Serienteile
- Teil 1: Einleitung, Installation und Einrichtung
- Teil 2: Transaktionen (das ist dieser Artikel)
- Teil 3: Händler
- Teil 4: Fazit
Falls ihr unserem ersten Teil dieser Artikelserie gefolgt seid, habt ihr die GNU-Taler-Wallet-App auf eurem Android-Smartphone installiert und eingerichtet. Zudem habt ihr von eurem Privatkonto einen Geldbetrag auf die GNU-Taler-Exchange (und damit auf eure Taler-Geldbörse) übertragen. In diesem zweiten Teil geht es um alle Transaktionen, die man als Privatperson mit GNU Taler ausführen kann. Falls ihr Hintergrundinformationen benötigt, verweise ich auf den ersten Teil und die darin verlinkten weiteren Beiträge.
Transaktionen
Die möglichen Transaktionen werden durch das Aktivitätenmenü in der Taler-Wallet abgebildet. Klickt man auf das Taler-Logo, werden die Aktivitäten eingeblendet:
Abheben
Die erste Aktion "Abheben" haben wir bereits im ersten Teil dieser Serie kennengelernt, weshalb ich nicht erneut auf die Details eingehe. Damit überträgt man Geld von einem normalen Konto (Privatkonto, Girokonto, usw.) über die Exchange auf das Wallet. Dieser Vorgang kann ein paar Tage dauern und hängt von der Überweisungsgeschwindigkeit der eigenen Bank ab. Bis die Überweisung abgeschlossen ist, wird sie im Wallet als "ausstehend" angezeigt.
Bei den Assets (das ist der Startbildschirm in der Taler-App) sieht man, dass ich 5 Franken in der Geldbörse (Taler-Wallet) habe. Ausserdem gibt es eine ausstehende Transaktion in Höhe von ebenfalls 5 Franken. Das ist die Überweisung von meinem Privatkonto, auf die das Wallet wartet.
Einzahlen
Das ist die umgekehrte Aktion wie das "Abheben". Damit überweist man einen Betrag vom Wallet an die eigene Bank. Man könnte meinen, dass eine Voraussetzung dafür ist, dass man die Bank in den Einstellungen der Taler-App vorgenommen hat. Dem ist nicht so. Falls ihr dennoch euer Bankkonto eingegeben habt, werdet ihr Folgendes erleben: Um die Überweisung an die Bank auszulösen, klickt man im Menü auf die Aktivität "Einzahlen" und wählt dann das Zielkonto aus.
Wie ihr seht, funktioniert das nicht. Ihr könnt nicht auf ein Bankkonto überweisen, welches ihr in den Einstellungen der App von Hand eingegeben habt. Stattdessen müsst ihr zuerst einen Betrag von eurem Konto an das Wallet überweisen. Dadurch wird in der Wallet automatisch (beim Eingang der Überweisung) ein Bankkonto angelegt. Nur dieses könnt ihr verwenden, um Geld zurückzuüberweisen.
Der ganze Prozess sieht so aus:
Ich habe 10 Franken auf meinem Wallet. Dann tippe ich auf Einzahlen um die Überweisung von der Wallet auf mein Bankkonto auszulösen. Nun wähle ich das Zielkonto aus. Aber Achtung! Die Überweisung auf ein von Hand angelegtes Konto funktioniert nicht. Das geht nur, wenn man vorher eine Zahlung vom Bankkonto auf das Wallet erhalten hat, weil dadurch ein korrekter Bankkonto-Eintrag in der App erzeugt wurde. Diesen müsst ihr auswählen. Im Screenshot seht ihr den Falschen (UBS alt) und den Richtigen (Es wurde kein Kürzel angelegt). Ändert die Daten dieses Bankkontos nicht; nein, auch nicht die Beschreibung, weil es danach nicht mehr funktioniert.
Nachdem ihr das richtige Bankkonto angetippt habt, könnt ihr den zu überweisenden Geldbetrag eingeben und auf Einzahlung ausführen tippen.
In der Übersicht seht ihr dann, dass 2 Franken abgehend sind und ihr die KYC-Überprüfung (know your customer) durchführen müsst. Hier gibt es die Gelegenheit, die Transaktion abzubrechen. Ansonsten tippt ihr auf KYC vervollständigen, woraufhin ihr hier landet:
Hier müsst ihr das PDF herunterladen. Ja, ladet es einfach herunter. Das erscheint zwar völlig sinnfrei, ist jedoch aus regulatorischen Gründen zwingend. Dann akzeptiert ihr die 'Terms of Service' und tippt auf Submit. Fertig ist die Wurst.
