DI.DAY mit zwei neuen Rezepten

  Ralf Hersel   Lesezeit: 4 Minuten  🗪 4 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Mit "Android-Handy ohne Google" und "Passwörter in Deiner Hand" bietet der DI.DAY zwei neue Rezepte für Umsteiger:innen an. In diesem Artikel erhaltet ihr einen schnellen Überblick über diese Gerichte. Ausserdem gibt es nun die Möglichkeit, sich als Experte für die DI.DAYs zu registrieren.

di.day mit zwei neuen rezepten

An jedem ersten Sonntag im Monat findet der Digital Independence Day statt: Wir holen uns unser freies digitales Leben zurück, und stärken die Demokratie, indem wir zu demokratiefreundlichen digitalen Alternativen wechseln. Und wir sichern uns stetig unsere digitale Unabhängigkeit.

Auch am gestrigen Sonntag fanden wieder viele Veranstaltungen im Rahmen des DI.DAYs in ganz Europa statt. Falls ihr auch an einem solchen Event teilnehmen, oder selbst eine Veranstaltung austragen möchtet, findet ihr auf der DI.DAY-Seite alle Angebote und Orte.

Auf der Seite werden potenzielle Themen für das Umsteigen in Form von Rezepten einsteigergerecht aufbereitet. Mittlerweile wurden 17 Rezepte geschrieben:

  1. Android-Handy ohne Google
  2. Passwörter in Deiner Hand
  3. Alternativen zu ChatGPT & Co.
  4. Spotify zu fairem Musikstreaming
  5. Kalender und Kontakte befreien
  6. Unabhängige Daten-Clouds
  7. Die eigene Nextcloud
  8. Windows zu Linux-Mint
  9. Big-Tech-Karten zu Open Street Map
  10. Microsoft zu LibreOffice & Co.
  11. PayPal zu Wero
  12. Chrome zu Firefox
  13. Gmail zu unabhängiger E-Mail
  14. Amazon zum Buchladen
  15. Google zu anderen Suchmaschinen
  16. WhatsApp zu Signal
  17. X zu Mastodon

Nummer 1 und 2 sind die Neuzugänge bei den Rezepten.

Android-Handy ohne Google

Das Rezept führt in die Problematik ein und weckt die Neugier:

Google und Apple beherrschen die Handymärkte ­– und Handys beherrschen zunehmend unser Leben. Kaum eine Bank, die ihre Dienste ohne Smartphone nutzbar hält, kaum ein Nahverkehrsverbund, der sich einfach ohne Handy nutzen ließe. Damit kommen Apple und Google an Daten aus vielen Lebensbereichen. Und nun erschwert es Google auf seinen Handys auch noch, Apps aus alternativen Quellen zu installieren. Angeblich soll das Handynutzer*innen schützen, es würgt aber vor allem Playstore-Alternativen ab.

Wenn Du weiter frei entscheiden möchtest, was auf Deinem Handy läuft, empfehlen wir Geräte mit einem offene(re)n Betriebssystem, die Du online kaufen kannst: unser Rezept für Google-frei(er)e Handys, ganz ohne IT-Bastlerkenntnisse und Risiken. Apple-Telefone bieten diese Offenheit übrigens nicht - sie funktionieren nur mit Apples Betriebssystem.

Bei der Zubereitung des Rezeptes werden drei Aspekte behandelt: App-Stores, Geräte und Custom-ROMs. Als alternative App-Stores werden F-Droid und der Aurora-Store genannt. Beide lassen sich auf ganz normalen Android-Geräten installieren und gelten als erster Schritt, um Freie Software auf dem Smartphone installieren zu können.

Im nächsten Schritt werden Anbieter von nachhaltigen Smartphones vorgestellt, die in der Regel gleich mit einem Google-befreiten Custom-ROM bezogen werden können. Dazu gehören Geräte von Fairphone, Murena, Volla, Jolla, ShiftPhone und NitroKey.

Zu den geschmackvollsten Zutaten gehören die Custom-ROMs, also die Google-freien Betriebssysteme für euer Handy. Dort findet man Murena/e/OS, VollaOS, LineageOS, Iodé und GrapheneOS, die alle auf Android-AOSP basieren. Doch auch reine Linux-Systeme wie Ubuntu Touch und SailfishOS kommen zur Sprache.

