Serie - Strukturierte Notizen: Trilium

Fr, 23. September 2022, Ralf Hersel

Trilium ist eine hierarchische Anwendung zur Erstellung von Notizen mit Schwerpunkt auf dem Aufbau grosser persönlicher Wissensdatenbanken. Das Hauptmerkmal von Trilium ist die Möglichkeit, Notizen in einer hierarchischen, baumartigen Struktur anzulegen. Die Software steht unter der AGPL-3.0 Lizenz und ist eine Electron-Anwendung.

Was bei Trilium als Erstes auffällt, ist die Grösse des Flatpaks von 350 MB, womit bereits ziemlich sicher ist, dass die Anwendung auf Electron basiert. Entsprechend langsam ist auch der Start, der sich in einer virtuellen Maschine ca. 6-7 Sekunden genehmigt. Als Vergleich: ZIM startet in derselben VM in unter 1 Sekunde.

Sobald Trilium einmal läuft, zeigt sich ein riesiger Funktionsumfang, doch dazu später mehr. Beginnen wir mit der Betrachtung einzelnen Kriterien:

Struktur: Hierarchie, Tags, Weiteres

Netterweise bringt Trilium eine Demo-Datenbank mit, die sich beim ersten Start öffnet. Dort werden die einzelnen Funktionen eindrucksvoll demonstriert. Ein hierarchischer Baum ist das Haupt-Ordnungskriterium für die Notizen. Über die Funktionsleiste ganz links steht auch eine grafische Darstellung des Baums, bzw. der Links zur Verfügung.

Als weiteres Ordnungskriterium gibt es pro Notiz eigene oder vererbte Attribute. Das können Labels (Hashtags) oder Relations (Links zu anderen Notizen) sein. Diese werden in der Suche berücksichtigt. Die Notizen können beliebig tief strukturiert werden; angeblich führen 100'000 Notizen nicht zu Leistungsproblemen. Ausserdem ist es möglich, dieselbe Notiz an verschiedene Stellen in den Baum einzuordnen (Cloning).

Editor

Im linken Seitenpanel gibt es die Schaltfläche New Node, die jedoch einen neuen Journal-Eintrag anlegt. Möchte man an beliebiger Stelle eine neue Notiz erstellen, so klickt man auf das Plus-Zeichen hinter der Eltern-Notiz, wodurch eine neue Kind-Notiz erzeugt wird, der man sogleich einen Namen und ein Symbol geben kann.

Text kann entweder als Markdown geschrieben oder mit einer Formatierungsleiste (nach Doppelklick) angepasst werden. Bilder lassen sich direkt per Drag'n'drop in den Editor ziehen. Bei diesen werden sogar Umläufe, Ausrichtungen und eine Zoomfunktion angeboten. Zusätzlich unterstützt der WYSIWYG-Editor Tabellen, mathematische Ausdrücke und Code-Blöcke mit Syntax-Hervorhebung. In die Notizen können Freihandzeichnungen sowie Mermaid-Diagramme eingesetzt werden.

Suchfunktion

Oberhalb des Baums gibt es eine Schnellsuche, die mit Ctrl+S angesprungen werden kann. Über das Lupe-Symbol im linken Panel wird die Detailsuche aufgerufen. Die dort gebotenen Optionen für die Suche sind sehr mächtig und sprengen den Umfang dieses Artikels. Vielleicht lässt der Screenshot erahnen, was hier möglich ist:

Ausser der globalen Suche über alle Notizen (Titel, Volltext, Hashtags, Relationen) gibt es auch die Suche innerhalb einer einzelnen Notiz. Die Fundstellen der Suche werden farblich hervorgehoben. Eine Suche (Suchbegriffe, Optionen, Suchergebnisse) lassen sich als eigene Notiz speichern.

Referenzierung (Verlinkung)

Wird ein Text markiert, so erscheint ein Kontextmenü mit Formatierungsmöglichkeiten. Darin enthalten ist die Möglichkeit, externe Links (URLs) anzulegen oder interne Links auf andere Trilium-Notizen anzulegen.

Wie man im Screenshot sehen kann, bieten die internen Links auch eine schöne Vorschau auf die verlinkte Notiz. Bei der grossen Funktionsfülle der Anwendung wundert es mich, dass beim Link-Ziel keine Back-Links angezeigt werden. Diese würden die Frage beantworten: "Welche anderen Notizen referenzieren auf mich?" Man erhält diese Information dennoch, wenn man die Link-Map für die Notiz einschaltet. Ein Beispiel seht ihr oben im zweiten Bild.

Import/Export

Daten aus einer beliebigen Baumebene (von Root bis zu einem einzelnen Blatt) können über den gleichnamigen Kontextmenüpunkt exportiert werden. Dabei werden die Formate HTML als ZIP, Markdown und OPML (outliner interchange format) unterstützt. Ausserdem kann nur das gewählte Blatt ohne seine Kinder exportiert werden.

Neben dem Import über Copy&Paste aus der Zwischenablage, wird auch ein Dateiimport unterstützt. Das können einzelne Markdown-Dateien sein oder ein kompletter Verzeichnisbaum mit Markdown-Dateien als ZIP-Datei.

Usability und Funktionalität

Die Benutzbarkeit und Funktionsvielfalt ist sehr gut, bzw. sehr gross. Ich kenne keinen anderen Outliner, der so viel unterstützt. Es ist dem Electron-Unterbau geschuldet, dass die Anwendung sehr langsam startet; während der Arbeit mit Trilium merkt man hingegen keine Zähflüssigkeit. Dieser Artikel beleuchtet nur einen Bruchteil der gesamten Funktionalität. Wer es genauer wissen möchte, sollte einen Blick auf die Feature-Liste werfen.

Multi-Plattform

Von Trilium gibt es Pakete für Linux, Windows und MacOS, sowie in den Formaten deb und Flatpak. Eine Version für Smartphones ist nicht vorhanden, wohl aber ein Frontend für Mobilgeräte.

Synchronisation

Trilium verwendet für die Datenablage eine SQL-Datenbank. Von einer Datei-basierten Synchronisation (via Nextcloud, Seafile, etc.) rate ich ab. Es gibt Forenbeiträge, die von defekten Datenbanken nach einem solchen Versuch berichten. Stattdessen bietet Trilium einen Web- und Synchronisations-Server für das Selfhosting als Docker-Container an. Der Trilium-Client hat einen Dialog für das Verbinden mit dem Server und zum Testen der Synchronisation.

Wer Trilium auch auf dem Smartphone oder Tablet verwenden möchte, kann das Web-Frontend des Servers verwenden. Eine native Version für Android oder iOS gibt es nicht.

Fazit

Der Outliner Trilium eignet sich für Personen, die eine sehr grosse Funktionalität und gute Bedienbarkeit benötigen. Falls man Daten synchronisieren möchte, sollte ein passender Server und die Kenntnis vorhanden sein, um einen Docker-Container zu installieren. Wer einen Blitzstart, weniger Funktionalität und eine native App für Mobiltelefone braucht, wird mit anderen Lösungen vermutlich glücklicher.

Tags

Serie, Notizen, Hierarchiestruktur, Trilium, Electron