Ich habe schon einmal zum Thema Musik in der Nextcloud was geschrieben. Da ging es aber nur um das Thema Scrobbeln der gehörten Musik via Last.fm über die Nextcloud-eigene App "Music". Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Leser.
Seit Langem organisiere ich meine geladene Musiksammlung in der Cloud. Was mir aber immer gefehlt hat, waren das richtige Taggen der Musik und das Anlegen von Playlists. Das funktioniert nach meiner Meinung nur mäßig in der Cloud. Mit Nextcloud Musik hat man die Chance, gespeicherte MP3‑Dateien anzuhören. Ebenso können auch Radiostationen und Podcasts hinterlegt werden, die man dann auch via Subsonic- oder Ampache-Client. Das funktioniert sowohl auf dem Android- oder iOS-Smartphone als auch auf dem Windows- oder Linux Rechner.
Was mir hierbei gefehlt hat, war das korrekte Zuweisen von Tags und eventuellen Covern. Immer waren die Musikstücke als "unbekanntes Genre" gelistet. Nun habe ich mir die Mühe gemacht und habe mir eine App für die Nextcloud zusammengeklöppelt, die das Taggen der Audio-Dateien mittels ID3‑Tags übernimmt und diese Stücke mit MusicBrainz, Last.fm und Discogs abgleicht. Die App nennt sich Music Curator, was seine Aufgabe eigentlich ganz gut erklärt.
Was kann Music Curator zu diesem Zeitpunkt?
Music Curator ist eine Nextcloud-App, mit der sich die eigene Musiksammlung direkt in der Cloud verwalten und organisieren lässt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Pflege von Metadaten, der Sortierung von Musikdateien und der Erstellung von Playlisten.
Die App kann vorhandene Musikordner durchsuchen, MP3- und FLAC-Metadaten auslesen und fehlende Informationen über MusicBrainz, Last.fm oder Discogs ergänzen. Dazu gehören unter anderem Künstler, Album, Erscheinungsjahr, Genre, Titelnummern und Coverbilder.
Außerdem lassen sich Alben und Playlisten organisieren, Titel in die richtige Reihenfolge bringen und M3U8-Playlisten erstellen. Musikdateien können innerhalb der Nextcloud-Musikbibliothek umbenannt oder verschoben werden. Änderungen werden vorher zur Kontrolle angezeigt.
Für die Erkennung unbekannter Musikstücke steht optional AcoustID mit Audio-Fingerprinting zur Verfügung. Zusätzlich gibt es einen KI-Assistenten, der mit OpenAI, Mistral oder einem lokalen Ollama-Modell arbeiten kann und bei der Einordnung der Musiksammlung hilft. Hierzu gibt es auf dem Repository eine Anleitung, wie man dies einrichtet.
Wichtig war mir, dass die App nicht einfach ungefragt Dateien verändert. Gefundene Metadaten können vor der Übernahme überprüft werden. Unsichere Treffer müssen manuell bestätigt werden. Aktuell ist die Version 1.5.0 im Nextcloud-Store. Macht euch vor dem Ausprobieren ein Backup der Audio-Dateien. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf Feedback.
Wieso eigentlich eine App?
Ich könnte auch meine Sammlung auf den heimischen Rechner laden, mittels MusicBrainz bearbeiten und dann wieder hochladen, aber alles in der Nextcloud machen zu können, fand ich den smarten Weg. :-)
Auf diesem Wege behalte ich alles in der Cloud und kann Musik direkt organisiert weiter genießen, ohne irgendwelche Umwege gehen zu müssen.
Ich nutze meine Nextcloud schon länger, um meine Podcasts/Radiostationen unterwegs genießen zu können. Nun auch für meine MP3‑Sammlung. Natürlich könnte ich auch den ganz einfachen Weg gehen und mittels Deezer oder Spotify die Musik genießen, aber einfach kann jeder und dafür bin ich doch zu sehr Nerd. Es ist definitiv kein "Must-have", sondern ein "nice to have".
Welche Clients können mit Nextcloud Music genutzt werden?
Um mobil, sei es am Smartphone oder am PC, Music über die Cloud hören zu können, werden Clients wie Ampache oder Subsonic-Clients benötigt. Diese gibt es im Google Play Store, aber auch im F‑Droid-Store sowie im Apple Store sowie auch für Linux- und Windows-Rechner. (Nur eine kleine Auswahl an Clients, es gibt wesentlich mehr.).
Ampache und Subsonic sind zwei Protokolle beziehungsweise API-Schnittstellen, über die Musikserver ihre Musiksammlung für andere Anwendungen bereitstellen können. Vereinfacht gesagt legen sie fest, wie eine Anwendung mit dem Musikserver kommuniziert, welche Informationen ausgetauscht und wie Musikdateien zum Abspielen abgerufen werden. Dazu gehören unter anderem Künstler, Alben, Titel, Cover und Playlisten. Beide Protokolle stammen ursprünglich aus eigenständigen Musikserver-Projekten und haben sich über die Jahre als Schnittstellen für selbst gehostete Musikbibliotheken etabliert. Nextcloud Music unterstützt beide Protokolle und macht damit die eigene Musiksammlung auch außerhalb der Nextcloud-Oberfläche zugänglich. Die Musik selbst bleibt dabei auf dem eigenen Server.
Fazit
Mit dieser neuen Möglichkeit, die Musiksammlung zu organisieren, macht es zumindest mir wieder Spaß, das Ganze zu genießen. Wer weiß, was mir in Zukunft für Gehirngespinste einfallen rund um die Nextcloud. Noch mehr Infos dazu und zu Music Curator auf meinem Blog.
Wie organisiert und hört ihr eure Musik? Geht ihr auch den Selfhosting Weg oder nutzt ihr eher proprietäre Dienste?


