Gentoo auf neuen Wegen - neue Wege zu Gentoo

  Reto   Lesezeit: 9 Minuten  🗪 21 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Portage im Zusammenspiel mit Binärpaketen in Gentoo-Linux. Wege zur Installation und Systempflege.

gentoo auf neuen wegen - neue wege zu gentoo

Es ist über 20 Jahre her: bewaffnet mit einer Nadel-gedruckten Ausgabe des Gentoo-Handbooks (eine der ersten), hämmerte ich Kommandozeilen in die Tastatur. Daneben ächzte ein 386er beim kompilieren, wilde Zeichenketten fluteten den Röhrenbildschirm - über Tage eine unveränderte Szenerie. Schon damals übte Gentoo eine unglaubliche Faszination auf mich aus, für mich die Göttin aller Distros. Aber dann wurde es dennoch Windows, auch privat (bis auf gelegentliche Linux-Ausflüge); lange war Windows (bis Win7) auch ein gutes Betriebssystem. Seit ich mich von dem zum Edel-Trojaner mutierten Win10/11 vollständig trennte, tanze ich wieder mit dem Pinguin. Und ziemlich erwartbar ächzte neulich erneut ein Rechner - lasst mich kurz erzählen.

Drei Dinge kamen kürzlich zusammen:

  1. Mein Brötchengeber erfreute mich mit einem ziemlich potenten Notebook.
  2. Ein unerwarteter Paradigmenwechsel überraschte mich: Gentoo bietet seit einiger Zeit auch vorkompilierte Binaries an! Man muss also nicht mehr stundenlang jedes Paket aus Source kompilieren. Das machte mich sehr neugierig.
  3. Den finalen Anschub gab dann aber der Umstand, dass ein System mit OpenRC, Wayland, GDM und Gnome nach meinem Kenntnisstand derzeit nur mit Gentoo umzusetzen ist.

Portage macht den Unterschied

Wenn wir über den Gentoo-Paketmanager Portage sprechen, denken viele sofort an stundenlanges Kompilieren. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Vorteile eines auf Maß kompilierten Systems aus Source sind sicher jedem klar; dazu gibt es genug Literatur und Erfahrungsberichte. An dieser Stelle möchte ich aber mal beleuchten, was Portage auf einem rein binär aufgesetztem Gentoo (so wie mehrheitlich alle Distros) leistet.

Portage wurde zu einem hybriden Kraftpaket weiter entwickelt. Selbst wenn man es rein als Binär-Paketmanager nutzt, ist es herkömmlichen Systemen wie `apt` (Debian/Ubuntu), `dnf` (Fedora) oder `pacman` (Arch) in puncto Langzeitstabilität und effizienter Hardwareausnutzung potenziell überlegen.

  • Slotting: Portage Unterstützt Slots. Es kann mehrere Versionen derselben Software oder Bibliothek gleichzeitig installiert lassen wenn andere Programme sie benötigen. Bei einem großen Update trennt Portage dann auch Abhängigkeiten über Versionen hinweg, statt diese stumpf zu überschreiben.
  • Metadaten-Bewusstsein bei Binärpaketen: Ein Binärpaket bei z.B. Debian ist "starr". Portage hingegen prüft, ob die einkompilierten Features (USE-Flags) zu deinen Systemeinstellungen passen. Es verhindert inkonsistente Zustände und meldet diese ggf. schon vor der Installation des Pakets damit man reagieren kann bevor das System crasht.
  • Der Hybrid-Ansatz als Sicherheitsnetz: Stell dir vor ein Programm im Binär-Repositorium fehlt für deine Architektur. Du weist Portage nun einfach an: "Installiere alles binär, außer dieses eine Paket – das baue ich mir kurz selbst aus den Quellen." Du bist nie festgefahren. Die Fähigkeit, nahtlos zwischen Binär und Source zu wechseln, garantiert, dass du Sicherheitsupdates sofort bekommst, auch wenn das Binär-Repo noch nicht so weit ist.
  • Deep Dependency Tracking & World-File: Herkömmliche Manager neigen dazu, über die Jahre verwaiste Pakete anzuhäufen, die niemand mehr braucht, die aber das System verstopfen oder Konflikte verursachen. Portage unterscheidet strikt zwischen dem, was _du_ willst (World-File), und dem, was das _System_ braucht. Mit `emerge --depclean` entfernt Portage radikal alles, was nicht mehr benötigt wird, aber nur, wenn die Abhängigkeitskette absolut sicher ist. Dein System bleibt auch nach Jahren so sauber wie am ersten Tag. "System-Fäulnis" (Software Rot) wird aktiv verhindert.
  • Konfigurations-Schutz: Portage installiert niemals Konfigurationen einfach über deine bestehenden Dateien. Es parkt sie in einer Warteschlange. Du nutzt Tools wie `dispatch-conf`oder `etc-update`, um Änderungen zu vergleichen und zu bewerten. Du behältst die volle Kontrolle über deine Systemeinstellungen, ohne dass ein automatisches Update deine individuelle Konfiguration zerschießt.

