FreeBSD vorgestellt

Mo, 1. März 2021, Niklas

FreeBSD ist eine Weiterentwicklung der Berkeley Software Distribution, die wiederum von AT&Ts UNIX Betriebssystem abgeleitet wurde. Es ist mit tausenden Mitwirkenden eins der grössten Open-Source-Projekte. Das Projekt wirbt mit einer besonders guten Performance. Aus diesem Grund wird das System für einige der grössten Internetplattformen verwendet, wie etwa Yandex, Yahoo oder Netflix.

Aber natürlich lässt sich FreeBSD auch hervorragend auf Desktop Computern einsetzen, auch wenn das einige Schritte im Terminal erfordert. Alternativ gibt es einige auf FreeBSD aufbauende Distributionen, die gleich ein voll einsatzbereites System mit grafischem Desktop anbieten. Diese werde ich an den kommenden Tagen vorstellen.

FreeBSD selbst kommt ohne grafischen Desktop, sogar ganz ohne X Server. Für die Installation des Betriebssystems sind trotzdem keine Terminalkenntnisse erforderlich. Ein terminal basiertes Interface führt schrittweise durch die Installation. Meistens kann man die Standardeinstellung einfach bestätigen. Auch die WLAN-Verbindung lässt sich direkt im Installationsprogramm einrichten.

Was sich leider nicht einfach im Installationsprogramm auswählen lässt, ist eine Desktop-Oberfläche. Und so findet man im fertig installierten FreeBSD nur ein Vollbildterminal vor. Durch das Terminalprogramm pkg lässt sich Software auf FreeBSD, so wie auch auf den meisten anderen UNIX-basierten Betriebssystemen verwalten.

Das Repository von FreeBSD ist sehr umfangreich. Es beinhaltet auch viele weniger bekannte Projekte. Die dort vorhandenen Pakete sind auch sehr aktuell gehalten. Ausserdem besitzt FreeBSD eine Binärkompatibilität zu Linux, wenn der entsprechende Kernelmod aktiviert wird. Das bedeutet, dass fertig kompilierte Linux Software (auch proprietäre) ohne weiteres auf FreeBSD installiert und benutzt werden kann.

Mit pkg install xorg ist der X Server schnell installiert, mit pkg install lightdm sowie pkg install lightdm-gtk-greeter installiert man den LightDM Display Manager, wo man sich mit Benutzername und Passwort anmelden kann, um zum grafischen Desktop zu gelangen.

Auf FreeBSD steht so ziemlich jede Desktop-Oberfläche zur Verfügung, die auch auf Linux installiert werden kann. Ich habe mich für Cinnamon entschieden und wollte es mit pkg install cinnamon installieren, was auch funktionierte. Damit der grafische Desktop direkt beim Hochfahren startet bzw. überhaupt gestartet werden kann, sind zwei Einträge in der Datei /etc/rc.conf notwendig:

dbus_enable="YES"
lightdm_enable="YES"

Nach einem Neustart werdet ihr feststellen, dass LightDM erscheint und Tastatureingaben akzeptiert, aber die Maus nicht funktioniert. Das liegt daran, dass der Mouse Daemon zusätzlich gestartet werden muss. Das geht mit einem weiteren Eintrag in /etc/rc.conf:

moused_enable="YES"

Nach einem weiteren Neustart und dem Wechsel ins Terminal mit STRG+ALT+F1 zeigt sich erneut eine Besonderheit von FreeBSD: Es unterstützt auch im Vollbildterminal eine Maus. Diese ist weiss und verpixelt und lässt sich wie in einer Desktop-Oberfläche benutzen.

Quellen:

tux.
Geschrieben von tux. am 1. März 2021

Wobei mir gerade ausgesprochen wenig Software für Linux einfällt, die es nicht eh nativ für FreeBSD gibt.

Niklas
Geschrieben von Niklas am 4. März 2021

Open-Source Software fuer Linux kann relativ einfach auch fuer FreeBSD kompiliert werden. Bei proprietaerer Software sieht das anders aus. Vor allem geschaeftliche Software und Spiele sind leider immernoch meistens closed-source und koennen nur ueber die Linux Binaerkompatibilitaet funktionieren, vorausgesetzt es existiert ueberhhaupt ein Build fuer Linux.

wow
Geschrieben von wow am 1. März 2021

In der Tat FreeBSD ist ein phantastisches OS -allein schon die Trennung zwischen OS und Applikationen-, vor allen Dinge ist längst nicht soviel Wildwuchs vorhanden wie in Linux. FreeBSD richtet sich strikt nach dem KISS-Prinzip und behält auch den Unix-Standard (wenn auch nicht mit System V init, sondern BSD-Init) bei. Aber keine Rose ohne Dornen: Leider habe ich schlechte Erfahrungen gemacht mit acpi und auch Powermanagement. Auf meinem Medion Rechner aus dem Jahre 2015 ist es mir bislang nicht gelungen, beispielsweise ein funktionierendes Suspend (S3) oder Hibernate (S4) einzurichten. Deshalb bleibe ich notgedrungen doch bei Linux, da mit im täglichen Alltag wenigstens das Suspend sehr wichtig ist. Ich möchte nicht jedes Mal alles aufrufen müssen. Aber ich hoffe, daß es sich auch mehr in Unternehmen etabliert. Da habe ich gelegentlich mehr als beste Erfahrungen gemacht.

tux.
Geschrieben von tux. am 1. März 2021

Und da kommen wir wieder zu den feinen Unterschieden zwischen den BSDs: ACPI und Powermanagement sind unter OpenBSD fantastisch.

Niklas
Geschrieben von Niklas am 4. März 2021

Ein Artikel ueber OpenBSD wird voraussichtlich auch noch erscheinen ;)