Facebook stolpert

Mo, 4. Oktober 2021, Ralf Hersel

Seit ca. 17:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit sind die Dienste des Facebook-Konzerns nicht mehr, bzw. kaum, erreichbar. Die Domains 'facebook.com', 'instagram.com' und 'whatsapp.com' stehen zum Verkauf zur Verfügung. Den aktuellen Zustand kann man über die Seite DownDetector abfragen.

Hintergrund dieser massiven Störung scheinen Probleme bei der DNS-Konfiguration zu sein. Die Webadressen 'facebook.com' und 'whatsapp.com' werden vom weltweiten Domain Name System nicht mehr erkannt (es sind keine IP-Adresse zugeordnet). 'Instagram.com' löste zwar zunächst den Namen noch korrekt auf, inzwischen ist auch diese Adresse unbekannt. Cloudflare weist darauf hin, dass kurz vor den ersten Ausfällen die Routen zu Facebooks Servern aus dem Routing-Protokoll des Internets (BGP) widerrufen worden seien.

Dieser Vorfall zeigt, dass das Internet nie für zentralistische Dienste gedacht war. Im Gegenteil, der Vorläufer des Internet - das Arpanet - war als ausfallsichere Verbindung zwischen Servern konzipiert. Ein Hauptziel dieser Netzwerk-Topologie war es, durch massive Verteilung und intelligentes Routing, eine Resilienz bei der Verfügbarkeit von Servern und damit Services zu erreichen.

Eine Rückbesinnung auf den klugen Grundgedanken des Internets, sehen wir zurzeit bei den verteilten Diensten des Fediverse (wer sich dafür interessiert, mag sich unseren letzten Podcast anhören). Auch die Bestrebungen in Europa eine digitale Souveränität zu erreichen, weisen in diese Richtung. Bei GNU/Linux.ch haben wir oft über das Self-Hosting von Diensten geschrieben. Auch dabei geht es um ausfallsichere Lösungen für eine Freie Gesellschaft.

Ein Ausfall der zweitgrössten Social-Network-Plattform führt bestimmt zu Depressionen bei den abhängigen Nutzern. Aber was passiert, wenn sich solche Ausfälle bei Amazon AWS oder Microsoft Azure ereignen? Steht dann die westliche Welt still?