Zum Wochenende: Das Hufeisen

  Ralf Hersel   Lesezeit: 6 Minuten  🗪 19 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Das Hufeisenschema suggeriert, dass es Gemeinsamkeiten zwischen Linksextremen und Rechtsextremen gibt. Das ist falsch und schadet der Demokratie. Aber ...

zum wochenende: das hufeisen

Warnung: Das ist ein Meinungsartikel. Wer nichts über Politik lesen möchte, kann diesen Artikel überspringen. Falls Du denkst, dass "Freie Gesellschaft" mit Politik zu tun hat, lies bitte weiter.

Die Hufeisentheorie

Die Theorie stammt vom französischen Philosophen Jean-Pierre Faye. Er entwickelte sie in den 1990er Jahren. Seine Grundidee: Extreme berühren sich. Links- und Rechtsradikale ähneln sich in ihren Methoden. Dazwischen liegt die vermeintlich angestrebte Mitte.

Stell Dir ein Hufeisen vor. An beiden Enden befinden sich die politischen Extreme: Rechts- und Linksextremismus. Die Hufeisentheorie geht davon aus, dass beide Extreme gleich schlecht seien – und mit gleichem Einsatz verfolgt werden müssten. Die Mitte hingegen bleibt offen und vernünftig. So weit, so simpel.

Wie ich in diesem Beitrag geschrieben habe, halte ich die Rechts/Links-Verortung für zu kurz gegriffen. Der Einfachheit halber verwende ich diese Begriffe in diesem Artikel trotzdem. Vordergründig halte ich von der Hufeisentheorie gar nichts, weil dort Äpfel mit Birnen verglichen werden. Vereinfacht gesagt endet Rechtsextremismus in autoritären Systemen wie dem Faschismus und Linksextremismus im Kommunismus. Beide Ideologien unterscheiden sich stark voneinander.

Faschismus zielt auf die Stärkung eines Staates bzw. einer Volksgemeinschaft ab, während Kommunismus eine klassenlose, gemeinschaftlich organisierte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung anstrebt. Beide Ideologien haben jedoch in der Praxis autoritäre Strukturen hervorgebracht und fundamentale Menschenrechte missachtet.

Die Mitte

Wenn man meinen letzten Satz ignoriert, ist die Hufeisentheorie populistischer Unsinn. Die Theorie hört man häufig von vermeintlichen Volksparteien, die sich gerne in der Mitte der Gesellschaft installieren wollen. Da wird mit dem politisch gesunden Menschenverstand argumentiert, was ich grundsätzlich nicht für schlecht halte. Oft sind es die lauten Stimmen von den extremistischen Rändern, die die Deutungshoheit für sich beanspruchen. Insbesondere aus Social Media kennen wir das. Wer am lautesten schreit, erhält die grösste Aufmerksamkeit.

In diesem Zusammenhang empfehle ich das Lesen der aktuellen Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. In deren Fazit heisst es:

Die Mitte hat sich vorerst nicht weiter einer rechtsextremen Ideologie zugewandt, aber auch nicht eindeutig abgewandt. Nur ein kleiner Teil der Mitte in Deutschland vertritt ein rechtsextremes Weltbild, während die große Mehrheit das nicht tut. Im Vergleich zum deutlichen Anstieg rechtsextremer Einstellungen in der Mitte-Studie 2022/23 bewegen sich die Zustimmungswerte wieder auf dem Niveau der Vorjahre. Zwei Drittel der Befragten der aktuellen Mitte-Studie 2024/25 nehmen hingegen ein bedrohliches Erstarken des Rechtsextremismus wahr. Die meisten fordern, ihn zu bekämpfen, und setzen dabei auf die Sicherheitsbehörden und politische Bildung. Drei Viertel zeigen sich teilweise auch selbst bereit, Verantwortung im Widerstand gegen rechtsextreme Bestrebungen zu übernehmen. Dies sind wichtige Signale für die demokratische Gesellschaft.

