Alternativen zu Teams & Co. in Schulen

Mo, 12. Juli 2021, Daniel Schär

"Wir befinden uns im Jahre 2021 n. Chr. Alle Schulen Europas sind von proprietären Kommunikationsplattformen durchdrungen... Ganz Europa? Nein! Einige unbeugsame Enthusiasten hören nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten und kämpfen für Freie Software in der Bildung." 

Mit dieser an die Einleitung der Asterix-Hefte angelehnten Formulierung könnte man den Trend umschreiben, der sich während der Corona-Krise im gesamteuropäischen Raum abzeichnet. Gleichzeitig nimmt die Diskussion um Rechtskonformität und Datenschutzprobleme (siehe heute erschienenen Artikel von golem.de) der Tools von Anbietern wie Microsoft und Zoom auch an Fahrt. 

Einer dieser Akteure, welche sich erfolgreich für den Einsatz von Freier Software an Deutschlands Schulen einsetzen, ist der Verein cyber4EDU, der in Leipzig gegründet wurde. Seine Ziele? Mit durchdachten didaktische Konzepten digitalen Unterricht zu ermöglichen, der als unterhaltsam und zielführend erlebt wird, wobei gleichzeitig der Datenschutz gewährleistet ist (tracking- und analysefrei) und damit Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Technik und im digitalen Raum statt den Umgang mit Produkten beizubringen. 

Der Verein besteht aus PädagogInnen, Eltern, AktivistInnen und Mitgliedern verschiedener Organisationen (FSFE, CCC, Chaos macht Schule) und in Zukunft sollen auch SchülerInnen vertreten sein. Da die Mitglieder in Schulen, Universitäten und IT-Unternehmen tätig sind, verfügen sie über entsprechende Kompetenzen in den Bereichen Datenschutz, IT-Sicherheit, IT-Betrieb und Pädagogik. Nicht nur eine ausführliche Argumentation, warum man Zoom und Microsoft365 nicht in öffentlichen Bildungseinrichtungen verwenden sollte, findet man auf deren Webseite, sondern ebenfalls bietet der Verein gemeinsam mit der infra.run Service GmbH vollständig DSGVO-konforme Videokonferenzen über "BigBlueButton" für Schulen an. Alle Interessierten sind eingeladen, sich jeden dritten Dienstag im Monat an einer auf BigBlueButton-Session einzuloggen und mitzudenken und zu diskutieren.

In der Schweiz gibt es Initiativen, welche dieselben Ziele verfolgen. Als womöglich wichtigstes Beispiel sei an dieser Stelle "Lernen wie die Profis", eine Aktion der FSFE Zürich, genannt, welche letztes Jahr den Dinacon-Award gewonnen hat und worüber wir berichteten. Dort findet man übrigens auch konkrete Beispiele von Schulen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, wo erfolgreich Open-Source-Software eingesetzt wird.  

Initiativen, Know-how, Best-pratice-Beispiele und Software-Lösungen sind also vorhanden. Was heisst das nun? Mike Kuketz bringt es in seinem Blog-Eintrag auf den Punkt: 

"Wir sind alle gefordert: Politik und Gesellschaft! Es muss endlich ein Umdenken in der Digitalpolitik und insbesondere in der Digitalbildung unseres Nachwuchses stattfinden. Nur so werden irgendwann Schüler und Studenten mit Open-Source-Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt ankommen, die nicht von Microsoft und Co. indoktriniert sind. Diese Generation würde frischen Wind in die gelähmte öffentliche Verwaltung und von Microsoft dominierte Unternehmen bringen."

Was kann man als einzelner tun? Nebst der Mitwirkung in Vereinen ist es nötig, auf die einzelnen Institutionen zuzugehen und diese zu sensibilisieren. Dazu findet man z. B. auf der Seite "Lernen wie die Profis" einen Musterbrief, E-Mail oder Flyer, mit dem man sich an seine Schule, Universität oder Schulbehörde wenden kann.

Quelle: https://cyber4edu.org/c4e/wiki/doku.php

Ulf
Geschrieben von Ulf am 17. Juli 2021

Leider fehlt noch ein gut skalierender und ganzheitlicher gesamtheitlicher Ansatz. Insbesondere ist so etwas bscheschehment und weltfremd: https://www.heise.de/news/Ueberwachung-von-Studenten-Datenschuetzer-geht-gegen-Spaehsoftware-vor-6141011.html Heute müsste man Klausuren und Prüfungen für studierende so gestalten wie sie später auch arbeiten werden. Also mit allen Hilfsmitteln die möglich sind, es ist ja das Verständnis und Kreativität gefragt und nicht schnödes wissen.