Euro-Office gewinnt einen weiteren Partner

  Ralf Hersel   Lesezeit: 5 Minuten  🗪 3 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Kurz vor der Veröffentlichung der ersten Version, ist auch die Tutao GmbH der Euro-Office-Gruppe beigetreten. Damit wird die europäische Office-Initiative nun von 10 Firmen getragen.

euro-office gewinnt einen weiteren partner

Morgen ist es soweit. Die erste allgemein verfügbare Version von Euro-Office wird am 9. Juni für alle Nutzer zum Download bereitstehen. Euro-Office ermöglicht Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen, gemeinsam Dokumente, Tabellen und Präsentationen zu erstellen und zu bearbeiten, und sich so von Microsoft Office oder Google Docs unabhängig zu machen.

Am 2. Juni hat sich auch Tuta dem Euro-Office-Konsortium angeschlossen.

Wir freuen uns, bekanntzugeben, dass wir jetzt gemeinsam mit Nextcloud und Ionos bei der Entwicklung von Euro-Office dabei sind. Einer von EuroStack unterstützten Initiative, deren Ziel es ist, eine cloudbasierte Office-Suite zu entwickeln, damit Sie Dokumente und Dateien nutzen können, ohne auf Microsoft oder Google angewiesen zu sein,
schreibt Hanna Bozakov, Geschäftsführerin der Tutao GmbH.

Kurz vor dem Release der ersten stabilen Version von Euro-Office freut sich die Tutao GmbH, bekannt geben zu können, dass sie sich der Initiative angeschlossen haben, die darauf abzielt, souveräne Lösungen nach Europa zu bringen. Nachdem hinter den Kulissen bereits seit einiger Zeit Gespräche geführt wurden, sind sie stolz darauf, diese Partnerschaft nun offiziell bekannt zu geben.

Das Ziel von Euro-Office ist es, mehr als nur eine weitere Office-Suite zu entwickeln. Euro-Office positioniert sich als moderne Open-Source-Alternative zu Microsoft Office, die es wirklich jedem – Privatpersonen und Unternehmen – ermöglicht, Dateien zu nutzen, zu verwalten und zu teilen sowie gemeinsam daran zu arbeiten; und das völlig frei von Abhängigkeiten von Big Tech, Tracking oder Missbrauch von Daten.

Euro-Office richtet sich an kleine Unternehmen, große Organisationen, den öffentlichen Sektor und datenschutzbewusste Nutzer in ganz Europa und darüber hinaus. Mit der Veröffentlichung der ersten stabilen Version nächste Woche unterstreicht die Einbindung von Tuta kurz vor dem Start, worum es bei dem Projekt geht: den Aufbau eines souveränen, transparenten und kollaborativen digitalen Ökosystems, dem sich jede Organisation, die für ein privates und souveränes Web kämpft, anschließen kann.

Das sagt Matthias Pfau, Mitbegründer und CEO von Tuta:

Wir sind Euro-Office beigetreten, weil wir großes Potenzial darin sehen, dass dieses Projekt zu einer wirklich souveränen Alternative mit hoher Benutzerfreundlichkeit und sehr gutem Datenschutz wird. Es wird von europäischen Ingenieuren, Menschen und Unternehmen, entwickelt, denen man vertrauen kann, und es ist vollständig Open Source. Genau das brauchen wir hier bei Tuta, um unsere verschlüsselten Angebote Tuta Mail, Tuta Calendar und Tuta Drive zu ergänzen.

Open-Source-Grundlage

Euro-Office basiert auf einem Fork von OnlyOffice, das aufgrund seiner modernen Architektur und seines Web-First-Ansatzes ausgewählt wurde. Laut den Kernentwicklern ermöglicht die Abspaltung von Euro-Office von OnlyOffice ein flüssigeres, browserbasiertes Erlebnis im Vergleich zu älteren Ansätzen wie traditionellen Desktop-Suiten. Während Projekte wie Collabora Online und LibreOffice weiterhin wichtige Bestandteile des deGoogled-Ökosystems bleiben, wird Euro-Office ein wichtiger Schritt hin zu einer stärker integrierten und cloudbasierten Office-Umgebung für digitale Souveränität sein.

Perfektes Timing

Tuta meint:

Wir bei Tuta freuen uns, nur wenige Tage vor der ersten Veröffentlichung bei Euro-Office einzusteigen, da dies eine tiefere Symbolik hat. Es zeigt, dass alle Euro-Office-Partner, vor allem Nextcloud und Ionos, daran arbeiten, dieses Projekt zum Leben zu erwecken – und wir freuen uns, nun Teil dieser Reise zu sein. Der Einstieg von Tuta zeugt von Vertrauen sowohl in die technische Ausrichtung als auch in das Governance-Modell hinter Euro-Office.

