Erfahrungsbericht Manjaro 21 mit GNOME 40

Do, 6. Mai 2021, Ralf Hersel

Hinweis: das ist ein Meinungsartikel.

Nachdem ich neulich über meine Erfahrungen mit Fedora 34 berichtet habe, gebe ich heute Manjaro 21.0.3 eine letzte Chance. Die Bedenken bezüglich einer halb-stabilen Rolling-Release-Distribution habe ich immer noch, aber Manjaro hat mich in den letzten Monaten fasziniert und lässt mich einfach nicht los. Das aktuelle Manjaro mit dem GNOME-Desktop implementiert GTK 40, jedoch nicht die 40er GNOME-Shell. Wayland ist auch bei Manjaro die Standardeinstellung. Schauen wir mal, was die aktuelle Rolling-Version zu bieten hat.

Manjaro basiert auf der Arch-Linux Distribution und bringt damit ein Füllhorn an Paketen und Hilfe-Informationen für Anfänger und Fortgeschrittene mit sich. Ein Blick in das Arch-Wiki lässt eure Augen leuchten.

Arch Linux ist eine AMD64-optimierte Linux-Distribution mit Rolling Releases, deren Entwicklerteam dem KISS-Prinzip („keep it simple, stupid“) folgt. Zugunsten der Einfachheit wird auf grafische Installations- und Konfigurationshilfen verzichtet. Aufgrund dieses minimalistischen Ansatzes ist Arch Linux als Distribution für fortgeschrittene Benutzer zu sehen. Arch Linux wurde Anfang 2001 von Judd Vinet eingeführt, inspiriert von Crux und BSD.

Arch und Crux klingt sehr nach 'die hard', was aber nicht für Manjaro gilt. Diese Distribution hat sich in den letzten Jahren zu "Everybody's Darling" und zum potenziellen Ubuntu-Nachfolger gemausert. Die Installation gelingt jederfrau und die Abstimmung der Konfiguration ist das wahre Geheimnis von Philip Müller und seiner Crew.

Für meine Tests habe ich die Distribution zuerst in einer virtuellen Maschine (GNOME Boxes) und dann auf Alteisen (einem 10 Jahre alten Tuxedo i3 Notebook) installiert. Alle Erfahrungen beziehen sich auf die letztgenannte Installation. Ausserdem habe ich mich bei diesem Erfahrungsbericht nur auf bekannte Problemfälle konzentriert, die mir bei anderen Distros (insbesondere Ubuntu und Fedora) auch aufgefallen sind. Die vielen positiven Erfahrungen mit Manjaro 21.0.3 erwähne ich hier nicht, bzw. nur am Rande.

Meine Problemfälle haben Namen: Desktop, Flameshot, Gimp, Nextcloud, Audacity, Paketverwaltung.

Der Desktop

Manjaro bietet drei Desktop-Umgebungen an: Xfce, KDE Plasma und GNOME. Das ist eine gute Auswahl, da Ersterer immer eine gute Wahl für alte oder schwache Rechner ist. KDE und GNOME decken ca. 70 Prozent des Desktop-Geschehens in der GNU/Linux-Welt ab. Ich bevorzuge den GNOME-Desktop. Die grundsätzlichen Defizite kann man in meinem letzten Artikel zu diesem Theme nachlesen; sie gelten auch für Manjaro-GNOME.

Im Gegensatz zu Fedora mit seinem Vanilla-Ansatz, macht das Manjaro-Team einiges besser. Hier fühlt man die Liebe, die in die Konfiguration des Desktops geflossen ist. Das fängt bei der Vorinstallation des GNOME-Tweak Tools an, erstreckt sich über die mitgelieferten Extensions und hört bei der Auswahl der Themes noch  nicht auf.

Umschalten zwischen Desktop-Layouts

Das Umschalten auf ein dunkles Thema ist bei Manjaro auch nicht intuitiv möglich, da es nicht in den GNOME-Settings angeboten wird. Über das Tweak-Tool oder den (oben gezeigten Layout-Switcher) ist das jedoch relativ einfach möglich. Obwohl Manjaro 17 Themes zur Auswahl anbietet, könnte nach meinem Empfinden noch mehr Feingefühl in die Auswahl einfliessen. Ich finde die Matcha- und Adaita-Themes alle zu grobschlächtig. Das können Ubuntu, Deepin und Elementary wesentlich besser. Ein Lob gilt dem Manjaro-Panel; der Nachtmodus ist vorhanden und die Tray-Icons sind eingeschaltet. Bei Fedora muss man das alles nachträglich installieren.

