jahr 2010 als freies Betriebssystem weiterentwickelt. Mit dem Kauf von Sun durch Oracle änderte sich das wieder. Oracle wollte mit Solaris 11 wieder eine closed-source Nachfolgeversion entwickeln.

Das OpenSolaris Projekt wurde mit diesem Schritt eingestellt, aber für gewöhnlich verschwinden beliebte open-source Projekte nicht einfach so. Das gilt auch für OpenSolaris, denn die letzte veröffentlichte Version des Quelltexts wurde von einem anderen Entwicklerteam genommen und wird unter dem Namen OpenIndiana bis heute weiterentwickelt. Es steht unter der Common Development and Distribution License (CDDL), unter der auch OpenSolaris veröffentlicht wurde. OpenSolaris ist das einzige open-source Betriebssystem, das direkt von UNIX System V abgeleitet ist, was das Projekt sehr interessant macht.

Ähnlich wie bei Linux Distributionen, die aus dem Linux Kernel und den Programmen der Distribution bestehen, besteht auch OpenIndiana aus zwei Teilen: Dem Illumos Kernel, einer freien Weiterentwicklung des Solaris Kernels, und der Distribution OpenIndiana. Neben OpenIndiana ist auch noch OmniOS verfügbar, das allerdings mehr auf den Einsatz auf Servern optimiert ist.

Wer Erfahrung mit Linux hat, wird auch mit OpenIndiana schnell zurechtkommen. Auch wenn die Technik dahinter eine ganz andere ist, sind die Programme doch häufig die gleichen. Als Desktop von OpenIndiana kommt MATE zum Einsatz, wobei jedoch ein eigenes GTK Theme von OpenIndiana verwendet wird. Als Standardbrowser ist Firefox vorinstalliert und als E-Mail Client Thunderbird.

Die Programmversionen sind hier aber leider alles andere als neu. Die installierte Firefox Version 60.9.0 ESR wurde am 3. September 2019 veröffentlicht. Ein vollständiges Systemupdate mit sudo pkg updatehabe ich vor dem Test ausgeführt. Die MATE Version 1.24.1 stammt immerhin aus dem August 2020.

Die Auswahl an Programmen im Repository ist stark eingeschränkt. Firefox ist der einzige grafische Browser, der im offiziellen Repository erhältlich ist. Mit einem zusätzlichen Repository lässt sich zusätzliche Software in den Paketmanager holen, wie etwa die Desktopoberfläche Xfce. Installiert werden konnte sie aufgrund von inkompatiblen Paketversionen bei meinem Test nicht.

Wesentliche Unterschiede im Vergleich zu Linux findet man bei den Terminalbefehlen. Auf OpenIndiana sind im Gegensatz zu den meisten Linux Distributionen keine GNU Core Utilities vorhanden. Stattdessen existiert eine eigene Implementierung dieser Befehle. Auch kleine Terminalprogramme wie iplspci oder lsusb, welche bei den meisten Linux Distributionen vorinstalliert sind, sucht man vergeblich.

Allgemein bin ich sehr zufrieden mit OpenIndiana, wenn man von den veralteten Programmen absieht. Es ist schnell, stabil und benutzerfreundlich. Ich hatte es schnell installiert und vieles dort kenne ich von Linux. Für mein Testlaptop, ein etwas älteres Lenovo 3000 N200, waren alle Treiber vorhanden. Einzig das WLAN macht Probleme: Hier bricht die Verbindung im Sekundentakt ab und wird neu hergestellt.

Vorsicht bei neueren Geräten: Da OpenIndiana nicht den Linux Kernel nutzt, stehen nicht automatisch alle Treiber für neuere Geräte zur Verfügung. Auf meinem neueren Medion Akoya Laptop konnte OpenIndiana gar nicht booten. Die Hardwarekompatibilitätsliste von Illumos gibt Auskunft darüber, was funktioniert und was nicht.

In meinem Test habe ich die aktuellste OpenIndiana Version Hipster 2020.10 vom 1. November 2020 eingesetzt und das System fest auf die interne Festplatte installiert.

Quellen:

tux.
Geschrieben von tux. am 22. Februar 2021

Traurige Entwicklung, dass das deutlich ältere System (SunOS gab es ab 1986, es war die Zusammenführung von BSD mit System V UNIX - eigens dafür wurde Bill Joy für Sun angeworben, der Erfinder von BSD, termcap und des vi-Editors) jetzt auch für die leicht zu bedienen ist, die ein deutlich jüngeres System nutzen ... ;-)

Ich habe einen meiner Server von FreeBSD auf OmniOS migriert und es ist eine Wucht. Mein erster Erfahrungsbericht (englischsprachig) ist hier: https://www.linuxquestions.org/questions/solaris-opensolaris-20/initial-omnios-impressions-by-a-bsd-user-4175626757/