Audacity: Lautstärke mehrerer Spuren angleichen

  Ralf Hersel   Lesezeit: 4 Minuten  🗪 2 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Eine kleine Anleitung, wie man mehrere Audiodateien auf die gleiche Lautstärke bringt. Das funktioniert mit Audacity und auf der Kommandozeile.

audacity: lautstärke mehrerer spuren angleichen

Gestern kam meine Jüngste mit einer Frage um die Ecke:

Weisst du, ob man bei Audacity die Lautstärke von einem Lied messen und das auf ein zweites Lied anpassen kann? Ich habe nämlich momentan 3 Lieder zusammengeschnitten, die alle eine unterschiedliche Lautstärke haben, und würde das gerne alles auf eine Lautstärke anpassen.

Als ich meine Podcasts noch von Hand abgemischt habe, war das eine häufige Aufgabe. Da das bei Captain it's Wednesday seit Jahren automatisch mit einem selbstgeschriebenen Python-Skript erledigt wird, bin ich ein wenig aus der Übung geraten. Also habe ich mich hingesetzt, zwei Tracks aufgenommen und verschiedene Verfahren ausprobiert. Danach kam mir die Idee, darüber einen Artikel zu schreiben, weil die Angleichung der Lautstärke von mehreren Spuren vielleicht von allgemeinem Interesse ist.

Audacity ist ein beliebter Audio-Editor, jedoch keine DAW (Digital Audio Workstation). Dafür ist Audacity einfacher zu bedienen als eine ausgewachsene DAW, wie z. B. Ardour.

In der ersten Bildschirmaufnahme seht ihr zwei Spuren, die ich zu Testzwecken über das eingebaute Mikrofon meines Notebooks aufgenommen habe. Die obere Spur (Audio_laut) habe ich in normaler Lautstärke eingesprochen; die untere Spur (Audio_leise) ist ein leise gesprochener Text. Um die Spuren über die Wave-Form vergleichbar zu machen, empfiehlt es sich, die Höhe der Spurenfenster gleichzumachen: Menü: Ansicht → Spurgrösse → An Höhe anpassen (oder Shift+Ctrl+F).

Nun beschreibe ich drei Methoden, wie man die Lautstärke der Spuren angleichen kann.

Methode 1: RMS

RMS bedeutet "quadratisches Mittel der Lautstärke". Diesen Messwert findet ihr im Menü: Analyse → Measure RMS. Für die beiden oben dargestellten Spuren sehen die Messwerte so aus:

  • Audio_laut (oben): –17 dB
  • Audio_leise (unten): -19 dB

dB bedeutet Dezibel und ist eine Masseinheit für den Schalldruckpegel und entspricht nicht der gehörten Lautheit. Ausserdem handelt es sich um eine logarithmische Einheit, wodurch eine Veränderung um 10 dB ungefähr einer Verdopplung der Lautheit entspricht.

Die RMS-Messwerte sind dB-Werte im negativen Bereich. Das kann man als Dämpfung ansehen. 0 dB wäre "volle Pulle", während grössere Negativwerte einer höheren Dämpfung entsprechen, also leiser sind. -19 dB sind leiser als -17 dB. Vermutlich haben sich inzwischen alle Tontechniker die Haare ausgerissen, weil ich hier Unsinn schreibe. Egal, weiter geht es.

Mit dem RMS-Wert kann man die beiden Spuren miteinander vergleichen und eine Verstärkung (oder Verminderung) der Lautstärke durchführen, um beide Spuren auf eine ähnliche Lautstärke zu bringen. Dazu verwendet man: Menü: Effekt → Lautstärke und Kompression → Verstärken. Dort wählt man die dB-Zahl aus, um die die zuvor ausgewählte Spur verstärkt werden soll. Diesen Prozess (RMS messen, verstärken, RMS messen, verstärken, usw.) kann man so oft wiederholen, bis die Lautstärke der Spuren übereinstimmt.