Die "Mitte" ist und war immer ein Objekt der Verschiebung. Es gibt nicht den gemitteten Volkswillen. Es gibt keinen grössten gemeinsamen Nenner, sondern nur den grössten gemeinsamen Teiler. Das zeigt sich, wenn man Deutschland mit der Schweiz vergleicht. Dazu empfehle ich das Hören der Podcast-Folge von Servus-Grüezi-Hallo mit dem Titel: Herr Pilates und der Mitte-Fetisch. Während sich die deutsche Bevölkerung gerne in der Mitte versammelt und somit der Idee von Volksparteien entgegenkommt, positionieren sich die Schweizer lieber, womit ich zu meiner Kamel-Theorie komme.

Das Dromedar, das Kamel und die Badewanne

Das Dromedar entspricht der üblichen Verteilung der politischen Einstellungen in einer Demokratie, in der Volksparteien eine grosse Bedeutung haben. Die Gauss-Kurve der Normalverteilung zeigt eine Konzentration im politisch moderaten Zentrum. Eine solche Verteilung konnte man lange Zeit in Deutschland beobachten. Allerdings gilt zu beachten, dass "die Mitte" kein absoluter Wert ist, sondern sich langsam nach rechts oder links verschieben kann. In Deutschland sehen wir seit einigen Jahren eine Verschiebung der Mitte in Richtung rechts. Damit einher geht meist ein Kipp-Effekt, bei dem sich die Kurve auf der rechten Seite erhöht.

Das Dromedar

In der Schweiz ähnelt die Trampeltier-Kurve eher einem Kamel. Hier wird die Mitte weniger stark betont. Stattdessen gibt es eine leichte Positionierung, entweder in Richtung bürgerlicher oder progressiver Politik. Dabei liegen die Höcker näher beieinander, als es die Kurve zeigt. Ich sehe das als Ausdruck des besonderen Demokratieverständnisses der Schweizer. Die Mitte wird eher als Unentschlossenheit wahrgenommen.

Das Kamel

Die Badewanne zeigt das Bild einer gespaltenen Gesellschaft mit einem Zweiparteien-System, wie es in den USA besteht. Um genau zu sein, müsste die Kurve an den beiden Enden heruntergehen. Das entspricht dann einer ausgeprägteren Kamel-Kurve.

Für alle Kurven gilt, was ich vorhin bereits erwähnt habe. Die Mitten der drei Kurven stimmen nicht überein, sondern sind gegeneinander verschoben:

  • Deutschland: Die Mitte ist nach rechts verschoben.
  • Schweiz: Im Vergleich zu Deutschland, ist die Mitte leicht nach links verschoben, wenn man dem o. ä. Podcast glaubt.
  • USA: Im Vergleich zu Deutschland, ist die Mitte weiter nach rechts verschoben.

Zurück zum Hufeisen

Wie ich bereits geschrieben habe, sind die politischen Extreme auf der rechten und linken Seite, in Bezug auf ihre Narrative und Einstellungen nicht miteinander gleichzusetzen. Daher widerspreche ich der Hufeisentheorie vehement. Diese Theorie wird gerne von bürgerlichen Mitte-Parteien verwendet, um ihre Feinde auf beiden Seiten der politischen Extreme zu betonen und sich davon abzugrenzen, ohne dazwischen zu differenzieren: Feind ist Feind, egal ob rechts oder links.

Doch das Hufeisen sieht ganz anders aus, betrachtet man es im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Oben schrieb ich: "Beide Ideologien haben jedoch in der Praxis autoritäre Strukturen hervorgebracht und fundamentale Menschenrechte missachtet." Bei einem autoritären Staat (z. B. USA, Türkei, Ungarn) ist das offensichtlich. Die Gewaltenteilung wird abgebaut, die Presse wird gleichgeschaltet und die Opposition wird unterdrückt. Macht und Geld liegen bei wenigen Politikern und/oder bei wenigen Grossfirmen. Obwohl der Anspruch einer kommunistischen Politik ein ganz anderer ist, läuft er auf ähnliche Ergebnisse hinaus. Auch hier gibt es höchstens eine potemkinsche Gewaltenteilung, die Presse wird von Funktionären kontrolliert und die Opposition vom Apparat unterdrückt. An die Stelle der Mega-Corps treten die Oligarchen. Beispiele dafür sind Russland, China und Nordkorea.

