Podcasts richtig nutzen

Di, 6. Juli 2021, Ralf Hersel

Das Podcast-Team von GNU/Linux.ch (Lioh, Nils, Ralf) und Linuxnews.de (Ferdinand) beschert euch monatlich Diskussionen zu vier ausgewählten Themen, sowie ein Interview. Gerade diese Interviews erfreuen sich einer grossen Beliebtheit bei den Hörerinnen und sind deshalb zum festen Bestandteil jeder Folge geworden.

Durch die Kommentare zu den Podcast-Folgen ist mir aufgefallen, dass viele Hörer nicht wissen, was es mit dem Podcast-Format auf sich hat und wie man am meisten davon profitiert. Deshalb werfe ich in diesem Artikel etwas Licht auf das unbekannte Wesen 'Podcast-RSS'.

Fangen wir mit einer Begriffserklärung an. Was heisst 'Podcast' und was ist 'RSS'?

Die Wikipedia definiert Podcast so:

Ein Podcast ist eine Serie von meist abonnierbaren Mediendateien (Audio oder Video) im Internet. Das englische Kofferwort „podcast“ setzt sich zusammen aus „pod“ („Kapsel“, „Hülse“) in der Bezeichnung für den tragbaren Audioplayer iPod, auf dem das Medium ab 2005 zum ersten Mal breite Verwendung fand, sowie der Bezeichnung Broadcast („Sendung“).

In dieser Erklärung findet sich ein wichtiges Wort ('abonnierbar'), dass wesentlich zum Charakter des Formats beiträgt. Ein Podcast ist eben keine alleinstehende Audio-Datei, die man auf einer Webseite anhören kann, sondern eine Folge von Sendungen, die man abonniert und somit über jede neue Folge informiert wird und Zusatzinformationen erhält, wie zum Beispiel das Thema des Podcasts, die Shownotes zu jeder Folge und die Kapitelmarken, um gezielt einzelne Beiträge in der Folge anspringen zu können.

Wie das technisch umgesetzt wird, erklärt das Format RSS:

Rich Site Summary (RSS) sind Dateiformate für Web-Feeds. Sie zeigen Änderungen auf Websites, z. B. auf News-Seiten, Blogs, Audio-/Video-Logs etc. Das Backronym steht aktuell für Really Simple Syndication (etwa sehr einfache Verbreitung), vormals waren bereits andere Bedeutungen gegeben. RSS-Dienste werden meist auf speziellen Service-Websites angeboten, sogenannten RSS-Channels. Ein gewöhnlicher RSS-Channel versorgt den Adressaten, ähnlich einem Nachrichtenticker, mit kurzen Informationsblöcken, die aus einer Schlagzeile mit Textanriss und einem Link zur Originalseite bestehen.

Technisch gesehen handelt es sich beim RSS-Format um eine XML-Datei, die die Metadaten für den Podcast enthält. Auf GNU/Linux.ch findet ihr rechts oben ein Mikrofon-Symbol, welches auf die RSS-Datei für unseren Podcast verweist. Früher waren die gängigen Webbrowser mit einer Funktion ausgestattet, um den Inhalt dieser Datei in lesbarer Form darzustellen. Leider ist das heute nicht mehr der Fall. Daher wundern sich einige Leserinnen/Hörer, dass im Webbrowser ein seltsames Kauderwelsch angezeigt wird, wenn man auf den Link klickt. Tatsächlich zeigt z. B. Firefox nur den rohen Inhalt der XML-Datei an.

