GNOME 41

Do, 23. September 2021, Ralf Hersel

Nachdem im Frühling GNOME 40 mit grossen Änderungen erschienen ist, beschränkt sich die neue Version 41 auf wenige, aber interessante Details. Schauen wir, was die GNOME-Entwickler in den letzten 6 Monaten zustande gebracht haben. Zu den bemerkenswertesten Änderungen in dieser Version gehören eine verbesserte Software-Anwendung, neue Multitasking-Einstellungen und verbesserte Energieverwaltungsfunktionen.

Die neue Version bringt auch signifikante Verbesserungen für Entwickler mit sich, darunter eine neue Dokumentationswebseite für Entwickler, eine neue Version der Human Interface Guidelines, neue Funktionen in der Builder-IDE, GTK-4-Verbesserungen und vieles mehr. Neu ist GNOME 41 in 38 Sprachen verfügbar.

Energie sparen

Mit GNOME 40 wurde eine neue Einstellung für den Energiemodus eingeführt. Diese ermöglicht das Umschalten zwischen drei Energiemodi, die sowohl die Leistung als auch den Stromverbrauch beeinflussen:

  • Performance: erhöht die CPU-Leistung und den Stromverbrauch, wodurch viele Anwendungen und Aktivitäten schneller ausgeführt werden können.
  • Balanced: der Standard-Energiemodus, der eine normale Leistung und einen normalen Stromverbrauch bietet.
  • Power Saver: langsamere Leistung und geringerer Stromverbrauch.

Der Performance-Modus ist nur auf Hardware verfügbar, die diese Funktion unterstützt, ansonsten wird diese Option nicht angezeigt.


Mit GNOME 41 wurde die Funktion des Energiesparmodus verbessert. Dieser kann nun schnell über das Systemstatusmenü gewechselt werden und der Energiesparmodus wurde verbessert, sodass der Bildschirm schneller verdunkelt und ausgeblendet wird, wenn er aktiv ist. Der Energiesparmodus schaltet sich auch automatisch ein, wenn der Batteriestand niedrig ist.

Ausserdem wurde eine erste Unterstützung für Anwendungen hinzugefügt, die einen bestimmten Stromsparmodus anfordern können. Dies ist vor allem für Anwendungen von Bedeutung, die auf Leistung angewiesen sind, wie z. B. Spiele, die den Leistungsmodus anfordern können.

Neu gestaltete Software-App

Das Software-Center wurde für GNOME 41 überarbeitet, sodass es besser aussieht und funktioniert als zuvor. Die aktualisierte Erkundungsansicht erleichtert das Durchsuchen und Entdecken von Anwendungen mit Beschreibungen zu jeder Anwendung und attraktiveren Kacheln. Eine neue Reihe von Kategorien hilft beim Durchsuchen und Erkunden der verfügbaren Anwendungen. Die Detailseiten haben ein neues Design, mit grösseren Screenshots und neuen Informationskacheln, die einen besseren Überblick über jede Anwendung bieten.


Fast jeder Bereich der Software wurde aufpoliert oder in irgendeiner Weise verbessert. Dazu gehören neu gestaltete Einstellungen, attraktivere Layouts in den Ansichten für installierte Anwendungen und Updates, bessere Banner für Betriebssystem-Upgrades und vieles mehr. Die Änderungen sind aber nicht nur oberflächlich: Unter der Haube wurden viele Fehler behoben und Verbesserungen vorgenommen, die das Programm schneller und zuverlässiger machen.

Multitasking

GNOME 41 enthält ein neues Multitasking-Einstellungsfeld, welches Optionen für die Fensterverwaltung und den Arbeitsbereich enthält. Diese erlauben:

  • Deaktivieren der Hot Corner für Aktivitäten.
  • Deaktivieren der aktiven Bildschirmränder.
  • Konfigurieren einer festen Anzahl von Arbeitsbereichen.
  • Anzeige von Arbeitsbereichen auf allen Bildschirmen, anstatt nur auf dem primären Bildschirm.
  • Beschränkung des App-Wechsels auf den aktuellen Arbeitsbereich bei Verwendung des Tastaturkürzels Super+Tab.

Neue Connections-Anwendung

GNOME 41 enthält Connections, einen neuen Remote-Desktop-Client. Dieser bietet eine moderne, einfach zu bedienende Möglichkeit, sich mit anderen Desktops zu verbinden, wobei ein Grossteil der Komplexität automatisch erledigt wird.