Aus Sicht der Bevölkerung spielt es keine Rolle, von welchem Ende des Hufeisens sie unterdrückt wird.

Fazit

Die Hufeisentheorie ist ein populistisches Mittel, mit dem hauptsächlich Parteien der politischen Mitte ein Feindbild auf beiden Seiten ihrer Gegnerschaft aufbauen wollen. Damit soll die Alternativlosigkeit einer Wahl für die Mitte gestärkt werden. Fundamentale Unterschiede zwischen Rechts- und Linksextremen werden ausgeblendet, bzw. gleichgesetzt. Eine solche Argumentation schadet der breiten politischen Willensbildung und Aufklärung. Damit schadet die Hufeisentheorie jeder freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Voraussetzung für eine gesunde Demokratie ist die Denk- und Wahlfreiheit über das gesamte politische Spektrum hinweg, solange dieses im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung liegt. Die Kamel-Kurve zeigt exemplarisch, wie eine Willensbildung im Rahmen des Spektrums Demokratien lebendig halten kann. Eine vitale und resiliente Demokratie lebt weder von Extremen, noch von volksparteiischem Einerlei.

Nein, zum Ende dieses Artikels versuche ich nicht, die Kurve zu "Freie Software, Freie Gesellschaft" hinzubekommen. Wer bis hierhin gelesen hat, war vorgewarnt. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und zerfleischt mich nicht in den Kommentaren.

Titelbild: https://pixabay.com/photos/horseshoe-barn-lucky-charm-luck-329767/

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pierre_Faye

https://gnulinux.ch/zum-wochenende-haltung-zeigen

https://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus

https://www.fes.de/mitte-studie

https://www.zeit.de/serie/servus-gruezi-hallo

https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-11/mitte-politik-deutschland-oesterreich-parteien-schweiz-alpenpodcast

Tags

Hufeisen, Mitte, Politik

DxU
Geschrieben von DxU am 28. November 2025 um 18:58

Also Russland, China und Nordkorea als Vertreter für "Anspruch einer kommunistischen Politik" zu nehmen halte ich für mehr als gewagt.

Sicher meinen die dortigen Machthaber zumindest offiziell diesen Anspruch zu repräsentieren, aber wir wissen doch alle, dass das nix mit Kommunismus zu tun hat.

Es sind Diktaturen, die im Falle von China enorm erfolgreich sind und große Teile der Bevölkerung hinter sich wähnen. Weil der Erfolg ihnen derzeit recht gibt.

Und es sind, wie Russland und Nordkorea zeigt, Systeme die auf dem letzten Loch pfeifen (Nordkorea) oder deren innere Konflikte so groß sind, dass Sie diese nach außen tragen um davon abzulenken, wie Putins Russland.

Beide setzen dabei vor allem auf eine autoritär handelnde Person und deren Klicke von Gaunern, Apparatschicks und Speichelleckern. Und beide Regime werden letztlich scheitern. die einen durch Im-, die anderen hoffentlich nicht durch Explosion. Leider müssen dann die Menschen in diesen und wohl auch in angrenzenden Ländern und wahrscheinlich letztlich darüber hinaus dafür den Preis zahlen. Ich kann nur hoffen dass ich mich an dem Punkt massiv irre und wir dieses Desaster nicht erleben.

Peter
Geschrieben von Peter am 29. November 2025 um 13:57

Der Kommunismus muss zwangsläufig zu diesem Resultat führen. Denn es ist ja gerade die Idee, dass die Menschen nicht ihre individuellen Bedürfnisse befriedigen, sondern dass wenige Personen für die Mehrheit definieren, wie sie ihr Leben zu führen haben. Ich habe noch nie verstanden, weshalb überzeugte Kommunisten diesen Zusammenhang nicht erkennen wollen.