Warum dann überhaupt etwas anderes installieren als Gentoo Linux?! Die Antwort ist: Man bekommt es nicht geschenkt! Der Aufwand für die Installation ist in jedem Fall beträchtlich und für die Wartung und Pflege benötigt man neben mehr Zeit vor allem Kompetenz, nur dann wird das Stabilitäts- und Performanceversprechen auch eingelöst.

Ich habe nachfolgend mehrere Zugänge auf unterschiedlichen "Niveaustufen" ausprobiert und umgesetzt. Außerdem beschreibe ich an mehreren Stellen wie KI (neben dem Handbuch) gerade für Gentoo überaus nützlich ist.

Der Einstieg über Calculate-Linux

Ich fange mal mit Scheitern an. Calculate-Linux ist eine ganz normale Distribution mit einem grafischen Installer; nach 20 Minuten hat man ein Gentoo-System auf dem Rechner, top konfiguriert, mit z.B. einer perfekte Btrfs-Partitionstabelle. Meine Idee war: ich spare mir elegant den Tag / die Tage für die Gentoo-Installation indem ich einfach auf den Gentoo-Binärkernel (Dist-Kernel) wechsle und statt der Calculate-Repos die Gentoo-Binär-Repos einbinde. Der Wechsel zum Gentoo-Kernel war easy, aber am Rest habe ich mir erfolglos die Zähne ausgebissen - wäre ja auch zu schön gewesen. Grund: Calculate Linux ist ein vollständiges 32 Bit-System mit einigen Calculate-Tools die tief ins System greifen. Zumindest von mir ließ es sich nicht zu 64 Bit Gentoo konvertieren.

Für wen ist Calculate-Linux? Dazu fällt mir im Nachgang echt nichts ein.

Reines Binär-Gentoo

Damit sollte man immer starten. So kann man das System in einem Rutsch installieren und wird nicht durch stunden- / tagelange Kompilierzeiten unterbrochen. Aber trotzdem gilt auch hier uneingeschränkt das Gentoo-Universalrezept: "Read the manual!" Das Handbuch ist brillant, man lernt während der Installation und Konfiguration eine Menge dazu - aber das Lesen benötigt enorm viel Zeit, da im Handbuch alle Fälle und Varianten beschrieben sind. Man muss also permanent bewerten und entscheiden, welche Parts für das eigene System relevant sind. Lesen, Recherchieren und Entscheiden ist das Zeitraubendste an der Installation.  Gerne hätte ich geschrieben "Mit Binaries hat man ruck-zuck Gentoo auf dem Rechner", die Wahrheit ist: Installation von Basissystem + Desktopumgebung + Basiskonfiguration hat bei mir länger als einen Tag gedauert - und ich war nur deshalb erfolgreich, weil ich mir Hilfe geholt hatte:

Wie KI hier hilft ... KI und Gentoo ist eine perfekte Paarung. Schon bei der Installation kann man sich helfen lassen, wenn man z.B. unsicher ist, ob der im Handbuch beschriebene optionale Schritt für das eigene System sinnvoll ist. KI kann helfen den anfänglichen Kompetenzrückstand auszugleichen und trägt damit zu einer erfolgreichen Installation und einem stabilen System bei. Meine Helfer waren: Claude (Anthropic) mit dem Opus-Modell, Microsofts Copilot (gut für Coding-Themen durch die Nähe zu Github) und Le Chat (Mistral).

Auch relativ neu: Gentoo bietet neben dem Minimal-Image ein Live-GUI-Image an, so wie man es anderswo gewohnt ist. Nach dem Boot vom Stick hat man ein vollwertiges Gentoo mit KDE (nur den Install-Button sucht man leider vergeblich). Damit kann man Konsole und Handbuch parallel nutzen, also auch mal einen längeren String rüber kopieren - und man hat den Browser mit KI(s) seiner Wahl offen. Daneben könnte man sich in der Phase der Kernelkonfiguration die automatisch ermittelten Hardware-Spezifika vom Live-System übergeben lassen.

Allerdings sollte man unbedingt zuerst mit dem Distributions-Kernel starten und nicht gleich selbst einen Kernel bauen. Dist-Kernel sind vorkompilierte Kernel die, wie jedes andere Softwarepaket auch, einfach installiert werden. Der Hauptvorteil liegt darin, dass Kernel-Updates ganz normal über den Paketmanager beim `@world upgrade`, also dem großen Systemupdate mit eingespielt werden. Dist-Kernel sind die üblichen Allrounder, welche für die Mehrzahl der Systeme Support bieten.

Nachdem alles eingerichtet war konnte ich mich an einem höchst performantem System erfreuen. Aber Paket-Installation und Updates laufen bei Gentoo auch im Jahr 2026 nicht über eine GUI! Portage nimmt nur Befehle über Kommandozeilen entgegen, da gewöhnte ich mich schnell dran. Andererseits verstehe ich jeden, der das unzeitgemäß und unkomfortabel findet.

Der normale "Office-User" sollte sich überlegen, ob er es mit dem Binär-Gentoo gut sein lässt. Man hat bis hierhin ein ultrastabiles System mit fast normalem Update-Aufwand. Warum nur "fast"? `emerge --ask` , gibt wichtige Informationen vor der Installation aus und via `eselct news` bekommt man Hinweise zu neuen Paketen und Einstellungen. Das sollte man unbedingt lesen und ggf. löst das dann auch eine Aktivität aus. Beispiel: Neulich stand in den News, dass die neue Version vom Druckdienst `cups` zukünftig für die reibungslose Kommunikation mit neuen Druckern noch ein Zusatzpaket benötigt. Jetzt kann ich mich entscheiden dieses noch zu installieren.

Wie KI hier hilft ... Ich empfehle hier die Kernkompetenz eines LLM zu nutzen, so wie man es evtl. auch beruflich mit längeren Texten macht. Die Meldungen kopieren, dem LLM mit der Frage übergeben: "Besteht Handlungsbedarf ...?".

Hybrides System

Wie oben schon geschrieben verwaltet Portage auch hybride Systeme mit einer Mischung aus Source- und Binärpaketen einwandfrei. Manchen Paketen kann man durch die Kompilierung aus Source mit den richtigen Parametern (einfache Textdatei im Portage Datei-Zweig) zu massiv mehr Performance verhelfen. Das sind vor allem Browser, Office-Paket und alle Pakete die etwas mit Grafik zu tun haben (z.B. ein RAW-Entwicklungsprogramm). Daneben kann man noch einzelne Systempakete wählen, hier vor allem auch das grafische System. Den Rest (auch die Desktopumgebung) würde ich binär lassen.

Wie hier KI hilft ... Welche "Zauberwörter" in der Datei für das Source-Paket geschrieben werden sollten, hat mir absolut zuverlässig die KI beantwortet. Kein Vergleich zum Zeitaufwand einer klassischen Internetrecherche.

Damit bekommt man einen massiv spürbaren Performanceschub bei den gewählten Anwendungen, kauft sich aber ein, dass die Installation und das World-Update unter Umständen mehrere Stunden laufen. Aber das kann man ja über Nacht laufen lassen.

Gentoo pur

Der Reiz war einfach zu groß, letztendlich habe ich dann doch den Switch zu einem 100% Source-Gentoo vollzogen. Dafür sagt man Portage einfach, dass alle Pakete von Source kompiliert werden sollen und das läuft dann durch. Mit "läuft dann durch" waren es auf meinem Alder-Lake Ultra 5 mit 32 GB RAM und schnellem zram-Swap sage und schreibe 35 Stunden für die etwa 1300 Pakete. Die Belohnung ist ein durchwegs atemberaubender Systemspeed. Beispiel: Doppelklick auf ein LibreOffice-Textdokument; also LibreOffice starten + das Dokument laden dauert 1,5 Sekunden.

Zu einem reinen Gentoo gehört natürlich auch ein selbst kompilierter Kernel. Ich konnte dabei 2/3 aller geladenen Module des Dist-Kernel raus schmeißen. Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich trotzdem kaum eine Veränderung bemerkt habe, vlt. minimal kürzerer Boot.

Wie hier KI hilft ... Zuerst lässt man sich über diverse Befehle (KI hilft) eine komplette detaillierte Übersicht über die eigene Hardware generieren. Danach lässt man die KI die Kernel-Config-Datei anpassen, was in erster Linie ausdünnen bedeutet. Einlesen, `make` , Grub neu generieren - das war's auch schon.

