Vom Mikrofon aufnehmen

  Ralf Hersel   Lesezeit: 2 Minuten  🗪 6 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Manchmal gibt es einfache Anforderungen, bei denen man sich wundert, warum es dafür keine Lösungen gibt. Doch bei Linux gibt es für alle Aufgaben eine gute Lösung.

vom mikrofon aufnehmen

Es gibt einfache Anwendungsfälle, bei denen man sich wundert, dass sie unter Linux nicht unterstützt werden. Für alle, denen jetzt schon der Kamm schwillt, möchte ich den ersten Satz präzisieren:

  • Mikrofonaufnahme mit einer GUI-Anwendung, die
  • im GNOME-Desktop läuft
  • keine zeitliche Einschränkungen für die Aufnahmedauer hat
  • und nicht völlig veraltet ist.

Der Auslöser für diesen Beitrag war eine Frage von nelo_cr in unserem HELP-Raum am letzten Freitag:

Suche einen einfachen Soundrecorder. Der alte Audio Recorder läuft mit Pipewire nicht mehr.
Gnome-Sound-Recorder nimmt nur 10 Min auf. Linux Mint 22.2

Ich konnte es kaum glauben, dass es dafür keine Anwendung bei den GNOME Core und Circle Apps gibt. Doch es ist so; zumindest habe ich keine Anwendung gefunden. Dann habe ich bei Flathub.org nach Recording gesucht und nichts gefunden. Es gibt:

Reco

Dieses Flatpak macht genau das, was sich nelo_cr vorgestellt hat. Dazu muss ich nicht mehr schreiben, weil der Screenshot alles sagt:

Alternativen

Wer mehr braucht, kann Audacity verwenden. Wer weniger braucht, kann die Sache durch ein CLI-Kommando erledigen lassen. Dabei ist man nicht von den höheren Weihen abhängig, die da heissen: PulseAudio, Pipewire oder JACK; nein, ALSA im Kernel genügt. Um zu testen, ob es bei euch funktioniert, führt ihr das im Terminal aus:

arecord -d 5 test-mic.wav && aplay test-mic.wav && rm test-mic.wav

Dann labert ihr 5 Sekunden lang in euer Mikrofon und lauscht der automatischen Wiedergabe. Wenn ihr etwas hört, ist alles in Ordnung. Die normale Verwendung dieses Aufnahmebefehls, sieht so aus:

arecord -vv --format=cd aufnahme.wav

Weitere Optionen für diesen Befehl findet ihr hier. Wer häufig die eigene Stimme aufnehmen möchte, kann sich einen Alias einrichten. Diesen richtet ihr in der Konfigurationsdatei eurer Shell ein (.bashrc, .zshrc, usw.):

alias rec='arecord -vv --format=cd --file-type raw | lame -r - aufnahme.mp3'

Somit kann man im Terminal rec eingeben, den Lieblingssong singen und die Aufnahme aus der Datei aufnahme.mp3 abspielen. Ganz verwegene Zeitgenossen schreiben den Befehl in ein Shell-Skript, legen eine Desktop-Datei an und starten diese über eine Tastenkombination, z. B. mit SUPER+r

Zum Abschluss möchte ich auf diesen Artikel hinweisen, der beschreibt, wie man die laufende Audio-Wiedergabe auf dem PC mitschneiden kann, nicht jedoch das Mikrofon. Damit kann man den Ton von Spotify, YouTube oder allem, was man hört, aufnehmen.

Titelbild: https://pixabay.com/illustrations/singer-musician-microphone-studio-8094663/

Quellen: im Text

Tags

Mikrofon, Aufnahme, Audio, Recording

herbert
Geschrieben von herbert am 3. November 2025 um 12:40

Hallo, für so etwas nehme ich krecorder. Ob der unter Gnome läuft kann ich leider nicht beantworten da ich mit Gnome nichts am Hut habe.

Christopher
Geschrieben von Christopher am 3. November 2025 um 22:46

IdR laufen alle KDE Programme unter GNOME und umgekehrt, außer es gibt besondere Anforderungen. Was meistens nicht gut ist: Die Integration in die jeweils andere Umgebung. Da muss man schaun ob es passt.

nelo_cr
Geschrieben von nelo_cr am 3. November 2025 um 16:18

Besten Dank für den Artikel. Das was ich gesucht habe.

The_Raven
Geschrieben von The_Raven am 4. November 2025 um 10:56

Witzig, gerade befasse ich mich auch mit dem aufnehmen von Audio. Ich nehme dazu Audacity und habe folgende Probleme: 1. Der Ton ist extrem dumpf, habe verschiedene Mikrophone versucht aber keines zeichnet einen "hellen" Ton auf. 2. Die Lautstärke ist sehr unterschiedlich. Man muss extrem aufpassen das es genug laut ist aber trotzdem nicht überschlägt. Habe auch versucht es nachträglich zu normalisieren, aber das tönt einfacher als es ist (ha, lustiges Wortspiel!). Falls jemand Tipps dazu hat gerne her damit. :-)

Simon
Geschrieben von Simon am 5. November 2025 um 06:58

Ein Elektret-Mikrofon sollte einen grösseren Frequenzbereich abdecken als ein dynamisches. Der on board Soundblaster ist nicht immer der beste. Es gibt auch Miks mit USB-Anschluss. Wenn die Treiber dafür existieren vermutlich die bessere Lösung. Audacity normalisiert eigentlich ganz gut. Falls die Lautstärke nicht reicht, kannst du nachträglich einen Compressor und oder einen Limiter einsetzen

Denis
Geschrieben von Denis am 5. November 2025 um 02:55

Ich kann deepin-voice-recorder (deepin-voice-note) empfehlen. Es ist jedoch nur in den Repositorys von Debian 11 und Ubuntu 22.04 verfügbar. Ich sehe jedoch, dass es auf GitHub weiterentwickelt wird.

Zum Aufnehmen verwende ich folgenden Befehl:

ffmpeg -f pulse -i alsa_output.pci-0000_00_14.2.analog-stereo.monitor -f pulse -i alsa_input.pci-0000_00_14.2.analog-stereo -c:a libfdk_aac -vbr 5 -map 0:0 -map 1:0 -y record.mka

Er schreibt Mikrofon + Monitor in verschiedene Spuren. Das ist praktisch, um Sprachgespräche in Messengern aufzunehmen.

Ich sehe in Reco die Einstellung, Ton von beiden Quellen aufzunehmen, aber bei mir funktioniert sie nicht.

Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)