Freie Software ist kein Wunschkonzert

Do, 25. November 2021, Lioh Möller

Fehlende Features, Bugs und ähnliches frustrieren oftmals klassische Nutzer vor Freier Software. Ihren Unmut tun sie meistens lautstark in Chats, Foren oder Issue-Tracker kund. Dabei wird leider oftmals vergessen, dass Projekten in der Regel nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen. Viele kleinere Anwendungen werden oft von Einzelpersonen in ihrer spärlichen Freizeit programmiert. Das bedeutet nicht, dass frische Ideen grundsätzlich schlecht sind, es sollte jedoch ein Grundverständnis dafür bestehen, dass man diese auch selbst implementiert. Code spricht mehr als tausend Worte und so ist ein Feature Request mit direkt verlinktem Pull Request, mit dem die Funktion umgesetzt wird, das beste Mittel der Wahl.

Nun verfügt aber nicht jeder über die entsprechenden Kenntnisse und ist daher nicht in der Lage, die gewünschte Funktion selbst zu implementieren. In solchen Fällen macht zunächst einmal der Ton die Musik. Einem kommerziellen Softwarehersteller schreibt man ja auch nicht: Hey fixed mal eure Software, das ist ja nicht zum Aushalten. Wobei dies wohl oftmals angebracht wäre.

Aufgrund der Zugänglichkeit von Freier Software fallen all diese Hemmschwellen und es wird beschwert, gemotzt und gemeckert. Die Empfehlung lautet grundsätzlich freundlich darauf aufmerksam zu machen und geduldig zu bleiben. Natürlich ist sich jeder selbst am nächsten und für eine Person mag es aktuell unglaublich wichtig sein, dass ein bestimmter Fehler behoben wird oder eine Funktion implementiert wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Entwickler die gleiche Haltung hat, geschweige denn entsprechende Kapazitäten dies zu realisieren.

Eine alternative Möglichkeit ist es über sogenannte Bounties die Entwicklung finanziell zu fördern. Eine bekannte Plattform dafür wäre Bountysource. Unabhängig davon ist es empfehlenswert, die persönliche Erwartungshaltung anzupassen und zu versuchen, sich in die Rolle des Entwicklers zu versetzen.