Fernwartung mit RustDesk

  Ralf Hersel   Lesezeit: 4 Minuten  🗪 13 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Die Anwendung RustDesk eignet sich gut für die Fernwartung, hält jedoch ein paar Fallstricke bereit. Im Artikel lest ihr, wie man diese umgeht und seine Eltern glücklich machen kann.

fernwartung mit rustdesk

Ihr kennt doch das Meme: "An Weihnachten versammeln sich die Söhne und Töchter unter dem Weihnachtsbaum ihrer Eltern, um deren IT-Probleme zu lösen." Doch der Supportbedarf für Eltern und Bekannte findet nicht nur zur Weihnachtszeit statt, sondern ist allgegenwärtig. Seitdem ich meinen näheren Umkreis von Windows auf Linux umgezogen habe (freiwillig), hat sich mein Supportaufwand erheblich reduziert. Dennoch benötigen die Liebsten gelegentlich etwas Unterstützung.

Als freie Lösung ist dafür RustDesk eine gute Wahl. Bei uns gab es bereits einige Artikel zu dieser Fernwartungs-Software. Aktuell ist die Version 1.4.9, die man als Flatpak oder auch nativ aus den Repos der eigenen Distribution installieren kann. In diesem Artikel beschreibe ich den konkreten Anwendungsfall einer Remote-Unterstützung.

Der Anwendungsfall

Es mag trivial klingen, aber für den Anwendungsfall gibt es Voraussetzungen:

  1. Es besteht Bedarf für eine Unterstützung (ach was!)
  2. Idealerweise sollte auf beiden Computern die gleiche Version von RustDesk installiert sein.
  3. Die Beteiligten sollten in der Lage sein, RustDesk sinnvoll zu bedienen.
  4. Vom Supporter wird erwartet, dass er oder sie das Problem lösen kann.

Wie läuft es ab?

Wenn wir annehmen, dass die Voraussetzungen erfüllt sind, starten beide die RustDesk-Anwendung auf ihrem Desktop und bauen eine parallele Gesprächsverbindung auf (Telefon oder sonst etwas). Eventuell muss RustDesk vorher beim zu Unterstützenden installiert werden, was nicht zum Inhalt dieses Artikels gehört.

Für den Supporter präsentiert sich RustDesk so:

Links sieht man die ID und das Passwort, mit dem ein Supporter auf euren Desktop zugreifen kann. Rechts gibt man die ID des Computers ein, den man unterstützen möchte. Darunter erscheinen Kacheln, für bereits unterstützte Verbindungen. Damit erspart man sich, die ID der zu unterstützenden Person jedes Mal neu einzugeben. Beim Erstkontakt lässt man sich die ID des entfernten Desktops per Telefon durchgeben und klickt auf Verbinden.

Jetzt wird es schwierig. RustDesk kann die Verbindung aus verschiedenen Gründen ablehnen und eine Anmeldung verlangen:

Falls ich das richtig sehe, muss ein Supporter angemeldet sein, falls der allgemeine Relay-Server von RustDesk verwendet wird. Alternativ kann man RustDesk auch selbst hosten, was für die meisten von uns eher nicht infrage kommt (oder doch?). Blöderweise stehen für die Anmeldung nur Accounts dieser Firmen zur Verfügung: Google, GitHub, Microsoft. Ich habe keine Möglichkeit gefunden, direkt bei RustDesk einen Account zu erzeugen.

Nachdem man auf Verbinden geklickt hat und die Gegenseite RustDesk ebenfalls am Laufen hat, sieht die zu unterstützende Seite das:

Einstellungen

Hier muss der Hilfesuchende den Fernzugriff zulassen, damit der Supporter wenigstens den Bildschirm sehen kann. Doch damit ist noch kein wirklicher Support möglich, weil der Zugriff auf Tastatur und Maus fehlt. Um das zu erreichen, muss der Hilfesuchende in die Einstellungen von seinem RustDesk-Client einsteigen.

Die Warnung im rosa Kasten über die experimentelle Unterstützung von Wayland kann man getrost ignorieren. Wayland wird von RustDesk unterstützt.

