Distributionen ausprobieren mit DistroSea

  Ralf Hersel   Lesezeit: 5 Minuten  🗪 2 Kommentare

Der Service erlaubt es, viele GNU/Linux-Distributionen im Web-Browser auszuprobieren.

distributionen ausprobieren mit distrosea

Die meisten GNU/Linux-Distributionen machen es Interessierten einfach, einen Blick darauf zu werfen: ISO-Datei herunterladen, eine virtuelle Maschine starten und schon kann man eine neuen Distro ausprobieren. Wer es noch einfacher mag, kann auf gehostete Distributionen zurückgreifen. Bis vor einem Jahr war das bei distrotest.net möglich. Nun gibt es ein neues One-Trick-Pony namens DistroSea. Auch hierbei handelt es sich um eine one-man-show mit sehr begrenzten Ressourcen.

Wer das gute Angebot nutzen möchte, sollte sich beeilen. Ich gehe davon aus, dass dieser neue Spielplatz für Distro-Hopper in Kürze auch wieder verschwinden wird. So gut die Idee ist, so schlecht ist das Geschäftsmodell dahinter. Keine Werbung, keine Gebühren, nur Spenden, unendliche Serverkosten - wie soll das nachhaltig funktionieren? Nun gut, freuen wir uns kurzfristig über den Service von u/basilky, von dem/der nicht mehr bekannt ist, als sein Reddit-Account.

Die Seite https://distrosea.com/ ist sehr übersichtlich und für jede:n verständlich. Neben der Präsentation der Distro-Logos gibt es einen Button zum Spenden und für die Kontaktaufnahme via E-Mail. Ausserdem kann man zwischen einem dunklen und hellen Thema umschalten. Natürlich kann man nach Distributionen suchen.

Aktuell bietet DistroSea 39 Distributionen zum Testen an. Darunter finden sich die üblichen Verdächtigen, aber auch weniger bekannte Distributionen wie das neue CachyOS, FreeDOS, TrueNAS Core, sowie unerwartete Distros wie Alpine, ArchCraft, Mageia, RebornOS, Slackware und Solus.

Zum Ausprobieren klickt man das gewünschte Logo an. Daraufhin öffnet sich manchmal eine Unterauswahl, in der man die Version oder die Desktop-Umgebung auswählen kann. Dann kann man die Distro-Virtualisierung starten oder landet in einer Warteschlange. Bei meinen Versuchen musste ich jeweils nur ein paar Sekunden warten, bis ich an der Reihe war. Als negatives Beispiel möchte ich CachyOS präsentieren. Nach dem Klick auf das Logo erhält man diese Auswahl:

Ich habe mich für die GNOME-Version entschieden. So geht es weiter:

Danach gibt es mehrere Möglichkeiten: entweder man erhält eine Fehlermeldung, oder wird in eine Warteschlange eingereiht, oder kann gleich loslegen (falls man nicht zu lange mit dem Start zögert):

Wenn es dann endlich losgeht, befindet man sich in derselben Situation, als hätte man ein ISO-Image in einer virtuellen Maschine auf der eigenen Hardware gestartet. Der Webbrowser schaltet in den Fullscreen-Modus und der Bootprozess der ausgewählten Distro startet. In den Fällen, die ich getestet habe, funktionierte das einwandfrei. Nicht so bei CachyOS:

Das hat jedoch nichts mit DistroSea zu tun; auch unter anderen Bedingungen ist es mir noch nie gelungen, CachyOS zu starten. Um diesen Artikel nicht mit dem Cachy-Fail zu beenden, starte ich eine einfache Distribution, nämlich Zorin OS in der Version 15 Core 64. Nach dem normalen Booten landet man im Live-System:

Die Bedienbarkeit hängt von der Netzwerk-Bandbreite und der Belastung des (ja, es ist nur einer) DistroSea-Servers ab. Nach meiner Erfahrung ist die Flüssigkeit der Bedienung um einiges schlechter, als bei einer lokalen Installation in einer VM. Es reicht jedoch aus, um sich einen ersten Eindruck von der Distribution zu schaffen.

Es ist zu hoffen, dass u/basilky Sponsoren und Spender von seiner Distro-Hopping-Plattform überzeugen kann. Für die Community ist dieser Service eine Bereicherung, da er gerade für Einsteiger eine einfache Möglichkeit bietet, die Tür zu verschiedenen GNU/Linux-Distributionen zu öffnen.

Ich persönlich halte das Ausprobieren einer ISO in einer lokalen VM dennoch für die bessere Wahl, obwohl es ein klein wenig aufwändiger ist.

Quelle: https://distrosea.com/

Tags

Distributionen, Distro, testen, ausprobieren, DistroTest

tux.
Geschrieben von tux. am 10. Mai 2023 um 13:27

FreeDOS ist KEINE Linuxdistribution. Es sind also nur 38.

Patrick
Geschrieben von Patrick am 10. Mai 2023 um 17:12

Lobenswerte Arbeit, bei einigen Distributionen gibt es aber keine Live-Versionen, sondern man landet im Installer. Da könnte noch nachgebessert werden.