MaXX Interactive Desktop

Mi, 31. März 2021, Niklas

Silicon Graphics war vor einigen Jahrzehnten ein führender Hersteller von Hochleistungsrechnern. Mit IRIX vertrieb die Firma ein eigenes von UNIX System V abstammendes Betriebssystem, das damals schon einen vorinstallierten Desktop mitbrachte, ebenfalls eine Eigenentwicklung von Silicon Graphics.

Das war damals noch eine Seltenheit bei UNIX Systemen und dementsprechend auch beliebt und erfolgreich. Dann wollte der Entwickler Eric Masson den IRIX Interactive Desktop auf Linux portieren und so ist der MaXX Interactive Desktop entstanden. Er sieht Retro aus, aber bringt alle wichtigen Funktionen mit und braucht nur wenig Leistung und Arbeitsspeicher.

Das Projekt wurde closed-source gestartet, weil einige Lizenzrechte bei Silicon Graphics liegen und man nur den Vertrieb als fertig kompiliertes Programm genehmigt hat. Inzwischen arbeitet man aber daran, den Quellcode schrittweise zu öffnen und hat dazu eine Organisation auf GitLab erstellt, die bereits Repositorys für einige Komponenten des Programms enthält.

MaXX Interactive Desktop steht für alle verbreiteten Linux Distributionen zur Verfügung. Ich habe es auf Arch Linux ausprobiert, wo ich es mithilfe der Installationsanleitung des Projekts in wenigen Minuten installiert hatte. Im Arch User Repository oder sogar im offiziellen Repository ist es nicht erhältlich.

Wichtiger Hinweis: Damit die Desktop-Icons richtig angezeigt werden, muss die Datei ~/.maxxdesktop/desktopenv bearbeitet werden und folgende Zeile:

export XDG_DATA_DIRS=$HOME/.maxxdesktop:$XDG_DATA_DIRS

durch folgende ersetzt werden:

export XDG_DATA_DIRS=$HOME/.maxxdesktop:$XDG_DATA_DIRS:/usr/share:/usr/share/local

Der Desktop war seinerzeit eine grosse Innovation und sehr fortschrittlich. Heute würde ich das Aussehen eher als altbacken beschreiben, wobei die Funktion für Poweruser auch heute noch interessant sein dürfte. MaXX Interactive Desktop hat unglaublich viele Anpassungsmöglichkeiten und Funktionen, unzählige verschachtelte Menüs, wie man sie in heutiger Software kaum noch findet.

Das Projekt stellt sich dem Vereinfachungstrend entgegen und richtet sich speziell an die Profis, die wissen, was zu tun ist und mit den vielen Möglichkeiten umgehen können. Es bringt viele verschiedene Farbschemen mit und das original IRIX Design sowie eine leicht modernisierte Version, wobei die Unterschiede nur minimal sind.

Eine Taskleiste gibt es nicht, die minimierten Programme sind einfach als quadratisches Icon oben links aufgelistet, wie im Screenshot mit einem minimierten Terminal Fenster zu sehen ist. Die Funktion eines Startmenüs übernimmt das Programm Toolchest, das frei schwebend auf dem Desktop platziert werden kann und viele Untermenüs mit Programmen und Einstellungen enthält.

MaXX Interactive Desktop nutzt den ROX Filer als Dateimanager. Sein letztes Update hat dieser leider vor 10 Jahren erhalten, aber er funktioniert noch und integriert sich gut in die Oberfläche. Die Desktop-Icons werden ebenfalls durch den ROX Filer dargestellt.

Der Text-Editor und der Terminal Emulator sind Eigenentwicklungen des Projekts, die jeweils nur die wichtigsten Grundfunktionen besitzen, aber auch wunderbar zum Rest der Oberfläche passen. Alternativen mit mehr Funktionen wie etwa Gedit oder Kate lassen sich natürlich auch im MaXX Interactive Desktop nutzen, wenn die mitgelieferten Programme nicht ausreichen.

Das Projekt richtet sich vor allem an Menschen, die mit der Bearbeitung von Grafik, Videos, Spielen und Virtual Reality zu tun haben. Das ist nur logisch, denn die Silicon Graphics Computer waren damals für Grafikbearbeitung spezialisiert. Aber auch für alle anderen Nerds ist es sicher einen Blick wert. Nur Anfängern würde ich eher von der Software abraten, da sie viel für diese viel zu kompliziert ist.

Quellen: