Das QWERTZ-Tastaturlayout wurde auf mechanische Schreibmaschinen optimiert. Die Buchstaben sind so angeordnet, dass sich die "Hämmerchen" der Schreibmaschine beim schnellen Tippen möglichst nicht verhaken können. Diese Anordnung führt jedoch auch dazu, dass die Finger für die häufigsten Wörter sehr lange Wege machen müssen.
Das Neo-Layout hingegen ist darauf optimiert, dass deutsche und englische Wörter sowie häufige Sonderzeichen beim programmieren möglichst ergonomisch erreicht werden können. Dieser Effekt fällt beim Lernen sofort auf und ist wirklich massiv.
Das System
Alle nachfolgenden Bilder stammen von https://www.neo-layout.org/
Die Tastenbelegung von Neo ist auf 6 Ebenen aufgeteilt. Die Ebene 1 sieht so aus:
Über die Shift-Tasten erreicht man Ebene 2 für die Grossschreibung und einige Sonderzeichen auf den Ziffertasten. CapsLock schaltet man durch gleichzeitiges Drücken beider Shift-Tasten ein und aus.
Die Dritte Ebene wird über CapsLock oder $ erreicht. Auch hier kann man die Ebene durch gleichzeitiges drücken beider Tasten "einrasten". So erreicht man alltägliche Sonderzeichen über die Mitte der Tastatur. Wirklich super praktisch!
Die vierte Ebene legt den Ziffenblock mitten auf die rechte Hand. Wir erreichen sie durch < oder Alt (rechts).
Die fünfte und sechste Ebene verwende ich derzeit nicht. Sie ist aber wohl für Programmierer und Mathematiker ziemlich interessant und enthält zum Beispiel griechische Buchstaben.
Das Lernen
Neo (bzw. Neo2) ist bei normalen Linux-Konfigurationen bereits vorhanden. Bei KDE ist die Lernsoftware "KTouch" über Discover einfach zu finden. Ich empfehle jedoch das kostenlose Tool "Tipp10". Eine kleine Spende wäre aber sicher angebracht, wenn man es intensiv nutzt.
Ich versuche aktuell, wenn immer möglich mit Neo zu schreiben. Da und dort tue ich mich aber noch sehr schwer (zum Beispiel beim "blinden" eintippen von komplexen Passwörtern), weshalb ich gelegentlich per F-Taste auf QWERTZ zurückschalte.
Nichts ist perfekt
Ich muss zwar nicht allzu oft, aber doch sporadisch Texte in Französisch schreiben. Als Schweizer fehlt mir dazu die rasche Erreichbarkeit von éàè oder ç und ^. Vielleicht habe ich mir das bei Neo übliche "Stacken" mehrerer Zeichen aber einfach noch zu wenig angewöhnt.
Quelle: Foto des Autors, darf frei verwendet werden.
Zudem ist bei Neo das ß sehr gut erreichbar. Da es in der Schweiz nicht verwendet wird, ist es für mich im Grunde eine "tote" Taste.
Mobile Geräte
Während QWERTZ die linke Hand deutlich stärker belastet, versucht Neo, beide Hände möglichst gleichmässig zu nutzen. Wer am Handy ohnehin mit beiden Händen schreibt (was ich tue), wird mit Neo wenig Mühe haben. Wer aber einhändig schreibt, macht mit Neo deutlich längere Wege.
Fazit
Schon bei den ersten Übungslektionen ist mir ganz massiv aufgefallen, dass es im Computerzeitalter im Grunde rapsbescheuert ist, mit QWERTZ zu schreiben. Neo ist einfacher zu lernen und angenehmer anzuwenden. Andererseits gibt es nach wie vor keine Neo-Tastaturen zu kaufen. Wer an häufig wechselnden Workstations arbeitet, wird nicht immer auf Neo umstellen können. Und wer die kleinen "Knubbel" auf F und J behalten möchte, wird die Tasten auf der Tastatur nicht einfach anders anordnen wollen.
Wer das 10-Finger-System bereits einwandfrei beherrscht, muss sich fragen, ob die Umstellung die Mühe wert ist. Wer noch nie mit dem 10-Finger-System schreiben konnte, es aber lernen möchte, hat mit Neo meines Erachtens eine super Möglichkeit, einfach und extrem effizient einzusteigen.
Nach drei Wochen täglicher Übungssequenzen ist das mein erster langer, mit Neo geschriebener Text. Es ist noch ziemlich anstrengend und ich mache relativ viele Fehler, habe aber QWERTZ überraschenderweise bereits nahezu verlernt. Ich werde wohl bei Neo bleiben.