Da meine Hardware-Architektur noch relativ neu ist und perfekt angepasste Kernelmodule erst noch eingepflegt werden, nutze ich daher die nächsten Monate doch noch den Dist-Kernel und schaue beim Kernel-Update immer nach, ob diese Module jetzt drin sind. Erst dann dünne ich nochmal aus.

Letzte Worte

Mein Beitrag ist ausdrücklich keine Empfehlung für Gentoo, sondern soll eher Bericht, vielleicht Anregung sein und bestenfalls eine Entscheidungshilfe bieten. Mein persönliches Erlebnis: Ich habe nun tatsächlich nach über 20 Jahren wieder cleanes Gentoo auf meinem Rechner, irgendwie auch emotional.

Für Nachahmer stelle ich meine Installationszusammenfassung zur Verfügung - gerne Kommentare in die Kommentare, aber bitte keine Supportanfragen - Read the manual!

Titelbild: selbst

Quellen: im Text

Tags

Gentoo, Portage, KI

Thomas
Geschrieben von Thomas am 20. März 2026 um 09:39

Dank für den ausführlichen Artikel, sehr interessant und verständlich dargestellt. Auch deine Anleitung finde ich sehr hilfreich.

Ich komme aus einer Zeit, da gab es noch keine (oder weniger) Kernel-Module. Wollte man einen Service einrichten, musste der Kernel neu gebacken werden. Hat damals sehr lange gedauert...

Als alter Debianer bin ich inzwischen 'to leasy'. Sollte ich wirklich mal mein System zerschießen, was sehr selten vorkommt, ist ein neues System dank getrennter Home Partition auch schnell wieder neu aufgesetzt.

Alles sehr interessant, vielen Dank.

Patrick
Geschrieben von Patrick am 20. März 2026 um 10:45

Sehr schöner Bericht, sowas finde ich immer interessant im Hinblick auf meinen Zwei/Drittrechner, auf denen ich fröhlich zu Lernzwecken experimentieren kann :-). Meine bisherigen Erfahrungen mit Gentoo beruhen auf Sabayon Linux, aber ich meine, das gäbe es nicht mehr...

Carsten
Geschrieben von Carsten am 20. März 2026 um 12:22

FYI: Mit Pentoo gibt es eine auf Gentoo basierte Penetration Testing LIVE-CD Distro https://www.pentoo.org/ Lustigerweise auch unter einer Schweizer Domain zu erreichen https://pentoo.ch/

Weichwarebauer
Geschrieben von Weichwarebauer am 20. März 2026 um 13:02

Ich bezweifle, dass vor 20 Jahren auf einem 386 Gentoo installiert wurde. :)

Abgesehen davon, schönen Gruß von einem Langzeit Gentoouser.

Reto
Geschrieben von Reto am 20. März 2026 um 14:20

Wahrscheinlich hast du Recht. Ich hatte zwar den 386DX40 mit mathematischem Coprozessor, aber nicht mehr in den Nullerjahren. Da war es eher schon ein 586er. Danke für den Hit mit dem Ellenbogen :D

Lioh Möller
Geschrieben von Lioh Möller am 20. März 2026 um 16:50

Was hältst du denn von CalamaroOS

Es scheint das Beste beider Welten zu kombinieren.

https://sourceforge.net/projects/calamaroos/

Reto
Geschrieben von Reto am 20. März 2026 um 19:47

Hallo, sagt mir gar nichts. Mein Ziel war ja immer pures Gentoo. Ich hatte nur die verwegene Idee über eine Gentoo-Distro eine Abkürzung zu nehmen (Redcore hatte ich neben Calculate auch versucht). Davon kann ich nur abraten! Der Aufwand Gentoo mit den Binärpaketen zu installieren ist definitv geringer und man hat dann auch keine Altlasten im System.

alterknacker
Geschrieben von alterknacker am 20. März 2026 um 18:25

Mal ehrlich, das sind meiner Meinung nach Distros für masochistische Nerds. Was gibts da noch: Slackware. Welchen Vorteil haben solche Distris gegenüber den sonstigen Varianten? Würde mich freuen wenn mich jemand sachkundig aufkläert!

