Serie - Strukturierte Notizen: Nextcloud Collectives

Fr, 21. Oktober 2022, Ralf Hersel

Da denkt man, man hätte schon alles gesehen und könnte diese Serie beenden, da kommt der nächste interessante Lösungsvorschlag um die Ecke. Die Rede ist von der Nextcloud-App Collectives.

Eigentlich ist Nextcloud Collectives als geteilter Arbeitsplatz gedacht, in dem Team-Mitglieder zusammen an einer Markdown-basierten Projektdokumentation arbeiten können; also ähnlich einem Wiki. Dieser Blog-Post beschreibt die Intention ganz gut. Man sieht es auch daran, wie Collectives das Teilen von Inhalten und den Einbezug von Nextcloud Circles unterstützt.

Das hindert natürlichen niemanden, die Anwendung für die Verwaltung strukturierter Notizen zu verwenden.

Die Installation von Collectives setzt selbstverständlich eine eigene Nextcloud-Instanz voraus. Dort kann man in die globale Suche das Stichwort "Collectives" eingeben und erhält einen Verweis auf die App "Kollektive". Zwei Klicks später ist die Anwendung installiert und präsentiert sich oben im Panel mit einem Stern-Icon (siehe Titelbild).

Ich weiss nicht, was ich von dem (übersetzten) Namen "Kollektive" halten soll. Vor meinem inneren Auge formt sich eine Mischung aus Che Guevara, Kirchenkollekte und Kibbutz.

Wie dem auch sei, hier geht es nicht um mein inneres Auge, sondern um die Tauglichkeit der Anwendung.

Struktur: Hierarchie, Tags, Weiteres

Beim ersten Start der Anwendung, wird man aufgefordert, ein neues Kollektiv (sic!) zu gründen. Ein solches kann man sich als Notizbuch vorstellen. Hier bietet sich eine Struktur auf höchster Ebene an, wie zum Beispiel: Privat und Büro. Innerhalb der Kollektive legt man mit dem Plus-Icon neue Seiten an. In meinem Titel-Screenshot seht ihr zwei Kollektive: Büro und Medien. In Medien gibt es Seiten für Rhythmbox und YouPlay. Die Seiten können mit Unterseiten bestückt werden, und so weiter und so fort.

Damit ist klar, das hauptsächliche Strukturmittel von Collectives ist die Hierarchie. Freunde der Schlagwörter werden hier nicht fündig; Tags gib es nicht. Das wäre sicherlich ein willkommenes Feature für zukünftige Versionen. Dass Nextcloud viel Wert auf Zusammenarbeit legt, sieht man daran, dass das Teilen von Notizen in Collectives unterstützt wird. Ausserdem wird für jede Kollektive ein Circle angelegt, dem man Teilnehmende hinzufügen kann. Über die Einstellung der Rechte, kann dort geregelt werden, wer was in welchem Kollektive machen kann. Mit gutem Willen kann das Strukturelement betrachtet werden.

Editor

Collectives erfindet hier die Welt nicht neu, sondern setzt auf den Markdown-Editor Notes. Ich halte Notes für einen der besten MD-Editoren überhaupt. Wie oft habe ich mir gewünscht, Notes als native Desktop-Anwendung verwenden zu können. Der Editor fällt in die Kategorie "One Panel WYSIWYG"; es gibt keine Trennung zwischen Markdown-Code und Rendering-Vorschau. Hier seht ihr ein Beispiel einer Notiz, die direkt aus dem Dateimanager von Nextcloud aufgerufen wurde:

Die wichtigsten Formatierungsfunktionen werden über die Toolbar angeboten. Die Notes-App bietet selbst umfangreiche Funktionen zum Teilen, Kommentieren, Versionieren und eine Bearbeitungs-Historie an. Eine Farbkodierung für unterschiedliche Autoren fehlt auch nicht. Wählt man die Notiz im Dateimanager aus, werden ausser deren Inhalt auch die weiteren Notizen angezeigt, die sich im Kollektiv befinden.

Suchfunktion

Die Suchfunktion ist etwas unterentwickelt. Innerhalb der Kollektiven kann nur nach Seiten-Titeln gesucht werden. Dasselbe gilt für die globale Suche in Nextcloud; auch hier werden nur die Notizbuch-Titel und Seiten-Titel gefunden. Eine Suche innerhalb der Notizen ist nicht vorgesehen, da bleibt nur die Suchfunktion des Webbrowsers übrig. Für eine Note-taking-App ist eine Inhaltssuche unabdingbar; da gibt es noch Entwicklungspotential für die Kollektive.

Import/Export

Kurz gesagt: Es gibt keine Import- oder Export-Funktionen. Diese sind auch nicht unbedingt nötig, weil Collectives lediglich Markdown-Dateien in einer Verzeichnisstruktur ablegt. Um das zu verdeutlichen, zeige ich euch einen Tree meines lokal synchronisierten Nextcloud-Verzeichnisses:

Da die Dateien sowohl ein Standard-Format (Markdown), als auch eine Standard-Struktur (Datei-Verzeichnis) umsetzen, steht dem Hin-und-Her-Kopieren nichts im Wege. Wer Formate aus anderen Note-taking Apps verwenden möchte, kommt um eine Konvertierung in Markdown nicht drumherum.

Usability und Funktionalität

Das meiste habe ich bereits in den vorherigen Kapiteln erwähnt. Die Einstellungen für Collections sind spartanisch; man kann den Ordner angeben, in dem die Notizen gespeichert werden. Standardmässig lautet dieser "/Kollektive". Schön ist, dass man den Kollektiven und Notizen Emojis zuordnen kann. Das trägt zur Übersichtlichkeit bei und macht das Erscheinungsbild freundlicher.

Bei den Kollektiven können über das Kontextmenü die Mitglieder und Rechte verwaltet werden. Dort gibt es auch eine Option zum Exportieren und Drucken, die jedoch nicht funktioniert (weisser Bildschirm). Ausserdem kann auf jeder Ebene eine Vorlage für neue Seiten oder Unterseiten definiert werden. Das ist sehr praktisch, wenn man für die Seiten eine bestimmte Inhaltsstruktur erreichen möchte.

Multi-Plattform

Nextcloud Collectives ist eine Nextcloud-App und damit in allen Webbrowsern dieser Welt willkommen. Es gibt keine Desktop- oder Smartphone-Apps, wobei das nicht ganz richtig ist. Selbstverständlich kann man die Kollektive mit Nativefier oder GNOME-Web als Web-Applikation für den Desktop erzeugen lassen; das ist bringt aber keinen Vorteil gegenüber der Nutzung in einem Webbrowser.

Auf dem Smartphone braucht man keine eigene App, weil man sie schon hat. Es ist die Standard-Nextcloud-App, die es leistet. Man navigiert zum Ordner "Kollektiven" und sieht dort sowohl die Seiten, als auch die Inhalte. Diese können dort mit dem Notes-Markdown-Editor bearbeitet werden.

Es gibt auch noch die Nextcloud-Notes-App, mit der man auf Markdown-Notizen auf der Nextcloud zugreifen und diese bearbeiten kann. Diese erwartet die Dateien im Verzeichnis Notes und hat nichts mit der Kollektive am Hut. Ich habe sie kurz ausprobiert und gleich wieder verworfen, weil sie diverse Fehler geworfen hat.

Synchronisation

Das die Daten in der Nextcloud liegen und die Smartphone-App direkt darauf zugreift, ist eine Synchronisation überflüssig.

Fazit

Mir gefällt Nextcloud Collectives sehr gut, weil die Anwendung eine Note-taking Konstruktion auf der Basis des tollen Markdown-Editors Notes implementiert. Die Strukturierung mit Notizbüchern, Notizen und Unternotizen hat mich ebenfalls überzeugt. Das Teilen und kollaborative Arbeiten an Notizen halte ich nicht für Match-entscheidend, ist aber eine willkommene Funktionalität. Das Fehlen von Multiplattform-Apps finde ich nicht schlimm, weil man sowohl auf dem Desktop im Webbrowser, als auch auf Mobilgeräten mit der Nextcloud-App gut zurechtkommt.

Negativ aufgefallen ist die fehlende Inhaltssuche und die Schlagwörter als weiteres Strukturierungselement. Als positiv empfinde ich die Souveränität der Anwendung, da sie im Grunde nur auf Markdown-Dateien in einer Verzeichnisstruktur basiert. Damit erhält man eine maximale Freiheit.

Du kannst in der Kollektive beitreten, wenn:

  • du bereits eine Nextcloud hast,
  • lieber im Webbrowser, als in einer Desktop-Anwendung arbeitest,
  • dir Unabhängigkeit bei Format und Struktur wichtig ist,
  • du gerne mit anderen zusammen an Inhalten arbeiten möchtest,
  • und bereit bist, deine bisherigen Notizen umzuziehen ...

oder, um es mit Che Guevara zu sagen: "Um viel zu erreichen, muss man zuerst alles verlieren."

Quelle: https://apps.nextcloud.com/apps/collectives

Tags

Serie, Notizen, Hierarchiestruktur, Hierachie, Nextcloud, Collectives