Serie: Musik-Streamer - Napster

  Ralf Hersel   Lesezeit: 10 Minuten  🗪 1 Kommentar

Der Vorreiter beim Teilen von Musik ist in der Jahrtausendwende stecken geblieben und konnte seine Reputation nicht ins 21. Jahrhundert befördern.

serie: musik-streamer - napster

Beim Namen "Napster" wird es gerade der älteren Leserschaft warm ums Herzen. Wer kann sich noch an Gnutella, LimeWire, Kazzaa und eMule erinnern? Hände hoch! In der Serie über Musik-Streamer darf das Urgestein nicht fehlen.

Napster wurde 1999 von zwei Teenagern gegründet. Es begann als Peer-to-Peer-Plattform für die gemeinsame Nutzung von Musik, bei der Nutzer Dateien auf die Plattform hochladen und andere alles, was sie dort fanden, herunterladen konnten. Jeder konnte die Softwareanwendung nutzen, um digitale Musikdateien kostenlos auszutauschen. Napster leistete Pionierarbeit für eine neue Art, Musik aus dem Internet zu beziehen, und zu einer Zeit, als die Leute verrückt danach waren, neue Musik auf Napster zu finden. Napster erfreute sich grosser Beliebtheit, und auf dem Höhepunkt seiner Popularität waren fast 80 Millionen Nutzer dort angemeldet.

Napster wurde wegen Verstosses gegen das Urheberrecht verurteilt. Die RIAA erklärte Napster für schuldig, nicht autorisiertes urheberrechtlich geschütztes Material zu verbreiten. Später, im Jahr 2001, wurde Napster gezwungen, den Betrieb einzustellen.

Seitdem hat sich die Marke im Laufe der Jahre stark verändert. Die grösste Veränderung war, dass der Musik-Streaming-Dienst Rhapsody einen Deal einging, um die Abonnenten von Napster zu übernehmen. Im Jahr 2016 benannte Rhapsody seinen Dienst in Napster um und führte einen kostenpflichtigen Abonnementdienst ein, der nun als eine der Musikstreaming-Plattformen weiter expandiert.

Die Firma

Dieser Absatz wird wohl kürzer ausfallen als die anderen, weil ich wenige Informationen über Napster gefunden habe.

Napster Luxembourg S.à r.l.
60, Route de Luxembourg
L-5408 Bous
Luxemburg

Das Angebot

Es gibt das Einzelabo für 14.29 Franken (11 Euro in DE) und das Familienabo für 19.50 Franken (15 Euro in DE) für 6 Personen.

Mit über 100 Mio. Titeln, der Möglichkeit Songs herunterzuladen und Streaming in verlustfreier Qualität, befindet sich Napster im Mittelfeld der Konkurrenz. "Verlustfreies Audio" klingt immer toll, bedeutet jedoch lediglich CD-Qualität. Dass Musikvideos angeboten werden und es die Möglichkeit gibt, ein Musikarchiv zu übertragen, ergibt einen Extrapunkt für Napster.

Die Anwendungen

Um Napster für euch zu testen, habe ich ein Abo abgeschlossen. Falls ihr das auch probieren möchtet, denkt bitte daran, das Abo sofort wieder zu kündigen, damit ihr es nach dem kostenlosen Monat nicht vergesst. Die Registrierung gelang ohne Probleme. Säuerlich aufgestossen ist mir, dass das Passwort nur 20 Zeichen lang sein darf. Nach der Anmeldung gelangt man im Webclient auf diese Seite:

Das kennt man auch aus den Onboarding-Prozessen anderer Musikstreamer. Aber warum nun 3 Stile? Ich habe mich für Funk, Jazz und Dance & Electronic entschieden, hätte jedoch gerne weitere Musikrichtungen gewählt. Im nächsten Schritt darf man 3 Künstler anklicken, die vermutlich aus den zuvor gewählten Stilen stammen:

Also gut: Herbie Hancock, Daft Punk und David Guetta. Danach erscheint die eigentliche Oberfläche:

Diese ist sehr übersichtlich. Vermutlich ist es die Minimalistischste, die ich bisher bei den Musikstreamern gesehen habe. Rechts oben gibt es eine Sucheingabe und den Account-Button, die im Screenshot nicht zu sehen sind. Was es im Hauptmenü gibt, seht ihr selbst. Ausser Empfohlen, Beste Neuerscheinungen und Neue Musikvideos findet man nichts Weiteres auf dem Home-Screen.

Mein erster Klick ging auf die Account-Einstellungen. Dort habe ich meinen Account auf ein Privates Profil umgestellt. Die Audio-Einstellungen sehen so aus:

Standardmässig ist hier Normal ausgewählt. Ich habe es auf Hoch umgestellt. Der Webplayer kann die Option Verlustfrei nicht, das geht wohl nur über die App. Ein Klick auf Ich will die App führt auf diese Seite, von der man die verschiedenen Napster-Anwendungen herunterladen kann.

