Dieser Langzeit-Erfahrungsbericht wird wahrscheinlich der kürzeste und langweiligste Bericht, den ich je geschrieben habe, aber vielleicht bestärkt er Dich bei Deiner Entscheidungsfindung, falls Du mit einem Laptop aus dem Hause Framework liebäugelst.
Was ein Framework-Laptop ist und was es ausmacht, erspare ich Dir. Im ursprünglichen Artikel bin ich auf das Konzept dieses Laptops und der Firma Framework eingegangen. In einem Satz zusammengefasst stellt die Firma modulare, einfach aufrüst- und reparierbare Laptops mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit her.
Was hat sich in den letzten 15 Monaten seit dem Review verändert?
Die kurze Antwort: Nichts.
Diese Antwort ist für einen Artikel allerdings arg kurz.
Ich benutze das Laptop täglich für vielfältige Aufgaben, sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld. Im privaten Rahmen erfüllt es die typischen Aufgaben eines Otto-Normal-Nutzers von Web, E-Mail, Office, Videotelefonie, Musik, Video, Bildbearbeitung bis hin zu gelegentlichem Gaming und was sonst noch so anfällt.
Für den "LinuxHähnchen" YouTube-Kanal erstelle ich auf diesem Laptop alle Folien, Grafiken, Video- und Sprachaufnahmen und mache die Audiobearbeitung mit Audacity und den Videoschnitt mit Kdenlive. In KVM/QEMU betreibe ich zu Schulungszwecken mehrere virtuelle Maschinen mit verschiedenen Linux-Distributionen.
Für gelegentliche Vorträge in kleineren und größeren Gruppen nutze ich das Gerät als Präsentationsmaschine. In diesem Rahmen bieten die wechselbaren Steck-Module des Laptops die nötige Flexibilität, um den Rechner an einen Monitor oder Beamer anzuschließen (z.B. HDMI oder DisplayPort).
In meinem beruflichen Umfeld als M365-Admin (mea maxima culpa!) eines größeren Unternehmens entwickle ich auf diesem Rechner die PowerShell Skripte in Visual Studio Code. Ich ziehe dieses Linux-Laptop dem Windows-11-Gerät meines Arbeitgebers vor, wenn ich ein schnelles, responsives System brauche, auf dem ich ablenkungsfrei arbeiten möchte.
Wie im ursprünglichen Artikel angesprochen, hatte ich mich als OS für die LTS-Version von Ubuntu entschieden, welche ich am 25.04.2024 installiert und seitdem nicht wieder gewechselt habe:
stat / | grep "Geburt"
Geburt: 2024-04-25 15:45:35.000000000 +0200
Mit Ubuntu harmoniert dieses Laptop ausgesprochen gut und bis heute hatte ich kein einziges Problem mit diesem System oder den installierten Applikationen gehabt. Summa summarum habe ich ein aufgeregt "unaufgeregtes", "langweiliges" System vor mir, das genau das tut, was ich von ihm möchte. Genau DAS, was ich von einem Daily Driver erwarte.
Framework stellt die Firmware für das Laptop zeitnah über fwupd bereit. Bisher habe ich zweimal die Firmware über den Ubuntu Firmware-Updater auf grafischem Weg aktualisiert.
Durch die frei konfigurierbaren Erweiterungsmodule (z.B. USB-C, USB-A, HDMI, DisplayPort, SD-Kartenleser, Ethernetport) konnte ich bisher in jeder Situation auf gegebene Anforderungen reagieren.
Erfahrungen mit dem Support und Hardwaretausch
Im letzten Jahr musste ich wegen defekter Hardware Erfahrungen mit dem Support von Framework machen.
Was war passiert?
In manchen Vorträgen zeige ich den Teilnehmern den Aufbau eines Laptops, indem ich das Gerät komplett demontiere und dann wieder zusammenbaue. Bei einer Präsentation habe ich Grobmotoriker dabei nicht aufgepasst, dass ich alle Kabel auch wieder richtig im Gehäuse untergebracht habe, bevor ich das Gehäuse wieder zusammensetze und verschraube.
Ich Esel hatte beim Zusammenbau das Kabel zwischen Mainboard und Display im Rahmen eingeklemmt und alles mit Schmackes zusammengedrückt und dadurch einen Kabelbruch verursacht.
Durch den Kabelbruch stieg das Display aus, sobald ich das Laptop einmal komplett (180 °) aufgeklappt und wieder zusammengeklappt hatte. Nach ein paar Malen Öffnen und Schließen ruckelte sich der Bruch dann wieder zurecht.
Ich kontaktierte den Support von Framework und schilderte mein selbst verursachtes Problem … und war wirklich positiv überrascht, wie schnell, professionell und kulant der Support mit meinem Fall umgegangen ist. Nach zwei, drei E-Mails und einem Foto von dem Monitorkabel und dem Monitoranschluss auf dem Mainboard schickte mir Framework ein neues Display kostenlos aus ihrem Logistikzentrum in Amsterdam zu. Eine detaillierte und bebilderte Anleitung zum Wechsel des Displays kam parallel per E-Mail.
