Serie: Raspi als NAS und Musikmaschine - Teil 4

Mi, 5. Mai 2021, Ralf Hersel

Meine alte NAS musste einer Raspi-basierten Lösung weichen, um als Allround-Gerät verschiedene Bedürfnisse zu erfüllen. Im ersten Teil dieser Serie habe ich die Hardware beschrieben, im zweiten Teil ging es um die Konfiguration des Raspberry Pi als File-Server, und im dritten Teil habe ich einen Musik-Server und die zugehörigen Clients aufgesetzt. In diesem letzten Teil der Serie möchte ich das Projekt bewerten und ein Fazit ziehen.

Die Idee, eine richtige NAS durch einen Raspberry Pi zu ersetzen, mag mancher Leserinnen etwas verwegen vorkommen. Wer auf der Raspi-Basis eine richtige NAS aufbauen möchte, findet dafür sowohl Hardware- als auch Software-Lösungen. Zum Beispiel ein SATA-Hat, an das vier Festplatten angeschlossen werden können oder die Software OpenMediaVault um mehrere Speichermedien als RAID betreiben zu können. Es kommt eben darauf an, was man möchte. Für mich waren Geschwindigkeit und Einfachheit die Hauptkriterien und weniger die Ausfallsicherheit. Deshalb habe ich mich für den Anschluss einer schnellen 2 TB M2-Speicherkarte entschieden. Falls diese Lösung einmal abrauchen sollte, habe ich lediglich ein paar Tage Datenverlust und restore meine Backups.

Beim Kauf der Hardware darf man sich nicht von den relativ niedrigen Preisen im Raspberry Pi Ökosystem täuschen lassen. Die Einzelkomponenten sind zwar günstig (vom Speicherstick einmal abgesehen), in der Summe kommt jedoch ein stattlicher Betrag zusammen, der über dem Preis einer fix-fertigen NAS-Lösung liegt. Meine Hardware hat immerhin 444 CHF gekostet, während eine kleine NAS für ca. 370 CHF zu haben ist (z.B.: Synology DS220j, 2 x 2TB, WD Red Plus).

Ein Problem meiner alten NAS war, dass sich die Kiste aus Energiespargründen bei Nichtgebrauch schlafen gelegt hat (das hatte ich so eingestellt). Die Folge war, dass ich beim Zugriff (File-Server, Internet-Radio) immer eine Weile warten musste, bis die Synology aufgewacht war. Mit der neuen Lösung erfolgt der Dateizugriff und das Abspielen von Musik ohne jegliche Verzögerung. Auch der Datendurchsatz ist (dank des M2-Sticks) um Welten schneller als mit den lahmen Platten in der Synology-NAS. Wie in den letzten 10 Jahren, hat sich NFS als Protokoll wieder als die schnellste und einfachste Lösung erwiesen.

Der Aufwand und die nötigen Erfahrungen haben sich im Laufe dieses Vorhabens während der 3 Schritte gesteigert:

  1. Hardware auswählen, bestellen und zusammenbauen: sehr einfach, kann jeder
  2. NFS-Server und Client installieren und konfigurieren: mit den richtigen Anleitungen geht das
  3. MPD-Server und Clients installieren und konfigurieren: dafür habe ich am längsten gebraucht

Die Installation des Music-Player-Daemons und der Clients ist eigentlich keine Hexerei; hier liegen die Schwierigkeiten in den Details: wie steuere ich die angeschlossenen Audio-Geräte richtig an? Können die Clients genau das, was ich möchte? Durch das Ausprobieren von verschiedenen Clients findet man irgendwann die beste Lösung für die eigenen Ansprüche.

Im dritten Teil habe ich den Client Ymuse für den Desktop empfohlen. Inzwischen bin ich auf Ario umgestiegen. Da ich sehr viel Internet-Radio höre, ist für mich die Steuerung der Sender wichtig. Obwohl ich Ymuse insgesamt als den besseren Player erachte, gibt es bei einer Playlist mit Radio-Sendern das Problem, dass der Sender-Name während des Abspielens durch den Namen des gespielten Musikstücks ersetzt wird. Somit weiss man nicht mehr, welchen Sender man gerade hört. Ario macht das besser, weil man aus der Playlist einen Sender zur Play-Queue hinzufügt. Auch das ist noch nicht optimal, da man einen Radio-Sender nicht einfach per Doppelklick starten kann. Stattdessen muss der Sender mit der rechten Maustaste in die Queue eingereiht werden.

MPD-Client Ario

Und hier der Ymuse-Screenshot, in dem man den Namen des Radio-Senders beim Abspielen nicht mehr sehen kann:

MPD-Client Ymuse

Einen 'all singing and dancing' Client für MPD gibt es nicht. Die Anwendungen sind meistens recht alt und ungepflegt. Sie fallen dem allgemeinen Trend zu kommerziellen Streaming-Diensten zum Opfer. Dabei ist der Music-Player-Daemon eine sehr gute Lösung um die eigene Musiksammlung zu verwalten und abzuspielen.

Bezüglich der Android-Clients kann ich nicht meckern - meine Empfehlung ist und bleibt M.A.L.P.

Ach ja, da war doch noch was. Selbstverständlich kann der Music-Player-Daemon auch über die Kommandozeile gesteuert werden. Dafür gibt es MPC, den MPD Command Line Client. Ohne viel Gefasel zeige ich hier, wie man über eine SSH-Verbindung zum Raspi Musik abspielen kann:

pi@raspi4:~ $ mpc lsplaylists
Radio
Electro
Chillout
...
pi@raspi4:~ $ mpc playlist Radio
1.FM - Blues Radio (Blues, 192)
1.FM - Chillout Lounge Radio (Lounge, 192)
1.FM - Deep House Radio (House, 192)
...
pi@raspi4:~ $ mpc load Radio
loading: Radio
pi@raspi4:~ $ mpc play
deephouse: Ahmet Kilic - Deep House Summer Mix 6
[playing] #1/18   0:00/0:00 (0%)

In diesem Beispiel zeige ich zuerst die verfügbaren Playlisten an (mpc lsplaylists). Dann zeige ich den Inhalt einer Playlist an (mpc playlist Radio), lade nun eine bestimmte Playlist (mpc load Radio) und spiele den ersten Eintrag in der Liste ab (mpc play). Wie man ein bestimmtes Lied aus der Musiksammlung ansteuert und abspielt, könnt ihr gerne selbst herausfinden; hier steht, wie es geht.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch auf den Terminal-Client ncmpcpp hinweisen, dem ich einen eigenen Artikel gewidmet habe.

Fazit

Mir hat mein Raspi-Projekt sehr viel Spass gemacht und viele Erkenntnisse gebracht. Das Ergebnis ist eine Lösung für die breite Verwendung des Raspberry Pi's, ohne auf Appliances (one trick pony) zurückgreifen zu müssen. Ich kann den Raspi als vollwertigen Computer verwenden, um Filme zu schauen, meine Bilder Galerie anzuzeigen, ich habe einen Ersatz für das NAS und auch eine Musikverwaltung, um meine Konserven und Internet-Radio von allen Endgeräten zu steuern. Wer ähnliche Anwendungsfälle wie ich hat, den möchte ich ermutigen, ein eigenes Raspi-Projekt dieser Art zu starten.