Methode 2: Wave-Form

Nun, diese Methode entspricht dem ersten Vorgehen, ohne die RMS-Werte zu messen. Diese Werte hängen stark von den Peaks (Lautstärke-Spitzen) in der Spur ab, wodurch sich Abweichungen von der gehörten Lautstärke ergeben können. Stattdessen kann man sich die Amplituden der Wave-Form ansehen, häufig abhören und mit der Verstärkung oder Verminderung der Lautstärke spielen. Nach meiner Erfahrung erreicht man mit Auge und Ohr eine gute Angleichung der Lautstärken.

Methode 3: LUFS

LUFS heisst "loudness units relative to full scale", also die wahrgenommene Lautstärke, während RMS nur das mathematische Mittel aller Amplituden misst. Beim LUFS versauen Dir einzelne Peaks nicht die Lautstärke der gesamten Spur. Und so geht es:

Man markiert eine Spur und verwendet im Menü: Effekt → Lautstärke und Kompression → Lautheit-Normalisierung. Im Dialogfenster stellt man den LUFS-Wert ein:

Im Beispiel habe ich einen LUFS-Wert von -14 dB gewählt und nacheinander auf beide Spuren angewendet. In der Bildschirmaufnahme seht ihr, dass die durchschnittlichen Amplituden der Wave-Forms in etwa gleich hoch sind. Auch der Hörtest bestätigt den visuellen Eindruck; die beiden Spuren hören sich gleich laut an.

Methode: FFmpeg

Falls ihr keine Lust auf Klicki-Bunti in Audacity habt, könnt ihr die gleichen Effekte auch auf der Kommandozeile mit FFmpeg erledigen:

  • RMS messen: ffmpeg -i audio.flac -filter:a volumedetect -f null /dev/null
    und dann auf den Wert mean_volume schauen.
  • Verstärken: ffmpeg -i input.flac -filter:a "volume=10dB" output.flac (Vermindern mit negativem dB-Wert).
  • Das Anwenden der LUFS-Methode ist mit FFmpeg nicht so einfach, weshalb ich auf diesen Artikel verweise.

Fazit

Die Angleichung (Normalisierung) der gehörten Lautstärke mit Audacity ist kein Hexenwerk. Obwohl man ein wenig ausprobieren muss, erhält man mit wenigen Schritten ein ausreichendes Ergebnis. Dasselbe kann auch auf der Kommandozeile mit FFmpeg erreicht werden. Da diese Erläuterung den Artikel gesprengt hätte, habe ich darauf verzichtet.

Titelbild: selbst

Quellen: im Text

Tags

Audacity, Lautstärke, Normalisierung

David
Geschrieben von David am 25. Februar 2026 um 10:23

An sich umgekehrt. Den Schalldruck könnte man an sich in "gewohnten" Einheiten für Druck etwa in Pascal angeben. Das physiologische Empfinden ist eher logarithmisch https://de.wikipedia.org/wiki/Weber-Fechner-Gesetz. Insofern kommt es dem Empfinden in der Praxis eher näher und spiegelt es. Bei Gewichtsmaßen haben wir üblicherweise keine Dezibelscala. Es fällt uns beispielsweise schwer Gewichte in der kg-Scala zu schätzen.

An sich sollten sich ja gerade bei einem quadratischen Mittelwert über die Amplitude gerade nicht die Peaks massiv auswirken. Man könnte alternativ vielleicht so vorgehen, dass man erst das Dezibelmaß bildet und ŭber das dann anschließend quadratisch mittelt. Und so vergleichbare Werte für die Empfindung findet. Ein Problem bei Podcasts ist sicher auch, dass wenn einer mehr Redezeit insgesamt hat und daher derjenige mit weniger Redezeit bei dem Verfahren dann unverhältnismäßig angehoben wird und zu laut erscheint.

m0nn3
Geschrieben von m0nn3 am 26. Februar 2026 um 09:28

Ich habe früher immer https://sourceforge.net/projects/easymp3gain/ Genutzt, das fand ich als leihe recht bequem.

Wo ich dann ab und zu mit audacity gearbeitet habe, hatte ich es auch damit gemacht.

Vielen Dank für die Tipps!