Flatsweep - Der Besen für Flatpaks

  Ralf Hersel   Lesezeit: 4 Minuten  🗪 10 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Das Werkzeug räumt deinstallierte Flatpak-Pakete auf, indem es Benutzerdaten entfernt. Nötig ist das nicht, weil man das auch ganz einfach mit Bordmitteln erledigen kann.

flatsweep - der besen für flatpaks

Gestern gab es bei unserem Partner-Portal Linuxnews.de einen Artikel über den Flatpak-Besen namens Flatsweep. Wie ihr dort nachlesen könnt, räumt die "normale" Deinstallation von Flatpak die Benutzereinstellungen nicht auf, sondern entfernt lediglich das Flatpak-Paket. Wie ich das verstehe, ist das das übliche Verhalten von Paketverwaltungen: Ein 'uninstall' entfernt das eigentliche Paket und seine (nicht woanders benötigten) Abhängigkeiten, aber die Anwender-Daten und -Konfigurationen bleiben bestehen. Das hat den Vorteil, dass bei einer erneuten Installation des Pakets, diese Daten wieder zur Verfügung stehen. Der Nachteil ist, dass viel Datenmüll auf dem Speichermedium verbleibt.

Wahrscheinlich ist das eine vereinfachte Darstellung des Verhaltens von Paketverwaltungen. Einige machen es anders, oder es gibt Optionen, um die Benutzerdaten ebenfalls abzuräumen. Ich möchte es hier nicht zu kompliziert machen, weshalb ich dieses Verhalten als "üblich" beschreibe.

Nun stellt sich die Frage, ob man ein Werkzeug wie Flatsweep überhaupt benötigt. Diese Frage ist falsch formuliert. Richtiger lautet sie: Soll sich die Paketverwaltung, bzw. die Flatpak-Verwaltung nicht selbst um das vollständige Aufräumen kümmern, sodass Flatsweep gar nicht erst nötig ist?

Auch wir haben vor drei Jahren bereits über Flatsweep geschreiben. Seitdem verwende ich dieses Werkzeug.

Genug gelabert - jetzt wird ausprobiert!

Im Unterschied zu den Newsberichten, probieren wir die Dinge gerne aus. Für diesen Test habe ich zuerst einmal Flatsweep gestartet, um Altlasten zu entfernen.

Das Werkzeug genehmigt sich in der Regel sehr viel Startzeit. Manchmal hat man den Eindruck, als wäre es abgestürzt. Habt Geduld, irgendwann kommt es. Jetzt installiere ich ein beliebiges Flatpak, welches Benutzerdaten erzeugt. Dafür habe ich mir einen dicken Brocken ausgesucht, nämlich OBS Studio, installiert als Flatpak über Pamac.

Nach der Installation habe ich OBS Studio geöffnet, ein paar Einstellungen vorgenommen und eine Aufnahme gestartet. Dann habe ich OBS Studio beendet und über Pamac deinstalliert. Anschliessend habe ich Flatsweep gestartet.

OBS Studio hat 2 MB an Benutzerdaten hinterlassen, die bei der Deinstallation nicht gelöscht wurden. Ich habe hier nicht auf "Aufräumen" geklickt, um andere Wege zu testen. Die Flatpak-CLI bietet dafür mehrere Möglichkeiten, die in der Referenz-Dokumentation erklärt werden. Hier seien nur die in diesem Kontext wichtigsten Kommandos und Parameter erklärt:

  • flatpak uninstall Paketname: deinstalliert das angegebene Paket
  • Wie heissen die installierten Pakete? flatpak list --app
  • flatpak uninstall --unused: deinstalliert abhängige Pakete
  • flatpak uninstall --delete-data: deinstalliert die Benutzerdaten
  • Achtung: Die Parameter –unused und –delete-data müssen separat aufgerufen werden.

Probieren wir es aus:

flatpak uninstall --unused

These runtimes in installation 'system' are pinned and won't be removed; see flatpak-pin(1):
  runtime/org.gimp.GIMP.Plugin.Resynthesizer/x86_64/3

        KENNUNG                                         Zweig                 Op
 1.     org.kde.Platform                                6.10                  r
 2.     org.freedesktop.Platform.codecs-extra           25.08-extra           r
 3.     org.kde.Platform.Locale                         6.10                  r

Mit diesen Änderungen an der Systeminstallation fortfahren? [Y/n]: 

Ja, der GIMP-Resynthesizer ist gepinnt, was euch nicht interessieren sollte. Ansonsten werden drei Abhängigkeiten zum Löschen angeboten, welche nur einmal bestätigt werden müssen. Das mache ich und rufe danach Flatsweep erneut auf. Das Ergebnis sieht genauso aus, wie im vorherigen Screenshot: 2 MB verbleiben.