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 20. März 2026 um 21:45

Hallo alterknacker

Na klar, sind das Distros für Nerds. Du hast "Linux from Scratch" vergessen. Diese Distros haben den Vorteil, dass sich diejenigen, die es mögen, sehr tief in die Materie einarbeiten können. Entweder, weil sie Linux von Grund auf lernen möchten, oder einfach aus Interesse. Zum Glück gibt es bei Linux diese Vielfalt.

thorsten
Geschrieben von thorsten am 2. Mai 2026 um 12:12

In erster Linie geht es um Systemkontrolle und der speed bonus ist schon echt eine Klasse für sich, selbst auf älterer Hardware. Den sollte man schon einfach mal selbst erlebt haben. ;)

FenrisDerWolf
Geschrieben von FenrisDerWolf am 16. Mai 2026 um 16:45

Du hast völlig recht, wenn man sich eine Distro aus der Dose holt, hat man es sehr viel leichter. Für mich steht im Vordergrund alte Hartware so lange wie möglich zu nutzen, da kommt nicht aus der Dose in frage. Außerdem dieser BS mit Arch nie wieder, noch nie hatte ich ein so kaputtes Linux mit Gentoo als Arch mit Packeten aus dem AUR. Das zumindest ist für mich wichtig. Jeder hat seinen eigenen Ansatz ;) Gruß Fenn

kaligule
Geschrieben von kaligule am 21. März 2026 um 07:08

Megacooler Artikel. Für mich war Gentoo immer sowas wie "Maraton laufen": Würde ich gerne mal machen, übersteigt aber im Moment meine Möglichkeiten.

Wer Gentoo einsetzt erntet damit sogar unter Linuxnerds Respekt :)

Fofelolixox
Geschrieben von Fofelolixox am 22. März 2026 um 12:29

Interessanter Artikel, den ich mir auf jedenfall mal merken werde. Aktuell ist mein Ziel noch, Arch am rollen zu halten, aber Gentoo steht auch schon länger auf der Liste. Ich hoffe, ich finde irgendwann mal die Zeit und Motivation, es wirklich anzugehen.

Reto
Geschrieben von Reto am 22. März 2026 um 15:17

... und genau das ist schade! Gentoo ist zu gut, um ein Nerd-Dasein in der Nische zu fristen. Eine ganz starke Motivation für den Bericht war es zu zeigen, dass Gentoo zumindest den etwas fortgeschrittenen Lunux-User nicht überfordert - vor allem dann, wenn man beim Binärsystem bleibt.

Christian Becker
Geschrieben von Christian Becker am 23. März 2026 um 07:27

Schön, dass du es nach 20 Jahren geschafft hast. :o)

Du schreibst ja eigentlich "über 20" - also wäre theoretisch ein alter 386er, der noch als Bastelsystem rumsteht, möglich gewesen. Als Geburtstag von Gentoo gilt der 4. Oktober 1999. Da hatte man meist schon einen Pentium II oder K6 mit deutlich mehr Leistung und Arbeitsspeicher als ein 386er das normalerweise boten.

Der Einstieg über Calculate erscheint clever. Ich habe mich auch darüber gewundert, was du schriebst: > Grund: Calculate Linux ist ein vollständiges 32 Bit-System mit einigen Calculate-Tools die tief ins System greifen. Ich habe mal gerade nachgeschaut, alle Abbilder, die man da laden kann, sind als x86_64 ausgezeichnet. Sehr seltsam.

> Aber Paket-Installation und Updates laufen bei Gentoo auch im Jahr 2026 nicht über eine GUI! Portage nimmt nur Befehle über Kommandozeilen entgegen,

Das ist der offizielle Weg. Mit Kuroo gibt es aber ein graphisches Tool - das gibt die Befehle sicherlich im Hintergrund per Kommandozeile an portage weiter - wie bei vielen grafischen Frontends so üblich.

> Zu einem reinen Gentoo gehört natürlich auch ein selbst kompilierter Kernel. Ich konnte dabei 2/3 aller geladenen Module des Dist-Kernel raus schmeißen. Wenn ich ehrlich bin muss ich sagen, dass ich trotzdem kaum eine Veränderung bemerkt habe, vlt. minimal kürzerer Boot.

Deutlich schnelleres Kompilieren bei Rauswurf der unnötigen Module, kleinerer Kernel, kleineres initramfs

> Mit "läuft dann durch" waren es auf meinem Alder-Lake Ultra 5 mit 32 GB RAM und schnellem zram-Swap sage und schreibe 35 Stunden für die etwa 1300 Pakete.

Kommt mir lang vor, aber ich habe lange keine 1300 Pakete mehr kompiliert. Kommt auch drauf an, was da für Pakete bei sind. qtwebengine und gtk-webkit nerven definitiv.