Es werden sowohl VNC- als auch RDP-Verbindungen unterstützt. Connections ersetzt die Remote-Desktop-Funktionalität, die zuvor in Boxes enthalten war. Die Remote-Funktionen in Boxes, wurden bereits in GNOME 40 entfernt.

Mobile Einstellungen

GNOME 41 enthält ein neues Einstellungsfeld für mobile Netzwerke. Dieses ermöglicht die Konfiguration mobiler Netzwerkverbindungen und funktioniert mit 2G-, 3G-, 4G- und GSM/LTE-Modems.


Die neuen Einstellungen für das mobile Netzwerk werden nur angezeigt, wenn ein unterstütztes Modem vorhanden ist. Sie ermöglichen die Einstellung des Netzwerktyps, die Auswahl, ob mobile Daten verwendet werden sollen und ob Daten beim Roaming verwendet werden sollen. Sie unterstützen auch die Verwendung mehrerer SIM-Karten und Modems und ermöglichen einen einfachen Wechsel zwischen den Netzen. Die neuen Einstellungen ersetzen die bisherigen Einstellungen für mobile Netzwerke.

Leistungsverbesserungen

GNOME arbeitet kontinuierlich an der Verbesserung von Leistung, Reaktionsfähigkeit und Laufruhe und GNOME 41 enthält eine Reihe von Verbesserungen in diesem Bereich.

  • Effizienzverbesserungen in GNOME 41 bedeuten, dass sich der Bildschirm als Reaktion auf Tastatur- und Zeigereingaben schneller aktualisieren wird. Diese Änderung betrifft nur diejenigen, die die Wayland-Sitzung verwenden, und die Auswirkungen werden bei einigen Bildschirmen deutlicher zu sehen sein als bei anderen (die Verbesserung ist bei Bildschirmen mit niedrigeren Bildwiederholraten deutlicher).
  • Multitouch-Gesten auf Systemebene verhalten sich jetzt zuverlässiger und konsistenter.
  • GTK 4 hat einen neuen Standard-GL-Renderer, der schnelleres Rendering und geringeren Stromverbrauch bietet.
  • Schliesslich wurde der Code von Mutter, dem Fenstermanager von GNOME, gründlich aufgeräumt, was die langfristige Wartbarkeit und Effizienz verbessern wird.

Musik

Die Musik-Anwendung wurde für GNOME 41 einer Reihe von UI-Aktualisierungen unterzogen. Die Grafiken sind nun grösser und haben abgerundete Ecken, die Interpretenliste enthält Bilder, eine neue Albumansicht enthält einen praktischen Abspielknopf und die neu gestaltete Playerleiste ist geräumiger. Musik hat auch neue Willkommensgrafiken.

Das ist noch nicht alles

GNOME 41 enthält viele weitere, kleinere Verbesserungen. Dazu gehören:

  • Die Möglichkeit, verschlüsselte .zip-Archive im Datei-Manager zu erstellen (diese erfordern ein Passwort, um geöffnet zu werden).
  • Eine neue Kalenderfunktion, die das Importieren von Ereignissen aus .ics-Dateien ermöglicht.
  • Verbesserte Unterstützung für den dunklen Modus in Web, zusammen mit schnellerem Aufziehen zum Zoomen (auf schweren Websites) und besserer Handhabung von nicht reagierenden Websites.
  • Bessere Grössenanpassung des Fensters im Rechner: Beim Vergrössern des Fensters werden nun zusätzliche Steuerelemente angezeigt, und das Fenster wird auch verkleinert, damit es auf mobile Displays passt.

Alle Neuerungen und Verbesserungen werden in nächster Zeit in den GNU/Linux-Distribution, die den GNOME-Desktop anbieten, zur Verfügung stehen. Recht schnell bei den Rolling-Releases, etwas später bei den Distros mit festen Veröffentlichungszeiten und noch später bei den LTS-Versionen. Wer auf heissen Kohlen sitzt und die neuen Funktionen jetzt schon ausprobieren möchte, kann die Test-Distro GNOME-OS herunterladen und in einer virtuellen Maschine ausprobieren, z.B. in GNOME-Boxes.

Quelle: https://help.gnome.org/misc/release-notes/41.0/