DxU
Geschrieben von DxU am 30. November 2025 um 18:07

So einen großen Unsinn muß man sich erst mal ausdenken. Woher nimmst Du Dein (Un)Wissen. Die Idee ist viel mehr eine klassenlose Gesellschaft in der die individuellen wie gesamtgesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigt sind.

Ob dieses Ziel je erreicht wird, steht auf einem anderen Blatt. Übrigens wird auf der Rückseite dieses Blatts die Qudratur des Kreises erklärt. Beides schöne Ideen, aber in der Praxis nur schwer erreichbar.

Das Gegenteil davon ist die heutige Praxis auch bei uns, die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.
Oder um Brecht zu zitieren "Reicher Mann und armer Mann standen da und sah`n sich an. Da sagt der Arme bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich."

Übrigens drücke ich der Schweiz die Daumen dass, der Volksentscheid zur Besteuerung der Superreichen Erfolg hat.

The_Raven
Geschrieben von The_Raven am 28. November 2025 um 19:58

Schreib doch das nicht so kompliziert.☝️Das geht viel einfacher... Die Politische-Situation in der Schweiz und in Deutschland ist folgende: Jeder gegen jeden und die Probleme bleiben ungelöst weil keine Resourcen mehr übrig sind. So geht das 😉 Und ja, das gibt mir sehr zu denken. Weil wenn zwei (oder mehr) sich streiten freut sich der dritte. Und wer das ist kann man sich denken. Es gibt sogar gleich mehrere. 🙄

Thoys
Geschrieben von Thoys am 1. Dezember 2025 um 13:46

Hallo zusammen,

@The Raven ich weiß nicht, ob ich es so formuliert hätte wie du, aber mir wird auch immer klarer, dass es ein Traum für viele ist, dass wir als Gesellschaft uns um Männer-Frauen, Wokeness, Migranten usw. kümmern, anstatt die Probleme anzugehen, die Auswirkungen auf unser Wirtschaften hätten. Daher schließe ich mich dir mit dem Apell an, dass wir uns mal um die richtigen Probleme kümmern ;-) (Falls du das gar nicht meintest, tu ichs trotzdem ;-)

Bei dem Artikel gefällt mir das Kamel am Besten, denn es scheint so, dass unter anderem wegen den sozialen Medien die Bubbles immer mehr gestärkt werden und dann ein Dromedar zum Kamel wird.

Unabhängig, was bei Links- oder Rechtsextrem am Ende rauskommt, halte ich es für sehr wichtig in beide Richtungen zu schauen. Denn was sich da links gerade zusammenbraut (Männerhass, Gewalt, aufhebung der Rechtsstaatlichkeit, Vorschreiben, wie alle agieren sollen uvm.) sollte genauso angeschaut werden, wie das was rechts passiert - wird es aber nicht.

Auch, wenn die Kurve zur Freien Software unmöglich scheint. Ab und zu mal etwas Gesellschaftliches ist auch nett. Solange es eben klar markiert wird und nicht aus den Enden des Hufeissens kommt.

