Vorgestellt: Einfach Publii-zieren

Mi, 22. Juli 2020, Ralf Hersel

Statische Webseiten-Generatoren (SSG) erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Das liegt an den vielen Vorteilen, den diese Werkzeuge mit sich bringen. Man kann sogar von einer Wiederbelebung dieses Konzepts sprechen, da die lokale Erzeugung von Web-Auftritten vor vielen Jahren einmal gang und gäbe waren. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an Microsoft Frontpage aus den späten 90er Jahren oder selbstgeschriebene HTML-Seiten mit Tapeten-Hintergrund.

Blogger in der Hostentasche

Tempi passati - heute gibt es zahllose Angebote zum Erstellen des eigenen Web-Autritts. Das reicht von kommerziellen Angeboten über den allgegenwärtige Word-Presser, bis zu den selbstkontrollierten Statischen Webseiten-Generatoren. Doch nun zu den Vorteilen der SSGs:

  • Geschwindigkeit - es gibt keine Datenbanken, sondern nur Dateien, die direkt vom Web-Server verarbeitet werden können. Ein CMS-basiertes Caching, kennen die SSGs ebenfalls nicht.
  • Verionskontrolle - da die Dateien, die tatsächlich zur Webseite gehören, lokal erzeugt werden, ist eine Versionskontrolle über Git oder ähnliche VCS kein Problem.
  • Bessere Sicherheit - die grossen Datenbank-basierten und Plugin-überladenen Content Management Systeme (Wordpress und Co.), sind ein beliebtes und ergiebiges Angriffsziel. Bei den puren Dateien eines SSGs, gibt es so gut wie keine Angriffsfläche.
  • Weniger Abhängigkeiten - selbstverständlich benötigt ein SSG-Seite auch einen Web-Serer wie Apache oder NGINX. Abhängigkeiten von PHP, MySQL und anderen Modulen, gibt es jedoch keine.
  • Geringerer Verkehr - aufgrund ihres minimalistischen Konzepts, erzeugen SSGs weniger Netzwerk-Verkehr als die üblichen Content Management- und Blog-Systeme.

Viel Licht und ein wenig Schatten - die Statischen haben auch Nachteile:

  • Keine Echtzeit-Daten - SSG-Seiten sind nicht dynamisch. Daher gibt es keine Daten zur 'most hyped story' oder zum 'am häufigsten gekauften Produkt'.
  • Keine Benutzeroberfläche - Nun ja, es ist der Sinn dieses Artikels, genau das zu widerlegen. In der Regel haben die SSGs kein GUI - ausser Publii.
  • Keine Rückmeldungen - Besucher der Webseite können keine Kommentare geben. Dies würde ein dynamsiche System voraussetzen, was bei SSGs eben nicht vorhanden ist.

Neben den vielen Vorteilen der Statischen Generatoren, haben fast alle ein gemeinsames Problem. Das Web-Design führt zwangsläufig zum Jonglieren mit diversen Dateien, um Inhalte zu schreiben, Strukturen anzupassen und um das Design auf die eigenen Bedürfnisse zurechtzubiegen. Im Reiter-Wald der Editoren verliert man schnell den Überblick. Einen anderen Weg geht hier die Anwendung Publii.

Publii ist eine GPL-3 lizensierte Anwendung für Windows, MacOS und Linux, die neben den Vorteilen der Platzhirsche wie Hugo und Jekyll, der Anwenderin viel mehr Komfort bei der Arbeit bietet. Dafür bringt der Generator eine GUI-Anwendung mit, in der die Inhalte erstellt, das Design angepasst und die Struktur beeinflusst werden kann; all dies sind Dinge, die bei den Klassikern in einer Vielzahl von Dateien gemacht werden müssen. Publii bietet eine gute Balance der Einstellmöglichkeiten; alles Nötige kann beeinflusst werden. Falls es doch einmal etwas mehr sein muss, können auch die Quelldateien verändert werden. Hier unterscheidet die Anwendung klar zwischen Inhalt, Struktur und Design.

Entscheidend für eine gute Webseite sind die angebotenen Design- und Layout-Vorlagen. Da Publii ein relativ junges Projekt ist, gibt es in ihrem Marketplace wenige Vorlagen, von den die meisten etwas kosten. An dieser Stelle muss man einmal tief durchatmen und sich bewusst machen, dass die Erstellug von Vorlagen, eine eigene Industrie ist. Template-Designer entwickeln ihre hübschen Vorlagen nicht nur für ein System, sondern für alle populären CMS- und SSG-Systeme. Das ist möglich, weil die Basis-Technologien alle sehr ähnlich sind.

Publii überzeugt auch bei anderen Aspekten: alternative Themen können per drag-and-drop installiert werden, es gibt eine Vorschau des aktuellen Entwicklungsstands, fertige Webseiten können über 8 verschiedene Methoden auf Web-Server synchronisiert werden und der Umzug einer Web-Seite auf einen anderen PC, erfordert lediglich das Kopieren eines Verzeichnisses. Publii steht auf der Projektseite zum Download für Windows, MacOS und Linux bereit. Für Letzteres werden DEB, RPM und AppImage-Pakete angeboten.

Quelle: https://getpublii.com/