Don't follow the Leader

Fr, 7. Mai 2021, Lioh Möller

Charakterköpfe gab es in der Freien Software Szene immer schon. Sei es Richard Stallman (RMS), Lennart Poettering oder Bruce Perens um nur einige Beispiele zu nennen. Oftmals begleitet die Aura dieser Führungspersönlichkeiten eine gewisse Überheblichkeit.

Auch Firmen wie Red Hat oder Oracle haben dies verinnerlicht und repräsentieren diese elitäre Haltung auch nach aussen. Sei es bewusst oder unbewusst.

Um einige Beispiele zu nennen: Red Hat sah und sieht sich oft als technologisch überlegenes Unternehmen und geht dabei auch über Leichen. So erinnere ich mich gut an Zeiten als Red Hat noch den Xen-Hypervisor gehyped hat. Kurze Zeit später konnten sie mit kvm eine eigene Lösung präsentieren und schnell mochte sich beim Unternehmen niemand mehr an Xen erinnern. Ähnlich ging es mit vielen weiteren Projekten wie zum Beispiel Puppet vs. Ansible oder aktuell Docker vs. Podman.

Möglicherweise sind die angebotenen Lösungen tatsächlich technisch überlegen, doch alleine das ist nicht ausreichend.

Insbesondere das Beispiel Docker zeigt deutlich, dass mehr dazu gehört als ein technisch besseres Produkt. Ein gesundes Ökosystem und ein freundlicher Umgang miteinander zählen oft viel mehr und binden Nutzer sowie Entwickler langfristig an ein Projekt.

Denn letztendlich braucht es wahrscheinlich weniger Führungspersönlichkeiten und erst recht kein überhebliches Gehabe, sondern mehr Zusammenarbeit und gegenseitigen Respekt.

Die oftmals gepflegte Meritokratie funktioniert nur, wenn sich daraus keine Eliten abbilden und eine offene Community mit gelebter Willkommenskultur gepflegt wird.

Pott
Geschrieben von Pott am 7. Mai 2021

Von Unterlegenen wird Überlegenheit nicht selten mit Arroganz verwechselt.

Patrick Sternfisch
Geschrieben von Patrick Sternfisch am 7. Mai 2021

Zu diesem oft gehörten... ähem, ...Argument bringe ich gerne einen genau so oft genutzten Widerspruch: Oftmals ist das, was wie Arroganz wirkt, auch schlichtweg Arroganz ;-)

papanito
Geschrieben von papanito am 7. Mai 2021

Du sprichst mir aus dem Herzen, ich sehe das genau so wie du

harrruhr
Geschrieben von harrruhr am 7. Mai 2021

RedHat gehört ja inzwischen zu IBM, die aber keine minder arrogante Vergangenheit haben. Und es stimmt: eine arrogante Haltung - Stichwort 1337 - ist nicht förderlich für eine Community. Sie funktioniert nur so lange, wie die Community tatsächlich nur"unter sich" bleiben möchte. Und diese Haltung gibt es ja durchaus in einigen Kreisen.

Allerdings sehe ich es auch so, dass ein technisch besseres Produkt auch eine entscheidende Rolle spielt. Die freundlichste Community nützt nichts, wenn die Lösung nichts taugt. Wobei die Definition von "besser", zumindest teilweise, sehr subjektiv gehalten ist. Einige machen "besser" an der Menge der Features fest, andere an der Einsteigerfreundlichkeit und Bequemlichkeit und dritte daran, dass die Lösung ressourcenschonend und schlank ist (wozu ich auch gehöre).