Grüße

Konrad
Geschrieben von Konrad am 28. November 2025 um 20:10

Die Aufweichung und Fast-Auflösung der "großen bürgerlichen" Mitte und die Verhärtung der Extreme auf beiden Seiten hat viele Ursachen. Eine wichtige davon ist die Nutzung von Social Media (Fcbook, Instagruss, Tikrock, Wasap) die Leute in selbstgebaute, sich selbst verstärkende Meinungsblasen gedrängt hat. Dort lebt es sich gut, kritisches Denken ist unnötig, die eigene Meinung wird automatisch verstärkt, man klopft sich ständig gegenseitig selbst auf die Schulter, und der Blick nach draußen ist dadurch stark vernebelt. Einige dieser Extrem-Blasen fühlen sich selbst so stark, daß sie sogar die alleinige Meinungsführerschaft (=moralische Überlegenheit) für sich beanspruchen (z.B. bei den Themen Klima, Energie, Gaza, Ukraine, Migration etc.) und keine konkträren Ansichten / Meinungen mehr dulden. Und diese Art von "Meinungsdiktatur" passiert sogar dann, wenn die Bubbles "nur" 15, weniger als 7 oder gar ganze 5% in der Bevölkerung abbilden. Erschreckend ist, dass laut einer wisseschaftlichen Studie in einer Gesellschaft (wenn ich es jetzt richtig in Erinnerung habe) 21% ausreichen, die auf Meinungsterror machen, um die restlichen 79% einzuschüchtern und mundtot zu machen. Das würde sehr leicht alle Terrorregime in der Geschichte erklären.

Diese Beobachtung der Entwicklung passt auch recht gut mit den vielen kleinen Gruppen zusammen, die alle jeweils für sich ihre eigenen Sonderrechte in der Gesellschaft für sich zu beanspruchen versuchen (Feministische Frauen, LGBTQ, People of Color, Moslems, Quotenbefürworter, Gendersprache etc. etc.). Anstatt zu gucken wie man sich vielleicht etwas besser in eine Gesamtgesellschaft integrieren kann / könnte, werden von der großen Gesellschaft immer nur noch mehr Dinge eingefordert. Und das sorgt ständig für weitere Spaltungen und Zerstörungen innerhalb einer Gesellschaft, anstatt man zunächst mal nach Gemeinsamkeiten sucht, macht man es seit vielen Jahren nur noch genau andersherum!

Treffen nun diese Meinungsblasen (also von beiden Seiten) aufeinander gibt es regelmässig nur noch lauten Krach (=Krieg), weil beide Seiten durch ihre jeweiligen Bubbles viele Dinge verlernt haben: Zuhören, Argumente verarbeiten, bewerten, wirklich auf Gesagtes eingehen und Gedankengänge nicht nur erwidern, sondern fortsetzen und erweitern. Alle Polemik unterlassen und ausblenden. Den Versuch einen Meinungsaustausch zu unternehmen, gemeinsam neue Erkenntnisse zu gewinnen, ohne in ideologisch und moralisch festgefahrenen Gräben zu verharren. Letzteres ist heute leider der Standard geworden.

Ich stimme nicht mit dir überein, was die Aufteilung in rechts & links betrifft. Es kann Konservative mit Traditionen geben, die trotzdem in vielen anderen Bereichen liberal und fortschrittlich denken und genauso gut kann es Linke geben, die überhaupt nicht progressiv sind und eher den Status Quo erhalten wollen. Die drei von dir gezeigten Kurven dazu sind interessant und spannend, aber ich halte es da sehr viel eher mit dieser Grafik, wo ich mich genauso bei dem ME stehen sehe wie Collins & Elon Musk: https://www.realityslaststand.com/p/my-political-journey Mit anderen Worten: Für mich gab (und gibt es immer noch) keinen Rechtsruck, sondern nur einen Linksruck.

Selbstverständlich verwenden beide Extreme die absolut gleichen Mittel zum Erreichen ihrer Ziele. Ich kann da keinen Unterschied erkennen: Wenn dir jemand wegen deiner Meinung auf die Fresse haut, ist es am Ende des Tages vollkommen egal, ob das nun ein Rechts- oder Linksextremist (Antifa) war.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 28. November 2025 um 22:04

Danke für deinen sinnvollen Kommentar. Bei deinem Verweis auf das Meme von Colin Wright muss ich widersprechen. Diese Zeichnung wurde mehrfach debunked. Sie ist irreführend, übertrieben und hält keiner Analyse stand. Man könnte die Zeichnung um die Y-Achse spiegeln, dann wäre sie genauso falsch.

