Warum Discord keine gute Wahl ist und welche Alternativen es gibt

Mi, 31. März 2021, Frido

»Dein Ort zum Reden« – mit diesem Slogan bewirbt Discord seine vielseitige Chat-Plattform. Discord bietet seinen Nutzern viele Funktionen und daraus hervorgehende Vorteile, so z.B. Bots, Sprachchats etc. So kann man seine eigene Community in Form eines "Servers" schnell gründen. Warum Discord aber vielleicht aus Datenschutzgründen keine gute Wahl ist und welche Alternativen es gibt, kläre ich in diesem Artikel.

Die Funktionsweise von Discord

Das Prinzip von Discord ist simpel: Man erstellt einen "Server" und kann beliebige Channels auf diesem "Server" erstellen. Das Besondere daran ist, dass man mithilfe der Berechtigungen sehr viel konfigurieren kann. Es gibt auch die Möglichkeit, mit anderen Usern privat zu kommunizieren, diese Kommunikation funktioniert aber ohne jegliche Verschlüsselung. Discord funktioniert in seinen Grundsätzen wie jeder andere Messenger auch: Man kann Nachrichten/Beiträge absenden, editieren etc. Bei diesen ganzen Funktionen gibt es allerdings auch Nachteile. Bei einem Blick in die Datenschutzerklärung wird dies klarer.

Die Datenschutzerklärung angeschaut

Laut der Datenschutzerklärung sammelt Discord selbst erst einmal Informationen, die für die Basis notwendig sind. Dazu gehören beispielsweise Account-Informationen (E-Mail-Adresse und Benutzername) und temporäre VoIP-Daten. Dazu schreibt Discord:

Informationen, die Sie bereitstellen: Wir sammeln Informationen von Ihnen, die Sie freiwillig zur Verfügung stellen (z. B. sobald Sie sich für die Dienste registrieren oder bestimmte Dienste nutzen). Zu den von uns gesammelten Informationen gehören unter anderem Benutzername, E-Mail-Adresse und alle Nachrichten, Bilder, temporäre VoIP-Daten (um die Kommunikation zu ermöglichen) und andere Inhalte, die Sie über die Chat-Funktion verschicken.

Was einem direkt ins Auge stossen sollte:

[…] und alle Nachrichten, Bilder […]

Das bedeutet also, dass Discord alle Nachrichten (auch in den privaten Chats) lesen und auswerten kann. Bevor man also anfängt, intime Nachrichten über Discord auszutauschen, sollte man sich diese Tatsache vor Augen führen.

Daten, die wir automatisch sammeln: Wenn Sie mit uns über die Dienste kommunizieren, erhalten und speichern wir bestimmte Informationen wie IP-Adresse, Geräte-ID und Ihre Aktivitäten innerhalb der Dienste. Wir sind berechtigt, diese Informationen zu speichern. Die können auch in Datenbanken aufgenommen werden, die im Besitz von Tochtergesellschaften, Agenturen und Dienstleistern sind, und von diesen verwaltet werden. Diese Informationen werden von unseren Diensten verwendet und mit anderen Informationen ergänzt, um unter anderem die Besucherzahl unserer Webseite, die Anzahl der gesendeten Nachrichten sowie die Webseiten, die ihre Besucher auf Discord verweisen, nachzuvollziehen.

Jetzt wird es etwas spezieller: Zu den normalen Account-Informationen gehören natürlich auch sogenannte »Metadaten«. Zu denen gehören IP-Adresse, welches Gerät man nutzt, wann Discord benutzt wird und so weiter. Diese Informationen werden von Discord gespeichert und an Drittanbieter (Tochtergesellschaften, Agenturen und Dienstleistern) weitergegeben. Zusätzlich wird auch erfasst und analysiert, wie viele Nachrichten man versendet.

Der Umgang bzw. Austausch von Daten

Gesammelte Informationen: Um unsere Nutzer besser verstehen und unsere Dienste optimieren zu können, untersuchen wir auf der Grundlage der gesammelten Informationen demografische Daten, Interessen und Verhaltensweisen unserer Nutzer. Diese Ergebnisse können zusammengestellt und analysiert werden. Wir können diese gesammelten Daten mit unseren Tochtergesellschaften, Agenturen und Geschäftspartnern teilen. Wir können auch gesammelte Benutzerstatistiken offenlegen, um unsere Dienstleistungen aktuellen und potenziellen Geschäftspartnern zu präsentieren und sie anderen Dritten für andere rechtmäßige Zwecke zur Verfügung zu stellen.

Hier wird also klargestellt, dass sehr viele Nutzerdaten an andere Geschäftspartner geschickt werden. Es wird also von jedem Discord-Nutzer ein Profil mit sämtlichen Personendaten erstellt. Besonders für Werbung ist das sehr gut geeignet, um bestimmte »Vorlieben« zu teilen.

Die Datenschutzerklärung beschreibt ausserdem, wo genau die Daten gespeichert oder gesammelt werden. Besonders wenn man auf den Datenschutz achtet, ist das ein wichtiger Hinweis darauf, wie mit den Daten umgegangen wird, da in vielen Ländern unterschiedliche Gesetze herrschen.

