Rauschen im Messenger-Wald

Di, 12. Januar 2021, Ralf Hersel

Seit die Firma Facebook ihre Nutzungsbedingungen für den Messenger WhatsApp Anfang dieses Jahres geändert hat, rauscht es gehörig im Messenger-Wald. Anwender des Messengers müssen die neuen Nutzungsbedingungen bis zum 8. Februar 2021 genehmigen, falls sie WhatsApp weiterhin verwenden möchten. Mit der Änderung der Regeln stimmen Anwenderinnen zu, dass ihre Daten mit anderen Facebook-Diensten und -Unternehmen geteilt werden können.

Obwohl Facebook dies für den EU-Markt dementiert, ist ein Abwandern der Anwender und Anwenderinnen von WhatsApp hin zu anderen Messengern im Gange. Ein grosses Stück vom Kuchen geht dabei an den Messenger Signal, auch weil Empfehlungen von Prominenten wie Edward Snowden, Bruce Schneier und zuletzt auch Elon Musk via Twitter ausgesprochen wurden. Der Ansturm führte bei Signal zeitweise zum Ausfall der Server, die für den Versand der Anmeldebestätigungen zuständig sind.

Auch die Schweizer Messaging-App Threema profitierte von der Abwanderung. Man zählte eine Vervielfachung der täglichen Download-Zahlen. In den App-Stores in Deutschland, der Schweiz und Österreich ist Threema auf Platz 1 der Bezahl-Apps gerutscht. Im Gegensatz zu den anderen Messengern, kostet Threema einmalig ca. 3 Euro.

Der Telegram-Gründer Pawel Durov bezog sich am 8. Januar in seinem Chat auch auf die Änderungen der WhatsApp-Nutzungsbedingungen und versuchte bei dieser Gelegenheit mit einigen Mythen rund um Telegram aufzuräumen. Aufgrund der hohen Resonanz reichte er zwei Tage später eine Auswahl von Antworten aus der Dikussion nach.

Wer nun fluchtwillig ist, jedoch nicht weiss, wohin die Flucht führen soll, dem sei die aktuelle Messenger-Übersicht von Mike Kuketz empfohlen. Dort haben fünf Messenger mit guten Werten (grün) abgeschnitten:

  • Threema und Signal (zentrale Systeme mit Firmen-Abhängigkeit)
  • XMPP und Matrix (dezentrale Systeme, die ein Selfhosting erlauben)
  • Briar (für die Geheimagenten unter euch)