Reto
Geschrieben von Reto am 23. März 2026 um 10:56

Danke für den Tipp mit Kuroo, das schaue ich mir mal an.

Und oben hatte ich ja schon geschrieben, dass ich mich bei der Hardware falsch erinnert hatte. Um die Jahrtausendwende rum war ich schon lange kein Student mehr, da hatte ich dann schon bessere Hardware.

Calculate Linux liefert traditionell ein Multilib-Profil mit abi_x86_32-Unterstützung aus, und wenn man versucht das Profil zu wechseln oder die @world-Menge bereinigt neu aufzubauen, führt das zu massiven Abhängigkeitskonflikten. Ich habe dann aufgegeben. Zudem noch andere Baustellen übrig geblieben wären. Ich fühlte mich mit der Idee der Migration zu Beginn besonders schlau - im Nachgang kann ich nur abraten. Gentoo als Binärsystem aufzusetzen, und zwar gleich so wie man es möchte (Desktopumgebung, ...), geht wahrscheinlich erheblich schneller und man hat es dann clean. Calculate nutzt nämlich auch überall andere Dateinamen - Beispiel: make.conf ist da ein Verzeichnis und der Inhalt liegt in einer Datei mit dem Namen custom.

Christian Becker
Geschrieben von Christian Becker am 24. März 2026 um 21:34

> make.conf ist da ein Verzeichnis und der Inhalt liegt in einer Datei mit dem Namen custom.

Das geht bei Gentoo ebenfalls. Man kann ein Verzeichnis make.conf erstellen und dann darin beliebige Dateien erstellen, die in Summe dann der Datei make.conf bei einer klassischen Installation entsprechen. Man könnte also eine Datei CHOST erstellen, eine FEATURES, eine USE etc. und da jeweils nur das reinschreiben, was da reingehört. Ist vielleicht für die Konfigurationstools von Calculate einfacher zu handhaben und sicherer zu bearbeiten.

Aus dem Gentoo-Wiki: Like many Portage configuration files, make.conf can be a directory, and its contents will get summed together as if it were a single file.

Das mache ich z.B. auch mit package.use - das ist bei mir ein Verzeichnis und darin dann einzelne Dateien für einzelne Pakete und deren USE flags.

kamome
Geschrieben von kamome am 25. März 2026 um 08:17

Danke, alte Erinnerungen :)

Kann sein, dass die Binaries früher nicht von Gentoo direkt kamen, aber Repos gab es auch schon vor über 20 Jahren (meine Gentoo-Zeiten waren pre-1.0 und noch mal kurz vor der Umstellung auf Jahreszahlen.

Immerhin muss die Software damals doch noch deutlich schlanker gewesen sein – zumindest in meiner Erinnerung lief ein world (X, OOo, Mozilla) damals in ~ drei Tagen durch (mit 256 MB!). Ich bin nicht sicher, ob diese Maschine heute überhaupt noch ein volles System kompilieren könnte, bräuchte aber sicher wesentlich länger.

Ginge OpenRC, Wayland, Gnome nicht auch mit Devuan?

FenrisDerWolf
Geschrieben von FenrisDerWolf am 16. Mai 2026 um 16:37

Ich spiele schon seit Ende 2001 mit Gentoo, damals noch mit Stage 1 (nie wieder). Für mich war das lange Zeit nur eine Spielwiese. Doch seit den LLMs, ist das was ganz anderes, habe zwei Laptops und drei Surface Tablets in einem Distcc Netzwerk am laufen, wo die Kompilierung viel Hardware schondender vonstatten geht. Es ist unfassbar wieviel Leistung aus einem Surface pro 3 rauskommt.Gentoo mit Niri und keine Programme von GNOME und KDE und du hast ein Hammer Tablet. Die Arbeit lohnt sich absolut, und der vorgeschlagene Weg über Calculon ist für den ambitionierten Poweruser eine echte vereinfachung. Mein tipp, wagt es, und ihr werdet am Schluß nicht enteuscht sein, schöne Grüße an alle;)) Fenn

Lioh Möller
Geschrieben von Lioh Möller am 30. Juni 2026 um 22:30

Reto, der Link zu deiner Nextcloud-Anleitung scheint nicht mehr zu gehen. Könntest du den bitte nachliefern?

Reto
Geschrieben von Reto am 1. Juli 2026 um 21:54

Hi Lioh, ich habe den Link gefixt.