Wird der Raspberry Pi noch gebraucht ?

Do, 22. Dezember 2022, Norbert Rüthers

Das Jahr 2022 neigt sich langsam dem Ende entgegen. Ein Jahr mit vielen grossen und einschneidender Ereignissen.

Von den meisten fast unbemerkt blieb, dass der Raspberry Pi in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen seit seinem Erscheinen feierte. Anfang 2012 kam das erste Modell auf den Markt und löste einen Sturm der Kreativität aus.

Ursprünglich für die Computerbildung englischer Schulkinder gedacht, wurde viel mehr daraus.

Denn was dieses kleine und am Anfang von vielen belächelte Teil auslöste, kam einem Orkan gleich.

Leute, die jahrelang reine Konsumenten waren und keinerlei Einfluss darauf hatten, was und wie ein Computer etwas tat, entdeckten die eigene Kreativität wieder. So etwas hat es seit 80ern des letzten Jahrhunderts, mit den Homecomputern wie C64 nicht mehr gegeben. Eine ganze Maker-Szene entstand im Umfeld des Raspberry Pi. Wenn die Frage aufkam, irgendetwas realisieren zu wollen, stand gleich der Raspberry Pi im Raum und ob man das denn nicht auch mit ihm machen könnte. Und in den meisten Fällen war das auch so.

Seit 2012 sind viele Modelle und Varianten des Raspberry Pi herausgekommen. Tausende von Projekten wurden entwickelt und realisiert. Zuletzt der Zero mit WLAN und der Pico mit WLAN.

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie ist die Verfügbarkeit aller Modelle jedoch reichlich eingeschränkt.

Wenn ein Modell denn mal (kurzzeitig) lieferbar ist, dann zu stark bis unverschämt überhöhten Preisen.

149 € für einen Pi 4 mit 2GB habe ich heute noch gesehen. Wohl dem, der noch Reserven in der Schublade hatte.

Dazu kam, dass die Industrie, die mittlerweile auch Raspberrys z.B. in Form von CM4  Modulen einsetzt, vertragsbedingt bevorzugt beliefert wurde.

Das hat der Raspberry Community durchaus nicht gutgetan. Zumal es über mehr als 2 Jahre dauerte.

Eine Besserung stellt man erst für das zweite Quartal 2023 in Aussicht

Viele sind deshalb inzwischen zu Alternativen wie Odroid, Banana Pi oder anderen gewechselt, wenn diese denn zu bekommen waren. Denn auch die Konkurrenz war von Lieferschwierigkeiten nicht unbetroffen. Aber ein Intel NUC ist eben kein Ersatz für den Pi auch wenn einige Leute das behaupten.

Gründe, die für den Raspberry Pi sprechen:

  • Einstieg in die Linux-Welt und Programmiersprachen
  • Verstehen, wie ein Computer grundlegend funktioniert
  • einfach und praktisch bezogen programmieren lernen
  • Einfachste Möglichkeit, elektronische Projekte zu realisieren
  • Kreative Projekte nach den eigenen Vorstellungen realisieren
  • Mit wenig Energieaufwand Dienste 24/7 bereitzustellen
  • Aktionen über die vorhandenen Ausgänge auszuführen
  • Mit Sensoren auf Ereignisse zu reagieren

In einem Interview gab Ebon Upton von der Raspberry Foundation kürzlich bekannt, dass 2023 wohl kein Raspberry Pi 5 kommen wird. Allenfalls ein Upgrade des Raspberry Pi 4. 2023 soll ein Jahr des Erholens und der Aufarbeitung werden. Das Aufkommen der RISC-V Boards und wie diese Technologie Einfluss auf die künftige Entwicklung haben könnte, spielt in dem Zusammenhang wohl ebenfalls eine Rolle (wie ich vermute).

Es ist auch nicht einfach, denn natürlich will man kompatibel zu bestehenden Projekten und relativ preiswert bleiben, und andererseits sind die Grenzen der verwendeten ARM SOCs fast ausgereizt. Wie auch immer, für die meisten Anwendungsfälle reichen die vorhandenen Modelle. Natürlich wären ein oder mehrere SATA Ports oder auch M2 für NVMe Karten eine sinnvolle Verbesserung, die sich auch viele wünschen.

Manche sagen, dass sich die Raspberry Foundation wieder auf die ursprüngliche Zielgruppe konzentrieren solle und die Industrie hintan anstellen sollte. Dem kann ich grundsätzlich zustimmen, aber lukrative Industrieverträge kann ein Unternehmen nun mal nicht einfach ignorieren.

Ich besitze und nutze seit Jahren auch ein paar der Konkurrenzmodelle, aber das Original liegt mir doch mehr am Herzen. Deshalb  werde ich dem Pi auch treu bleiben. Er ist eben das Original.

Für mich kann die in der Überschrift gestellte Frage nur mit "ja" beantwortet werden.

Quelle: https://www.raspberrypi.com/

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SBC`s, Raspberry Pi, maker, Hobby