Haiku (Teil 4): Den Workflow optimieren

Fr, 16. April 2021, Niklas

Im letzten Teil haben wir Haiku auf unseren Computern, Laptops, etc. installiert. Heute möchte ich meine Ausführungen des zweiten Teils noch einmal vertiefen. Haiku ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Das freie Betriebssystem kennt einige Tipps und Tricks, mit denen es sich viel produktiver bedienen lässt.

Mit einer einfachen Tastenkombination kann man die Fenstergrösse viel einfacher ändern. Das Stacking erlaubt ein Anordnen der Fenster wie die Tabs eines Webbrowsers. Und mit Tiling können zwei oder mehr Fenster einfach aneinander geklebt werden. Replikanten bringen Widgets auf den Desktop.

Wer auf die gewohnte Art und Weise versucht, die Grösse eines Haiku Fensters zu ändern, wird enttäuscht feststellen, dass das hier besonders schwierig ist: Nur auf der kleinen Ecke unten rechts ändert sich die Grösse, auf den Rahmen wird das Fenster lediglich verschoben.

Benutzt man nun einen Rechtsklick, kann man die Fenstergrösse auch an allen Rahmen ändern. Aber der ist doch immer noch viel zu schwierig zu treffen, oder? Nun, auf anderen Systemen müsste man diese Unbequemlichkeit akzeptieren. Bei Haiku hilft die Tastenkombination STRG+ALT. Hält man diese gedrückt, kann man mit Rechtsklick und Ziehen an einer beliebigen Stelle im Fenster die Fenstergrösse am nächstgelegenen Rahmen verändern.

Habt ihr euch eigentlich auch schonmal gewünscht, Fenster zusammenfassen und wie Browsertabs benutzen zu können? Also einfach mit einem Klick dazwischen wechseln, ohne jedes einzelne verschieben, maximieren und minimieren zu müssen? Dann geht jetzt ein Wunsch in Erfüllung, denn Haiku unterstützt genau das von Haus aus.

Zieht man die Titelleiste eines Fensters mit gedrückter Windows Taste auf eine andere, verschmelzen sie sozusagen miteinander und haben ihre Titelleisten nebeneinander angeordnet, um einfach wechseln zu können. So verbundene Fenster haben automatisch die gleiche Grösse, Grössenänderungen gelten für alle gleichzeitig und sie werden immer gemeinsam verschoben oder minimiert. Nur schliessen kann man sie nach wie vor einzeln.

Auf diese Art und Weise kann man beliebig viele Fenster kombinieren. Man kann sie nachher auch wieder aus der Kombination heraus lösen, indem man wieder die Windows Taste gedrückt hält und die Titelleiste aus dem Verbund heraus an eine eigenständige Position zieht. Achtung: Neue Fenster müssen immer wieder neu in den Stacking Verbund eingefügt werden. Das Speichern über Neustarts hinweg ist ebenfalls nicht möglich.

Benötigt man mehrere Fenster immer gleichzeitig nebeneinander, beispielsweise ein Terminal und dazu die passende Anleitung, dann lassen sich die Fenster durch die Tiling Funktion regelrecht aneinander kleben. Auch hierzu wird ein Fenster bei gedrückter Windows Taste verschoben, allerdings müssen die Fenster sich hier am Rahmen berühren.

Hier werden die kombinierten Fenster ebenfalls immer gemeinsam minimiert und verschoben. Wenn sie nebeneinander verklebt sind, übernehmen sie Höhenänderungen gemeinsam. Sind sie übereinander, werden Breitenänderungen gemeinsam übernommen. Natürlich können auch mehrere Fenster kombiniert und sowohl nebeneinander als auch übereinander angeordnet werden.

Einige native Haiku Programme bieten sogenannte Replikanten an, erkennbar an dem kleinen Symbol unten rechts an jedem Element, das als Replikant genutzt werden kann. Replikanten sind vergleichbar mit Widgets, die eher auf Handys verbreitet sind, wobei beispielsweise KDE Plasma und Windows diese Funktionalität durchaus auch anbieten.

Haiku hat das Widget-Konzept mit seinen Replikanten aber deutlich einfacher nutzbar gemacht. Wenn ein Programm Replikanten mitbringt, kann das kleine Symbol unten rechts einfach an eine beliebige Stelle auf dem Desktop gezogen werden, verbleibt dann dort und ist immer geöffnet, auch über Neustarts hinweg. Das bietet sich beispielsweise beim Taschenrechner DeskCalc an, wenn man häufig etwas ausrechnen muss.

Ein Vorteil von Replikanten gegenüber herkömmlichen Widgets ist, dass sie exakt die Funktionalität abbilden, die ansonsten der entsprechende Teil eines Programms übernimmt, wo man den Replikanten herausgezogen hat. Es handelt sich nicht um eine vereinfachte, in der Funktion eingeschränkte Form des Programms.

