ownCloud Infinite Scale - 1-Klick-Installation für Homeserver

  Herbert Hertramph   Lesezeit: 4 Minuten  🗪 6 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Die Vorteile von ownCloud Infinite Scale sind bekannt: Hohe Geschwindigkeiten auch bei schwächerer Hardware, Spaces für Teamarbeit usw. Die neue DietPi-Version 10 macht die Installation auf dem Homeserver zum Kinderspiel. 1 Klick genügt.

owncloud infinite scale - 1-klick-installation für homeserver

Die vielen Erweiterungsmöglichkeiten einer Nextcloud sind zwar toll, haben aber auf einem Homeserver Nachteile. Die Anwendung erfordert recht viele Systemressourcen, Apps erfordern Pflegeaufwand, Updates sind - manchmal - fehleranfällig. Ich lasse daher meine eigentliche Nextcloud in einem Rechenzentrum hosten und fahre auf meinen Homeservern nur eine "Schmalspurversion", die lediglich der Dateiverwaltung dient. Für pures Dokumentenmanagement ist allerdings ownCloud Infinite Scale (oCIS) eine gute Alternative zur Nextcloud. In schnellem Go geschrieben - ohne PHP-Ballast und ohne die Notwendigkeit, eine Datenbank einzurichten. Wenn dazu noch der Homeserver eher "dünn" ausgestattet ist (bei meinem Test: Raspberry Pi 4 mit 4 GB), kann sich ein Versuch mit oCIS durchaus lohnen. [1]

Installation auf dem Homeserver per Mausklick

Durch mein Experiment mit dem "25-Euro-NAS" [2] bin ich ein Freund von DietPi (https://dietpi.com) geworden. Anders als der Name vermuten lässt, ist das leichte System nicht nur für Raspberry Pi & Co. gedacht - praktisch kann man es auf allen gängigen Geräten installieren (ich hatte es damals auf einem HP-Thin-Client installiert). Eine der großen Besonderheiten von DietPi: Ein "Fix-und-fertig-Katalog" enthält bekannte Anwendungen (z. B. Nextcloud, FileBrowser, FreshRSS, Pi-hole usw.), die man einfach ankreuzen kann. Man muss sich weder um Einstellungen noch um Abhängigkeiten kümmern - DietPi übernimmt die vollständige Installation.

Software-Katalog von DietPi

Zudem ist DietPi selbst ausgesprochen einfach zu installieren: Image überspielen und ein paar Minuten warten. Sofort danach kann man, ohne weitere Einstellungen vornehmen zu müssen, auf das System zugreifen. Weder Monitor noch Tastatur müssen angeschlossen sein ("headless" [3]).

Im Software-Katalog der neuen Version 10 wurde nun das "traditionelle"/ältere ownCloud gegen die schlanke Variante "ownCloud Infinite Scale" ausgetauscht. Diese im Katalog auswählen, etwas warten - und schon kann man seine ownCloud im Browser mit dem Standard-Port "[Homeserver-IP]:9200" aufrufen, also z. B. "https://192.168.178.89:9200". Ja, richtig gelesen: "https://" - die Implementierung innerhalb eines Heimnetzes ist ausreichend (für einen öffentlichen Zugang muss man mit "richtigen" Zertifikaten arbeiten). Keine Docker-Installation. Keine Auswahl von Datenbanken. Kein ... usw.

Ich habe kurz auf die Uhr geschaut nach dem Einschub der microSD-Karte in meinen Raspberry Pi 4:
- Durchlauf der Erstinstallation mit Updates des Grundsystems "DietPi" = ca. 5 Minuten
- Aufruf Katalog, Klick auf ownCloud, Aufruf im Webbrowser = ca. 2 Minuten

3 - 2 - 1 ... läuft!

Bei einer stärkeren Maschine dürfte sich diese Zeit noch einmal verkürzen. Schneller kann man kaum einen Account bei einem Hoster anlegen.

