Den Tag der digitalen Unabhängigkeit (DI.DAY) muss ich euch nicht erklären, weil ihr den kennt oder bei uns darüber gelesen habt. An jedem ersten Sonntag im Monat ruft ein breites Bündnis aus Organisationen zum Wechsel auf freie IT-Lösungen auf. Damit soll die digitale Unabhängigkeit in der Bevölkerung gefördert werden.
Der DI.DAY bietet einen niederschwelligen Zugang zu offenen und freien Lösungen auf euren Digitalgeräten. Die Menschennähe äussert sich in Rezepten, mit denen jede:r den persönlichen digitalen Alltag sicherer und unabhängiger gestalten kann. Die Rezepte stehen für kleine Schritte, die sich einfach und verständlich umsetzen lassen. Wer eine DI.DAY-Veranstaltung besucht, erhält freundliche und engagierte Unterstützung.
Nun wurde die Speisekarte um zwei Rezepte erweitert, womit es jetzt 15 Gerichte zur Auswahl gibt. Jeden Monat dürft ihr ein neues Rezept probieren. Bei den neuen Rezepten geht es um:
Chat-Bots
In der Einleitung zum ersten Rezept heisst es:
In dieser Küche gelten wichtige Regeln: Zwei europäische Verordnungen (Datenschutzgrundverordnung – DSGVO – sowie der EU AI Act) sind auch Dein digitaler Schutzschild. Sie sorgen dafür, dass unter anderem KI-Chatbots und -Systeme in Europa transparent und (relativ) sicher mit Deinen Daten umgehen müssen, während große US-Modelle oft wie eine „Black Box“ funktionieren. ChatGPT, Microsoft Copilot, Google Gemini oder andere US-Anbieter speichern Chats standardmäßig auf US-Servern und nutzen sie oft erneut für KI-Training. Nach der DSGVO ist das problematisch, weil keine ausreichende Rechtsgrundlage für die Datenübermittlungen in die USA besteht.
Wenn Dir das nicht gefällt und Du Wahlfreiheit gewinnen möchtest, bist Du in diesem Rezept richtig. Denn europäische Alternativen und lokale Lösungen bieten eine Umgebung, in der Du die Regeln zumindest mitbestimmst.
In der Zubereitung werden sechs europäische KI-Küchen angeboten:
Ich habe mit Lumo von Proton gute Erfahrungen gemacht und DeepL verwende ich gerne für hochwertige Übersetzungen. Nun stellt sich die Frage, ob man seine Gehirnmasse überhaupt an KI-Modelle auslagern soll, um damit der fortschreitenden Verdummung Vorschub zu leisten. Ich setzte Large Language Models nur selten ein, weil ich meine geistige Selbstständigkeit noch lange erhalten möchte. Bei meinen Artikeln für GNU/Linux.ch kommen Chat-Bots fast nie zum Einsatz (manchmal für die Hintergrund-Recherche, aber nie für den eigentlichen Artikel). DeepL verwende ich gelegentlich, wenn ich Texte übersetzen möchte.
Musik-Streamer
Das Vorwort zum Rezept sagt:
Wir kochen unsere eigene Suppe – und hören dabei Musik, die nicht nur uns, sondern auch den Kulturschaffenden guttut. Die marktbeherrschenden Plattformen setzen ihre Algorithmen intransparent ein, tracken Nutzende und überschwemmen uns mit KI-generierter Spam-Musik. Und vor allem vergüten sie Musiker*innen sehr schlecht.
Wenn Dir das nicht (mehr) gefällt, kannst Du mit diesem Rezept mehr Gemeinschaft und Fairness auf den Tisch bringen: Mit meist europäischen Alternativen nimmst Du Deine digitale Souveränität selbst in die Hand und unterstützt eine gesunde, vielfältige Musikkultur.
Weil Eintopf mit zu vielen Zutaten nicht immer schmeckt, dreht sich dieses Rezept vor allem um Musik – für gesprochenes Wort in Hörspiel oder Hörbuch genieße auch unseren Nachtisch. (Und nicht vergessen: Musik gibt´s auch auf CDs oder Vinyl!)
Auch hier nennt die Zubereitung alternative Angebote:
- Qobuz (Frankreich)
- SoundCloud (Deutschland)
- Bandcamp (USA)
- Subvert (USA)
- Bandwagon.fm (USA)
- Deezer (Frankreich)
- Tidal (USA)
Auch zu diesem Rezept habe ich eine (gespaltene) Meinung. Tatsache ist, dass die grossen Musik-Streaming-Dienste (allen voran Spotify) die Künstler:innen finanziell über den Tisch ziehen: "Als Musikschaffende musst du dabei sein, um zu sterben". Laut einer Recherche ist der Anteil von KI-generierter Musik bei Spotify von 2025 zu 2026 von 3 % auf 5 % gestiegen; Tendenz: steigend.
Wenn es um das Entdecken von neuer Musik geht, habe ich mit SoundCloud gute Erfahrungen gemacht. Diesen Dienst habe ich ca. 5 Jahre lang genutzt. Vor 2 Jahren haben wir eine grosse Artikel-Serie über Musik-Streamer geschrieben. Da lohnt sich das Nachlesen. Warum ich mit einem Familien-Abo immer noch bei Spotify bin, liegt an der besten Integration in freie Systeme. Ich habe noch keinen faireren Dienst gefunden, der es mir erlaubt, Musik-Streaming vom Server (Raspi) an meine Lautsprecher zu ermöglichen. Das ist wahrscheinlich ein Sonderfall, weil die Mehrheit der Nutzer:innen gar nicht weiss, was Lautsprecher sind. Ich schätze, dass 80 % der Hörer:innen Musik nur über Smartphones und Ear-Plugs konsumieren.
Fazit
Mir gefällt der Zuwachs von weiteren Rezepten für den DI.DAY. Das Rezept-Format ist erfrischend niederschwellig und spricht damit eine grössere Zielgruppe an als unser nerdiges Seemannsgarn. Bitte lest euch die beiden neuen Rezepte durch und verbreitet sie in eurer Community. Die Rezepte enthalten viel mehr Informationen, als ich sie in diesem Teaser-Artikel beschreiben wollte.
Titelbild: https://di.day/de (stark modifiziert)
Quellen:

> Nun stellt sich die Frage, ob man seine Gehirnmasse überhaupt an KI-Modelle auslagern soll, um damit der fortschreitenden Verdummung Vorschub zu leisten.
Ich nutze Lumo als Sparringspartner, um Python programmieren zu lernen. Bitte nicht lachen. Jeder fängt mal an. Ich habe niemand in meinem Umfeld, mit dem ich mich austauschen kann. Bei den Einsteigerseiten sind gute Beispiele dabei. Manchmal bleiben aber Fragen offen, warum dieses oder jenes jetzt so geschrieben ist. Um darauf Antworten zu finden, muss mir Lumo die Fragen zu der speziellen Codezeile beantworten. Damit habe ich schneller gelernt, als in der Zeit zuvor, wo ich selbst recherchiert habe (Forum, Chatraum, etc.). Zusätzlich bin ich jetzt motivierter, da ich schneller Fortschritte mache.