Über die gerade erschienene Desktop-Version von Collabora hat Ralf bereits berichtet und die technischen Hintergründe erklärt. Mir gefällt diese (Libre-)Office-Variante recht gut, auch wenn sie sicher noch nicht perfekt ist. Gerade im Kompaktmodus wirkt sie auf mich schlank und aufgeräumt. [1] Da ich hauptsächlich mit Markdown-Editoren arbeite, habe ich mir unter diesem Gesichtspunkt einmal Collabora Desktop näher angeschaut. Der Collabora-Entwickler Miklos Vajna bezieht sich in einem Blog-Beitrag [2] auf einen Markdown-Import-Export-Filter, der wohl "unter der Haube" bereits in Writer eingebaut ist und in der nächsten Zeit auf public geschaltet werden könnte.
Zumindest der Import-Teil des Filters funktioniert bereits direkt nach der Installation in Collabora Desktop 25.03.7.2. Markdown-Dateien können direkt über das Kontextmenü der Dateimanager ausgewählt werden und werden formatiert eingeblendet:
Im Screenshot sieht man den Markdown-Quelltext (1) im Editor Apostrophe [3], dahinter die Darstellung in Collabora (2). Markdown-Dateien werden in einem Vorschau-Modus von Collabora geöffnet. Erst wenn man das Stift-Icon rechts unten in der Ecke anklickt öffnet sich das eigentliche Bearbeitungsfenster:
Die Interpretation der Markdown-Anweisungen ist gelungen. Man erhält ein sauber formatiertes Dokument, das man mit den Werkzeugen von Collabora bearbeiten und formatieren kann.
Was wird übernommen?
Im Screenshot ist zu sehen, dass die Überschriften entsprechend ihrer Ebene formatiert und damit auch in der Navigationsleiste eingeblendet werden. Einrückungen und Darstellungen von Aufzählungen, Merklisten, Checkboxen usw. werden ebenfalls sauber dargestellt:
Grafiken werden korrekt eingebunden, sofern in der Markdown-Vorlage entweder ein Web-Link oder der komplette Verzeichnispfad zu einer lokalen Datei eingefügt wurde. Relative Pfade für Bilder haben zwar bei meinem Test nicht funktioniert - vermutlich wird man dieses Problem mit zusätzlichen Berechtigungen umgehen können.
Blockzitate klappen ebenfalls, eine Code-Box auch (ohne farbliche Syntax-Hervorhebung), Mermaid nicht - aber da wäre ich auch erstaunt gewesen, wenn Collabora so etwas interpretieren könnte.
Fußnoten werden eher halbherzig interpretiert. Enthält die Fußnote einen Link, so wird dieser eingeblendet. Besteht die Fußnote hingegen nur aus Text, so erfolgt nicht der üblichen Hin-und-zurück-Sprung.
Fazit
Ich habe den Vorgang mit einer Reihe komplexer Markdown-Dateien wiederholt - immer hatte ich ein sehr sauberes und ansprechendes Ergebnis. Zum Vergleich habe ich von meinem Standard-Markdown-Editor Typora einmal über die Zwischenablage die Vorschau in LibreWriter kopiert, was aber nicht vergleichbar gute Ergebnisse lieferte:
Da ich seit Jahren fast ausschließlich Entwürfe in Markdown verfasse, sehe ich die neuen Möglichkeiten als eine gute Entwicklung. Sicher - es gibt mit Pandoc usw. auch andere Möglichkeiten, saubere Konvertierungen zu erhalten. Aber wenn man sich da keine Gedanken um einen gesonderten Export machen muss, so bietet die neue Funktion doch eine kleine Erleichterung im Alltag. Wenn dann noch Export dazu kommt und auch LibreWriter die Funktion freischaltet, sollte das ein wirklicher Gewinn sein.
Bildnachweis:
Titelbild vom Artikelautor
Hinweise und Quellen:
[1] Natürlich sieht LibreWriter in der Kompaktform ähnlich schlank aus. Aber die farbliche Leiste und andere Kleinigkeiten gefallen mir - so was ist natürlich immer auch Geschmackssache.
[2] https://vmiklos.hu/blog/sw-markdown-filter.html
[3] https://apps.gnome.org/de/Apostrophe/ Wer Apostrophe schon länger nicht mehr benutzt hat, sollte mal wieder einen Blick darauf werfen. Der Editor ist für Markdown-Notizen recht empfehlenswert.








Seit Jahren frage ich mich, wieso "Markdown Funktionalität" nicht schon längst in den LO Writer eingebaut wurde. Ist Dir bekannt, ob das Rendering/ Importieren mit 'Pandoc Templates' funktioniert (z.B.
odtoderdocx)?Ob also auch Mein Beispiel Dokument (s. Screenshot, dort) importiert werden würde (verwendet wurde ein docx als 'template', odt geht aber genauso gut).
Oder hat der Import mit Pandoc überhaupt nichts zu tun? Selber hatte ich für ein Projekt mal "Word" als LaTex Editor verwendet (was problemlos geht, aber nur so lange, bis die Rechtschreibkorrektur anfängt freizudrehen).
Ich habe Collabora unter Zorin installiert, Pandoc war auf dem System noch nicht installiert - funktioniert hat der Import trotzdem. In LibreOffice ist wohl inzwischen grundsätzlich Markdown-Import/Export im Code bereits vorhanden, aber die Entwickler haben die Funktion noch nicht zugänglich gemacht (mit Workarounds kann man da wohl was machen, habe ich aber nicht probiert). - Zu dem Template kann ich nichts sagen, sollte man bei Gelegenheit mal ausprobieren.
Ob mit oder -womöglich tatsächlich- eher ohne 'Pandoc', zumindest in irgendeiner Form müsste eine Art 'Template' vorhanden sein, i.e. die Information darüber, dass z.B. eine "Ebene 2 Überschrift" auf "definierte" Weise im Dokument dargestellt wird, und u.a. in welcher Farbe.
Der Filter basiert auf MD4C: https://github.com/mity/md4c Daher wird wohl weder Pandoc noch ein externes Template notwendig sein. Aber prinzipiell nimmt der Paser den gleichen Weg und interpretiert auf der Grundlage entsprechender Vorgaben.
Bitte LibreOffice als Tag. Danke