The Billion Dollar Code

Mo, 4. Oktober 2021, Lioh Möller

Letzte Woche bot sich mir die Gelegenheit am ZFF die gesamte Miniserie mit dem Titel The Billion Dollar Code anzusehen.

Diese basiert auf einer wahren Geschichte, welche Mitte der 90er Jahre ihren Anfang nahm. Eine Gruppe von Künstlern und Entwicklern aus dem CCC-Umfeld in Berlin kam auf die Idee eine interaktive Weltkarte zu erstellen, die über ein dafür angefertigtes Userinterface, welches aus einer Kugel und einer Space-Mouse bestand, anzusteuern.


Das Bild zeigt einen Teil des Teams rund um die Serie, sowie Schauspieler und in der Mitte die Autoren der Software.

Als Basis kam ein damals nahezu unerschwinglicher Supercomputer der Firma SGI zum Einsatz, den das Projektteam mit Fördergeldern finanzieren konnte.

Die Technologie wurde von der dafür gegründete Firma art+com patentiert und dennoch zu einem späteren Zeitpunkt in ähnlicher Form von Google für die Anwendung Google Earth kopiert. In einem aufwändigen Patenturteil wurde versucht die rechtlichen Ansprüche zu klären.

Nach der Filmvorführung konnte ich kurz mit einem der ursprünglichen Autoren der damals als Terravision bezeichneten Anwendung sprechen. Dabei ging es im Wesentlichen um die schier unendliche Macht von Monopolisten und um Freie Software als mögliche Alternative.

Im Grunde genommen handelt es sich bei GNU/Linux ebenfalls um Code, der mehrere hundert Billionen Dollar wert ist, sofern sich der Wert überhaupt in Zahlen bemessen lässt. Lediglich Copyleft-Lizenzen wie die GPL verhindern eine missbräuchliche Verwendung. Natürlich lässt sich diese dennoch nicht vollständig ausschliessen, in mehreren Präzedenzfällen wurde jedoch die Wirksamkeit bestätigt.

Das Thema Monopolisierung der IT-Industrie wurde kürzlich in einem ausführlichen Artikel auf netzpolitik.org behandelt.

Die Serie The Billion Dollar Code wird in Kürze bei einem bekannten kommerziellen Streaminganbieter verfügbar sein. Insbesondere der erste Teil kann denjenigen empfohlen werden, die mit etwas Wehmut auf die Gründertage des Internets zurückblicken. Die Szenen aus der noch jungen Hackerbewegung der 90er Jahre werden realistisch, wenn auch etwas überzogen dargestellt.

Der ursprüngliche Geist und die damit verbundenen Ideale sind auch heute noch in der Freien Software und Maker-Szene anzutreffen.

Das Thema Dezentrale Netzwerke, welches auch in unserem letzten Podcast besprochen wurde, wird zum Ende der Serie als möglicher Ausweg aus der Misere aufgezeigt, ist es bis heute der Community doch bis heute nicht gelungen eine grossflächige Infrastruktur auf Basis von Freier Software anzubieten.

IMDB: https://www.imdb.com/title/tt15392100/

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