Das Unternehmen hat seinen Sitz in den Vereinigten Staaten. Unabhängig von Ihrem Standort stimmen Sie der Verarbeitung und Weitergabe Ihrer Daten in den USA und anderen Ländern zu. Die Datenschutzgesetze in den USA und in anderen Ländern können im Hinblick auf Sicherheit und Umfang von denen Ihres Landes abweichen.

Die Server stehen also in den USA, was ein Nachteil bezüglich des Datenschutzes darstellt resp. darstellen kann. Bekanntlicherweise sind die Gesetze punkto Datenschutz in den USA nicht allzu streng. Deshalb können gesammelte Daten leichter gesammelt und ausgewertet werden.

Alternativen

Eine direkte, datenschutzfreundliche Alternative zu Discord gibt es leider nicht. Trotzdem kann man sehr gut mit anderen Messengern wie Matrix oder Telegram eine Community aufbauen, diese sind sicherlich eine gute Wahl.

Fazit

Man sieht also, dass Discord sehr viele personenbezogene Daten sammelt und auswertet. Vom Funktionsumfang her gesehen ist Discord eine sehr gute Wahl, trotzdem sollte man aus Datenschutzgründen eher einen anderen Messenger nutzen. Besonders wenn man Discord für private Angelegenheiten verwendet, ist das auf jeden Fall keine gute Kommunikations-Lösung. Allein die fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, oder Verschlüsselung der Nachrichten auf den Servern sollte ein klarer Grund gegen die Nutzung von Discord sein.

toto
Geschrieben von toto am 9. April 2021

Die OSS-Alternativen zu Discord sind eher rocket.chat und Mattermost als Telegram.

colttt
Geschrieben von colttt am 1. April 2021

Also das Matrix und Telegram als Alternative aufgezeigt werden ist schon sehr komisch,bei sind in erster Linie Text-Messenger. Zumal die beiden das wenn überhaupt nur bedingt können. Als wirkliche Alternative wäre hier Mumble zu erwähnen.

nipos
Geschrieben von nipos am 2. April 2021

Gerade bei grossen oeffentlichen Discord Raeumen werden oft nur Textnachrichten verwendet, weshalb ich den Vergleich zu Matrix ganz sinnvoll finde. Wenn man Text und Audio braucht und das Ganze sogar benutzerfreundlich sein soll, will ich mal die neue Teamspeak Beta Version in den Raum werfen. Ist zwar leider auch closed-source, aber kann zumindest auf einem eigenen Server gehostet werden und die Textnachrichten sind Ende zu Ende verschluesselt. Ich meine, mal was gelesen zu haben, dass das sogar auf Matrix basieren soll, bin mir allerdings nicht mehr sicher.

Author
Geschrieben von am 1. April 2021

Danke für Deinen Kommentar! Ich habe vielseitig gesucht, um eine benutzerfreundliche Alternative zu Discord zu suchen. Leider kam ich zu keinem Ergebnis. Um eine Community aufzubauen, im Fokus von Design und Benutzerfreundlichkeit, ist Discord wohl oder übel die beste Lösung. Das Telegram und Element normale Text-Messenger sind, stimmt schon. Deswegen werde ich mir mal Mumble anschauen, welches Du ja als Alternative genannt hast.

Joël Admin
Geschrieben von Joël am 1. April 2021

Danke für den Tipp. In nächster Zeit werden wir Mumble genauer betrachten und evtl. einen Nachtrag-Artikel schreiben.

ssch
Geschrieben von ssch am 31. März 2021

Telegram als Alternative? Ich habe mal gehört, dort sei die Verschlüsselung und der Datenschutz auch recht fragwürdig...

(https://www.youtube.com/watch?v=3JK_0_gZGMA)

Joël Admin
Geschrieben von Joël am 1. April 2021

Ich habe mir das Video auch angesehen. Hat einige Fehler drin, die sowohl Heise, Kuketz, Mobilsicher etc. auch so übernommen haben. In Sachen Telegram würde ich eher auf eigener Recherche eine Meinung bilden, ich bin nach echt langer Recherche und Überprüfungen zum Schluss gekommen, dass eigentlich nur drei Argumente wirklich halten:

Damit möchte ich nicht sagen, dass diese drei Argumente nicht wichtig wären, ganz im Gegenteil. Aber man misst bei Telegram m.M. mit einem anderen Mass als z.B. bei Signal oder Threema.

andi
Geschrieben von andi am 31. März 2021

Mumble wäre zum Beispiel eine richtige Alternative zu Discord.

Author
Geschrieben von am 1. April 2021

Werde ich mir morgen anschauen und im Artikel ergänzen. 😄

understater
Geschrieben von understater am 31. März 2021

Die Datenschutzregeln in den USA sind sehr streng: Alle dort ansässigen Firmen MÜSSEN den Geheimdiensten eine Backdoor bereitstellen! ;-)

Frido
Geschrieben von Frido am 31. März 2021

Sehe ich auch so. 🙂 Deswegen ist meiner Meinung nach Matrix (selbst gehostet) die beste Wahl.