Die Einstellmöglichkeiten bei RustDesk sind vielfältig und können so manche Supportsuchende überfordern. Damit die Unterstützung einfacher geht, können folgende Einstellungen geändert werden, die man über das Hamburger-Menü rechts oben erreicht.

  • Bei Allgemein gibt es nichts zu ändern.
  • Beim Menüpunkt Sicherheit gibt es mehrere Änderungen, die das Supporterlebnis erleichtern:
    • Man kann die Berechtigungen auf "Vollzugriff" umschalten.
    • Bei Passwort kann man auf "Sitzung mit einem Klick bestätigen" umschalten.
    • Bei Bildschirm kann man auf "Anpassbare Skalierung" umschalten.
    • Den Rest würde ich so lassen, wie er ist.

ACHTUNG! Die Änderungen bei Berechtigungen und Passwort sind grob fahrlässig und aus einer Sicherheits-Perspektive als katastrophal einzuordnen. Ich habe sie nur deshalb empfohlen, weil ihr ohne diese Änderungen enterbt werdet.

Wer es ein wenig sicherer haben möchte, kann bei dem Passwort ein permanentes einstellen:

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man auch einmal 10 Versuche mit der Mutti braucht, bis die Verbindung steht. Ein permanentes Passwort macht die Übung viel entspannter.

Fazit

RustDesk ist für mich auf dem Linux-Desktop der Standard für Remote-Support. Leider ist die Anwendung nicht per Default Eltern-kompatibel. Wer seine Liebsten dazu bringt, die Einstellungen richtig zu setzen, profitiert von einem entspannten Supporterlebnis. Dabei gilt es, die Sicherheit nicht ausser Acht zu lassen.

Wie handhabt ihr das? Ist RustDesk die beste Support-App unter dem Weihnachtsbaum? Wie sehen eure Einstellungen aus, um es der Familie so einfach wie möglich zu machen? Schreibt es bitte in die Kommentare.

Titelbild: https://pixabay.com/vectors/technology-confusion-senior-elderly-9792536/

Quelle: https://rustdesk.com/de/

Tags

Fernwartung, Support, RustDesk

Naja
Geschrieben von Naja am 21. September 2026 um 09:47

Ich wäre wirklich dankbar wenn Eltern nicht ständig als grenzdebile Nix-Blicker dargestellt würden. Ich z.B. (ja, Boomer) administriere die Rechner anderer, auch deutlich jüngerer Leute.

Michael
Geschrieben von Michael am 21. September 2026 um 10:04

Ich mache es im Prinzip wie Du, nur hab ich wirklich alles fest eingestellt und auch ein festes Passwort individuell für jeden meiner Hilfesuchenden. Auf dem System gibt es nur ein Icon, das heißt: "Ich brauche Hilfe" und das startet RustDesk als Service. Damit kann ich danach über meinen Client direkt zugreifen, weil ich auch in meiner Kachel gleich sehe, dass der grüne Punkt leuchtet. Installieren tu’ ich es immer aus den Distributionsquellen, damit es automatisch aktuell bleibt und ich nutze immer den RustDesk Server von AdminForge (https://deskforge.de/) dann hab ich auch das Passwort Thema nicht. Auf den zwei Windows-Hilfesuchenden-PCs, die es leider auch noch gibt, hab ich noch ein kleines PowerShell-Skript hinter dem Icon liegen, das immer erst die aktuelle RustDesk-Version von Deskforge herunterlädt und installiert, damit es da auch aktuell ist. So läuft es sehr gut und mach es auch entspannt für Mutti. ;-)

Thoys
Geschrieben von Thoys am 21. September 2026 um 10:30

Hi, danke dir für den Artikel.