Die Play-Leiste gibt nicht viel her:

Zusatzinformationen zur Künstlerin gibt es keine. Man kann den Song über das Herz liken und es gibt die üblichen Schalter zur Wiedergabesteuerung. Hinter dem Dreipunkt-Menü verbergen sich diese Optionen: Playlist, Meine Musik, Teilen, Album, Favoriten und Künstler. Die Lautstärkesteuerung steht standardmässig auf 50 % und kann nicht per Mausrad verändert werden. Ausserdem kann man die aktuelle Wiedergabeliste einblenden und eine Vollbild-Ansicht der Play-Leiste einschalten. Das ist alles Standard und reisst mich nicht vom Hocker. Im Gegenteil, der Webplayer reagiert zähflüssiger als andere.

Da es bei GNU/Linux.ch um Freie Software geht, habe ich sogleich Pamac (Manjaros Paketmanager) zu Napster befragt. Und siehe da, es gibt ein Napster-Flatpak welches ich installiert habe. Zuvor habe ich meinen Napster-Account gekündigt; nicht vergessen! Das letzte Release dieser Electron-Anwendung ist vom August 2022, was dazu führt, dass die Flatpak-Installation erst einmal alte Runtimes herunterladen muss. Puh, die Installation dauert ewig. Doch hier ist sie:

Für alle, die ein Nokia 3310 haben und T9 beherrschen, ist das die richtige Anwendung. Bitte lasst die Finger von dieser Anwendung. Damit wäre die Frage, welche Napster-Apps es für den Linux-Desktop gibt, auch beantwortet: keine!

Die Vergütung

Der grosse (einzige) Pluspunkt von Napster ist die Bezahlung der Musikschaffenden. Laut meiner Recherche nimmt Napster den Spitzenplatz ein. Hier können Künstler:innen 19 $ für 1000 Streams verdienen, wofür man bei YouTube-Music nur 1.64 $ erhält. Dabei darf man die grossen Reichweitenunterschiede der Plattformen nicht vergessen. Bei YouTube-Music braucht man über 2 Mio. Streams pro Monat, um überhaupt etwas zu verdienen. Napster gibt sich mit 77'000 Streams zufrieden.

Bitte beachtet, dass die Vergütungsmethoden der Musikstreamer sehr unterschiedlich, kaum durchschaubar und schwer vergleichbar sind.

Die Musik

Mehr als 110 Mio. Titel ist der Standard, den fast alle Musikstreamer für sich beanspruchen. Bei meinen Suchbegriffen war ich dieses Mal gnädig und habe nur nach bekannten Stücken gesucht:

  • Nicht gefunden: Beth Hart Joe Bonamassa - I love you more than you'll ever know
  • Gefunden: Diana Krall - I'm An Errand Girl For Rhythm
  • Gefunden: Hans Zimmer - Mermaids
  • Nicht gefunden: Jeff Beck Imogen Heap - Blanket *

* Falls man nach "Jeff Beck - Blanket" sucht, findet Napster etwas in schrecklicher Tonqualität. Qobuz hat mit der oben genannten Suche keine Probleme, liefert mehr Ergebnisse in höherer Qualität.

Apropos Qualität - Napster streamt maximal in CD-Qualität. Die CD wurde Anfang der 80er Jahre von Philips/PolyGram und Sony in Zusammenarbeit mit dem Chemiekonzern Bayer erfunden und eingeführt. Ich möchte zu einem Audio-Standard, der 44 Jahre alt ist, keine weiteren Worte verlieren. Im Jahr 2024 ist für mich eine Tiefe von 24 Bit bei einer Abtastrate von 96 kHz das Mass der Dinge.

Wie auch bei Spotify, zeigt Napster die Tonqualität einzelner Titel nicht an, sondern erlaubt nur das Setzen einer generellen Qualität (siehe oben). Ich kann nicht beurteilen, ob Napster in der Lage ist alle 110 Mio. Titel wenigstens in CD-Qualität (44.1 kHz, 16 bit, FLAC) anzubieten. Genauso wie bei Spotify möchte ich das in Zweifel stellen.

Die Konnektivität

Es beginnt damit, dass man bei Napster Schwierigkeiten hat, die Webseite mit den unterstützten Geräten zu finden. Auf der Download-Seite wird man dann fündig:

Interessant ist der Bereich Home Audio. Dort wird man sogleich enttäuscht, weil nur Sonos unterstützt wird. Damit bildet Napster das Schlusslicht in Sachen Konnektivität; bei denen geht fast nichts. Von freien Lösungen gar nicht zu sprechen.

Fazit

Nicht gut! In fast allen Bereichen finde ich das Angebot von Napster schlechter im Vergleich zu den anderen Anbietern. Den einzigen Pluspunkt, den sich dieser Dienst verbuchen kann, ist die bessere Vergütung der Musikschaffenden. Wobei bei dieser Einschätzung der Skaleneffekt (siehe oben) zu berücksichtigen ist.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Napster

https://de.wikipedia.org/wiki/Compact_Disc

Tags

Musik, Musik-Streamer, Napster

Max Kaufmann
Geschrieben von Max Kaufmann am 21. März 2024 um 14:34

Das einzig gute an Napster Gegenüber anderen Diensten ist, dass man es für ziemlich günstig bekommt, wenn man beim Mobilfunkanbieter Aldi Talk von Aldi ein sogenanntes Musik-Paket bestellt.