Quellen:
Projektseite: https://www.neo-layout.org/
Lernprogramm: https://online.tipp10.com/
Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Neo_(Tastaturbelegung)
Vielen Dank für deinen interessanten Erfahrungsbericht. Was mich noch interessieren würde: Gibt es einen besonderen Grund, warum du dich für Neo und nicht eines der weiterentwickelten Layouts wie "Bone" (was auf der Seite als "für Neulinge empfohlen" markiert ist) oder "Mine" entschieden hast? (Siehe https://neo-layout.org/Layouts/)
Ich war auch mal am Überlegen es zu lernen. Neben dem Problem des Einsatzes am fremden Rechner (haben ja nicht alle Linux), war die Vielfalt an Varianten auch etwas was mich abgeschreckt hat. Letztlich hätte ich mich für NEO entschieden, da man dann mit der breiten Masse schwimmt innerhalb einer exoten Lösung. Das erspart einem zusätzliche Hindernisse.
Dafür gibt es keinen tieferen Grund. Ich habe einfach die Vielfalt gesehen und mich nach Bauchgefühl für eines entschieden. Aber du hast völlig recht: Für Anfänger (auch des 10-Finger-Schreibens generell) wird Bone empfohlen.
Ich wollte vor einer halben Ewigkeit mal Dvorak verstehen, bin aber zu dem Schluss gekommen, dass der Lernaufwand sich kaum lohnt. Die investierte Zeit spart man beim Schreiben nie im Leben. Und ich glaube, so ist es hier auch.
Ich würde es auch nicht unter dem Aspekt des "schneller schreiben könnens" lernen. Schnelleres Schreiben wird nur zu kleinen Teilen von der Tastatur bestimmt. Jedoch ist der Komfort wesentlich größer. Es schreibt sich angenehmer und flüssiger und dies gibt dir schon nach wenigen Wochen einen positiven effekt. Man muss es lernen wollen, aber es lohnt sich auch ohne Zeit ersparnis.
Ich habe zuerst mit Dvorak angefangen. Wusste damals noch nichts von NEO. Das habe ich dann aber aufgegeben, da Dvorak für Englisch optimiert ist. Bei den fehlenden Umlauten habe dann aufgehört. Bin dann später auf NEO gestossen und das nutze ich noch heute.
> Andererseits gibt es nach wie vor keine Neo-Tastaturen zu kaufen.
Das mag zwar an sich richtig sein, jedoch gibt es bei einigen Herstellern die Möglichkeit die Tastatur nach eigenen Vorlagen zu beschriften. Zum Beispiel bei Tuxedo. Dort gibt es für mehrere Modelle auch bereits das NEO-Layout fix und fertig als Vorlage zum Auswählen: https://github.com/tuxedocomputers/keyboard-layouts/tree/master (oben bei "Go to file" einfach "NEO" eintippen, dann kommt eine Liste)
Damit hat sich die Frage nach dem nächsten Laptop erledigt gehabt. Habe mir direkt ein Tuxedo bestellt. Das Layout (mit, aus meiner Sicht den wichtigsten Zeichen) befindet sich auf Github: https://github.com/tuxedocomputers/keyboard-layouts/pull/96
Nett. Wohl auch durchdacht. Aber keine Chance allgemein akzeptiert zu werden. Und der Wechsel zwischen Neo und QWERTZ bringt einen zum Wahnsinn.
Genau. Ich hatte mir das auch mal angesehen, aber im Alltag liegen eben überall QWETZ/QWERTY Keyboards rum.
Das kann sein, ist aber wohl nicht ellgemein gültig. Manche kriegen das wirklich kaum hin. Ein Freund hat mir gerade heute empfohlen so lange mit Neo zu schreiben, bis ich ei gut kann. Anschliessend soll ich wieder zu QWERTZ, bis ich auch das wieder flüssig kann. Und danach sei der Wechsel kein Problem mehr. Mal schauen. Ich muss zum Glück so gut wie nie an fremde PC. Wenn doch, sind es Windows-Kisten, mit denen sich Neo über ein Portable .exe-File ohne Installation und Adminrechte aktivieren lässt.
