Serie: Ralf testet Plasma - Teil 3

Do, 30. September 2021, Ralf Hersel

Nachdem ich in Teil 2 meinen ersten Eindruck geschildert habe, komme ich nun zu den Anwendungen und zur Bedienung. KDE Plasma ist für seinen Funktionsreichtum bekannt, was man beim Betrachten der Einstellungen und Anwendungen sofort sieht. Ich habe mir ein paar Standardprogramme angesehen: Dolphin, Kate, Gwenview, die Systemeinstellungen und bin positiv überrascht.

Die Anwendungen sind klar strukturiert, haben (auf Wunsch) richtige Menüleisten und bieten wesentlich mehr Funktionen, als ich sie von GNOME und auch von Xfce gewohnt bin. So ist Gwenview nicht nur ein einfacher Fotobetrachter (wie EOG), sondern bringt bereits die wichtigsten Funktionen für die Bildbearbeitung mit. Einen ähnlichen Eindruck habe ich von Kate; auch dieses Programm bietet viel mehr als ein einfacher Texteditor und erinnert mich an eine kleine IDE. Der Dateimanager Dolphin hat vermutlich mehr Funktionen als man jemals brauchen wird. Damit verbunden ist auch eine längere Einarbeitungszeit. Für meinen Test musste ich teilweise lange suchen, bis ich eine bestimmte Funktion in den langen und verschachtelten Menüs gefunden hatte. Mir ist es nicht gelungen, Ordner und Dateien in Dolphin mit einem Einfachklick zu öffnen.

Trotzdem: volle Punktzahl für die Anwendungen in KDE Plasma.

Der Start von Anwendungen oder die Suche nach Apps oder Dateien geht über das Startmenü (Super) oder mittels KRunner (Alt+Space) locker von der Hand. Lediglich beim Wechsel zwischen den offenen Anwendungen habe ich Bedenken. Dass beim Alt-Tab die Apps in einem Panel am linken Rand angezeigt werden, finde ich sehr gewöhnungsbedürftig. Ein Wechsel zwischen Instanzen einer Anwendung scheint nicht möglich zu sein. Dafür habe ich die Fensterübersicht (Ctrl+10) gefunden, jedoch erst, nachdem ich im KDE-Handbuch nachgeschlagen habe. Die Verwendung und Einstellungen für virtuelle Desktop sind offensichtlich und einfach. Allerdings gefallen mir die Shortcuts dafür nicht, weil Ctrl+Fx haptisch nicht gut zu bedienen ist. Ausserdem konnte ich keinen Shortcut finden, um ein Fenster auf einen anderen Desktop zu verschieben. Seltsam finde ich auch die übergrossen Popups, die beim Hoovern über den Anwendungsstartern erscheinen und nur minimale Informationen enthalten:

Mein bisheriges Highlight in KDE-Plasma sind die Systemeinstellungen. Erwartungsgemäss bleiben auch hier keine Wünsche unerfüllt. Die einzelnen Bereiche sind Hauptkategorien zugeordnet und damit gut zu finden: Manjaro, Arbeitsbereich, 'Persönliche Informationen', Netzwerk, Hardware, usw. Auch schön sind die Schnelleinstellungen mit häufig verwendeten Optionen. Dort kann man zum Beispiel zwischen einem hellen und dunklen Thema umschalten, ohne in die Abgründe der Detaileinstellungen für das Erscheinungsbild abtauchen zu müssen. In den Systemeinstellungen habe dann auch den Schalter gefunden, um vom Doppelklick auf Einfachklick in Dolphin umzuschalten.

Eine wichtige Workflow-Fähigkeit ist für mich die Möglichkeit, eine Session abspeichern zu können. Soll heissen, dass ich nach einem Reboot alle Anwendungen und virtuellen Desktops gerne wieder so sehen möchte, wie ich sie verlassen habe. Ich möchte mich nicht jedes Mal wieder neu einrichten müssen. Was bei GNOME seit der Version 3 nicht mehr funktioniert, ist in KDE Plasma kein Problem, falls man die Option in den Tiefen der Einstellungen findet. Das ist für mich ein ganz starkes Plus für KDE Plasma.

Kommen wir zur Bewertung (1 = schlecht, 10 = gut):

  • Basis-Anwendungen: 10
  • Funktionalität: 9 (keine 10, weil es zu viel des Guten ist)
  • Konfigurierbarkeit: 10
  • Workflow: 7
  • Systemeinstellungen: 9
  • Performance: 6

Wie ihr seht, hat sich mein durchwachsener erster Eindruck um Einiges verbessert. Im vierten Teil der Serie versuche ich, KDE Plasma an meine Bedürfnisse anzupassen.

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