In der Wallet-App könnt ihr dann sehen, was geht und was gegangen ist. Bei allen Transaktionen zwischen dem Wallet und eurer Bank, oder umgekehrt, müsst ihr immer ein bis mehrere Tage warten, bis die Transaktion vollzogen ist.
Senden
Diese Aktion dient der Überweisung eines Geldbetrags von der eigenen Wallet an eine andere. Das nennt man auch Peer-to-Peer-Übertragung. Die Aktion wird mit einem Klick auf die Schaltfläche "Senden" gestartet.
Dann erscheinen klare Angaben:
- Ich kann maximal 5 Franken überweisen, weil sich nicht mehr Geld in meiner Wallet befindet.
- Man kann auswählen, über welche Exchange der Betrag übertragen werden soll.
- Im Feld "Betrag" wird der tatsächlich zu übertragende Geldbetrag eingegeben.
- Es ist sinnvoll, einen "Buchungsvermerk" anzugeben, damit die Empfängerin die Überweisung einordnen kann.
- Die Transaktion kann terminiert werden. Sie wird automatisch abgebrochen, falls sie nach n Tagen nicht durchgeführt werden konnte.
Nachdem man die Schaltfläche "Send Fr. 2.00" gedrückt hat, sieht man die nötigen Informationen, um die Geldübertragung überhaupt ausführen zu können. Das sind ein QR-Code oder eine URI: taler://pay-push/exchange ... Der QR-Code enthält genau diese URI und nichts anderes. Am Ende der URI befindet sich ein 52-stelliger Schlüssel, der auf den Screenshots nicht zu sehen ist. Der QR-Code im Screenshot ist natürlich auch verschleiert.
Fassen wir zusammen: Lioh hat für mich in der Bar eine Limonade für 2 Franken bezahlt. Diesen Betrag möchte ich nun an Lioh zurückzahlen. Ich habe die 2 Franken in der Taler-App an Lioh gesendet. Das ist nicht korrekt beschrieben, weil Lioh in dieser Transaktion überhaupt nicht erscheint, weder mit einer Telefonnummer einem Namen noch mit einer anderen Referenz. Nur so funktioniert ein anonymer Geldtransfer.
Damit Lioh das Geld empfangen kann, muss ich den QR-Code oder die URI an Lioh über einen anderen Kanal übermitteln, z. B. per E-Mail oder über einen Messenger. Lioh kann nun den QR-Code oder die URI in ihrer Taler-Wallet eingeben, um den Geldempfang auf ihrer Seite auszulösen.
Jede Transaktion mit GNU Taler benötigt eine zweiseitige Aktion. Da sich die Transaktionspartner nicht kennen (technische Anonymität), müssen beide eine Aktion ausführen.
Geben Sie die Taler-URI ein oder scannen Sie den QR-Code
Damit Lioh die 2 Franken von mir empfangen kann, hat sie die URI oder den QR-Code von mir über einen anderen Kanal erhalten. Diesen Code gibt sie jetzt in der Taler-App ein. Das geschieht entweder über die Aktion "Geben Sie die Taler-URI ein" oder mit "QR-Code scannen".
Erhalten
Das ist die umgekehrte Aktion wie das oben beschriebene "Senden" und läuft ähnlich ab:
Nach dem Klick auf die Schaltfläche "Erhalten" gibt man den angeforderten Betrag ein. Dann fügt man einen Buchungsvermerk und ein Ablaufdatum für die Forderung ein. Nach einem Druck auf "Request Fr. 25.00" erscheinen die Transaktionsdaten (QR-Code und URI). Diese übermittelt man an die zahlungswillige Person, welche den Code in der Taler-App eingibt, wie ich es im vorherigen Kapitel beschrieben habe.
Fazit
Das war es für diesen Teil der Artikelserie. Alle Aktionen, um Geldtransaktionen durchzuführen, wurden beschrieben. Was man im Kopf behalten sollte, sind diese Punkte:
- Alle Beteiligten an den Transaktionen bleiben anonym. Es werden keine Identifikatoren von der Taler-Wallet übertragen.
- Deshalb sind immer zwei Aktionen notwendig, z. B. "Senden und Empfangen", oder "Anfordern und Abschicken", oder "Abheben und Banküberweisung durchführen".
- Es fühlt sich alles ein wenig hölzern und nerdig an, aber das wollen wir ja! Oder lieber nicht, wenn es um Geld geht!
Im dritten Teil dieser Artikelserie wird es um die Händler gehen. Dort schauen wir, wie man als Kiosk-Anbieter Kaugummis verkaufen, als GNU/Linux.ch Spenden beziehen und als Veranstalter die Mate verkaufen kann.
