CachyOS mit Pamac

  Ralf Hersel   Lesezeit: 4 Minuten  🗪 15 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Die Distribution CachyOS ist einfach zu installieren und läuft sehr schnell. Bei der Paketverwaltung gibt es Licht und Schatten. Hier lest ihr, wie es besser geht.

cachyos mit pamac

Wer hier regelmässig mitliest, weiss, dass ich CachyOS auf einem alten i5-Notebook zu Testzwecken installiert habe. Mit dieser Arch-basierten Distribution haben wir uns bereits in mehreren Artikeln beschäftigt. Dafür gab es mehrere Gründe:

  • Interesse am Distro-Hopping
  • Eine Alternative für Manjaro finden (falls das überhaupt nötig ist)
  • Wie gut eignen sich Arch-basierte Distros für Einsteiger und Fortschrittene?
  • Ist CachyOS sauschnell? Ja, ist es!

Mein besonderes Interesse galt der Paketverwaltung bei den Arch-Ablegern, weil ich das bisher als Manko empfunden habe. Was nützt mir ein optimierter Kernel und auf Leistung kompilierte Pakete, wenn die Paketverwaltung ein Krampf ist? Ich möchte betonen, dass es mir nicht um die Arch-Profis geht, die alle Pacman-Befehle im Schlaf aufsagen können, sondern um die durchschnittlichen Anwender:innen.

Wie ihr hier nachlesen könnt, ist die Installation von CachyOS dank des Calamares-Installers sehr einfach. Generell gilt das für alle Arch-Derivate, also auch für EndeavourOS, Manjaro und für Arch selbst, dank des neuen Arch-Installers 4.0. CachyOS überzeugt nicht nur mit seiner einfachen Installation und der Geschwindigkeit, sondern auch durch die Welcome-Anwendung, die eine gute Einführung in die Distribution und ihre Systemwerkzeuge bietet.

Womit CachyOS, EndearvourOS und Arch Linux gar nicht überzeugen, ist das Paketmanagement. Was heisst das:

  • Unterstützung von verschiedenen Paketformaten in einer Anwendung
  • Präsentation der verfügbaren Anwendungen
  • Installation und Deinstallation von Anwendungen
  • Information über Updates
  • Durchführen der Updates

Die oben genannten Distributionen bieten ein halbgares Sammelsurium von verschiedenen Werkzeugen, die dem heutigen Anspruch an eine Paketverwaltung nicht gerecht werden. Bei CachyOS gibt es eine Update-Benachrichtigung, die mir grundsätzlich gut gefällt:

Diese Benachrichtigung ist standardmässig aktiviert in der Welcome-App "CachyOS Hello" und dort unter "Apps/Tweaks" bei "Cachy Update aktivieren". Dahinter steckt die Datei "arch-update-tray.desktop" im Ordner "~/.config/autostart". Leider fehlt bei CachyOS die Liebe zur Desktop-Umgebung. Wie ihr seht, habe ich mich bei der Installation für den GNOME-Desktop entschieden. Wie ihr vielleicht wisst, unterdrückt GNOME Systray-Icons, weshalb ihr zwar eine Benachrichtigung über anstehende Updates erhaltet, aber nichts damit machen könnt. Die Benachrichtigung erscheint und ist gleich wieder weg.

Um das zurechtzurücken, sind zwei Aktionen notwendig, auf die man nicht ohne mittlere Kenntnisse kommt:

  1. Den richtigen Erweiterungs-Manager installieren (den blauen, nicht den grünen)
  2. Die Erweiterung AppIndicator and KStatusNotifierItem Support installieren

Danach erscheint das Icon für den Cachy-Updater im Systray. Dort werden anstehende Updates aufgeführt, die man mit "Nach Updates suchen" aktualisieren kann. Mit einem Klick auf "Cachy-Update ausführen" rennt ein Skript im Terminal los:

Der Cachy-Updater kümmert sich nur um die nativen Pakete aus den Cachy-Repositories, welche auf den Arch-Repositories aufbauen. Wer zusätzlich Flatpaks, Snaps oder AppImages verwendet, darf hier nichts erwarten. Und nein, ich möchte jetzt nicht diskutieren, ob zusätzliche Paketformate sinnvoll sind.

In der vergangenen Woche habe ich Shelly als Paketmanager für CachyOS vorgeschlagen. Was zunächst gut aussah, möchte ich jetzt nicht mehr empfehlen. Der Grund dafür liegt nicht in der Funktionalität, sondern in einem Darstellungsfehler, den ich erst seit heute bemerke:

Das Shelly-Fenster lässt sich (horizontal) nicht skalieren, weshalb es rechts und links über den Desktop hinausragt. Generell verhält sich die Shelly-Anwendung bockig, wenn es um die Fenstergrösse geht. Daher: "sudo pacman -R shelly", um Shelly zu entfernen.

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Wie ihr wisst, halte ich Manjaros Pamac für den besten Paketmanager für Arch-basierte Distributionen, wenn es um die Erfüllung der ganz oben genannten Kriterien geht. Bisher dachte ich, dass die Installation von Pamac unter Arch-Derivaten nur über das AUR-Paket möglich ist, was ich nie verstanden habe. Ich vermeide AUR-Pakete so gut wie möglich, sind sie doch ein Hauptgrund für Probleme, die man bei Arch haben kann. Ein AUR-Paket ist nicht besser als eine Windows-EXE, die man von irgendwo herunterlädt und installiert.

CachyOS verwendet nicht die originalen Arch-Repositories, sondern pflegt eigene Kopien mit rekompilierten und zusätzlichen Paketen, ähnlich wie bei Manjaro. Zu meiner Überraschung ist Pamac in den Cachy-Repos enthalten, weshalb man es ganz einfach mit "sudo pacman -S pamac" installieren kann.

Wie gut das funktioniert, kann ich noch nicht sagen. Nach einem Neustart meldet der Cachy-Updater sogleich ein neues Paket, während Pamac noch nichts davon weiss. Ich werde die Sache weiterhin beobachten. Wie gut ein Paketmanager funktioniert, kann man erst nach ein paar Wochen sagen. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Fazit

CachyOS ist einfach zu installieren, ist sehr schnell und hat Defizite bei der benutzerfreundlichen Paketverwaltung. Der Cachy-Updater funktioniert grundsätzlich gut, falls man ihn an die Desktop-Umgebung angepasst hat, damit er überhaupt läuft. Als vollständige Paketverwaltung lässt sich Pamac nativ (ohne AUR) installieren. Ob und wie gut dieses Zusammenspiel im täglichen Einsatz funktioniert, wird sich zeigen. Ich bin zuversichtlich.

Doch was sich auch zeigt, ist, dass eine technisch tolle Distribution, noch lange keine benutzerfreundliche Distribution ist.

Titelbild: Eigener Screenshot und https://cachyos.org/_astro/logo.DuMERIP6_1ySvN2.svg

Quellen: im Text

Tags

CachyOS, Pamac, Paketverwaltung

T
Geschrieben von T am 6. April 2026 um 09:09

Frage an den Tester: Wie definiert sich denn „schnell“. Hab das schon öfters gelesen aber was ist schnell? Einfach weil aktuelle Treiber geliefert werden? Ist Desktop schnell? Gaming schnell. Grüße T

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 6. April 2026 um 18:00

Gemessen habe ich das nicht, sondern gefühlt im Vergleich zu meinem stärkeren Notebook mit Manjaro. Boot-Zeit, Start-Zeit von Anwendungen, ...

Fofelolixox
Geschrieben von Fofelolixox am 6. April 2026 um 19:39

Das frag’ ich mich bei CashyOS auch immer, wenn mal wieder von der Geschwindigkeit die Rede ist. Ich bin vor ein paar Wochen auf einem Thinkpad T490 auf Arch mit Zen-Kernel umgestiegen, seitdem kennt das Teil im normalen Desktop Betrieb mit Surfen und Office keine Wartezeiten mehr …

Tobi
Geschrieben von Tobi am 6. April 2026 um 13:26

CachyOS und auch EndeavourOS leben vom Hype, der ums sie gemacht wird. Die Geschwindigkeitsvorteile, die CachyOS zu bieten hat, liegen alle mehr oder weniger im homöopathischen Bereich. Meines Erachtens ist es die Menge an Zusatzarbeit nicht wert. Diese sollte besser in die Weiterentwicklung der Distribution gesteckt werden. EndeavourOS punktet in erster Linie mit seiner stylischen Oberfläche. Ansonsten tut sich da nicht viel.

