Vereinbarkeit von Windows und Privatleben

  Peter   Lesezeit: 4 Minuten  🗪 12 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Wie viele von uns muss ich im Beruf das Microsoft-Ökosystem mit Windows und O365 nutzen, setze privat aber wo immer möglich auf FOSS und Self-Hosting. Ein kleiner Erfahrungsbericht von meinem Versuch, beides unter einen Hut zu bringen.

vereinbarkeit von windows und privatleben

Eingesperrt in geschäftlichen Arbeitsmitteln

Ich arbeite in einem Schweizer Unternehmen mit über 30'000 Mitarbeitern. Bürolisten wie mir wird dabei ein Windows-Laptop gestellt. Darauf habe ich keinerlei Admin-Rechte, kann also ausschliesslich vom Unternehmen 'gestellte' Applikationen verwenden. Auch Browser-Plugins sind ausgeschlossen. Das Gerät darf aber ausdrücklich auch verwendet werden, um beispielsweise in der Mittagspause privat zu surfen oder einen privaten Text zu schreiben.

Wie viele andere habe ich mir auch lange Gedanken darüber gemacht, wie ich die Einschränkungen des Unternehmens umgehen könnte, um beispielsweise meinen privaten und geschäftlichen Kalender zu synchronisieren. Aber ich bin dann doch zur Erkenntnis gelangt, dass das im Grunde verantwortungslos ist. Mein Arbeitgeber steht praktisch permanent unter Cyberattacken, die fast immer nur dann erfolgreich sind, wenn sich ein Mitarbeiter unvorsichtig verhalten hat.

Hier ist mein ganz persönlicher Erfahrungsbericht, wie ich die berufliche und private Welt näher zusammenbringe, ohne dabei die berechtigten Sicherheitsansprüche meines Arbeitgebers zu unterlaufen. Es ist keine Lösung für alles und jeden, bringt aber hoffentlich etwas Inspiration. Bedenkt bitte auch immer, dass euer Arbeitgeber eigene Richtlinien hat.

Der Grundgedanke: Web-Applikationen

Ich habe mir eine Domain beschafft (für CHF 2.80 pro Jahr). Ich betreibe nun diverse Docker-Applikationen, die über den Browser und das grosse, weite Web erreichbar sind und mir das Leben erleichtern, also so etwas wie:

  • tasks.meinedomain.org
  • musik.meinedomain.org
  • nextcloud.meinedomain.org
  • ...

Hier also die Liste der Web-Apps, auf die ich vom Geschäfts-Laptop zugreife.

Weboberfläche von super-productivity

Todo - Liste

Ich will meine Todo-Liste privat und geschäftlich und auf all meinen Geräten nutzen können. Es ist (m)ein zentrales Arbeitswerkzeug, das immer verfügbar sein muss. Die Nextcloud-App 'Tasks' kommt für mich nicht infrage, für meine Bedürfnisse ist sie wahnsinnig kompliziert und kann trotzdem ganz triviale Dinge nicht (z. B. Wiederholungen).

Hier nutze ich deshalb 'super-productivity'. Der Docker-Container beinhaltet ausschliesslich die Web-App. Die Tasks selbst werden in einer JSON-Datei über WebDAV auf meiner Nextcloud gespeichert. Für 'super-productivity' gibt es zudem eine Mobile-App und eine Flatpak-Applikation, die ich zu Hause sehr gerne nutze.

Momentan tue ich mich noch schwer, mich an das UI zu gewöhnen. Das kann aber sicher daran liegen, dass ich vorher viele Jahre eine proprietäre Lösung genutzt habe (Todoist), die mir funktional noch immer extrem gut gefällt.

Wichtig ist, in den Todos keine sensiblen Informationen zu erfassen – was ich mit meinem Workflow aber ohnehin nicht tue.

Notizen

Rein geschäftliche Notizen sind und bleiben im geschäftlichen Confluence, da, wenn immer möglich, auch Mitarbeitende darauf zugreifen sollen. Ich habe keinen Grund, in der Freizeit darauf zuzugreifen. Manchmal will ich aber vom Geschäftsgerät kurz private Notizen anschauen.

Nextcloud-Notes

Private Notizen pflege ich mit Obsidian, das die Daten als Markdown-Files in Nextcloud ablegt. Ich habe Nextcloud über meine Domain verfügbar gemacht und die App 'Notes' installiert. In 'Notes' fehlen für mich essenzielle Funktionen und ich fände es furchtbar, dort intensiv arbeiten zu müssen. Für meinen Zweck taugt es aber allemal.

Musik

Manchmal möchte ich im Grossraumbüro den Kopfhörer überstülpen und fokussiert an etwas arbeiten. Seit Jahren digitalisiere ich meine CDs (und DVDs) und streame meine Musik von zuhause aus.

Dafür nutze ich Jellyfin. Es hat ein sehr ansprechendes Web-UI, die Musikwiedergabe funktioniert problemlos.

Dateien

Gelegentlich will ich in der Mittagspause noch etwas Privates nachsehen oder einen Brief für den Verein schreiben. Auch hier nutze ich Nextcloud und habe es kürzlich mit Collabora erweitert.

Der Dämpfer: Kalender

Heute und in Zukunft nicht möglich ist, den privaten und den geschäftlichen Kalender zu synchronisieren. Das muss weiterhin manuell erfolgen. Seit ich aber Nextcloud auf dem Geschäftsgerät öffnen kann, kann ich immerhin beide Kalender nebeneinander öffnen und der Abgleich ist rasch gemacht.

Hier kommt mir sicher auch zugute, dass ich Arbeits- und Freizeit sehr klar trennen kann. Ich muss also nur private Termine 'synchronisieren', die in die reguläre Arbeitszeit fallen (und umgekehrt).

Fazit

Eine perfekte Lösung habe auch ich nicht. Mit diesen Web-Apps habe ich nun aber einen Weg gefunden, den privaten Laptop nicht mehr ins Büro schleppen zu müssen. Zudem habe ich sehr viel über Zertifikate, VLAN, Proxy-Manager und solche Geschichten gelernt. Sehr schade ist, dass die Nextcloud-Apps 'Tasks' und 'Notes' nur sehr triviale Funktionen anbieten. Ansonsten könnte Nextcloud eine richtig hübsche "Kommandozentrale" werden.

Falls jemand von euch ebenfalls vor derselben Herausforderung stand, würde es mich interessieren, wie ihr das gelöst habt. Denn eigentlich wünschte ich mir eine Webseite, über die ich auf alles zugreifen kann, was ich möchte. Danke für eure Kommentare!

Titelbild: Nextcloud-Notes (selbst)

Quellen:
https://github.com/nextcloud 
https://github.com/jellyfin/jellyfin 
https://github.com/super-productivity/super-productivity 

Tags

super-productivity, Nextcloud, Jellyfin, Windows

Thoys
Geschrieben von Thoys am 3. März 2026 um 11:22

Hi,

FALLS du ein Dienstgerät hast, auf dem du ein paar Rechte hast, dann könnte Outlook beigebracht werden, caldav zu sprechen. Ich habe diese Rechte nicht, daher kann ich Nextcloud und Outlook nicht synchronisieren.

Hintergrund bei mir war, dass ich einfach meinen privaten Kalender in Outlook sehen möchte, um Diensttermine nicht ausversehen auf private Termine zu legen. (Wenn ich es richtig verstehe, ist dein Szenario sehr ähnlich/gleich. "Nebeneinander legen", habe ich so verstanden, dass du Browser und dienstliches Mailprogramm offen hast.).

Schönen Gruß Thoys

Peter
Geschrieben von Peter am 3. März 2026 um 16:57

Auch das geht bei uns seit ein paar Jahren nicht mehr. Und genau, so war es gemeint: Ich halte den Browser und Outlook nebeinander und trage gegenseitig die Termine in den jeweils anderen Kalender ein.

Man ist bei uns mittlerweile recht rigoros. Ich kann zum Beispiel auf einem privaten Geräte die Browserversion von O365 mit meinem geschäftlichen Account nutzen, kann dann aber keinerlei Daten von oder zum Rechner hoch- oder runterladen. Noch nicht einmal die Zwischenablage zwischen Rechner und Website funktioniert (wie auch immer sie das machen).

Lars Müller
Geschrieben von Lars Müller am 3. März 2026 um 21:22

Hallo Peter,

Ich habe von meinem Arbeitgeber, einem Energieversorger, auch ein Arbeitslaptop. Habe da auch nur bestimmte Rechte. Programme installieren geht beispielsweise auch nicht, aber ich kann problemlos meine Nextcloud öffnen. In der Regel reicht mir das, da ich dort meinen Kalender manuell pflegen kann.

Beruflich bin ich genau wie du an Windows 11 und MS365 sowie Confluence gebunden. Da führt kein Weg vorbei, aber Remote arbeiten ist für die Tonne aktuell.

Privat nutze und liebe ich die einfachheit von Linux und KDE Oberfläche

tux0r
Geschrieben von tux0r am 3. März 2026 um 13:00

Der offensichtliche Nachteil von Webkram ist, dass (potenziell) jeder darauf zugreifen kann, auch die, die das auf keinen Fall sollten. Eine Sicherheitslücke oder auch nur eine Unachtsamkeit und schon liegt das komplette Intimleben für jeden offen. Es ist "praktisch", aber es ist auch nachlässig.

Peter
Geschrieben von Peter am 3. März 2026 um 17:02

Diesen Aspekt habe ich völlig weggelassen, das hätten den Artikel gesprengt. Aber du hast schon recht: Es ist potenziell nicht risikofrei. Dass es nachlässig "ist" würde ich aber bestreiten. Man kann durchaus gute Vorsichtsmassnahmen treffen. Dazu gehört, dass "eine" Unachtsamkeit auf keinen Fall dazu führen darf, dass gleich alles offen liegt.

Hier hatte ich das Glück, dass ich Leute im IT-Sec-Bereich kenne, die mich beraten konnten. Ein Homeserver ist nie 100% sicher (ob mit Domain oder ohne). Es geht nur darum, den Preis für einen möglichen Angreifer höher zu treiben, als er bereit ist zu zahlen. Gäbe sicher auch einen spannenden Artikel, für den ich mich aber nicht kompetent fühle.

Mc Nail
Geschrieben von Mc Nail am 5. März 2026 um 14:19

Nun ja, ganz so ist es ja nicht unbedingt, NC bietet ja die Möglichkeit 2FA zu nutzen und bei privater Nutzungsollte das mehr als ausreichend sein als Schutz, 100% Schutz gibt es eh nicht, aber User/Passwort UND 2FA zu umgehen ist so aufwändig, das lohnt für private Daten nicht, kann also als sicher bezeichnet werden. Geheimdienste nehmen eh einen anderen Weg ...

Michel
Geschrieben von Michel am 3. März 2026 um 17:40

Ich habe in der Firma den CaldavSyncAdaper beantragt und genehmigt bekommen. Wohl aber auch nur, weil ich in der Lage bin die Software zu konfigurieren. Was mir nicht möglich war, ist die Anwendung so zu konfigurieren, dass die Termine als anonyme Zeit-slots synchronisiert werden.

oemmes
Geschrieben von oemmes am 4. März 2026 um 06:12

Das Kalenderdilemma löse ich so:

Ich habe ebenfalls das Bedürfnis private Termine die die Arbeitszeit beeinflussen auch im dienstlichen Kalender zu haben.

Ich schreibe den Termin in meinen privaten Kalender und lade mein dienstlichen ich dazu ein.

Ob das Mit Nextcloud auch geht weiß ich nicht. Ich nutze meinen Kalender bei mailbox.org.

Beste Grüße oemmes

pit
Geschrieben von pit am 5. März 2026 um 07:35

> Ob das Mit Nextcloud auch geht weiß ich nicht. Ich nutze meinen Kalender bei mailbox.org.

Tut es, wenn in der NC Mail korrekt konfiguriert ist. Dann so wie von dir skizziert: Das "dienstliche ich" einladen (Mail-Adresse) und es wird automatisch eine Mail-Einladung ausgelöst. Auf dem Dienst-Rechner kann ich dann in Outlook einfach auf "annehmen" klicken und entscheiden, ob der/die Einladende eine Antwort bekommen soll.

D. Zischegger
Geschrieben von D. Zischegger am 5. März 2026 um 01:11

Du schreibst lapidar "Ich betreibe nun diverse Docker-Applikationen", vergisst aber nicht zu erwähnen, dass die Domain 2,80 CHF kostet, was eigentlich eine Nebensächlichkeit ist. Mich würden vielmehr Details zu 'Deinem Docker' interessieren.

Peter
Geschrieben von Peter am 11. März 2026 um 06:23

Ich betreibe mein ganzes Homelab (Docker, VM, Backup-Kram) über Unraid. Vor ein paar Jahren, noch zu meinen 'Windows-Zeiten' habe ich mir eine Lifetime-Lizenz gekauft. Damit lässt sich Vieles "Zusammenklicken" und hat mir den Einstieg in die Docker-Welt extrem erleichtert. Und das ganze Array-Management ist aus Benutzersicht extrem einfach (kaputte Festplatte austauschen - hochfahren - wird automatisch wieder hergestellt).

Da es sich aber nicht um freie Software handelt wäre ein Artikel darüber hier am falschen Platz. Und obwohl ich mit Unraid sehr zufrieden bin, da es praktisch unzerstörbar ist (was bei mir dringend nötig ist :-) ), weiss ich nicht ob ich es heute noch empfehlen würde. Gibt ja doch ein paar coole, freie Alternativen - die ich allerdings nicht näher kenne.

Daniel
Geschrieben von Daniel am 22. März 2026 um 11:07

Hallo,

inspiriert durch diesen Artikel verwende ich seit kurzem für meine privaten Recherchen und Notizen bookstack. Das habe ich mit caddy als reverse-proxy über das Internet zugänglich gemacht.

Beide Anwendungen laufen in Dockercontainern auf meinem NAS. https-Zugriff durch caddy, sichere Passwörter und eine 2FA für die Anmeldung sind für mich aktuell ausreichende Sicherheitsmaßnahmen. Falls das doch einer umgehen kann, landet er "nur" in meinem Container.

Viele Grüße Daniel