Was bekommt man?

ownCloud konzentriert sich in dieser Variante eigentlich nur auf eine einzige Sache: Die Verwaltung von Dateien. Die Lernkurve ist - zumindest für die Basics - nahe Null. Wer mit einem Dateimanager umgehen kann, der kann auch mit ownCloud umgehen. Entsprechend der oben beschriebenen Architektur wird man sofort bemerken, dass alle Datei-Operationen (Verschieben, Kopieren, Hochladen usw.) ausgesprochen flüssig ablaufen. Dazu kommt eine sehr aufgeräumte Oberfläche, die auch komplexere Funktionen wie Freigaben oder Berechtigungen leicht verständlich darstellt.

übersichtliche Oberfläche

Damit eignet sich oCIS auch sehr gut zur Zusammenarbeit mit "Nicht-IT-gewohnten" Anwender:innen - also etwa Familienangehörigen, Freiberuflern mit Sekretariat usw. Es gibt weniger Freigabeoptionen, als man dies von der Nextcloud kennt - aber die vorhandenen dürften im Alltag völlig ausreichend sein.

Freigabe von Dokumenten

Desktop-Sync mit virtuellem Filesystem

Den Desktop-Sync-Client gibt es für Linux, Windows und macOS. Schön ist, dass die Möglichkeit einer virtuellen Dateianzeige auch unter Linux vorhanden ist. Zwar nicht ganz so "hübsch" (mit Voransicht), wie man das unter den anderen Betriebssystemen kennt, aber es erfüllt seinen Zweck: Dateien werden erst dann lokal gespeichert, wenn man sie aufruft - ansonsten werden sie nur angezeigt und nehmen keinen Platz auf dem Gerätespeicher ein.

je nach Einstellung auch virtuelle Dateisysteme möglich

Auch dabei: Das Konzept "Spaces", das Dokumente (im Unterschied zur Nextcloud) nicht userzentriert, sondern projektzentriert verwaltet. Dazu lohnt sich bei Gelegenheit eventuell ein gesonderter Artikel.

Alternative OpenCloud

Seit einiger Zeit gibt es mit OpenCloud (https://opencloud.eu/de) ein Angebot, das u. a. von früheren ownCloud-Entwicklern aufgebaut wurde und zu einem großen Teil identische Funktionen bietet. Prinzipiell verwendet diese Cloud-Variante die gleiche Technik und ist für einige Nutzer "vollständiger" Open Source als die Lizenzen von oCIS (Quellcode Apache License 2.0, Binärdatei EULA-abhängig). Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich OpenCloud eher an Institutionen und Unternehmen richtet. Vor allem: Vor einiger Zeit habe ich eine Installation auf meinem Raspberry Pi probiert, die deutlich umständlicher war und - jedenfalls bei meinem System - keineswegs einen flüssigen Eindruck hinterließ. Vielleicht hat sich da inzwischen etwas getan.

Bildnachweise:
Artikelbilder vom Autor

[1] Wenn man sich fragt, ob man nicht gleich zur OpenCloud (https://opencloud.eu/de) greifen soll, die eine in großen Teilen identische Architektur verwendet - darauf gehe ich am Ende des Artikels kurz ein.

[2] https://digital-cleaning.de/index.php/das-25-euro-nas-teil-1-hardware/

[3] Man startet auf seinem Hauptsystem - Linux/Windows/macOS - SSH auf der Kommandozeile und ruft mit "root@[Homeserver-IP]" DietPi auf dem anderen Gerät auf.