Passwörter in Deiner Hand

Auch dieses neue Rezept beginnt mit einer Einleitung:

Hier geht es um die geheimsten Zutaten vieler Gerichte: Deine Passwörter! Statt Deine sensibelsten digitalen Schlüssel den BigTech-Plattformen oder gar ungesicherten Ecken des World Wide Webs anzuvertrauen, holst Du Dir die volle Kontrolle zurück. Das bringt Dir echte digitale Souveränität, kompromisslosen Datenschutz und das großartige Gefühl, vollkommen unabhängig zu sein.

In der Zubereitung wird erläutert, warum es keine gute Idee ist, die Passwörter im Browser zu speichern. Stattdessen wird die KeePass-Familie als bessere Ablage für Passwörter empfohlen. Diese Familie bietet Anwendungen für Android (KeePass-DX), den Desktop (KeePass-XC) und Apple-Phones (KeePassium). Dabei wird die maximale Souveränität betont, da die Passwörter auf dem Gerät verbleiben. Am Ende des Rezeptes wird erklärt, wie man die Passwörter dennoch mit anderen Geräten synchronisieren kann.

Des Weiteren werden Cloud-basierte Passwort-Verwaltungen vorgestellt: Sticky Password, 1Password, Dashlane und Bitwarden. Von diesen Empfehlungen würde ich abraten, da einige der genannten Dienste in der Vergangenheit bereits unangenehm aufgefallen sind.

Das Rezept enthält weitere sinnvolle Tipps, wie z. B. das Einrichten eines starken Masterpasswortes mithilfe der Passphrase-Regel. Ich persönlich halte wenig von Passphrasen und bin eher ein Fan von starken und kürzeren Passwörtern, aber das soll jetzt keine Rolle spielen. Zusätzlich empfiehlt das Rezept die Verwendung von Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA). Diesem Ratschlag schliesse ich mich an.

Expertenbörse

Neben den zwei neuen Rezepten gibt es jetzt auch die Expertenbörse beim DI.DAY. Dort können sich Privatpersonen als Experten eintragen. Solche Fachleute können Interessierte über einen Themenfilter oder über einen Ort finden. Du kannst dich hier als DI.DAY-Experte registieren. Diese Themen werden vorgeschlagen:

  • Fediverse
  • Selfhosting
  • Umstieg auf Linux
  • Mastodon
  • Wordpress
  • Signal
  • Nextcloud
  • Passwortmanager

Ich halte diese Auswahl für recht zufällig; man kann aber eigene Themen hinzufügen.

Titelbild und Quelle: https://di.day/de

Tags

DI.DAY, Rezepte, Passwörter, Google-frei, Experten

NoHandy
Geschrieben von NoHandy am 8. Juni 2026 um 10:23

Mal eine Frage von jemandem ohne Handy-Erfahrung (ja das gibt es ): Wenn ich ein Fairphone oder so habe, wie weit gehen dann Banking Apps, Krankenkassen Apps etc? Laufen die dann problemlos? Sind die überhaupt erreichbar? Oder braucht's dafür "Verrenkungen"? Muss ich für sowas dann eben doch wieder den playstore nutzen? über F-droid und Co werden die doch nicht zur Verfügung gestellt, oder?

Lioh Möller
Geschrieben von Lioh Möller am 8. Juni 2026 um 12:35

Du kannst den Aurora-Store als Wrapper für den PlayStore nutzen. Bei Banking Apps hilft nur ausprobieren, manche gehen, manche nicht. Wenn du den Namen der Bank teilen magst, kann die vielleicht jemand helfen.

LinuxCoden
Geschrieben von LinuxCoden am 8. Juni 2026 um 14:21

Wenn du /e/OS von Murena verwendest dann gehen die meisten Banking Apps, da der Store von Murena (App Lounge) den Apps vorgaukelt das sie von PlayStore installiert wurden.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 8. Juni 2026 um 18:55

BankingApps (ausser Banking-Auth-Apps) verwende ich grundsätzlich nicht auf dem Smartphone. Beide Banking-Auth-Apps funktionieren, obwohl sie wegen eines gerooteten Gerätes jammern. Was bei mir (/e/OS) nicht geht, ist die EasyRide-Funktion (Hop-on, Hop-off) der SBB und die von Banken angebotenen Varianten der Bezahl-App TWINT; die Prepaid-Version von TWINT funktioniert jedoch.