Das Manjaro-Team war weise und hat die 40er GNOME-Shell noch nicht adaptiert. Unter der Oberfläche laufen zwar die GTK 40 Anwendung, die Oberfläche entspricht aber noch dem gewohnten 38er-Stand. Hier lässt man sich Zeit, um die grossen Änderungen beim Design und dem Workflow der Version 40 mit Bedacht umzusetzen.

Somit sind die beliebten Extensions zur Steuerung der Anwendungen noch vorhanden, namentlich 'Dash-to-Dock' und 'Dash-to-Panel'. Im ersten Screenshot seht ihr das platzsparende 'Dash-to-Panel' im Top-Panel.

Flameshot

Wie schon geschrieben, halte ich Flameshot für das beste Werkzeug um Bildschirmaufnahmen zu erstellen und zu bearbeiten. Im Gegensatz zu Fedora 34, gibt es bei Manjaro per default einen System Tray, sodass sich Flameshot dort einhängen kann. Mit Wayland hat das Tool auch bei Manjaro seine Mühe. Schaltet man beim Starten des Desktops auf X11 um, laufen die Screenshots ohne Zögern.

Gimp

Bei Manjaro gestaltet sich die Installation von Gimp natürlich genauso einfach wie unter Fedora. Um zum Resynthesizer-Plugin zu gelangen, werden zwei weitere Pakete benötigt:

gimp-plugin-resynthesizer ...
python2-gimp

Beide findet man im AUR-Repository, welches man in der Software-Verwaltung zuerst einschalten muss. Nach deren Installation (bzw. Build) findet man in Gimp unter dem Menüpunkt 'Filter, Verbessern, Heal Selection'. Saagenhaft; unbedingt ausprobieren.

Nextcloud

Auch der Nextcloud-Client läuft unter Manjaro ohne Problem. Man installiert den 'Nextcloud Desktop-Synchronsationsclient' aus der grafischen Software-Verwaltung, und das war es. Die Anwendung erscheint im System Tray und zögert auch nicht bei einem Neustart des Systems. Da gibt es nichts zu Jammern.

Paketverwaltung

Es gibt einige Tools in Manjaro, um Pakete zu verwalten. Die grafischen Anwendungen heissen Pamac (default) und Octopi, auf der Kommandozeile gibt es pacman (default) und yay. Pamac bietet Unterstützung für die Formate ALPM, AUR, Flatpak und Snap. Das gefällt mir, weil man alle heutzutage relevanten Formate in einem Werkzeug verwalten kann. Mit pacman habe ich mich noch nicht angefreundet. Der Befehl zur Installation eines Paketes lautet:

sudo pacman -Syu Paketname

Ernsthaft: -Syu, wer soll sich das merken? Wie wäre es mit 'sudo pacman install paketname'? Dann gibt es noch ‘Yet Another Yogurt’. YAY ist ein Wrapper um pacman, der einem auch das AUR Repository erschliesst. Damit hat man auf der Kommandozeile gleich zwei Repos im Griff: das Original von Arch und das Community-gepflegte AUR-Repo. Damit kann man z.B. so lustige Sachen machen, wie alle Systempakete updaten und gleichzeitig ein Upgrade durchführen:

yay -Syu

Audacity

Die Digital Audio Workstation Audacity gehört für mich zu den unersetzlichen Produktiv-Werkzeugen, da ich damit den GLN-Podcast abmische. Leider hat das Tool immer noch Probleme mit Wayland; der Playback-Indikator (die vertikale Linie, die beim Abspielen die Position anzeigt) funktioniert nicht. Ohne diesen Indikator ist Audacity nicht benutzbar. Schaltet man beim Starten von Wayland auf X um, läuft der Indikator.