Um die Struktur einer solchen RSS-XML-Datei zu erklären, habe ich hier eine vereinfachte Variante aufgeschrieben:

<rss version="2.0">

<channel>
<atom:link href="https://gnulinux.ch/podcast/gnulinux_newscast_rss.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/>
<title>GNU/Linux.ch</title>
<description>Podcast über GNU/Linux und Freie Software</description>

<item>
<title>GLN012 - Textverarbeitung, Kernel kompilieren, Sponsoring für FOSS-Projekte, 3D-Druck</title>
<link>https://gnulinux.ch/gln012-podcast</link>
<enclosure url="https://gnulinux.ch/podcast/GLN_012.mp3" length="97070267" type="audio/mpeg"/>
<description>Sa, 3. Juli 2021, Ralf Hersel Folge 12 des GnuLinuxNews-Podcasts, aufgenommen am 24. Juni 2021.</p> <p>In dieser Folge sprechen Ralf, Lioh, Ferdinand und Nils über Anwendungsfälle für Textverarbeitung, die Möglichkeit, den Linux-Kernel selbst zu kompilieren, wie man Open-Source-Projekte durch Spenden und Sponsoring finanzieren kann, sowie die Geschichte und den aktuellen Stand des 3D-Drucks. Bereichert wird diese Folge durch ein Interview mit dem Produktmanager von Tuxedo Computers: Vinzenz Vietzke.</p></description>
</item>

<item>
<title>GLN011 - Abstraktion, RISC OK, Palim Palim, Datenauskunftsbegehren</title>
<link>https://gnulinux.ch/gln011-podcast</link>
<enclosure url="https://gnulinux.ch/podcast/GLN_011.mp3" length="61394024" type="audio/mpeg"/>
<description>Di, 1. Juni 2021, Ralf Hersel Folge 11 des GnuLinuxNews-Podcasts, aufgenommen am 27. Mai 2021.</p> <p>In dieser Folge sprechen Alex, Lioh und Ralf über die fortschreitende Abstraktion in der IT und das etwas andere Betriebssystem RISC OS. Wir diskutieren über freie Software in der Verwaltung und klären in einem Interview, wie man seine gespeicherten Daten von Firmen oder Behörden anfordern kann.</p></description>
</item>

...

</channel>
</rss>

Wie man leicht erkennen kann, besteht die RSS-Datei nur aus zwei Hauptelementen, dem Channel und den Items. Der Channel beschreibt den Podcast an sich (tatsächlich enthält dieser Teil noch viel mehr Informationen). Die Items sind die jeweiligen Podcast-Folgen, mit Beschreibung, Link zur Webseite und einem Link zur Audio-Datei (auch hier stecken noch sehr viel mehr Details dahinter).

Noch ein Wort zu den Kapitelmarken, also der Möglichkeit, einzelne Kapitel einer Sendung direkt anzuspringen. Diese Information ist nicht in der RSS-Datei enthalten, sondern wird gesondert in die MP3-Datei der Podcast-Folge hineingeschrieben. Die Kapitelmarken können von den meisten Podcast-Apps ausgelesen werden. Selbstverständlich bietet auch der GLN-Podcast Kapitelmarken an, jedoch nicht auf der Webseite, aber in den echten Podcast-Playern.

Nun gut, was kann man mit dieser Datei anfangen? Ganz einfach, man hat damit die Grundlage um einen Podcast in einer echten Podcast-Anwendung zu abonnieren. Für Android-Smartphones empfehle ich die App AntennaPod (gibt es auch im F-Droid Store) und für den PC das Programm gPodder. Für den Desktop gibt es noch viele andere Podcatcher; mein Tipp: einfach mal danach suchen und ausprobieren. Den Link zur RSS-Datei kann man kopieren und in der Podcast-Anwendung seiner Wahl einfügen. Damit hat man den Podcast abonniert und wird zukünftig über alle neuen Folgen informiert.

AntennaPod

Viele Hörer und Hörerinnen haben sich mittlerweile in den Netzen der kommerziellen Anbieter von Podcast-Angeboten verfangen. Spotify, Apple-Podcast oder Google-Podcast sind auf den Podcast-Hype aufgesprungen und bieten Sendungen in ihrem eigenen Ökosystem an. Diese Angebote haben nichts mit dem Original des freien Podcast-Formats zu tun und sind zu meiden, um das Tracking der Hörgewohnheiten zu vermeiden.