Serie: openDesk ausprobiert - Teil 2 - Oberfläche

  Ralf Hersel   Lesezeit: 5 Minuten  🗪 2 Kommentare Auf Mastodon ansehen

In dieser Serie werfen wir einen Blick auf openDesk und die darin enthaltenen Komponenten. Wie gut sind sie integriert und taugen sie für den Einsatz im Büro?

serie: opendesk ausprobiert - teil 2 - oberfläche

Inhaltsverzeichnis


Bevor dieser Artikel beginnt, weise ich darauf hin, dass der "Offene Brief" der Gesellschaft für Informatik (GI), den ich im ersten Teil dieser Serie erwähnt habe, mittlerweile vorliegt. Bezüglich der Lizenzkosten des openDesk steht darin:

openDesk (ZenDiS)

45 € netto / Studierende / Jahr;
über 1,6 Millionen Euro / Jahr
für mittelgroße Uni mit 30.000 Studierenden

Leider enthält der "Offene Brief" keinerlei Quellenangaben und erklärt nicht, auf welcher Grundlage die Berechnung der Lizenzkosten beruht. Wie ich bereits im ersten Beitrag zu dieser Serie geschrieben habe, handelt es sich beim openDesk und seinen Komponenten um Freie Software (FLOSS) die in der Community-Edition ohne Lizenzkosten verwendet werden kann. Sucht man auf der openDesk-Seite nach Lizenzkosten, findet sich dieser Eintrag in den FAQ:

Wie kann openDesk bezogen werden und wie ist das Preismodell?

openDesk ist in zwei Varianten verfügbar: Die Community Edition steht kostenfrei auf der Plattform openCode.de zum Download bereit und kann eigenverantwortlich betrieben werden; Support erfolgt durch die Community.

Für Organisationen der Öffentlichen Verwaltung bietet die ZenDiS GmbH die openDesk Enterprise Edition an. Diese Edition beinhaltet erweiterte Funktionen, Support und Services, die über den Standardumfang hinausgehen. Sie kann entweder als SaaS-Version genutzt oder im eigenen Rechenzentrum betrieben werden.

Aktuell ist unser SaaS-Angebot an öffentliche Einrichtungen mit mehr als 500 Nutzern gerichtet. Detaillierte Angebote und Preisinformationen erhalten Sie auf Anfrage. Für Bildungseinrichtungen sind Sonderkonditionen geplant; für größere Organisationen gibt es Staffelpreise.

Damit ist für mich die Sache glasklar. Wie bei allen Open-Source-Lösungen muss zwischen der Software und dem Betrieb unterschieden werden. Entweder man entscheidet sich für ein Self-Hosting und deckt die Betriebskosten mit eigenen Ressourcen ab, oder man delegiert den Betrieb an einen Anbieter und bezahlt für diese Dienstleistung.

Ich kann das Argument im "Offenen Brief", dass Microsoft 365 für Studierende kostenlos angeboten wird, nachvollziehen; dennoch ist es ein Scheinargument. Genauso schlecht könnte man den Verkauf von Traubenzucker am Schulkiosk mit dem kostenlosen Anfixen mit Kokain auf dem Pausenhof vergleichen. Die Folgekosten und Folgeschäden der Microsoft-Droge sind mittel- bis langfristig um Faktoren höher als der faire Betrieb von openDesk.

Die zentrale Forderung der GI an Bundesminister Wildberger lautet:

Setzen Sie sich unverzüglich für eine Lösung ein, die openDesk für alle Studierenden zu denselben Konditionen wie Microsoft 365 – also kostenfrei – verfügbar macht.

Meiner Meinung nach ist das der falsche Ansatz ("also kostenfrei") und der falsche Adressat (Wildberger). Ich hätte es so formuliert und adressiert:

Sehr geehrte Bildungsminister:innen der Länder und des Bundes

Setzen sie sich unverzüglich für die finanzielle Ausstattung der Universitäten und Schulen ein, sodass diese freie (im Sinne von FLOSS) und europäische IT-Dienstleistungen einkaufen können, anstatt aufgrund prekärer Budgets auf die Anfix-Verträge von US-amerikanischen Drogenhändlern angewiesen zu sein. Unsere Studierenden sollen Lernen wie die Profis und nicht lernen, wie man abhängig wird.

Hinweis: Das bisher Geschriebene stellt meine Meinung dar.

Doch nun zurück zum Inhalt dieser Serie.

Die Oberfläche

In diesen zweiten Teil werfe ich einen Blick auf die Oberfläche von openDesk. Dafür verwende ich die Demo-Installation, die über das Netzwerk SDS von den Firmen Adfinis & stepping stone (und anderen) bereitgestellt wird.

Transparenzhinweis: Die Firma Adfinis ist Sponsor von GNU/Linux.ch, hat aber mit dieser Artikelserie nichts zu tun.

