Serie: Ralf testet Plasma - Teil 5

Mo, 4. Oktober 2021, Ralf Hersel

KDE Plasma auszuprobieren, war für mich eine schöne Erfahrung in der Welt der Desktop Umgebungen. Ich habe es genossen, die Vielfalt von KDE Plasma zu entdecken und mir meinen persönlichen Desktop zu konfigurieren. Das Ergebnis könnt ihr in Folge 4 betrachten. In der letzten Folge dieser Serie, möchte ich sowohl meine Meinung zu KDE Plasma mitteilen, als auch über Desktop Umgebungen im Allgemeinen schreiben.

Mir hat es viel Spass gemacht, mit KDE Plasma zu experimentieren, die Standard-Anwendungen zu entdecken und der Oberfläche meinen Stempel aufzudrücken. In diesem Beitrag fasse ich meine Eindrücke zusammen, betrachte den Desktop von einer höheren Warte, und gebe Empfehlungen ab.

KDE Plasma

Die "KDE Plasma Desktop Umgebung" ist ein führender Vertreter der Benutzeroberflächen in der GNU/Linux-Welt. Eine Trendanalyse über das letzte Jahr zeigte ein gleich verteiltes Interesse an GNOME und KDE.

Quelle: Google Trends

Hinsichtlich der Konfigurierbarkeit des Desktops, aber auch der Standard-Anwendungen, kenne ich nichts Vergleichbares. Wem das wichtig ist, findet bei KDE Plasma die richtige Umgebung. Aber auch bei der Unterstützung verschiedener Workflows werden bei Plasma unterschiedliche Ansätze geboten. Wer möchte, kann in KDE Plasma jeden anderen Desktop und Workflow nachbauen. Daher vergebe ich fast die höchste Punktzahl für die Systemeinstellungen, die Standard-Anwendungen, die Anpassbarkeit des Workflows und die Personalisierbarkeit (Theming). Warum nur 'fast' die höchste Punktzahl? Weil sie es übertrieben haben; die Einstellmöglichkeiten gehen so weit, dass es häufig schwierig ist, die gesuchte Einstellung zu finden.

Wer sich nun wundert, warum ich ein derart positives Fazit ziehe, hat meine Schlussbemerkung noch nicht gelesen. Das dicke Ende kommt jetzt. Nach meiner Meinung ist KDE Plasma eine Desktopumgebung ohne Vision. Die Entwickler haben alles gegeben und alles gemacht, was möglich ist (und noch mehr). Das führt bei mir zum Eindruck: "Nimm diesen Baukasten und mache daraus was du willst." Für Viele mag das die grosse Freiheit sein; andere sind damit überfordert, weil sie nicht sehen, wohin KDE Plasma will. Dieser Desktop folgt der Devise "viel hilft viel".

Ich empfehle KDE Plasma allen Anwendern und Anwenderinnen, die gerne an der Werkbank stehen und an jeder Schraube drehen möchten. Alle, die selbst eine genaue Vorstellung davon haben, wie ihre Arbeitsumgebung aussehen soll, sind mit KDE Plasma sehr gut bedient.

GNOME

Die GNOME-Shell ist, aus meiner Sicht, der Antipode zu KDE Plasma. Dort kann man nur sehr wenige Dinge konfigurieren, obwohl sich diese Situation in den letzten Versionen verbessert hat (wir werden darüber demnächst in einem eigenen Artikel berichten). Viele Sachen lassen sich nur über (wacklige) Extensions realisieren. Die Standard-Anwendungen (Datei-Manager, Text-Editor, Bildbetrachter, usw.) bieten nur rudimentäre Funktionen, die sich kaum erweitern lassen. Das Design ist strikt vorgegeben; da gibt es keine Einstellungen, die das Aussehen und Verhalten grundsätzlich verändern (so wie bei KDE Plasma).

Aber, GNOME hat eine Vision. Die GNOME-Entwickler folgen einem Satz von Ideen, die sich vielleicht mit diesen Adjektiven beschreiben lassen: stylisch, eigenständig, reduziert, konsistent. Ich empfehle GNOME-Shell allen Anwendern und Anwenderinnen, die sich nach 5-minütigem Ausprobieren in den Desktop verlieben und Freunde des K.I.S.S.-Prinzips sind. Wer nach 10 Minuten Bedenken hat, und vom Wunsch getrieben ist, dieses, jenes und Weiteres verändern zu wollen, wird mit GNOME nicht glücklich werden.

Xfce

Während KDE Plasma und GNOME-Shell zu den grossen, modernen Desktop Umgebungen gehören, ist Xfce eher der bescheidene Underdog. Xfce gibt es bereits seit 1996 und wurde seitdem in moderaten Zyklen weiterentwickelt. Ich würde diese Umgebung als "das Debian unter den Desktops" bezeichnen: stabil, konfigurierbar, unspektakulär.

Das Projekt beschreibt sich selbst so:

Xfce ist eine leichtgewichtige Arbeitsumgebung für UNIX-ähnliche Betriebssysteme. Ziel ist es, schnell und ressourcenschonend, aber auch optisch ansprechend und benutzerfreundlich zu sein.

Wer sich nicht zwischen Alles (KDE Plasma) oder Nichts (GNOME-Shell) entscheiden kann, dem empfehle ich Xfce. Damit kann man kaum etwas falsch machen. Diese Desktopumgebung bietet eine ausgewogene Mischung zwischen Schnelligkeit, Konfigurierbarkeit und optischem Erscheinungsbild.

Bei aktueller Hardware, spielt die Geschwindigkeitsfrage kaum eine Rolle, weil alle Desktops schnell genug laufen. Zwar habe ich in dieser Serie die Zähigkeit von KDE Plasma bemängelt, das ist jedoch 'Jammern auf hohem Niveau', sowohl KDE als auch GNOME laufen schnell genug, um damit ohne Probleme arbeiten zu können. Bei älterer Hardware kann das eher ein Problem sein; dann ist Xfce evtl. die bessere Wahl.

Butter bei die Kartoffeln

Trotz meiner überwiegend positiven Äusserungen zum KDE Plasma Desktop, schlägt mein Herz weiterhin für die GNOME-Shell und den Xfce-Desktop. Obwohl ich die vielen positiven Punkte bei KDE Plasma sehe und anerkenne (rational), sind mir GNOME und Xfce sympathischer (emotional).

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