Reisenotizen, Labor-Fortschritte oder Erinnerungen an vergangene Tage - all dies und noch viel mehr kann man in einem Journal festhalten. So was kann man eigentlich mit beliebigen Anwendungen umsetzen, z. B. einem einfach Text-Editor oder Nextcloud-Notizen. Wenn es sich aber um persönliche Gedanken handelt, so möchte man den Inhalt der Notizen vor unbefugten Zugriffen schützen. Um diesen Punkt kümmert sich Mini Diarium. Die Homepage fasst die Absicht dahinter recht gut zusammen: "Mini Diarium is a private offline diary app for Windows, macOS, and Linux. AES-256-GCM encryption, local-first storage, no cloud, no telemetry."
Möglichkeiten von Mini Diarium
Es können beliebig viele Journale angelegt werden. Man wählt einen belieben Pfad aus, vergibt einen Namen für das Journal, und sichert es mit einem guten Passwort - fertig.
Das "Innenleben" des Editors sieht beim ersten Aufruf sehr schlicht aus. Ein Textfeld, ein paar Buttons und die Datumsanzeige. Man kann sofort loslegen - keine große Fummelei mit irgendwelchen Notizbüchern oder Schlagwörtern. Ideal für die rasche und konzentrierte Erfassung.
Aber es geht auch mehr: Die Buttonbar kann erweitert und Kalenderansichten eingeblendet werden. Auch der übliche Dunkelmodus ist vorhanden:
Wenn man Markdown-Auszeichnungen nutzt, so werden diese direkt beim Tippen in die Formatierungen übersetzt. Jeder Tag kann mehrere Einträge erhalten. Einstellen kann man auch, dass Tage in der Zukunft schon mal mit Inhalten versehen werden können. Kleine Icons - etwa für "heutiges Datum" oder "Jahresansicht" erleichtern die Navigation. Ein Klick auf das Schloss-Symbol oben rechts schließt das Tagebuch sofort. Die Escape-Taste kann mit einer Art "Notfallschalter" belegt werden: Ein Druck darauf und die gesamte Anwendung ist sofort verschwunden. Zusätzlich kann man Zeiten für Inaktivitäten einstellen. Lässt man also die Anwendung aus Versehen offen, so schließt sie sich beispielsweise von fünf Minuten alleine.
Verschlüsselung, Export und Auto-Backup
Die Anwendung generiert bei der Einrichtung einen zufälligen 256-Bit-Master-Key, mit dem sämtliche Tagebucheinträge lokal nach dem AES-256-GCM-Standard verschlüsselt werden. "Key file authentication: unlock your journal with an X25519 private key file instead of (or alongside) your password, like SSH keys for your journal. Register multiple key files ..." (Quelle). Ich bin da kein Experte. Wer sich für Einzelheiten interessiert, der wird auf der Github-Seite fündig. [1]
Export-Möglichkeiten sind in Form einer JASON-Datei bzw. Markdown-Datei gegeben. Sofern Bilder nicht per (Server-)Links sondern mit direktem Import integriert wurden, fehlen diese aktuell noch beim Markdown-Export. Aber der Entwickler Francisco J. Revoredo (Linz, Österreich) hat mir versprochen, danach zu schauen. Eventuell kann er diese Möglichkeit noch einbauen. [3]
Es gibt auch einige Import-Möglichkeiten wie z.B. von Day One (iOS).
Automatisch wird nach jedem Beenden eines Journals ein Backup auf dem gleichen Pfad angelegt. Die letzten 5 Versionen sind so immer vorrätig.
Nutzung auf mehreren Geräten
Eine Sync-Möglichkeit wurde bewusst nicht vom Entwickler eingebaut. Die Daten sollen ja gerade lokal und abgeschlossen genutzt werden. Allerdings kann man ganz einfach die lokale und verschlüsselte SQLite-Datenbank kopieren und auf einem anderen Gerät verwenden. Man beendet dazu Mini Diarium auf Gerät 1, überträgt die Datenbank auf Gerät 2 und öffnet sie dort mit Mini Diarium.
Da Mini Diarium sowohl unter Linux als auch unter MacOS und Windows funktioniert, kann so am gleichen Journal auf unterschiedlichen Systemen gearbeitet werden. Im Screenshot wurde die Datenbank von Linux Mint auf Windows übertragen:
Wenn man also jeweils die Anwendung schließt, kann man den Kopiervorgang über die Geräte hinweg recht problemlos via Syncthing, Nextcloud oder Netzwerklaufwerk erledigen. Oder man nimmt einen Keepass-Eintrag mit der Datenbank als Anhang, wenn man diesen Passwortmanager ohnehin verwendet. Auch die Nutzung von Cryptomator ist möglich.
Was mir besonders gefällt
Ich finde die App sehr gelungen, da sie genau das tut, was sie soll: Schnell einen Gedanken erfassen und eine Chronologie erzeugen. Die flinken Sperr-Möglichkeiten (Icon und Esc-Taste) finde ich auch gut. Denn gerade vertrauliche Einträge möchte man ja vor neugierigen Blicken schützen können. Markdown finde ich immer gut, der Entwickler antwortet ausgesprochen schnell, MIT-Lizenz usw. Ein bisschen würde ich mir noch den Ausbau der Kalender-Ansichten [2] wünschen (Jahreskalender, Liste usw.). Und einen Shortcut für den Eintrag des Datums innerhalb des Editors. Aber das sind schon Bonbons, die nicht zwingend vorhanden sein müssen.
[1] Dort ist auch zu lesen, dass bei der Entwicklung zwar auch KI-Tools genutzt werden, aber nicht in der Weise, wie man es von vibe-coded Apps kennt. Dies mal als Hinweis für Leser:innen, denen dieser Aspekt besonders wichtig ist.
