Die haben doch alle WhatsApp!

Fr, 20. November 2020, Ralf Hersel

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Soziales Verhalten beruht auf Kommunikation. Die Kommunikation hat sich im letzten Jahrzehnt grundlegend geändert. Direkte Kontakte, persönliche Gespräche, Briefe und Telefonate haben abgenommen, wohingegen die schnelle Kommunikation mittels Messenger mittlerweile zum bevorzugten Medium gewachsen ist. Der 'Krieg der Messenger' hat mit dem Oligopol von WhatsApp zugenommen. Es geht dabei um die Beherrschung des Kommunikationsmarktes und damit auch um die Technisierung des Menschen als sozialen Wesens.

Die Marktmacht der grossen Anbieter von modernen Kommunikationslösungen, wie Mark Zuckerberg mit Facebook und WhatsApp, hat zu einer Zentralisierung des sozialen Austauschs geführt. Solche Dienste haben zu einer Einbahnstrasse in der Kommunikation geführt. Wenn alle Freunde und Bekannte über einen Kanal miteinander sprechen, bist du ausgeschlossen, wenn du nicht denselben Kanal verwendest. Damit werden Menschen ihrer Freiheit beraubt, das Medium für den persönlichen Austausch zu wählen, weil sie den Ausschluss fürchten.

Wir sind hier alle bei WhatsApp. Das ist so bequem; Tante Erna weiss auch wie es geht. Komm doch auch zu WhatsApp, wenn du mit uns reden möchtest.

Hält man sich nicht an die etablierten Kommunikationsmodelle, läuft man Gefahr, aus Gemeinschaften ausgeschlossen zu werden. Die Verbreitung und Bequemlichkeit siegt über den eigentlichen Sinn von Kommunikation, nämlich dem Bedürfnis, sich mit seinen Mitmenschen austauschen zu können, ohne durch Technik bevormundet zu werden. Konzerne dürfen nicht darüber entscheiden, mit wem ich mich austauschen möchte.

Die Lösung für dieses künstlich geschaffene Problem, liegt im Vertrauen in einen selbst und im Vertrauen auf die sozialen Bindungen, die uns wichtig sind. Hier sind die Strategien, um die Oberhand über die eigene Kommunikation zu bewahren oder wiederzuerlangen.

1. Räume öffnen

Zum Glück ist es der Firma Facebook nicht gänzlich gelungen ein Monopol zu schaffen. Je länger, desto mehr, gewinnen andere Messenger an Bedeutung: Signal, Telegram, Threema, Matrix, XMPP und viele Weitere. Viele Menschen haben sich daran gewöhnt, mehrere Messenger zu verwenden. Das ist ein wichtiger Schritt, um aus der Blase auszubrechen. Mache deinen Freunden klar, dass Vielfalt besser ist, als das engstirnige Beharren auf WhatsApp-only.

Heute nutzt man mehrere Messenger, um mit allen Gruppen reden zu können. Wenn du den Messenger XY installierst, kannst du mit mir kommunizieren.


2. Aufklären - nicht überreden

Vielen, nicht Technik-affinen Bekannten, sind die für die Sicherheit und Privatsphäre relevanten Hintergründe der Messenger nicht bekannt oder gleichgültig. Hier kann es helfen die wesentlichen Aspekte zu erklären, die da wären:

  • Offenlegen des eigenen Adressbuchs in WhatsApp-Gruppen, ist nicht legal.
  • Sinn der Verschlüsselung und Verständnis für den Mehraufwand schaffen.
  • Zentrale Datenhaltung im Gegensatz zu dezentralen, bzw. föderierten Systemen erklären.
  • Messenger-Clients, die gleichzeitig auf mehreren Geräten laufen können, sind ein Vorteil.

Wie wichtig ist es dir, dass deine Daten nicht zu Werbezwecken und Profilbildung missbraucht werden? Andere Messenger bieten dir Vorteile und bewahren deine Privatsphäre.


3. Freundschaft siegt über Technik

Wer sich der Vielfalt der Messenger entzieht, muss sich fragen lassen, was ihm wichtiger ist: der Kontakt zu einem Familienmitglied, einer Freundin oder eines Bekannten, oder das Beharren auf technischen Einbahnstrassen. Die Installation eines weiteren Messengers kostet (meist) nur ein paar Minuten, ist aber entscheidend für das Aufrechterhalten von Beziehungen. Hartnäckigen Zeitgenossen kann man vor die Wahl stellen:

Wenn Dir unsere Beziehung etwas wert ist, kannst Du mich gerne über Messenger A, B und C erreichen; aber nicht über WhatsApp!

Etwas Mut und Überzeugungswillen kann Beziehungen und Freundschaften retten.