Interessantes Thema. Auf Wikipedia wird auch noch die Tastaturbelegung AdNW („Aus der Neo-Welt“) erwähnt. Sie wurde von Teilen der Neo-Nutzergemeinschaft entwickelt und baut softwaretechnisch auf Neo auf, unterscheidet sich in der Tastenanordnung aufgrund anderer algorithmischer Grundlagen jedoch grundsätzlich von Neo. Seit 2014 ist auch dieses Layout in Linux integriert.
Da es keine Neo-Tastaturen zu kaufen gibt, ist das allerdings praktisch kaum umsetzbar. Lässt sich mit ESPERANTO vergleichen: Die Sprache wurde auch zur Vereinfachung, Verbesserung, Vereinheitlichung geschaffen und hat sich trotzdem nicht durchgesetzt - seit 150 Jahren! Das klassische 10-Finger-Tippsystem wird heute von Jugendliche kaum genutzt, im Gegensatz dazu haben sich eine ganze Reihe von hoch spezialisierten Handy-Touchscreen-Schnelltippern entwickelt... :-D Und liegt die "Zukunft" der Mensch-Maschine-Kommunikation nicht sowieso eher in Sprachein- und Sprachausgabe? Sogar die mehr als 40 Jahre alten Computer-Mäuse könnten, schon sehr bald, überflüssig werden.
Vielen Dank für den Artikel. Freut mich, dass diese Entwicklung dargestellt wird. Meine Erfahrung mit Neo: Seit über 7 Jahren in Anwendung. Irgendwo in einer Forumssignatur darauf gestoßen. Den Arduino USBzuUSB Keyremapper für Fremdsysteme nachgebaut – alles ohne Probleme. Und wenn es gar nicht anders geht schalte ich/das Muskelgedächtnis auf QWERTZ um – das geht innerhalb von 5 Sekunden. Dabei vermisse ich die Vorzüge von Neo bzw. den 6 Ebenen. Auf die Tastatur gucken beim Tippen sollte man eh nicht. Das macht langsam beim Tippen. Besser die Hubbel auf f|e und j|n fühlen und sich danach orientieren. So ist die Tastenbedruckung nachrangig. Ich tippe alles vom Fließtext bis zu Code schneller und bequemer als mit QWERTZ. Die Weiterentwicklungen sind vielleicht sogar noch besser. Empfehle einen 3 monatigen Versuch mit regelmäßigem Training. Tipp10 ist auch mein Favorit. Viel Spaß!
RE: Tipp10 ist auch mein Favorit.
Gibt eine Menge solcher Tools, um das Tippen zu erlernen und zu verbessern https://neoxion.net/keyboard-typing/ Einige unterstützen natürlich auch verschiedene Sprachbelegungen mit diversen sprachspezifischen Sonderzeichen. Ob NEO, Dvorak oder etwas ähnliches mit dabei ist, weiß ich jetzt aber nicht. Grüsse Robert
Hast du mehr Informationen zu dem angesprochenem Arduino USBzuUSB Keyremapper? Das würde mich auch Interessieren.
Moin, ja, guck mal auf der Neo-Layout Website unter Hardware. Bin genau dem Rezept gefolgt.
Nice, ich schreibe seit gut 16 Jahren mit Neo und will es nicht mehr missen. Ob zum texten oder zum Programmieren, es ist einfach immer sehr angenehm. Es ging damals auch sehr schnell zu lernen nachdem ich mich dann mal durchgerungen habe. Ich habe jedoch einfach meine Tastatur auf QWERZ gelassen und alles auswendig gelernt. Hat den großen Vorteil das ich immer und überall direkt losschreiben kann (wenn Neo eingestellt ist). Ich habe aber auch QWERTZ nie verlernt. Ich schreibe es zur not mit meinem damals genutzen 5 1/2 Finger system und bin damit immer noch relativ schnell unterwegs.
Ihr meine anekdotische Erfahrung und möglicherweise entscheidende Hinweise zum erfolgreichen Wechsel.
Gestartet bin ich mit QUERTZ und nahezu 10-Finger-blind auf einer alten mechanischen Schreibmaschine vor mittlerweile 3 Dekaden (laut meinem Nachwuchs bin ich schon länger "alt"). Ich habe mich erst im November 2024 mit dem Thema alternative Keyboard Designs und Layouts beschäftigt. Auslöser für meine Optimierungsversuche waren immer noch auftretende Probleme in den Handgelenken und Nacken- und Schulterschmerzen - trotz höhenverstellbarem Tisch, Ergostuhl mit Sattelsitz und Ergo-Tastatur.