Konrad
Geschrieben von Konrad am 28. November 2025 um 22:55

Deine Antwort zeigt, dass du den Text unter dem Meme nicht gelesen hast. Dort werden alle von dir kritisierten Dinge angesprochen und die Hintergünde des Cartoon recht ausführlich erklärt.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 29. November 2025 um 00:05

Das ist nicht korrekt. Selbstverständlich habe ich den von dir verlinkten Artikel gelesen, inklusive aller Kommentare dazu. Dann habe ich die Sekundärquellen gelesen und geprüft. Erst danach habe ich auf deinen Kommentar geantwortet. Ich habe eher den Eindruck, dass du nur den Text unter dem Meme gelesen und ihn weder reflektiert noch geprüft hast. Aber lassen wir es damit gut sein. Ich habe deinen Kommentar (abgesehen von dem Meme) bereits gewürdigt. Vielen Dank.

Mutant77
Geschrieben von Mutant77 am 1. Dezember 2025 um 18:53

Ich glaube auch nicht, dass es einen Linksruck gegegben hat. Dann würde der Staat Wohnungen bauen und die Eisenbahn restaurieren. Dafür sorgen dass alle Menschen günstig Energie bekommen und die Kindergärten, Schulen und Unis gut ausgestattet sind. Das was uns als Links verkauft wird ist ein gelungener Marketingtrick der Neoliberalen. Staatliche Gelder/Steuern sollen die Welt retten. Da dieser aber nicht (mehr) direkt etwas erschafft, müssen dafür private Geldgeber gelockt werden. Die kommen aber nur wenn die Rendite stimmt. Das System wurde in den letzten 30 Jahren perfektioniert und die Stakeholder bestimmen mittlerweile alle Grossprojekte in der westlichen Hemisphäre und damit letztlich deren Rendite. Deshalb läuft es auf dem Finanzmarkt auch so gut. Weil dieser sich in alle Bereiche eingeklinkt hat, angefangen von Bildung (noch wenig bei uns) über Gesundheit und Alter, hin zu Verkehr und Umweltschutz. Überall dort fliessen öffentliche Gelder in die Taschen von Investoren. Da die Themen oft nach Versorgung und Schutz der Menschen klingen denken viele das wäre Links. Ist es aber nicht. Was eher passiert ist, man hat medial die horizontale Linie und deren Markierungen nach Links verschoben. D.h. die Konservativen sind in deren Darstellung rechtsradikal geworden und die Woken Themen der autonomen Szene der 90er kamen in die Mitte. Und wir als Linke gelten nun als Rechts. Als jemand der in der Zeit in Jugendzentren geprägt wurde, habe ich diese Verschiebung massiv erlebt und welche Wirkung das zeigt. Es bilden sich blasen, weil jeder sich nur noch mit seinesgleichen sicher fühlt und man geht der Konfrontation mit anderen aus dem Weg weil diese "böse" sind und mit Bösen redet man nicht.

Konrad
Geschrieben von Konrad am 1. Dezember 2025 um 22:26

Vielen Dank für Deinen Diskussionsbeitrag.

detente
Geschrieben von detente am 29. November 2025 um 11:02

Das Hauptproblem am Kommunismus war und ist der Machtmissbrauch, etwas, das bei rechtsextremen Regierungen in deren DNS fest verankert ist. Von daher halte ich den Hufeisenvergleich als verfehlt, da das rechte Ende potenziell bzw. grundsätzlich menschenverachtend ist.

Peter
Geschrieben von Peter am 29. November 2025 um 13:53

Boah...schwere Kost für einen einzelnen Artikel. Ich denke, die Hufeisentheorie steht und fällt mit der Frage, was als Links- und Rwchtsextrem definiert wird - was du ja wie erwähnt separat geschrieben hast. M.E. sind beide Extreme zu 100% darin Deckungsgleich, dass sie die Freiheit des Individuums einem "grösseren" Ziel unterordnen. Und deshalb führen auch beide Extreme in jedem Beispiel der Geschichte zum gleichen Ergebnis: Totalitäre Diktaturen, ausgeübt durch Minderheiten, mit Elend, Mord, Hunger, politischer Verfolgung als Resultat.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 30. November 2025 um 17:41

