Raspberry Pi 400 - Teil 2

Fr, 29. Januar 2021, Niklas

Nachdem ich im letzten Teil meiner Artikelserie bereits alles Relevante zur Hardware und dem vorinstallierten Betriebssystem Raspberry Pi OS angesprochen habe, möchte ich heute im Detail darauf eingehen, welche Systeme auf dem Raspberry Pi 400 installiert werden können und was man dabei beachten muss. Gleich vorweg: Die Auswahl an möglichen Systemen ist nicht so gross, wie ich mir eigentlich erhofft hatte.

Ich nutze seit vielen Jahren Arch Linux auf meinem Desktop Computer und auf meinen Servern und hatte deshalb natürlich gehofft, diese Tradition auch auf meinem Raspberry Pi 400 fortführen zu können.

Da wurde ich allerdings recht schnell enttäuscht, denn Arch Linux ARM hat scheinbar Probleme mit dem Grafiktreiber, weshalb immer ein schwarzer Rand rund um den Bildschirm bleibt und der tatsächliche Inhalt in der Mitte viel zu klein dargestellt wird. Dieses Problem tritt nicht nur mit Xorg auf, sondern bereits im Vollbildterminal. Möglicherweise würde sich das durch irgendwelche Systemeinstellungen oder Bootparameter beheben lassen, mehr als die Grafikeinstellungen in KDE Plasma habe ich nicht ausprobiert.

Meinen zweiten Versuch habe ich mit Alpine Linux gestartet. Da das PostmarketOS auf meinem Handy darauf basiert, habe ich hier zumindest grundlegende Kenntnisse. Hier komme ich jedoch auch nicht weiter, als bei Arch Linux: Es startet und scheint eigentlich ganz gut zu funktionieren, aber ich sehe schon wieder den bekannten Grafikfehler und mache an dieser Stelle gar nicht mehr weiter.

Erst der dritte Versuch überzeugt mich zu 100 %. Es ist das auf Arch Linux basierende Manjaro Linux, das auf Benutzerfreundlichkeit optimiert ist und ein eigenes Repository mit minimal unterschiedlicher Software pflegt. Als langjähriger Linux Nutzer lasse ich mir nicht gerne zu viel Arbeit abnehmen, aber auf dem Raspberry Pi 400 funktioniert Manjaro einfach hervorragend, weshalb ich diese Distribution bis heute als Hauptsystem einsetze. Dass die Terminalbefehle identisch mit Arch sind und die Installation von Software aus dem AUR wie gewohnt möglich ist, hat mir die Eingewöhnung vereinfacht.

Direkt nach der Installation wurde ich jedoch zunächst von einem fehlenden WLAN überrascht. Offensichtlich war der Treiber für das relativ neue Modell des Raspberry noch nicht in dem Build enthalten. Einmal über USB Tethering verbunden und Systemupdates installiert und schon war das Problem behoben. In meinem letzten Artikel hatte ich ja auch ein Problem erwähnt, dass Tastenanschläge oft doppelt registriert wurden - sehr lästig beim Schreiben von längeren Texten wie diesem. Zum Glück war das doch ein Softwarefehler und wurde mit einem späteren Update behoben, sodass ich jetzt richtig gut damit schreiben kann.

Ein weiterer Versuch war RISC OS Open, ein ganz anderes open source Betriebssystem, das keinen Linux Kernel nutzt. Es bootet direkt in eine grafische Oberfläche statt in ein Terminal. Ich fand es ganz interessant, das mal auszuprobieren. Es hatte irgendwie das Look-and-Feel von einem klassischen alten UNIX. Für den Produktivbetrieb geeignet ist es allerdings nicht. Mir ist es nicht mal gelungen, eine Internetverbindung herzustellen. Die Auswahl an vorinstallierten Programmen ist minimal. Leider konnte ich damit wirklich nicht mehr als ein paar Minuten spielen, weil ich dann schon alles gesehen habe, was das System zu bieten hat.

Seit der Veröffentlichung meines ersten Raspberry Pi 400 Artikels hat auch openSUSE zusätzlich Support für den Raspberry Pi 400 angekündigt. Mit dem AARCH64 Network Image hatte ich allerdings wenig Glück. Das System konnte erfolgreich starten, auch wenn es ungewöhnlich lang dauerte und zeigte dann eine Eingabeaufforderung für die SSID meines WLANs an. Tastatureingaben hat openSUSE überhaupt nicht registriert, sodass ich an diesem Punkt nicht weiter gekommen bin und den Test abbrechen musste.

Von einem Mastodon Benutzer wurde ich zudem darauf hingewiesen, dass auch OpenBSD einen Build für den Raspberry Pi 400 anbietet. Nachdem ich so viele Jahre ausschliesslich Linux benutzt habe, finde ich ganz andere Systeme immer besonders interessant, also musste ich dieses Betriebssystem unbedingt in meinen Test mit aufnehmen. Hier wurde meine Neugier leider nicht befriedigt, denn das System war nicht bootfähig. Die Power LED des Raspberry hat in einem bestimmten Muster geblinkt, der Bildschirm blieb schwarz. Ob so vielleicht ein Kernel Panic bei einem BSD Kernel aussieht? Das kann man wohl nur raten. Fest steht, dass ich ab diesem Punkt nicht mehr weiter gekommen bin.

Fazit: Es gibt sehr viel zum Ausprobieren auf dem Raspberry Pi 400, aber wirklich brauchbar ist nicht viel davon. Natürlich gibt es noch deutlich mehr Distributionen, die man auf dem Raspberry Pi 400 installieren kann, aber ich habe meine Tests auf eine Auswahl derer beschränkt, die mich besonders interessiert haben. Und davon ist Manjaro neben dem vorinstallierten Raspberry Pi OS die einzige Distribution, die zu 100 % funktioniert, weshalb ich im alltäglichen Einsatz auch ausschliesslich Manjaro einsetze.