Init Freedom: Parabola GNU/Linux-libre

Do, 23. Dezember 2021, Niklas

Ähnlich wie das bereits vorgestellte Artix Linux basiert auch Parabola GNU/Linux-libre auf Arch Linux. Das Projekt ist allerdings wesentlich älter, es startete bereits im Jahr 2009. Während Artix nur auf systemd verzichtet, liegt der Fokus von Parabola auf dem Verzicht unfreier Software. Hier wird Linux-libre als Kernel eingesetzt, ein Fork des Linux Kernels, aus dem alle proprietären Treiberblobs entfernt wurden.

Als Init System kann wahlweise OpenRC oder systemd genutzt werden, meinen Test habe ich natürlich mit der OpenRC Variante durchgeführt. Parabola ist übrigens auch für 32Bit x86 und ARMv7hf Systeme verfügbar, wobei es den Grossteil der Pakete von Arch Linux 32 und Arch Linux ARM bezieht und jeweils mit seinen freien Versionen bestimmter Pakete ergänzt.

Parabola GNU/Linux-libre bietet wahlweise ein CLI ISO für die traditionelle Installation über das Terminal oder ein ISO mit vorinstalliertem LXDE Desktop an. Ich installierte Arch normalerweise gerne über das Terminal, um genau zu wissen, was auf meinem System vorgeht. Angesichts der Tatsache, dass ich nur einen kurzen Test durchführen will, entscheide ich mich heute für die einfachere Variante mit LXDE. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellen wird.

Das System startet ohne Probleme, alle Treiber bis auf WLAN sind vorhanden - das war auch nicht anders zu erwarten, ich nutze stattdessen USB Tethering, denn eine Internetverbindung ist zur Installation von Parabola zwingend erforderlich. Es holt alle Pakete bei der Systeminstallation direkt aus dem Repository.

Ich starte nun das Installationsprogramm. Ich erhoffe mir eigentlich ein ausgereiftes grafisches Programm, das mich durch ein paar wenige Konfigurationsschritte führt und mir dann ein funktionierendes System gibt. Leider ist das Installationsprogramm das genaue Gegenteil, eine Vollkatastrophe. Es zeigt ein User Interface im Terminal an, das sehr kompliziert gestaltet ist, keine klare Benutzerführung bietet und, selbst wenn man es geschafft hat, alles korrekt einzurichten, kein funktionierendes System hinterlässt.

Schon die Auswahl der Festplatte finde ich verwirrend. Es reicht nicht, einen Eintrag in der Liste auszuwählen und mit Enter zu bestätigen. Stattdessen muss vorher ein X mit der Leertaste gesetzt werden, sonst wird immer /dev/sda gewählt. Wenn ich hier nicht genau aufgepasst hätte, hätte ich mir meine NomadBSD Installation überschrieben, anstatt des USB-Sticks, den ich zum Testen verwenden möchte. Das Installationsprogramm wirft mir im weiteren Prozess sehr viele Fehlermeldungen entgegen, die ich allerdings nicht lesen kann, weil sie zu schnell wieder vom Menü verdeckt werden. Am Ende gehe ich mit arch-chroot in das neue System, um einige Fehler zu beheben und stelle fest, dass nicht mal pacman korrekt installiert wurde.

Ich breche an der Stelle ab, lösche alles und starte über die manuelle Installation mittels Terminal nochmal komplett von vorne. Die Anleitung von Parabola GNU/Linux-libre ist etwas umfangreicher, als die des normalen Arch Linux, da für OpenRC ein paar zusätzliche Schritte berücksichtigt werden müssen. Der Grossteil ist jedoch identisch, also führe ich einfach einmal die Routine aus, die ich inzwischen fast im Schlaf beherrsche.

Ich installiere zunächst die Basispakete plus Syslinux als Bootloader, dazu openrc-desktop, was bei Parabola für grafische Desktops gebraucht wird und als Desktopumgebung installiere ich das leichtgewichtige LXDE. Alles funktioniert einwandfrei. Ich sehe keine Fehlermeldungen mehr und das neu installierte System startet auf den ersten Versuch erfolgreich in die grafische Oberfläche mit minimalistischer Ausstattung an Programmen.

Parabola GNU/Linux-libre bietet eine riesige Auswahl an Programmen an, die meisten davon werden direkt von Arch Linux kopiert. Nur unfreie Software wird entfernt und oft durch freie Software mit dem gleichen Zweck ersetzt. So finde ich beispielsweise auch hier keinen original Firefox, stattdessen habe ich die Wahl zwischen GNU IceCat, der auf der LTS Version von Firefox basiert und IceWeasel, der vom Parabola Projekt selbst gepflegt wird und auf der normalen Firefox Version basiert.

Viele Open-Source-Programme passt Parabola selbst an, um sie noch freier zu machen. Bei meinem bevorzugten Textverarbeitungsprogramm AbiWord wird beispielsweise der Link zu Google unter Tools sowie die Unterstützung für unfreie Schriftarten entfernt. Beim GNOME Web Browser wird Google durch die abgespeckte DuckDuckGo Version DuckDuckGo HTML ersetzt.

Als langjähriger Arch Linux Nutzer finde ich mich bei Parabola schnell zurecht. Es orientiert sich auch 12 Jahre später noch stark am Original, bietet aber den grossen Vorteil, zu 100 % auf freie Software zu setzen. Die einzige Einschränkung ist, dass die Treiberverfügbarkeit bei Linux-libre schlechter ist, als beim normalen Kernel, da unfreie Treiber eben entfernt werden. Auf vielen Desktop Computern und auf Servern sollte einem Wechsel zu Parabola wenig im Weg stehen, auf Laptops besteht das Risiko, dass unter anderem WLAN, Touchpad und Touchscreen häufig nicht mehr funktionieren. Hier kann ein Test mit dem LXDE Live ISO vor der Installation sinnvoll sein.

Parabola GNU/Linux-libre herunterladen

Fazit: Wenn die Hardware passt, sehe ich keinen Grund, noch beim normalen Arch zu bleiben. Der Ausflug zu Parabola GNU/Linux-libre wirkt befreiend. Es ist ein Linux, wie es im Sinne der GNU Richtlinien für freie Systemdistributionen vorgesehen ist und fühlt sich einfach richtig an. Ausprobieren lohnt sich. Und wenn die Hardware doch nicht so gut mit Linux-libre harmonisiert, bietet Artix Linux einen guten Kompromiss, um zumindest systemd loszuwerden.

Tipp: Wer Arch Linux bereits installiert hat, muss Parabola GNU/Linux-libre nicht komplett neu installieren. Genau wie Artix bietet auch Parabola eine Anleitung zur Migration im laufenden System an. Der Wechsel der Distribution ist nicht viel mehr, als eine Änderung der Repository-Adressen. Nur die Umstellung von systemd zu OpenRC ist mit etwas mehr Aufwand verbunden.

Quellen: