Fediverse-Serie: Castopod - Podcast-Hosting mit Fediverse-Anschluss

Do, 1. Dezember 2022, Homer S.

Während Funkwhale als föderierter Audio-Streaming-Server das Hosting von Podcasts bisher lediglich basal umgesetzt hat, das WordPress-Plugin Podlove sich wiederum nur mittels eines weiteren ActivityPub-Plugins mit dem Fediverse verbinden lässt, ist der föderierte Vertrieb von Podcasts in der ersten Final-Version von Castopod ein ganz zentrales Feature.

Podcasts instanzweise
Dabei ist jede Castopod-Installation als Instanz zu verstehen. Wie die anderen Server-Anwendungen im Fediverse (Mastodon, Pixelfed, Friendica, PeerTube usw.) bietet Castopod die Möglichkeit, zahlreiche Accounts unter einer Domain zu beherbergen. Zu diesem Zweck haben die Entwickler*innen ein komplexes Nutzer*innen- und Rollen-Verwaltungssystem auf PHP- und MySQL-Basis gebaut, dessen Frontend in schlichter aber ansehnlich strukturierter Weise die Podcasts als Fediverse-Accounts präsentiert.


Installation
Die PHP8.1 und MySQL5.7 voraussetzende Installation gestaltet sich recht simpel. Im Grunde muss nur ein knapp 50MB schweres zip-File geladen, entpackt und auf den Webserver geschoben werden. Sobald die gewünschte (Sub)Domain korrekt gerichtet ist, lässt sich einem aus der PHPMySQL-Welt bekannten Installationsdialog folgen und schon ist das Meiste erledigt. Lediglich die Einrichtung der Mail-Funktion für Benachrichtigungen und Account-Aktivierungen setzt (noch) die Bearbeitung einer Datei von Hand voraus. Mittels des angelegten Admin-Accounts steht Castopod nun zum Login bereit.

Der Haken mit den cronjobs
Damit die Teilnahme am Fediverse auch wirklich wie gewünscht funktionieren kann, ist Castopod bisher auf cronjobs angewiesen. Eine WebCron-Einstellung wie bei Nextcloud, bei der die wiederkehrenden Prozesse allein durch Besuche der Webseite ausgelöst werden können, bietet Castopod nicht. Wer Castopod also auf einem einfacheren Hosting-Angebot installiert, schaut bei der Föderation der Podcasts vorerst in die Röhre. Das reine Podcast-Publishing funktioniert so hingegen dennoch.

Komplexität und Übersichtlichkeit
Der bei der Installation angelegte Benutzer ist der Instanz-Administrator und hat in Castopod die Rolle eines Super-Administrator, der beliebig weitere Benutzer anlegen und ihnen die Rollen Super-Administrator, Manager oder Podcaster zuteilen kann. Die Rollen bestimmen die jeweiligen Rechte der Nutzer\*in. Allerdings müssen diese bisher im Menü erraten werden: Es passt sich nicht etwa dem jeweiligen Login an. Vielmehr werden fehlende Berechtigungen mit einer (wenngleich im passenden Design gehaltenen) 404-Fehler-Seite quittiert.

Welche Rolle mit welchen Rechten versehen ist, ob das angepasst werden kann bzw. wer welche Rechte wem erteilen kann, erschließt sich nicht auf Anhieb und setzt eine intensivere Beschäftigung mit dem System voraus. Neben den Benutzern können Mitwirkende erstellt werden, die weder identisch noch verknüpft mit den Login-Accounts sind.

Um die Verwirrung komplett zu machen, haben die angelegten Podcasts nochmal eigene Administratoren, denen die Rollen Administrator, Editor, Autor und Gast zugeordnet werden können. Und auch hier können Mitwirkende angelegt und mit einem Dropdownmenü unzähligen englischsprachigen Jobbezeichnungen zugeordnet werden. Meiner Meinung nach wäre hier weniger mehr gewesen. Aber Castopod will sich offensichtlich auch an kommerzielles Podcasting wenden, und da ist die Auszeichnung aller Beteiligten vermutlich ähnlich bedeutsam wie der Abspann beim Film.

Monetarisierung und Analysen
Kommerziellen Interessen entgegen kommt wohl auch die Möglichkeit, die verschiedensten Podcast-Plattformen zu verlinken. Ebenso lassen sich zahlreiche Soziale Netzwerke verknüpfen sowie Bezahl- und Spendendienste angegeben.

Darüber hinaus bastelt die hinter Castopod stehende Firma Ad Aures offenbar an einer "nachhaltigen" Monetarisierung von Premium-Inhalten. So kann jede Folge bereits einzeln als Premium-Inhalt markiert und nur als Abonnent*innen eingetragenen Nutzer*innen zugänglich gemacht werden (Vermutlich erscheint die Folge dann nicht im Feed sondern wird via E-Mail samt Link gemeldet. Das hat der Verfasser aber noch nicht getestet). Monetarisierung ohne Gated-Communities wie Spotify oder Audible scheint das erklärte Ziel des Premium-Features zu sein.

Pro Podcast werden - wohl datensparsam - Statistiken zu Visits, Hörer*innen-Zahl, Hörzeit, verwendeten Playern und Standorten gesammelt und im Admin-Frontend visualisiert.

Föderation
Gerade das Alleinstellungsmerkmal von Castopod, also seine Anbindung an das Fediverse hakt leider noch ziemlich. So konnte ich einem Test-Podcast zwar von zwei Mastodon-Accounts aus folgen, und mit laufenden cronjobs erhielten sie auch die neuen Postings und Veröffentlichungen. Antworten auf diese kamen auf meiner Castopod-Instanz indes bis heute nicht an - trotz eines Updates auf Version 1.0.5, die einige Probleme mit der Föderation beseitigen sollte.

In der Administrationsoberfläche führte der Menüpunkt Blockierte Konten zu einem Fehler, aber immerhin das Blocken von Domains scheint zu funktionieren - wenn man Super-Administrator ist! Content Warnings sind aktuell nicht vorgesehen, eine Unterscheidung in öffentlich, nicht gelistet und Posts Nur für Folgende fehlt ebenfalls. Moderations-Werkzeuge für (bisher ja eh nicht eintreffende) Kommentare? Keine Spur.

Hinsichtlich des Fediverse ist bei Castopod also noch reichlich Luft nach oben.

Fazit

Es handelt sich bei Castopod um eine nur auf Podcasts zugeschnittene Publishing-Lösung, die daher deutlich weniger überladen ist, als ein WordPress-Blog mit Podcasting-Plugin. Es macht das, was es soll, ist dabei sparsam in den Voraussetzungen und vergleichsweise leicht aufzusetzen und zu pflegen. In den Podcast-spezifischen Features (Shownotes, Chaptermarken, Verlinkungen ...) ist es Funkwhale weit voraus. Bereits jetzt ist Castopod eine recht einfache und gefühlt stabile Lösung, einen oder mehrere Podcasts im Web samt abonierbarem RSS-Feed zu veröffentlichen.

Dennoch bleibt nach der ersten Final-Version noch Optimierungs- und Erweiterungsgpotenzial - sowohl in Hinsicht auf die Fediverse-Anbindung als z.B. auch bei der Kompatibilität mit dem Output zumindest hierzulande beliebter Programme wie Ultraschall/Reaper. Auch eine Automatisierung des Mail-Setups oder gar des gesamten Update-Prozesses würden die Zugänglichkeit der Software für technisch weniger Versierte sicherlich erhöhen.

Castopod ist eine Entwicklung mit viel Potenzial. Ob sie sich im vielfältigen Podcast-Universum einen bedeutenden Platz neben den etablierten Playern verschaffen kann, bleibt indes abzuwarten.

Zur Artikelserie

Im Rahmen der Artikelserie zu Fediverse-Diensten sind bisher erschienen:

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Castopod, Podcast, Fediverse, Serie, Funkwhale, Artikelserie, cronjobs