Beim letzten Congress (39C3) gab es einen Vortrag zu GNU Taler, den ihr euch hier ansehen könnt. Leider halte ich den Vortrag nicht für besonders erhellend, aber ich möchte ihn euch nicht vorenthalten.
Titelbild: https://pixabay.com/vectors/money-transfer-mobile-banking-7185873/
Quellen:
https://www.taler.net/de/index.html
https://www.taler.net/de/wallet.html
https://taler-ops.ch/de/users-android.html
https://media.ccc.de/v/39c3-von-groschen-und-spurlos-gnu-taler-auch-auf-eurem-event











Das wird Uschi vdL nicht gefallen. Bin mal gespannt, wann die ersten "Gegenmaßnahmen" kommen.
Hallo, super Artikel! Mir gefällt die Idee von GNU Taler sehr! Ich finde es aber ein bischen schade, dass die einrichtung der Bank so mühseelig ist & damit vielleicht auch eine Hürden für Normalgebrauchern grösser ist... Ich fände es toll wenn TWINT und andere (vor allem amerikanische) Zahlungsdienste mit einer solchen FOSS Lösung abgelöst werden könnten, damit lokale Kleinbetriebe weniger unter finanziellen Druck der Abgaben kommen (in der Regel mehrere hundert Franken). Ich habe noch eine Frage: Wieso muss bei Anfordern/Senden eine Nummer angegeben werden? Vielen Dank und Liebe Grüsse
Beim Anfordern, Senden muss keine Nummer eingeben werden. Du gibst den Betrag ein und dann kann die Forderung per QR-Code oder URL übermittelt werden. Auf der Gegenseite muss dann nur der QR-Code gescannt und die Zahlung bestätigt werden – fertig.
Specki, eigentlich ist das gar nicht so kompliziert wie in diesem Teil beschrieben. Dabei handelt sich um einen Fehler, der in der neuesten Version der Android-App bereits behoben wurde: https://bugs.gnunet.org/view.php?id=10896
Vielen Dank für die tolle Artikelserie, die noch einmal ein schönes Entree für Taler schafft und hoffentlich hilft, die Möglichkeiten stärker ins Bewusstsein zu heben.
Dich begeistert die Idee von des Bezahlsystems Taler und Du möchtest es selbst mal mit Franken testen? Super, dann tue mir einen Gefallen und warte noch etwas. Es wird von Taler einen offiziellen Test geben, für den viele aus der Community gesucht werden. Es sollen unter anderem Banklaufzeiten, aber natürlich auch eventuelle Schwierigkeiten erfasst werden. Aktuell wird noch an einem Testshop gearbeitet über den Taler-Sticker erworben werden können.
Wenn Du Mastodon nutzt, schicke mir am besten eine kurze Notiz, dann informiere ich Dich sobald es soweit ist. Herzlichen Dank schon einmal für den Support.
Versteh ich nicht... Wenn ich aber keine nummer angebe, dann überschreitet meine anforderung den mindestbetrag. Ich werde noch weiter testen. Danke für den hinweis
Damit Lioh das Geld empfangen kann, muss ich den QR-Code oder die URI an Lioh über einen anderen Kanal übermitteln, z. B. per E-Mail oder über einen Messenger.
Was passiert, wenn jemand die E-Mail abfängt? Kann diese Person das Geld in Empfang nehmen?
Hi klt. Da gibt es zwei Wege. Empfangen, sowas wie anfordern oder Senden. Wenn du mir CHF 5 über Taler schicken willst, generiere ich über den Empfangenen Knopf dafür einen Anforderungslink/QR. Den schicke ich dir. Wenn den jemand abfängt, darf mir der Abfänger die CHF 5 schicken. Bei der Senden Funktion empfehle ich direkt den QR Code zu scannen, wenn beide vor Ort sind.
Danke Lioh für Deine Antwort.
Noch besser als den Test zu lesen, ist es auch selber zu testen. Taler hat dafür ab sofort ein Formular bereit gestellt. Funktioniert bereits mit Schweizer Franken und einem eigenen Taler Shop nur für diesen Test. Teilnehmende können Taler Sticker erwerben, die es anders bislang nicht käuflich zu erwerben gibt. https://framaforms.org/gnu-taler-in-der-schweiz-testen-1769011106 Bitte beachtet, die Seite speichert keine Daten, somit auch nicht Eure Eingaben. Daher am besten:
Ganz lieben Dank an alle, die uns so unterstützen. Leserinnen und Leser von GNUlinux.ch wissen ja selbst, Community Projekte fliegen nur durch die Community. In diesem Sinne: lieben Dank.