Mein erster Versuch war Neo2 mit QUERTZ an meiner Cherry Stream (privat) und Logitech Ergo K860 (beruflich). Auf der Cherry hatte ich Tastaturaufkleber (https://www.tastaturaufkleber.eu/) aufgebracht. Für die Logitech hatte ich den laminierten Aufsteller (https://neo-layout.org/Lernen/Grafiken/#aufsteller) verwendet. Folgendes konnte ich beobachten:
In der Zwischenzeit hatte ich mich weiter mit anderen Tatstaurdesings beschäftigt. Die Leute in dieser "Szene" haben sich auch mit diesen Problemen beschäftigt. Warum sind Ergo-Tastaturen z.B. schräg aufgesplittet? Weil das die Arme und damit die Schultern auseinander drückt. Wozu ist das gut? Wer lange am Keyboard sitzt, neigt dazu einen Buckel zu machen. Aber je weiter die Hände auf der Tastatur voneinander entfernt liegen, desto besster die Haltung am PC. Versucht einfach mal auf einer gesplitteten Tastatur mit >40 cm Abstand zwischen den Händen gebückt zu schreiben! Womit ich beim nächsten Punkt wäre.
Das Experiment "bessere Tastatur" habe ich im Dezember 2024 gestartet. Das Experiment sollte nicht unmenschlich teuer werden, daher habe ich mir eine ca. 50 € günstige Perixx Periboard 524 besorgt.
Gleichzeitig bin ich zum BONE-Layout (https://neo-layout.org/Layouts/bone/) gewechselt, habe die Aufkleber weg gelassen und einen zweiten Aufsteller zu Hause aufgestellt. Meine Beobachtung nach nun guten 7 Monaten:
Ich habe bis heute keinerlei Übungen absolviert sondern bin direkt ins kalte Wasser gesprungen. Am Ende frage ich mich immer wieder: Warum habe ich mich überhaupt so lange mit QUERTZ gequält?
Lohnt es sich, wenn man seit 20 Jahren QUERTZ schreibt und schnell ist? Ja. Warum, weil so eine Lernphase auch gut fürs Gehirn ist. Ist es anstrengend für jemand der seit 25 Jahren QUERTZ schreibt? Ja, sehr. Hat es sich gelohnt? Wenn du ein Ziel erreichst und es sich beim Tippen auch noch flüssiger anfühlt, weniger Verrenkungen. Ja, es ist ein gutes Gefühl. Die Software lässt sich auf Windows PCs (Geschäft) ohne Admin-Rechte ausführen und so geht die Umstellung viel schneller. Dem Gehirn neue Kabel anschliessen geht als 22 jähriger viel einfacher als kurz vor 50 aber es ist schön wenns zu "laufen" beginnt.
Eine zweite Sprache lernen beuge Alzheimer vor, lässt sich steigern mit gesunder vegetarischer Ernährung (ohne Milchprodukte (Milch ist für Babies je Spezie)), wenn das kein guter Grund ist ;)
OpenSource Training: https://monkeytype.com Bin mit dem 1000er Modell (1k) ohne Fehler bei 40 WPM, wenn ich bei 50 bin höre ich auf mit dem Training.
Ich nutze jetzt seit 6Jahren NEO2, ich möchte es wirklich nicht mehr missen, des einzige was doof ist, wenn du mal fremde Server administriern musst, und Virtuelle Maschinen, da hakt es dann oft an seltsamen Fehleingaben oder an der Umgewöhnung wieder auf Quertz. Also eigentlich würde auch Neo Querz schon ausreichen, da ist die wichtige 3. Ebene mit dabei, und die Feststelltaste hat eine sinnvolle Funktion bekommen. NEO2 ist übrigens, bei allen Linux Distributionen schon in der Tastaturlayoutwahlliste vorhanden. Das ist der Vorteil gegenüber Bone, o.ä.
Cooler Artikel. Ich arbeite seit ein paar Jahren mit NEO. Ich finde immer noch es ist einfacher und bequmer. Das grösste Problem dem ich begegnet bin, ist Windows. Man kann mit reneo zwar ein Programm laufen lasse, ohne Admin-Rechte. Aber auch das ist nicht immer gern gesehen. Ich habe eine programmierbare Tastatur und habe da ein Layout auf Windows gemapped. Damit kompensiere ich das Problem ein wenig. Ansonsten sehe jetzt einfach aus wie ein blutiger Anfänger aufi QERTZ-Tastaturen. Der wechsel beisst mich dann besonders bei Tastenkombinationen. Ich habe schon öfters mal ein Fenster geschlossen statt einen Text eingefügt.