[2] Ein Klick auf den Monatsnamen öffnet übrigens einen Picker zur schnelleren Auswahl - und man kann auch nach Datum suchen.
[3] Die Funktion wurde gerade in der Version 0.4.13 eingebaut - nun können auch Grafiken exportiert werden. [Edit am 26.03.2026, 13:30 Uhr]
Quellen:
Titelbild: eigene Screenshots








Ah, also ein textdateibasiertes Tagebuch ohne den einen großen Vorteil von textdateibasierten Tagebüchern (Editierbarkeit mit jeder Software).
Wie praktisch...
Natürlich. Darauf hatte ich doch direkt im ersten Absatz hingewiesen: "So was kann man eigentlich mit beliebigen Anwendungen umsetzen, z. B. einem einfach Text-Editor oder Nextcloud-Notizen. Wenn es sich aber um persönliche Gedanken handelt, so möchte man den Inhalt der Notizen vor unbefugten Zugriffen schützen." Du kannst selbstverständlich auch einen Texteditor XYZ nehmen und Dich gesondert um die Verschlüsselung kümmern. Alternativ einfach zum Markdown-Export greifen und die Einträge von Mini Diarium in jedem anderen Texteditor weiterführen.
@tux0r Bitte erläuterte kurz und knapp, welche Software du meinst.
Glückwunsch! Du hast es nicht verstanden. Mini Diarium ist nicht „textdateibasiert“. Die Einträge werden verschlüsselt in einer SQLite-Datenbank gespeichert, aber es ist ein Export in die textdateibasierten Format Markdown oder JSON möglich.
Es ist vollkommen legitim, wenn du für diese Software keine Verwendungszweck findest. Möchtest du deswegen derartige Kommentare auch noch unter 80 Prozent der anderen Artikel dieser Website setzen?
Ziemlich coole Anwendung - nur leider ohne Übersetzung. Wenn ich das meiner Mutter gebe (würde ich gerne, da sie ihre Tagebücher digitalisieren will), wäre die aufgeschmissen. Naja, ich könnte ja meine Hilfe beim Einbauen von Übersetzungen anbieten, wenn ich Zeit hätte...
Das ist sicher richtig. Aber die Versionsnummer 0.4.13 zeigt, dass es sich noch um ein sehr junges Projekt handelt. Der Entwickler ist da recht rührig, könnte mir vorstellen, dass die Umstellung auf andere Sprachen zu einem späteren Zeitpunkt noch eingebaut wird.
Servus! Ich bin der Entwickler der App. Dieses Feature steht zwar auf der Roadmap, aber ich versuche, die App nicht mit Funktionen zu überladen, solange sie nicht explizit nachgefragt werden. Mein Ziel ist es, den Kern der App schlank, fokussiert und schnell zu halten und Features erst dann einzubauen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Ich diskutiere Wünsche, Fehler oder Upgrades sehr gerne auf der GitHub-Seite – so wie ich das auch jetzt schon mit vielen Usern mache. Vielen Dank!
wow - so eine Reaktion ist echt cool. Ich habe auch in github schon den merge request gesehen. Das ist richtig super, vielen Dank! Vielleicht komme ich ja doch in den nächsten Wochen dazu, ein bisschen was beizutragen - z.B. eine deutsche Übersetzung (de.ts) für https://github.com/fjrevoredo/mini-diarium/tree/feature-v0.4.14/src/i18n/locales
Vielen Dank für die nette Nachricht! Das ist genau die Art von direkter Interaktion, die ich suche. Ich mache keine Publicity und schätze Word-of-Mouth am meisten. Ich baue einfach eine App, die ich selbst gerne nutze und die hoffentlich auch andere lieben. Die Version 0.4.14 kommt bald raus, mit voller Unterstützung für Übersetzungen. Du kannst gerne deutsche Übersetzungen beitragen. Die vollständige Dokumentation zu i18n findest du hier: https://github.com/fjrevoredo/mini-diarium/blob/feature-v0.4.14/docs/TRANSLATIONS.md Ich mache häufig kleine Releases, um die Qualität gut im Griff zu behalten.
Servus Herbert! Herzlichen Dank für diesen wirklich gelungenen und fundierten Artikel über meine App. Es ist mir eine große Ehre, auf so einer namhaften Seite erwähnt zu werden. Vielen Dank für die Unterstützung der Open-Source-Community!
Danke Dir! Würde mich freuen, wenn wir dazu beitragen können, dass Deine Anwendung einige neue Nutzer findet. Gefällt mir wirklich gut. Auch Deine heutige Umsetzung des Markdown-Exports der Grafiken habe ich gleich ausprobiert - war genau das, was mir vorschwebte. Denn damit habe ich alle Möglichkeiten mit einem Markdown-Editor später mal eine PDF- oder EPUB-Datei anzufertigen oder auch mühelos auf ein anderes Tool zu wechseln. - Auch Deine Idee, Dich auf Verschlüsselung zu konzentrieren und die Anwendung nicht zu überladen, finde ich völlig in Ordnung. Schnell öffnen - tippen - schnell schließen, sich um Verschlüsselung und Backup nicht während des Prozesses kümmern zu müssen - gefällt mir einfach :-)
Klasse! Herzlichen Dank an den Entwickler Francisco J. Revoredo. App funktioniert, sieht optisch gut aus und ist wohltuend reduziert. Für dieses gelungene Produkt kann man, sofern Möglichkeiten dazu vorhanden sind, uneingeschränkt Werbung machen.
Vielen Dank, Günter! Ich bin selbst der Entwickler und freue mich sehr über dein positives Feedback. Es bedeutet mir viel, dass dir die App gefällt.