Also gut, dann kommt jetzt der nächste Schritt:

flatpak uninstall --delete-data

Daten für com.obsproject.Studio löschen? [y/n]: y

Das sieht gut aus. Schauen wir nach, was Flatsweep sagt:

Bingo! Misson accomplished. Der Rotz ist weg.

Doch was bedeutet das?

Mein Testergebnis kann man aus verschiedenen Perspektiven betrachten:

  1. Flatsweep ist ein unnötiges Werkzeug, weil man dasselbe Ergebnis (vollständige Deinstallation von Flatpak-Paketen) auch mit Bordmitteln erreichen kann.
  2. Ich äussere eine Kritik an den Paketverwaltungen. Warum sind diese nicht in der Lage, Optionen beim Deinstallieren von Flatpaks anzubieten? Es wäre doch kein Problem, wenn diese Werkzeuge eine optionale Auswahl für die Entfernung von abhängigen Paketen und Benutzerdaten anbieten würden.

In den Kommentaren zum Artikel bei Linuxnew.de wurden eigene Clean-Skripte erwähnt, die diese Aufgabe übernehmen. Tatsächlich verwende ich ein solches Clean-Skript seit Langem. Bei mir ist es ein Alias in der Shell-Konfiguration:

alias clean='pamac clean; pamac remove -o; flatpak uninstall --unused; flatpak uninstall --delete-data'

Diesen Alias könnt ihr an eure Linux-Distribution anpassen. Wenn es nur um die Flatpak-Bereinigung geht, könnt ihr die pamac-Teile entfernen und die flatpak-Teile behalten.

Titelbild: https://pixabay.com/photos/broom-stones-mood-brown-4522157/

Quellen: im Text

Tags

Flatsweep, Flatpak, Aufräumen, Benutzerdaten

Nils
Geschrieben von Nils am 8. Juli 2026 um 09:10

Ich meine Gnome Software würde genau diesen Dialog bei der Deinstallation eines Flatpaks anbieten. Ich arbeite da meist auch per CLI Bordmitteln, aber gesehen habe ich die Nachfrage schon.

Klaus
Geschrieben von Klaus am 8. Juli 2026 um 11:12

Danke, Ralf, für diese vergleichend Überischt. Wieder was dazu gelernt. Es soll ja unter Linux immer mehr, vor allem neue Anwender geben, denen die Kommandozeile unheimlich ist. 1) Flatsweep ist ideal für sie. zu 1): Ich finde es gut, dass diese Anwenderinnen zu Linux finden. Linuxe sind hervorragende Betriebssysteme, die es jedem Anwender ermöglichen, sich in der ihm/ihr genehmen Umgebung auszuleben, Dinge zu gestalten. Dazu kommt die Konditionierung durch Handys und Tablets. Außerdem, die allermeisten Anwenderinnen wollen, dass alles so einfach wie möglich funktioniert und keinesfalls mit irritierenden Rückfragen belästigt werden. Das ist deren gutes Recht. Diese Inklusivität sollten wir so weit wie möglich fassen und gestalten.

Alex
Geschrieben von Alex am 8. Juli 2026 um 11:24
  1. Selbstverständlich hat ein Paketmanager beim Löschen einer Software die Dateien des Benutzers nicht anzurühren, bis dieser eine explizite Anweisung dafür erteilt. Das ist nicht nur zweckmäßig, sondern auch vollkommen logisch, weil Software und Benutzerdaten getrennte Dinge sind. Man stelle sich nur einmal vor, ein Paketmanager würde standardmäßig alle erstellten Office-Dokumente im ODT-Format vom System entfernen, nur weil ein Office-Paket entfernt wird.

  2. Die Kritik an den Paketverwaltungen geht IMHO fehl. Sie bieten die gewünschten Optionen zum vollständigen Löschen und diese sind in den Anleitungen (Man-Pages, Online-Hilfe) dokumentiert. Es ist nicht Aufgabe einer Software, das Denken zu übernehmen.

Falls ein Benutzer etwas abseits des sinnvollen Standards (Punkt 1) tun möchte, soll er in der Doku nachschauen. Wer das nicht tut oder kann, sollte die Finger von komplexeren Systemen lassen.

Es ist kein Dienst am Benutzer, unter irgendwelche Vorwänden wie der Benutzerfreundlichkeit mit Software zu versuchen, das Denken zu übernehmen. Es kostet immens Zeit auf Seiten der Entwickler, die als endliche Ressource an anderer Stelle zwangsläufig fehlen muss, und kultiviert auf der Seiten der Benutzer Unfähigkeit - was durch eine Software wie Flatsweep bereits belegt ist.

Und auch wenn ich mich jetzt weiter unbeliebt mache: Vor 25 Jahren wäre man für so eine Sache wie Flatsweep bei den Linux-Benutzern ausgelacht worden - vollkommen zu Recht.

Klaus
Geschrieben von Klaus am 8. Juli 2026 um 12:00

"Vor 25 Jahren ... " Die Linux Anwender von heute sind nicht mehr die von vor 25 Jahren. Linux weitet seine Anwenderschaft langsam aus und erreicht mittlerweile auch Nutzerschaften, die einfache Dinge auf einfach Arten tun wollen, die sich an den Bedienkonzepten der heutigen, dominierenden Mobilgeräten anlehnen. Ich finde das gut.

Klaus
Geschrieben von Klaus am 8. Juli 2026 um 12:07

" ... Denken abmehmen ..." Das Denken hat doch schon stattgefunden: Es soll aufgeräumt werden. Da darf doch jede/r das Tool frei wählen.

Anonym
Geschrieben von Anonym am 8. Juli 2026 um 12:16

Ganz meiner Meinung, Alex.

kabocha
Geschrieben von kabocha am 8. Juli 2026 um 13:03

> Achtung: Die Parameter –unused und –delete-data müssen separat aufgerufen werden.

Müssen sie? Mit flatpak uninstall --unused --delete-data bin ich bisher ans Ziel gekommen.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 8. Juli 2026 um 18:00

Bei Linuxnews.de hat jemand kommentiert, dass es so nicht geht. Es würde nur der --unused Parameter ausgeführt, nicht aber der --delete-data Teil. Ich habe das nicht getestet.

spriggins
Geschrieben von spriggins am 8. Juli 2026 um 14:05

> ich äussere eine Kritik an den Paketverwaltungen. Warum sind diese nicht in der Lage, Optionen beim Deinstallieren von Flatpaks anzubieten? Es wäre doch kein Problem, wenn diese Werkzeuge eine optionale Auswahl für die Entfernung von abhängigen Paketen und Benutzerdaten anbieten würden.

Weil so in Linux die Kommandozeile nicht funktioniert.

Schreib dir ein Script, was das macht und einfach die beiden Befehle enthält, erstell dir einen Alias, einen Cron-Job oder irgendwas. Ist leider so und ist zum Glück so - wie auch immer man es sehen will. Flatpak in der Kommandozeile ist kein interaktives Script, es ist schlicht und ergreifend ein Linux-Befehl und man kann schon froh sein, dass die Philosophie "eine Aufgabe ein Programm" hier nicht Blüten getrieben hat und gleichzeitig kann man all das machen, was du willst. apt oder apt-get sind z.B. genau das: Scripte für dpkg.

Ich verstehe, wenn jemand Flatsweep nutz aber brauch es nicht. Du kannst auch über das Software-Center das Paket entfernen, dann werden Cache/Einstellungen und mitinstallierte Pakete entfernt.

tuxfanmatze
Geschrieben von tuxfanmatze am 11. Juli 2026 um 15:46

Hier der komplette alias für apt (Debian/Ubutu):

alias clean-all="sudo apt autoremove --purge; sudo apt-get clean; flatpak uninstall --unused; flatpak uninstall --delete-data"

#oder mit Speicherplatzanzeige:
# Freien Speicherplatz ermitteln, der Name der root-Partition kann mit „lsblk“ ermittelt werden, Wert bei „part /“: sdX oder hdX oder nvme0n1pX (X ist ein Platzhalter für den eigentlichen Namen)
alias diskf='echo $(df -h | grep sda4 | tr -s " " | cut -f4 -d" ")'
alias clean-all="diskf > /tmp/diskf.old; sudo apt autoremove --purge; sudo apt-get clean; flatpak uninstall --unused; flatpak uninstall --delete-data; cat /tmp/diskf.old; diskf"