Das Ersatzdisplay ließ sich mittels des Framework-Tools in wenigen Minuten einbauen. Für das defekte Display lag der Lieferung ein frankierter Retourenschein bei. Das defekte Display wird dann in die Verpackung des Ersatzdisplays eingepackt und mittels Retourenschein an eine deutsche Reparaturfirma (in meinem Fall nach Bernau bei Berlin) zurückgesendet. Dort wird das Display dann wieder repariert, aufbereitet und wieder in den Pool der Ersatzgeräte aufgenommen.
Alles in allem war mein Kontakt mit dem Framework-Support durchweg positiv.
Fazit
Für einen "Es gibt nichts Neues zu berichten"-Artikel ist dieser Text erstaunlich lang geworden.
Bin ich mit meiner Kaufentscheidung auch nach 15 Monaten immer noch zufrieden? Oh ja!
Würde ich noch einmal ein Framework AMD 13 Laptop kaufen? Jederzeit!
Würde ich dieses Laptop weiterempfehlen? Definitiv!
Titelbild: https://frame.work/de/de
Quellen:
- eigene
- https://frame.work/de/de
Sehr cool wie sich Framework Self-Repairability zu Herzen nimmt! Jetzt müssten die Geräte nur auch noch in der Schweiz verfügbar werden :-(
Ich bin tatsächlich am überlegen in 1-2 Jahren bei Framework zuzuschlagen. Ich hoffe es gibt in einem Jahr nochmals einen Follow Up :D
Falls ich es nicht vergesse, schreibe ich in einem Jahr gerne noch einmal einen Bericht. ;-)
Vielen Dank für deinen Bericht und die offene Darstellung des Support Themas. Das ist für mich sehr wichtig. Bisher habe ich immer nur gebrauchte Lenovo ThinPad Modelle genutzt und war/bin total zufrieden damit, aber ich werde gerne FrameWork unterstützen und halte das Konzept, die auch die Geräte, für eine ernste Alternative zu den Lenovos. Ist nur eine Frage der Zeit bis das erste FW ins Haus flattert😉. Also sehr gerne mehr an Berichten. Mich wurde noch interessieren, wie sich Debian mit GNOME auf den Geräten schlägt. Das wäre meine Präferenz.
Debian 12 mit GNOME hatte ich damals ausprobiert. Ich kann mich noch erinnern, dass bis auf den Fingerabdrucksensor alles andere out-of-the-box erkannt wurde und betriebsfähig war. Für den Fingerabdrucksensor musste ich "fprintd" und "libpam-fprintd" aus den Debian Repos nachinstallieren und konnte dann in den GNOME-Einstellungen meine Abdrücke registrieren. Ich hatte damals die "contrib" und "non-free" Repos aktiviert.
Die Herausforderungen, die ich damals mit Debian hatte waren in den Tests nur den älteren Versionsständen mancher Apps und des Kernels und meiner mangelnden Erfahrung mit Debian geschuldet. Debian nahm mich damals nicht so bei der Hand, sondern verlangte schon etwas mehr Eigeninitiative in der Einrichtung (OpenVPN nund Wireguard nachinstallieren etc.). Debian halt. ;-)
Schade, dass der original Blog-Artikel (konnte ihn im Blog auch nicht finden!) scheinbar nicht mehr verfügbar ist. Hätte mir den gerne noch einmal zu Gemüte geführt. Gibt es eine Möglichkeit, sollte der im orig. Blog nicht wieder verfügbar sein, hier bereit zu stellen? Wenn das alles nicht machbar ist, würde ich mich über ein PDF freuen😁. Könnte man über den Matrix Account versenden, wo ich unter Chris72 auftauche. Das wäre super nett. Vielen Dank
Stimmt, Du hast Recht. Die Blog-Artikel existieren bei LinuxGuides nicht mehr. 😕 Auf der Festplatte habe ich noch den unformatierten Roh-Entwurf der Tests von damals. Ich schaue zu, dass ich den Artikel zu den Tests formatiert bekomme und in ein PDF konvertiere.
Das sollte ich hinbekommen. 😁
Der Artikel ist doch im Text verlinkt (zumindest jetzt): https://gnulinux.ch/das-framework-13-amd-laptop-als-daily-driver
Christopher meinte die Artikel zum LG-Forum, die in dem ersten Artikel verlinkt sind. Die existieren leider nicht mehr.
Falls noch weitere Leser Interesse an den im ersten Artikel verlinkten Distrotests haben, habe ich das ursprünglich Dokument als PDF hier abgelegt: https://ln5.sync.com/4.0/dl/b1e43a670#jbe3dsi6-abkkmhmp-6tbn5d79-mkggcs34
Ich hätte nur so gerne einen TrackPoint: https://community.frame.work/t/please-make-a-keyboard-with-a-trackpoint/7190
Der scheint aber leider nicht in Aussicht zu sein...