Nicht, dass ich sagen möchte diese Distributionen seien schlecht, ganz im Gegenteil. Aber es gibt noch mehr da draussen. Garuda Linux z.B. ist erheblich weiter was gerade für Windows Umsteiger wichtige Klick-Tools angeht. Es ist fast vollständig ohne eigenen Terminalaufruf benutzbar. Ich möchte keine Werbung machen, aber wenn man schon solche Vergleiche startet sollte man sich Garuda definitiv mal ansehen.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 6. April 2026 um 18:01

Danke für den Hinweis, Tobi. Garuda schaue ich mir gerne auch mal an.

Jürgen
Geschrieben von Jürgen am 7. April 2026 um 00:28

Homöopathisch würde ich es vielleicht nicht bezeichnen, aber ich denke die Vorteil ist wahrscheinlich erst bei Games zu sehen. Im Alltag gibt es wohl weniger Vorteile.

Rudolf
Geschrieben von Rudolf am 6. April 2026 um 21:29

Das man heute verschiedene Wege zur Aktualisierung von Programmen gehen muss, kann doch nicht State-Of-TheArt sein. Als Benutzer von Linux Mint (Cinnamon Edition) läuft bei mir standardmässig eine "Aktualisierungsverwaltung". Das Ding selbst heißt wohl "mintUpdate". Jedenfalls kommen dort alle Benachrichtigungen zu Systemupdates rein aber ganz genau gleich ebenso zu allen Flatpaks. Die lassen sich dann gemeinsam in einem Rutsch aktualisieren. Man hat die Option Updates automatisiert durchlaufen zu lassen ... Bislang ist das ja DIE Lösung für Opa & Oma (also Familienangehörige ohne großen Computerbezug) und ich frage mich langsam ob das nicht besser ein fester Standard sein sollte - unabhängig von der Installationsart der Pakete.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 6. April 2026 um 22:37

Das ist mein Reden. Und das hat nichts mit Profi oder Anfänger zu tun. Eine formatübergreifende Paketverwaltung sollte bei allen Distributionen eine Selbstverständlichkeit sein.

Tobi
Geschrieben von Tobi am 7. April 2026 um 17:19

Eine formatübergreifende Paketverwaltung wäre natürlich wünschenswert. Das wird aber durch die "Freiheit" in Linux - jeder kann tun und lassen was er will und wenn ihm etwas nicht gefällt, strickt er im Zweifel seine eigene Distro - unmöglich gemacht. Ich nutze nun mehr als 15 Jahre ausschliesslich Linux und FreeBSD und ich habe mich oft gefragt, was alles möglich wäre, würden die besten Köpfe dieser unzähligen Distros mal alle an einem Strang ziehen. Ich denke Windows auf dem Desktop wäre schon lange Geschichte.

Diese von Machern und Nutzern immer wieder erwähnte große Linux Gemeinschaft hat im Prinzip nur eines gemeinsam, das Linux im Namen. Ansonsten fragmentiert alles immer weiter. Während bei kommerziellen Systemen, egal ob Windows, Mac oder Linux, der Profit und nicht der Nutzer im Vordergrund steht, ist es bei Distributionen, die nicht von großen Konzernen geleitet oder unterstützt werden, halt das eigene Ding etwas so umzusetzen, wie es der eigenen Philosophie entspricht. Aber eben auch nicht primär der Nutzer.