Ich stimme Dir zu, wenn es um die letzten Konsequenzen geht, wie Du das deutlich geschrieben hast. Mein Punkt ist, dass das Hufeisen oft als Mittel der politischen Mitte verwendet wird, um beide Enden gleichzustellen, was ich für undifferenziert halte, egal ob am Ende derselbe Mist herauskommt. Die Argumente, Mittel und Ziele der Extremisten sind unterschiedlich. Beide richten sich gegen Menschen. Das ist aber kein Grund, beide über einen Kamm zu scheren. Die Differenzierung entlarvt mehr als die Gleichbehandlung. Danke für den Kommentar, Peter.

Mutant77
Geschrieben von Mutant77 am 1. Dezember 2025 um 18:33

Das ganze ist doch Unsinn. Was sollen denn diese Kurven darstellen? Das sind Fantasiegebilde, welche vor allem durch die Medien suggeriert werden. Diese definieren was, wie gesagt werden soll und wer etwas anderes sagt ist radikal. Das Problem ist das unsere staatlichen Medien keine Meinungsvielfalt mehr zulassen können oder wollen. Und daher jede Aussage framen müssen. Und mit solchen Framingsets werden dann Studien entwickelt, wo uns erzählt wird was oder wer Rechts oder Links ist. Also alles ein Frage der Definition, aber es geht nicht um Links und Rechts oder Radikal und Demokratisch, es geht um Deutungshoheit. Und jeder der diese nicht akzeptiert wird eingordnet. Daher hat jeder den Eindruck es ging um Ideologie, was aber im politischen Alltag nicht sichtbar ist.

Ich finde auch das "die Mitte" in einer Demokratie keine Rolle spielt. Jeder Mensch hat unterscheidliche Meinungen und Haltungen zu den Dingen, die die Politik entscheiden soll. Das hängt von Informationen, Betroffenheit aber auch von Gefühlen ab. Das Problem der Demokratie ist, dass möglichst viele einer Entscheidung zustimmen sollen. Das waren auch immer Entscheidungen, die nicht alle gut fanden. D.h. aber auch das man Dinge tolerieren muss, die man ablehnt. Das wird aber gerade verlernt und jeder wird an seiner "Haltung" zu spezifischen Aussagen gemessen. Eine sehr undemokratiche Entwicklung, die - zumindest in der BRD - massiv staatlich durch sogenannte NGO gefördert wird.

Die Mitte Studie ist genau so ein Werk aus den staatlich finanzierten Denkfabriken. Das Kapitel 1.3 als Erklärung, ist durchzogen von Strohmännern und wilden Thesen darüber was "andere" - also die mit der falschen Meinung - denken und wollen. Das klingt alles so vernünftig und durchdacht, ist aber tatsächlich voller Widersprüche und fern jeder realen Welt in der wir leben. Da "spiegelt" der wokeismus die "Werte der liberalen Demokratie wider", aber rechte "greifen reale, teils ungelöste Probleme der Demokratie auf – etwa Wohnungsmangel, die Aufarbeitung der Coronapandemie, Energie-versorgung oder Risiken der industriellen Transformation – und nutzen sie für vereinfachte ethnokulturell aufgeladene Erzählungen". wer macht sich da etwas einfach? Oder es wird behauptet es würden "einfache Deutungen, die die komplexen, vielschichtigen und oft widersprüchlichen globalen Ursachen auf einfache »Freund-Feind«-Schemata reduzier[t]". Das ist eine gern genutzte Masche, ungelöste Aufgaben der Politik als zu komplex und vielschichtig erklären, aber bei komplexen sozialen Miteinander - was meiner Ansicht den Staat auch wenig angeht, solange keine strafbaren Handlungen passieren - da soll der Staat dann eingreifen können und sinnvolle Gesetze machen? Meiner Meinung nach funktioniert in deutschland die Demokratie nicht mehr, wegen solchen studien und wegen dem was in den Unis in den entsprechenden Fächern gelehrt wird. Denn von dort kommt dieser Kampf gegen Meinungsvielfalt und Diversität.