Frank Karlitschek, Gründer und CEO von Nextcloud, sagt:

Wir kommen noch schneller voran, als wir gedacht hatten. Ein Grund dafür ist, dass das Projekt an Dynamik gewonnen hat und sich mehrere weitere Organisationen unserer ursprünglichen Gruppe angeschlossen haben.

Achim Weiss, CEO von Ionos, ergänzt:

Angesichts der geopolitischen Entwicklungen des letzten Jahres besteht in Europa ein klarer Bedarf an einer zuverlässigen, vollständig Microsoft-kompatiblen und benutzerfreundlichen souveränen Office-Lösung. Unsere gemeinsame Initiative bietet eine Suite mit einer äußerst vertrauten Benutzeroberfläche, die die Arbeit mit Dokumenten, Präsentationen und Tabellenkalkulationen ermöglicht.

Europäischer Trend

Euro-Office und seine Partner zeigen zudem einen Trend auf, der derzeit in ganz Europa zu beobachten ist: Unternehmen und Organisationen arbeiten zusammen, um souveräne Alternativen zu Big Tech zu entwickeln, anstatt sich gegenseitig und die Produkte der anderen zu behindern.

Bei Tuta weiss man, dass verschiedene Lösungen nebeneinander bestehen können. Dort arbeitet man gerne gemeinsam, mit anderen zusammen, zum Beispiel mit offenen Briefen gegen Chatkontrolle. Der Firma Tuta ist das wichtig – auch wenn es sich teilweise um eine Konkurrenzsituation handelt. Es ist großartig, privaten Nutzern und Unternehmen eine Wahl zu bieten – eine Wahl, die dringend benötigt wird, nachdem wir uns nun schon seit mehr als zwei Jahrzehnten dem Lock-in-Effekt von Microsoft und Google unterworfen haben.

Es ist an der Zeit, die Tech-Landschaft zu diversifizieren und starke europäische Konkurrenten zu den Big-Tech-Unternehmen aufzubauen. Durch Zusammenarbeit können wir dies viel schneller erreichen.

Fazit

Was ihr in diesem Artikel gelesen habt, basiert auf einer Pressemitteilung der Firma Tutao GmbH vom 2. Juni 2026. Bei GNU/Linux.ch gefällt uns diese europäische Zusammenarbeit und das Überwinden von kleinkrämerischer Pseudo-Konkurrenz. Die wirkliche Herausforderung findet sich nicht in Deutschland oder Europa, sondern jenseits der Ozeane. Daher ist jegliche Zusammenarbeit der europäischen IT-Wirtschaft im Sinne des Souveränitätsbestrebens zu begrüssen.

Ob Euro-Office in Kürze der Brüller wird, wage ich zu bezweifeln. Zwar baut man auf einer guten Basis auf (ONLYOFFICE), doch die Zeit für die Bereinigung des Codes, der Code-Kommentare und der Benutzeroberfläche erscheint mir doch etwas zu knapp.

Ich weise darauf hin, dass es sich bei Euro-Office um eine cloudbasierte Office-Suite handelt. Doch das geforkte ONLYOFFICE gibt es auch in einer Desktop-Version. Davon ist bei Euro-Office nichts zu sehen. Ich verstehe die strategische Entscheidung, sich auf eine Office-Anwendung in der Cloud zu fokussieren. Das ist moderner, kostengünstiger und ermöglicht kollaboratives Arbeiten. Bei dieser Entscheidung sollte man jedoch nicht die Power-User vergessen. Ich habe noch keine cloudbasiete Office-Lösung gesehen, die meine Ansprüche auch nur im Entferntesten befriedigen konnte. Dabei geht es weniger um die eingeschränkte Funktionalität, sondern in erster Linie um die unzureichende Schwuppdizität.

Ich freue mich darauf, die vollmundigen Ankündigungen zu Euro-Office in der Realität zu testen.

Titelbild und Quelle: https://tuta.com/de/blog/tuta-joins-euro-office

Tags

euro-office, Tuta, Office-Suite, Souveränität

Tomas Jakobs
Geschrieben von Tomas Jakobs am 8. Juni 2026 um 12:32

Obacht bei dem Wort "Moderne Architektur" - meines Wissens erscheint OnlyOffice deshalb "moderner" und fühlt sich "snappier" an, weil es im Wesentlichen im Browserclient abläuft und weniger Requests und Roundtrips zum Server braucht als Collabora. Das ist nicht zwangsläufig ein Vorteil. "Schwuppdizität" hast Du ja bereits genannt, ich meine aber da im wesentlichen die Gefahr eines kompletten überscheibens von Dokumenten und evt. Datenverluste bei z.B. schlechten Verbindungen und Zusammenarbeiten mit Mehreren.

Charly
Geschrieben von Charly am 9. Juni 2026 um 00:02

Mich interessiert nur eine Offlineversion davon. Alles andere können sie sich behalten.

Moiine
Geschrieben von Moiine am 9. Juni 2026 um 11:56

Ein Desktopprogramm scheint durchaus geplant zu sein: https://github.com/Euro-Office/DesktopEditors