Fazit

Manjaro 21.0.3 in der GNOME-Edition ist eine tolle Distribution, bei der fast alles funktioniert. Die Grundausstattung der rollenden Distribution ist gut durchdacht und enthält viele Werkzeuge und Konfigurationen, die man bei anderen Distros erst nachinstallieren und einrichten muss. Das Damoklesschwert bei Manjaro ist und bleibt die Angst vor einem zerschossenen System nach einem Update. Obwohl Manjaro nicht 'bleading edge' (wie Arch) ist, sondern die Pakete ein paar Tage prüft und liegen lässt, bevor sie beim Anwender aufschlagen, bleibt ein mulmiges Gefühl haften.

tuxnix
Geschrieben von tuxnix am 9. Mai 2021

Dies ist eine Kritik an Ralf Hersel. Der Artikel erweckt bei mir den Eindruck, dass der Autor nicht genau weiß über was er da schreibt. Um Missverständnissen vorzubeugen: Manjaro ist zu recht eine der beliebtesten Distributionen. Über einige Dinge sollte sich der Autor aber besser informieren bevor er darüber schreibt.

Pacman ist eine der leichtesten zu bedienenden Packetmanager überhaupt. Man muss sich da auch nichts merken wenn man einmal den logischen Aufbau gemerkt hat. Man installiert Pakete mit pacman -S . Man benötigt dann noch das -R zum deinstallieren und das -Syu um alle lokal installierte Pakete auf dem Stand mit dem Paketserver zu halten. Ich empfehle mal hier auf die Arch Wiki Seite zu schauen falls sich der Autor einmal dafür interessieren sollte. https://wiki.archlinux.de/title/Pacman Jede Linux Distribution hat ihren Paketmanager und ihre eigene Syntax. https://wiki.archlinux.de/title/Rosettastein_Paketverwaltung. Ein 'pacman -Syu' würde denn auch einem 'apt update && apt dist⁠-⁠upgrade' bei Debian entsprechen. Ich glaube nicht das der Autor das zweite wirklich für eingängiger hält.

Beim Thema Stabilität ist der Autor auch seinen eigenen Vorurteilen aufgesessen. Manjaro ist keineswegs stabiler als Arch Linux. 'bleading edge' keißt auch nicht, dass irgendetwas instabil ist. 'bleading edge' heißt wörtlich Schnittkante und ich würde es mit "brand neu" übersetzen wollen. Manjaro übernimmt alle Pakete von Arch. Sie testen auch nicht diese Pakete. Sie lassen 14 Tage Zeit verstreichen, weil sie in dieser Zeit schauen können ob ihre eigenen Tools und der von ihnen selbst kompilierten Kernel sich mit den neuen Paketen verträglich ist. Stabilität kommt aber nicht davon, dass man Software 14 Tage liegen lässt. Arch Linux ist stabil, weil Arch Linux ein unstable, testing und stable Repositorium hat und nur das an seine user und auch an Manjaro entlässt was geprüft ist. Wer sich Sorgen darüber macht, dass ein Arch oder auch Manjaro update einen kaputtes System hinterlassen könnte ist falsch gewickelt. Arch Installationen sind wohl die am längsten zu betreibenden Installationen überhaupt. Das dürfte allgemein bekannt sein. Sogar die Wikipedia berichtet davon.

Sorry, wenn ich hier mal harte Kritik anbringen musste, ansonsten gefällt mir eure Arbeit sehr gut. Deshalb auch insgesamt ein Dankeschön dafür.

LINMOB
Geschrieben von LINMOB am 9. Mai 2021

Hallo Ralf, als Verfechter der stock GNOME Experience (ich verwende nur ausgewählte Plugins wie Audio Switcher und Caffeine) sehe ich das mit dem Lob für Verbastelungsoptionen naturgemäß anders.

Was die Syntax-Probleme mit pacman/yay angeht, empfehle ich Pamac als funktionierende grafische Lösung oder du probierst "aptpac" aus dem AUR aus, damit die im Rückenmark festgesetzen Update- und Installationskommandos weiterhin funktionieren.

Leider habe in meiner Erfahrung weniger Probleme mit der Nutzung von Arch als von Manjaro gehabt, was daran liegen mag, dass bei Manjaro oft sehr viele Updates auf einmal auf einen einprasseln. Aber das ist alles bestenfalls anekdotische Evidenz, von daher: Viel Spaß weiterhin mit Manjaro!

tuxnix
Geschrieben von tuxnix am 6. Mai 2021

Der Befehl ein neues Paket zu installieren lautet nicht: sudo pacman -Syu . Er lautet schlicht sudo pacman -S ! Da kommen wir dann gleich zu der Bemerkung: "Wer soll sich das merken? pacman ist so einfach wie nur was. Am Anfang merkt man sich 3 Befehle: pacman -S , pacman -R

tuxnix
Geschrieben von tuxnix am 7. Mai 2021

Wo ist der Rest meines Kommentars geblieben?