Nun seid ihr bereit, auch komplexe Aufgaben mit Leichtigkeit auf eurem Haiku Computer/Laptop zu erledigen. Aber welche Aufgaben kann es überhaupt erledigen? Welche Software ist verfügbar? Was kommt direkt vorinstalliert? Darauf möchte ich am Montag näher eingehen.

Quelle: https://www.haiku-os.org/docs/userguide/de/gui.html

Horst
Geschrieben von Horst am 16. April 2021

Ich habe Deine Haiku-Beiträge mit Interesse gelesen, weil ich immer mal wieder Linux-Distributionen kennenlernen will. Distro-Hopping ist einem irgendwie in Fleisch und Blut übergegangen...

Bei meinem Produktiv-PC verwende ich - of course - Debian-Stable (Gnome3 mit Wayland). Auf meinem Laptop ist die geniale Solus-Distribution mit der Oberfläche "Budgie" installiert.

So, jetzt zu Haiku: Interessant, orginell aber im Alltag nicht recht brauchbar und mit verlaub imho alberner Oberfläche.

Niklas
Geschrieben von Niklas am 18. April 2021

Warum denn nicht brauchbar? Ja, einige Stellen gibt es noch, die optimiert werden muessen und dazu wird auch noch ein Beitrag in dieser Reihe erscheinen, aber ich finde schon, dass man damit einen Grossteil der alltaeglichen Arbeiten erledigen kann.
Und die Oberflaeche koennte tatsaechlich mal wieder aufgefrischt werden, da ist wohl seit BeOS nicht mehr viel passiert. Aber albern finde ich sie nicht, sieht halt nach den 90ern aus.

Horst
Geschrieben von Horst am 19. April 2021

„...Warum denn nicht brauchbar?…“

> Also mir geht es hier jetzt nicht darum, „HAIKU“ niederzumachen. Vielmehr finde ich Kreativität immer interessant. Um auf Deine Frage einzugehen: „HAIKU“ geht in vielen Dingen eigene Wege. Das ist aber für einen Casual-User noch umständlicher, wie der Wechsel von Windows überhaupt. Zum Beispiel ist Deine Installationsanweisung völlig korrekt. Wer sie aber braucht, ist mit “HAIKO“ imho bereits schlecht beraten. Weiterhin fehlen wichtige Basisprogramme zum Rippen, Bearbeiten von Multimediadateien, für Tabellenfunktionen, Browser-Add-Ons etc. pp. Dig It?

Zur Oberfläche: „...Aber albern finde ich sie nicht, sieht halt nach den 90ern aus…“

> Ich habe das Wort „albern“ gewählt, weil mir die Oberflächen-Icons a la „rosa Einhorn“ eher für Kinder geeignet erscheinen. Ich hätte zum Beispiel die Papirus-Icons bevorzugt.

Niklas
Geschrieben von Niklas am 20. April 2021

Was moechtest du denn rippen? DVDs? Dafuer ist das Programm dvdbackup im HaikuDepot verfuegbar (nicht selbst ausprobiert).
Bearbeiten von Multimediadateien? Gut, dass du es ansprichst. Ist ein sehr interessantes Thema, das ich noch in den Beitrag fuer morgen einbauen kann. Das ist naemlich sehr wohl moeglich, es ist sogar eine grosse Auswahl an Programmen fuer Videodateien, Audiodateien und sogar eins fuer 3D Objekte im HaikuDepot vorhanden.
Tabellenfunktionen? Sowas wie Excel? Kein Problem. LibreOffice oder Calligra Suite installieren, die koennen das beide.
Bei den Browser Addons muss ich dir leider Recht geben. Die verfuegbaren Browser auf Haiku sind ein Trauerspiel. Der Otter Browser hat immerhin noch recht viele eingebaute Funktionen, aber Addons kann auch der nicht.
Die Icons gefallen mir persoenlich eigentlich ganz gut. Gehen halt nicht diesen Flat Trend mit. Alternativ koennen die Breeze Icons vom KDE Projekt installiert werden. Diese lassen sich im Qt Configurator fuer alle Qt Programme zum Standard machen, fuer native Haiku Programme allerdings nicht.
Was stimmt denn mit der Druckereinbindung nicht? Ich hab hier keinen Drucker in der Naehe und kann es nicht ausprobieren, aber Haiku scheint ausgereifte Druckereinstellungen zu haben, wo man sogar auf eine Warteschlange zugreifen kann und so weiter. Als Treiber fuer Drucker ist Gutenprint im HaikuDepot verfuegbar. Das ist das gleiche Treiberpaket, das auch Linux und macOS verwenden.

Horst
Geschrieben von Horst am 20. April 2021

Nachtrag: Das Ganze ist zur Zeit noch ein unreifes Entwicklerspielzeug. Interessant, aber noch weit entfernt von Alltagsbrauchbarkeit. Nur ein Beispiel: Es fehlt eine solide Duckereinbindung.