Tags

ownCloud, Homeserver, DietPi, #Dateifreigabe, #raspberrypi

Stefan
Geschrieben von Stefan am 9. Februar 2026 um 12:33

Sehr schöner Artikel. In der Tat stimme ich dem zu 99.9% zu. Ich suche schon lange nach einer Lösung um OpenCloud,eu so einfach zu installieren wie DietPi das mit OCIS kann. Die Installation einer extrem einfachen OpenCloud.eu mittels Docker ist zwar durchaus machbar. Aber irgendwie ist das Konzept und die Beschreibung doch eher für eine "vollständigere" und damit komplexere Konfiguration gedacht. Meine rudimentäre Testinstallation erscheint mir ebenso flüssig wie jetzt OCIS mit DietPi. Jedoch kommt OCIS für mich auf Grund seines Backgrounds nicht in Frage. Dass sich die Entwickler von OpenCloud.eu primär auf Unternehmens-Anforderungen konzentrieren finde ich erstmal wirklich gut. Denn ich weiss leider welche katastrophal falsch konfigurierte und schlecht administrierte NextCloud Installationen - auch bei Behörden und Unternehmen - in Betrieb sind. Ist halt PHP ;-) Nur sollte man sich klarmachen, dass NextCloud quasi zu einem "defacto" Standart geworden ist und man dagegen nur mit Image-Bildung ("Marketing") vorwärts kommt. Und da ist die Community inkl. der Home/Privat Nutzer ein sehr gewichtiger Faktor.

Herbert Hertramph
Geschrieben von Herbert Hertramph am 9. Februar 2026 um 20:27

Danke Dir für Deine Ergänzungen! Vielleicht gibt es ja in Zukunft auch mal so was wie eine 1-Klick-Lösung für die Open Cloud - dann wäre das sicher auch auf einem Homeserver eine Überlegung wert.

Art
Geschrieben von Art am 9. Februar 2026 um 14:23

my2cents: ownCloud war mal ein OpenSource Projekt, aber bereits der Fork zu Nextcloud ist enstanden, weil OC sich zu einem kommerziellen Projekt entwickelte ('Freemium'). Inzwischen gehört ownCloud vollständig einer US Heuschrecke -> Kiteworks - dahinter Private Equity und Growth-Investoren -> in 3-7 Jahren muss der Invest plus Zinsen in einem Firmen/Rechte Verkauf erlöst werden.

Nach meinem Kenntnisstand sind die meisten OCIS Entwickler zu Heinlein gewechselt, um mit OpenCloud zu entwickeln.

Es spricht Nichts dagegen heute OCIS zu verwenden, man sollte nur im Hinterkopf behalten, dass man die Daten mobil hält, um flüchten zu können, wenn die Kiteworks Zäune errichtet. Im Zweifelsfall gibt es dann Opencloud mit entsprechendem Reifegrad oder man nutzt z.B. Seafile CE

Herbert Hertramph
Geschrieben von Herbert Hertramph am 9. Februar 2026 um 20:29

Kann ich gut verstehen. Ja, man sollte immer Plan B im Gepäck haben :-) Ein Dateiumzug sollte in der Regel kein zu großes Problem darstellen, da man meist ja für ein Backup gesorgt hat. Auch große Datenmengen sind mit etwas Geduld dann wieder beim neuen Dienst untergebracht.

Olli
Geschrieben von Olli am 9. Februar 2026 um 16:27

Danke für den Artikel, Herbert. Ich habe meine NC auch auf DietPi aufgesetzt und bisher läuft jedes Update dank der vorgestellten Kommandozeile von Lars (hier bei GNU Linux: https://gnulinux.ch/nextcloud-update-mit-der-kommandozeile) problemlos durch, deshalb habe ich keine Veranlassung zu wechseln. Aber es scheint eine sehr gute Alternative zu NC zu sein, und bestimmt ist OC performanter. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin wie du ein Freund von DietPi, weil es es die Installation und Konfiguration bei mehreren Abhängigkeiten enorm vereinfacht und ressourcenschonend ist. Gruß Olli

Herbert Hertramph
Geschrieben von Herbert Hertramph am 9. Februar 2026 um 20:26

Danke für die Rückmeldung! Ja, wenn Nextcloud gut und flüssig läuft, gibt es keinen wirklich Grund, zu wechseln. Und ein paar zusätzliche Nextcloud-Apps verkraftet ja auch ein einfacherer Homeserver (bei mir z. B. Kalender, Kontakte usw.)