Und je mehr ich von dieser Studie lese (es sind immerhin über 400 Seiten) umso stärker bestätigt mich das. Das Problem sind ja schon die Denkmuster der Autoren. Da wird das singen der Nationalhymne als besonders rechts gesehen. Ich kann das durchaus nachvollziehen, bin auch eher Links geprägt. Aber tatsächlich ist eine nationale Identität als Grundlage für eine solidarische Gemeinschaft ein durchaus wirksames Mittel in der Politik, für die Linke keine wirkliche funktionierende alternative bieten können. Stattdessen Regenfahnen zu schwenken wird nicht viele abholen. Egal ob Demokratie oder eine andere Staatsform, man muss es immer schaffen den Menschen eine Idendifikationsmöglichkeit zu geben. Und hier sehe ich ein grosses scheitert der Linken. Neben deren sinnloser Fokusierung auf für die miesten Menschen unwichtigen Themen.

Konrad
Geschrieben von Konrad am 1. Dezember 2025 um 22:26

Vielen Dank für Deinen Diskussionsbeitrag.

Crimson
Geschrieben von Crimson am 1. Dezember 2025 um 20:36

Das über zeugt gar nicht. Warum? Aus der Geschichte lernen wir, dass sich Nationalismus und Sozialismus sehr wohl treffen. Dabei ist die Bezeichnung Nationalismus und Sozialismus sogar noch eine eine Verharmlosung. Es war wesentlich rechter und linker als Nationalismus und Sozialismus und es wurde im Nationalsozialismus eins. Aber nicht der Begriff Nationalsozialismus ist dafür ein Beweis, es ist die "Philosophie" des Nationalsozialismus.

Crimson
Geschrieben von Crimson am 1. Dezember 2025 um 22:08

Das deckt sich zwar nicht 100% mit meiner Sichtweise, gibt aber ganz gute Einblicke in das Thema: https://www.misesde.org/2013/10/warum-nationalsozialismus-sozialismus-war-und-warum-sozialismus-totalitar-ist/

spriggins
Geschrieben von spriggins am 8. Dezember 2025 um 11:37

Vorweg: Die Huifeisentheorie stammt mindestens aus den 32/33er Jahren des letzten Jahrhunderts, siehe: A. Ehrt. J. Schweickert: "Entfesselung der Unterwelt. Ein Querschnitt durch die Bolschewisierung Deutschlands"

Wie bei allen diesen Theorien gilt: Wenn man sie verallgemeinert, kommt Unsinn heraus. Sie soll einfach verdeutlichen, dass am extremen Rand des politischen Spektrums die politische Ideologie keine Rolle mehr spielt. Wer Gewalt als Mittel zum Zweck einsetzt, besitzt strukturelle Gleichheit, egal, woher er die Legitimation von Gewalt zieht. Das macht Links noch lange nicht zu rechts und umgekehrt aber die Gefahr, die von beiden ausgeht, könnte gleich sein:

Genauso kann man zu Recht behaupten, das Kategorien wie Links oder Rechts, also eine eindimensionale Kategorie, die aus der puren Sitzposition in der französischen Nationalversammlung folgten, für die Beschreibung der heutigen politischen Interessen nicht genügen. Es fällt mir z.B. sehr schwer eine Partei wie die FDP als Mitte - wovon? - einzuordnen. Man kann kann für eine plakative Orientierung sicherlich diese Begriffe verwenden, aber für eine politische Charakterisierung sind sie einfach zu flach und es ist leider erstaunlich und bitter, dass sowohl der Wähler als auch die Parteien häufig genau so flach argumentieren. Waren z.B. die SS-Biobauern im KZ der Nazizeit links-grün-versifft?

Und natürlich: wenn die Prämisse falsch ist, ist die Konklusion auch für den Arsch.