Distributionen wie Garuda Linux oder auch CachyOS sind meines Erachtens durchaus Meilensteine in der Geschichte von Arch Linux. Es ist für Umsteiger endlich möglich (fast) alles per Klick zu erledigen. Die lange Zeit vorhandene, unterschwellige Arroganz (erkennbar an Dingen wie btw... ich nutze Arch, wenn du es nicht hinkriegst bist du entweder zu doof oder zu faul) scheint zumindest bei einigen Distributionen der Erkenntnis zu weichen, dass die Gründe, warum es jemand nicht selbst hinkriegt eben nicht so einfach gestrickt, sondern vielfältig sind. Viele nutzen ihren Rechner nur als Werkzeug, zum Arbeiten oder zum Zocken und nicht als Spielwiese für Nerds oder haben schlicht nicht die Zeit sich stundenlang mit einem von vielen nötigen Konfigurationsschritten zu befassen.

Dank Valve ist nun auch das Gaming unter Linux soweit vorangeschritten, dass Linux nicht nur eine Alternative zu Windows ist, sondern es, bis auf ganz wenige Ausnahmen, sogar in den Schatten stellt. Ich bin gespannt, was Linux die nächsten Jahre hervorbringen wird. Aber es wird wohl (m)ein Wuschtraum bleiben, dass man sich mal auf umfassende Standards einigt. Ja, es gibt ein paar Ansätze wie Flatpak, Snaps & Co, aber überzeugend sind die für mich nicht.

Manu
Geschrieben von Manu am 8. April 2026 um 16:49

Ich denke gerade die Fragmentierung (oder besser: Vielfalt) ist eine Stärke von Linux. Für jedes Problem gibt es eine Lösung, es ist wahnsinnig individuell anpassbar. Es wird nicht alles auf die eine Lösung gesetzt, die dann scheitern kann. Natürlich kann das für Neulinge abschreckend wirken - daher ist es gut, wenn es große Einsteigerfreundliche Distros, wie Linux Mint gibt. Bin auch gespannt, was die Zukunft für Linux bringt.

Tobi
Geschrieben von Tobi am 10. April 2026 um 16:22

Ich möchte Fragmentierung in diesem Zusammenhang nicht mit Vielfalt gleichsetzen. Mir ging es vornehmlich um die Fragmentierung von Ressourcen und Manpower.

Reto
Geschrieben von Reto am 8. April 2026 um 18:54

"Eine formatübergreifende Paketverwaltung wäre natürlich wünschenswert. Das wird aber durch die "Freiheit" in Linux - jeder kann tun und lassen was er will und wenn ihm etwas nicht gefällt, strickt er im Zweifel seine eigene Distro - unmöglich gemacht."

Die unmögliche übergreifende Paketverwaltung gibt es schon: Nix! Also das ist kein Wortspiel, der Paketmanager heißt wirklich so :) Ich schreibe da die nächsten zwei Wochen mal was dazu ...

Tobi
Geschrieben von Tobi am 9. April 2026 um 18:00

Den kenne ich natürlich. Von daher war das "unmöglich" wohl etwas übertrieben ausgedrückt. Ich bin gespannt, was du darüber zu berichten weisst.

Christopher
Geschrieben von Christopher am 6. April 2026 um 22:57

Ich lausche der Diskussion schon eine ganze Weile. Als Debian User bin ich beim Thema Paketverwaltung ein wenig verwöhnt😁. Allerdings, auch da habe ich meine Erfahrungen sammeln dürfen. Synaptic, Aptitude, GNOME Softwareverwaltung, ...ja, ich mixe ein wenig. Am Ende geht es aber darum die Pakete (*.deb) auf die eine oder andere Art zu managen. Wenn man unter Debian gewisse Spielregeln einhält (Fremdquellen, verschiedene Sourcen mixen, ...), dann funktioniert das hervorragend. Nachdem ich meine Erfahrungen gesammelt habe und daraus lernen durfte, komme ich seit Jahrzehnten hervorragend zurecht und kann mir nichts anderes und besseres vorstellen (ich weiß, auch hier ist nicht alles Gold was glänzt🤓). Besser geht immer, aber so ist es schon sehr gut👍. Danke liebes Debian Team🤗

kamome
Geschrieben von kamome am 18. April 2026 um 14:26

> Ein AUR-Paket ist nicht besser als eine Windows-EXE, die man von irgendwo herunterlädt und installiert.

Großer Einspruch (von einem Nich-Arch-Nutzer): Kommt Deine Windows-Exe auch mit einem PKGBUILD?!