Freie Software als Feigenblatt

Fr, 18. September 2020, Lioh Möller

Freie Software oder oftmals auch Open Source ist aktuell in aller Munde. Selbst Firmen wie Microsoft, die bereits seit Gründung gegen die als Hobbyisten belächelten Entwickler gewettert haben, scheinen zumindest äusserlich ihre Liebe für offenen Quellcode entdeckt zu haben. Tatsächlich steckt viel mehr ein kluges Marketing und das Aufnehmen von Resonanzen des Marktes dahinter.

'Freie Software Feigenblatt' ist ein weiteres Phänomen, welches aktuell häufig zu beobachten ist. Die Europäische Union empfiehlt seit einiger Zeit vermehrt den Einsatz von Open Source und durch den Wegfall des Privacy Shields werden Unternehmen fast gezwungen sich nach offenen Alternativen umzusehen. Ausschreibungen werden dahingegen angepasst, dass Freie Software mit berücksichtigt wird und Dienstleister aus diesem Umfeld erstellen fleissig Angebote und setzen Prototypen auf. Zum Vertragsabschluss kommt es dennoch oft nicht, denn im Hinterkopf haben die Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen sich bereits auf ein proprietäres Produkt ihrer Wahl (meist aus dem Hause Microsoft) festgelegt. Ausschreibungstexte werden so formuliert, dass nur ein ganz bestimmtes Produkt infrage kommen kann oder es werden Anforderungen gesetzt, welche bekanntermassen von der Freien Lösung nicht erfüllt werden können. Dies ist insbesondere dann ärgerlich, wenn sich Dienstleister und Hersteller von Freier Software viel Mühe machen, um die Kundenwünsche zu erfüllen.

Fraglich ist welche Möglichkeiten die Community hat, um solchen Situationen entgegenzuwirken. Einerseits ist es sicher wichtig darauf aufmerksam zu machen, wie viel Herzblut in Freier Software steckt. Und das ist weitaus mehr als ein 'We ♥ Linux' auf einer Microsoft-Folie.

Die Vorteile gegenüber proprietären Lösungen werden glücklicherweise in der Zwischenzeit auch von der Presse besser wiedergegeben. Der Begriff Digitale Souveränität ist dennoch weitestgehend unbekannt, was unter anderem sicher auch dem etwas sperrigen Begriff zu verdanken ist. Hingegen ist Digitale Nachhaltigkeit bereits vielen bekannt und deckt neben den Aspekt der Freien Software auch einen ökologischen Umgang mit Ressourcen ab. Die letztendliche Entscheidung Freie Software in Unternehmen einzusetzen, sollte in jedem Falle aus Überzeugung getroffen werden und nicht aus rein marktwirtschaftlichen Gründen.

Foto von Sputnikcccp.