Joël Admin
Geschrieben von Joël am 7. Mai 2021

das ist ja echt komisch. Wir verändern keine Kommentare, aber evtl. spinnt unser Kommentarsystem wieder mal... Sollte eigentlich nicht sein, ist aber leider so.

tuxnix
Geschrieben von tuxnix am 7. Mai 2021

Danke für die Antwort. Dann schaut doch bitte mal nach, wo der Rest meines Kommentars geblieben ist. Jedenfalls hab ich ausführlich Stellung bezogen, zu Stabilität von Arch und Manjaro und dem Syntax von pacman. Dinge die m.M.n. undifferenziert bis verkehrt im Artikel dargestellt wurden.

Joël Admin
Geschrieben von Joël am 7. Mai 2021

ich gehe davon aus, der Rest ist in den Tiefen der Bytes verschwunden... Ich kann aber mal in der Administration nachfragen, ob da mal jemand in den Dateien von unserem Kommisystem noch was findet. Ansonsten wird es wohl das einfachste sein, du schreibst nochmal einen...

Ralph
Geschrieben von Ralph am 6. Mai 2021

Danke für den Artikel. Ich bin seit einiger Zeit auch ein großer Fan von Manjaro. Ein Aspekt (abgesehen vor der Liebe zu den vielen Details), den ich als besonders attraktiv empfinde, das ist Pamac, Manjaro's Paket- und Software-Manager. Der erlaubt nicht nur den Zugriff auf die eigenen Manjaro-Repositories, sondern auch noch auf Flatpak, Snap und die gesamte Arch-User-Repository - alles aus der selben Anwendung heraus. Das finde ich wirklich praktisch, weil man nicht mit unterschiedlichen Programmen oder PPAs hantieren braucht. Was mir an Manjaro bislang noch gefiel, das war die Stabilität des Systems. Der Wechsel zu Gnome 40 ging und geht noch in Etappen vonstatten. Obwohl in der Hauptsache gut gelöst, habe ich seit dem Wechsel auf die aktuellen 21.0.x-Versionen mit diversen Problemen zu kämpfen gehabt, die ich auf einem Produktivsystem eigentlich nochmals erleben möchte. Das System friert beim Drücken der Super-Taste plötzlich ein. Ein anderes ebenso wenig lustiges Problem hatte ich als sich das System plötzlich nicht mehr booten ließ (bootloop). Die beiden in Kombination waren tatsächlich ein mehrtägiger Alptraum. Das einfrieren hatte mit der Tatsache zu tun, dass die Dash-to-Panel-Erweiterung noch nicht aktualisiert war (in diesem Falls hätte ich mir gewünscht, dass diese zumindest automatisch deaktiviert wird). Das Boot-Problem war aufgetreten (wohl unabhängig von Gnome 40), weil das Manjaro-Team die Einbindung von GDM geändert hat. In Manjaro's Forum habe ich glücklicherweise Unterstützung gefunden. Lieber wäre mir allerdings gewesen, wenn ich das Problem gar nicht erst gehabt hätte. Aber so ist das wohl mit Rolling-Releases.....

Marcus
Geschrieben von Marcus am 6. Mai 2021

pacman -S

...reicht. -Syu aktualisiert sämtliche Paket nebenbei. ....install update. ist schöner, aber länger. Dass man sich Syu nicht merken kann, kann ich nicht bestätigen.

Manjaro läuft bei mir seit mehr als 5 Jahren auf 5 Rechnern. Probleme gab es nur mal kurz mit Hp Treibern. Sonst nie.

Viele Grüße

-Marcus

Deadlock
Geschrieben von Deadlock am 6. Mai 2021

Ich hatte auch Bedenken, ob bei Manjaro nach einem Update nicht mal das System zerschossen sein könnte. Ich habe Manjaro jetzt seit ca. einem halben Jahr im Einsatz und noch nicht ein einziges Problem nach einem Update gehabt.

Patrick Sternfisch
Geschrieben von Patrick Sternfisch am 6. Mai 2021

Danke für die geteilte Erfahrung :-)! Wäre wohl mal wieder Zeit für einen Testrechner bzw. eine Testpartition, aber der geliebte Zeitmangel...