Nach dem Log-in (siehe Titelbild) erwartet einen ein aufgeräumter und optisch ansprechender Startbildschirm:

Die Seite ist responsiv, sodass sie auch auf dem Smartphone oder Tablet eine gute Figur macht. Rechts oben kann man Benachrichtigungen sehen, wenn man auf die Glocke klickt. Daneben gibt es ein Benutzermenü mit Einstellmöglichkeiten, Sprache, Datenschutz, Impressum, Systeminformationen und einer Schaltfläche zum Abmelden.

Der Hauptteil der Seite wird von den Bürowerkzeugen belegt. Die 10 dargebotenen Anwendungen sind selbsterklärend; ich werde sie in weiteren Folgen dieser Serie näher betrachten. Vermisst ihr etwas? Ja, nämlich die klassischen Office-Anwendungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen. Diese verbergen sich unter der aufklappbaren Schaltfläche "Erstelle neu in Dateien".

Warum man das so gemacht hat, erschliesst sich mir nicht. Meine Erwartung war, dass man Dokument, Tabelle und Präsentation auch unter Anwendungen findet. Vermutlich wurde im ZenDiS stundenlang darüber diskutiert. Vielleicht wollte man die Liste der Office-Anwendungen möglichst dynamisch gestalten, um möglichst einfach neue Anwendungen hinzufügen zu können. Doch diese Freiheit hätte man auch über die anderen Anwendungs-Icons erreichen können. Die Benennung "Erstelle neu in Dateien" liest sich für mein Auge etwas gestelzt. "Neue Office-Datei" würde mir besser gefallen.

Was gibt es noch? Unter Aktuelles gibt es einen Newsfeed, der bei meiner Demo leer ist. Je nachdem, für welche Demo-Instanz ihr euch entschieden habt, gibt es (unterschiedliche) Rückstellzeiten für den openDesk. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, meine aber, dass die Demo-Instanz jede halbe Stunde zurückgesetzt wird. Das macht es etwas schwierig, viele Dokumente und Daten anzulegen, um die Auswirkung auf den Newsfeed zu testen. Ich nehme an, dass dort relevante Neuigkeiten und aktuelle Arbeitsergebnisse angezeigt werden.

Rechts unten seht ihr die Schaltfläche Alles ansehen. Und damit klärt sich auch die Frage, was es unter Aktuelles tatsächlich zu sehen gäbe. Dahinter verbergen sich Blog-Einträge (und vieles mehr), die man in der Komponente XWiki eintragen kann:

In der Demo habe ich keine Rechte, dort einen neuen Eintrag zu erzeugen.

Rechts unten gibt es zwei weitere Schaltflächen, die sich ebenfalls selbst erklären. Dokumentation führt zur Online-Hilfe von openDesk und mit Feedback gelangt man zum Kontakt mit dem openDesk-Team.

Bitte weitergehen – mehr gibt es auf der Oberfläche von openDesk nicht zu sehen.

Fazit

Die Oberfläche fällt durch ihre Schlichtheit positiv auf. Insbesondere im Vergleich zu den KI-verstopften Erscheinungen von Microsoft 365, Teams und Sharepoint ist die Startseite von openDesk eine Wohltat. Ich habe lediglich zwei Fragezeichen auf der Stirn. Warum werden die Office-Klassiker anders präsentiert als die übrigen Anwendungen? Was ist die Idee hinter Aktuelles? Meine erste Erwartung war, dass man dort aktuelle und relevante Zugriffe erhält, z. B. auf:

  • anstehende Termine
  • zuletzt verwendete Dokumente
  • Projekt-Deadlines
  • häufige Kontakte
  • usw.

Das wären Integrationen, die man gerne auf dem Startbildschirm sehen möchte. Im weiteren Verlauf dieser Serie wird sich zeigen, wie gut das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten gelungen ist. In der nächsten Folge schaue ich mir die Office-Klassiker an.

Bilder: aus der Demo-Installation

Quellen: im Text und aus der Demo-Installation

Tags

openDesk, ZenDiS, Souveränität, Arbeitsplatz, Büro

Naja
Geschrieben von Naja am 18. Februar 2026 um 09:08

Schon witzig gell, bei Open Source Software regen sich alle plötzlich über den Preis auf. Bei MS oder Adobe, die wirklich ihre Nutzer in Geiselhaft nehmen, kräht kein Hahn danach.

Und wenn schon MS mit openDesk verglichen wird, dann doch bitte die Community-Version mit der Studi-Version. Ich weiß gar nicht, wie die auf die dumme Rechnung kommen. Es müssen an Unis für die Studis doch auch Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, die kosten pro Platz und Monat.

MonteDrago
Geschrieben von MonteDrago am 18. Februar 2026 um 09:30

Ja, das unter "Erstellen neu in Dateien" verstecken der Office Anwendungen ist wirklich nicht nachzuvollziehen. Da würden die User die ich betreue zu recht sagen "was soll der Mist, ich brauche die Programme ständig!"

Das ist wirklich nur ein unnötiger weitere Klick, was die User nerven wird. Und wie geschrieben, ist die Oberfläche ja schön aufgeräumt / übersichtlich, da hatten die 3 weiteren Einträge jetzt auch noch hingekonnt.