Ich habe die gleichen Erlebnisse, die auf hohem Niveau gemeckert sind. Auch bei mir ist RustDesk mittlerweile das Standarttool. Ich nutze in der Regel den Server von Adminforge und freue mich jedes Mal über die Entscheidung, wenn größere Firmen Probleme oder Sicherheitspannen dank der großen kommerziellen Anbieter von Fernwartungssoftware haben. Für Windows gibt es wohl eine Download-Datei, in welcher der Server bereits hingerlegt ist. Falls das Gegenüber Linux verwendet muss auch immer geschaut werden, dass bei beiden Teilnehmern der gleiche Server hinterlegt ist. (Natürlich ist es möglich, dass der Supporter auf den Rustdesk-Server wechselt, und den individuellen Server beim Supporteten einträgt.)

Noch einmal: Rustdesk ist super. Mein Feature-Wunsch wäre:

  • Die Kontakte (bekannten Verbindunge) würden in einer Datei im home-Ordner abgelegt (automatisch, nicht nur bei einem angestoßenen Export), so dass bei einem normalen Backup meiner Dateien immer die aktuellen Kontakte mit dabei sind.
  • Die Sache mit dem Server und der Programmversion würde sich auf technischer Ebene absprechen. Also, dass der Supportete nichts tun muss, außer das Programm zu öffnen. Besonders zeigt sich das wohl beim Support vom Smartphone. Bisher war es mir nur in Testumgebungen (ich habe beide Geräte in der Hand) möglich ein Smartphone zu supporten. Wenn wirklich jemand ohne Ahnung am anderen Ende ist, haben wirs bisher nicht hinbekommen eine Verbindung aufzubauen.
  • Als drittes habe ich ein paar Datenschutz-suchende aber computerferne ältere Bekannte (super coole Menschen). Wenn man Rustdesk (auf einem Linuxsystem mit Gnome) installiert wird bei jedem Start des Rechners ein Hintergrundprozess gestartet, so dass auf den Rechner zugegriffen werden kann. Ich habe Anwendungsfälle, bei denen das total notwendig ist, ich habe aber eben auch Menschen, die das nicht mögen. Ein Häkchen in den Einstellungen wäre schön.
  • Wenn wir schon bei wünschdirwas sind: Wie wäre es mit einem Webclient? Link zum Supporteten, Passwort und los. ;-) Es gibt einen Web-Client, aber der ist nur für den Supporter da. Oder übersehe ich da was?

Noch ein letzten mal, damit es nicht überhört wird: Liebe Rustdesk-Entwickler vielen Dank für das tolle Produkt.

Pius
Geschrieben von Pius am 21. September 2026 um 10:39

Danke für den Artikel. Ich nutze seit einiger Zeit RustDesk. Anfänglich lief es mit dem RustDesk Relay-Server gut. Aber dann wurde der Verbindungsaufbau immer schwieriger oder es konnte keine Verbindung aufgebaut werden. Da habe ich die Geduld verloren und einen minimalen Relay-Server bei einem Hoster (1CPU für 1€ im Monat) eingerichtet. Seit dem habe ich Ruhe und alles funktioniert bestens.

Rust
Geschrieben von Rust am 21. September 2026 um 10:48

Ich nutze Rustdesk von adminforge https://deskforge.de/. Das ist fertig konfiguriert, ein Passwort wird gesetzt und Mutti muss nur noch auf akzeptieren klicken.

Man benötigt kein Login. Es funktioniert sofort. Die Verbindungsdaten laufen über das Relay von deskforge.de.

Thoys
Geschrieben von Thoys am 24. September 2026 um 10:17

Hi, aber eben nur beim Windows-Programm. Die Linuxversion ist in dieser Weise nicht möglich. Man kann ja die .deb-Datei herunterladen. Ich installiere es meistens als Flatpak, daher kann eh nichts vorkonfiguriert sein.

Schönen Gruß

spriggins
Geschrieben von spriggins am 21. September 2026 um 10:54

Danke...

Und ganz wichtig (ernsthaft):

Ruhig bleiben und kurz etwas anderes machen, wenn der Impuls hochkocht, seine geliebten Verwanden über Telefon anzubrüllen: "Nimm endlich deine verdammten Pfoten von der sch...önen Maus!"

Jonas
Geschrieben von Jonas am 21. September 2026 um 14:04

Mit Rustdesk habe ich bisher immer gute Erfahrungen gemacht. Ich habe ein festes Passwort gesetzt, Vollzugriff eingestellt und in den Systemeinstellungen von KDE Plasma festgelegt, das RustDesk nicht fragen muss, um den Computer zu steuern. Dann habe ich noch Autostart eingerichtet, damit ich nicht jedes Mal erklären muss, das Rustdesk - ja mit u geschrieben - gestartet werden muss und das man dazu unten links usw.... Durch diese Einstellungen kann ich bei Bedarf ohne irgendwelche Aktionen auf der Gegenseite die Steuerung übernehmen. Das ist auch praktisch, um einen aufwendigeren Prozess (ich musste neulich längere Dateien transkribieren) vom Handy aus zu starten.

Eine weitere nette Funktion ist, dass man über Rustdesk auch direkt Dateien übertragen und Terminalbefehle ausführen kann. Letzteres ist sehr praktisch, wenn man nicht Konsole auf dem gesteuerten Gerät öffnen und dadurch abschrecken will, dafür muss man dem Flatpak aber evtl. mehr Berechtigungen geben.

Leider gibt es seit dem letzten Update das Problem, dass RustDesk auf einem Rechner nach ein paar Sekunden crasht, was die Unterstützung nicht gerade vereinfacht...

m0nn3
Geschrieben von m0nn3 am 21. September 2026 um 15:03

Ich nutze Rustdesk auch sehr gern. Habe einen Server zu hause und richte bei meinen Supportsuchenden ein Festes Passwort an und teste mit meinem Telefon ob ich aus der ferne drauf komme und sie nur Rustdesk starten müssen und auf annehmen klicken müssen.

Wenn man dies vorher alles macht, ist es im "Notfall" schnell erledigt helfen zu können.

Stefan
Geschrieben von Stefan am 21. September 2026 um 16:02

Ich mache auch für Support für meine Mutter ( Ü70) mit Rustdesk. Ich habe mir einen Rustdesk-Server auf meinem heimischen Raspberrypi installiert und bei meiner Mutter gibt es auf dem Desktop (Debian) ein Symbol für die Fernsteuerung. Meine Mutter muss nur die Fernsteuerung starten. Dabei wird durch ein Skript zuerst eine VPN-Verbindung zu meiner Fritzbox hergestellt und dann Rustdesk gestartet. Besondere Einstellungen habe ich nicht getroffen, d.h. das Passwort wird immer neu generiert und muss am Telefon durchgegeben werden.

Charly
Geschrieben von Charly am 21. September 2026 um 21:18

Ich nutze RustDesk schon lange. Seit ein paar Monaten musste ich mich auch anmelden. Aber die zu Supportenden brauchen das nicht. Das einzige Problem, was ich habe, ist, dass wen ich ein Passwort eingeben soll, die Sonderzeichen nicht korrekt übertragen werden. Da passt was mit dem Tastaturlayout nicht. Deshalb muss mein Vater seine Passwörter selbst eingeben. Vielleicht weiß hier jemand, wie man das Problem lösen kann?

Falko
Geschrieben von Falko am 22. September 2026 um 12:30

Ich habe die Software RustDesk unter mehreren Linux-Distros (Wayland aktiv) getestet, keines der Distros lief unter Wayland mit dieser Fernwartungssoftware zuverlässig! Die meisten lehnten den Fernwartung-Verbindungsaufbau sofort ab wegen Wayland, andere frohren zeitnah ein, nach Verbindungsaufbau. Selbst die proprietäre AnyDesk Software gibt weiterhin keine Funktionsfähigkeit unter Wayland an!

Markus
Geschrieben von Markus am 22. September 2026 um 15:21

einen rustdesk-server gibts konfektioniert für die selbst-hosting-plattform yunohost: https://apps.yunohost.org/app/rustdesk-server yunohost kann ich rundum empfehlen, ein lebendiges projekt mit einem breiten ökosystem. es erleichtert das selbst-hosten ungemein. das rustdesk-paket kenne ich nicht näher.