Dosenfutter oder Gourmetküche

Fr, 6. November 2020, Lioh Möller

Wer erinnert sich noch an das MS-DOS Betriebssystem? Die ersten Versionen wurden bereits zu Beginn der 80er Jahre angeboten und läuteten damit eine neue Ära von Betriebssystemen ein. Diskette einstecken, das System starten und los ging es. Fix und fertig serviert wie aus der DOSe. MS-DOS war tatsächlich noch sehr anpassbar und gewann nicht nur aufgrund dessen schnell eine stetig wachsende Nutzerzahl. Dieser Tradition folgend, entstanden erste Versionen von Microsoft Windows, die noch aus DOS heraus gestartet wurden, gefolgt von den vielen Windows Versionen die wir bis heute kennenlernen durften.

Parallel dazu entwickelte Apple Mac OS, welches allerdings erst mit der Version Mac OS X richtig an Fahrt aufnahm. Ähnlich wie Microsoft bot Apple schon damals ein gut vorkonfiguriertes Betriebssystem an, welches man einfach direkt nutzen konnte. Technische Details wurden bei beiden Plattformen so gut es eben ging versteckt, mit Statusbalken überlegt oder ganz ausgeblendet. Über Umwege fanden ambitionierte Anwender dennoch den Weg in tiefere Schichten des Systems, wenn auch nicht vollständig.

Diese Art von Betriebssystemen lässt sich gut mit Dosen- oder Tiefkühlkost vergleichen. Vorgekocht und meist etwas geschmacksneutral. Verfeinern lassen sie sich mit anderen Zutaten, doch wirklich frisch schmeckt es eigentlich nie. Der Markt ist heiss umkämpft und so bietet heutzutage nicht nur Jamie Oliver Tiefkühlprodukte an, sondern auch Hersteller wie Google versuchen mit alternativen Rezepten Fuss zu fassen.

Bereits in den frühen 90er Jahren fand sich eine Gruppe von engagierten Gourmetköchen zusammen und versuchte eine Alternative zu schaffen. Durch den Austausch der Rezepte und die vollständige Transparenz gelang es auch Laien diese zu Hause nachzukochen. Gemeint ist das Freie Betriebssystem GNU/Linux, welches in der Regel nur aus frischen Zutaten besteht (Zugegebenermassen sind auch ein paar getrocknete Kräuter dabei).

Eine engagierte Gemeinde feilt seit dem stetig an immer neuen und besseren Rezepten. So sind vollständig andere, bisher unbekannte Ansätze entstanden, wie beispielsweise sogenannte Tiling Windowmanager oder GNOME welches minimalistisch versucht den guten Geschmack auf den Punkt zu bringen. Doch auch für Freunde der traditionellen Küche ist einiges dabei.

Möglich ist dies nur durch eine engagierte Community, die viele Freiräume für Kreativität bietet. Wir freuen uns in jedem Fall auf viele neue spannende Rezepte. Frisch schmeckt es doch eben einfach besser.

Mein persönliches Rezept findet man hier.

PS: ein Stück Pizza darf es natürlich auch ab und an sein. Am besten selbst gemacht.