Digital Independence Day

  Ralf Hersel   Lesezeit: 2 Minuten  🗪 8 Kommentare Auf Mastodon ansehen

An jedem ersten Sonntag im Monat ruft ein breites Bündnis aus Organisationen zum Wechsel auf freie IT-Lösungen auf. Damit soll die digitale Unabhängigkeit in der Bevölkerung gefördert werden.

digital independence day

Der Digital Independence Day ist eine Initiative der Save Social - Networks For Democracy gUG aus Hamburg. Unter dem Motto "Jeden ersten Sonntag auf die gute Seite wechseln!" bietet dieses Projekt niederschwellige Angebote, um nicht technikaffinen Personen den Umstieg auf freie Software und einen selbstbestimmten Umgang mit IT-Diensten zu erleichtern. Dort heisst es:

Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Überreicher. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmen Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg weltweit, wie wir uns online informieren, wie wir diskutieren, kommunizieren oder handeln. Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können.

An jedem ersten Sonntag im Monat veranstalten wir deshalb den #DigitalIndependenceDay: Wir holen uns unser freies digitales Leben zurück, zerstören die Demokratie nicht weiter und wechseln zu demokratiefreundlichen digitalen Alternativen. Und wir sichern uns nach und nach unsere digitale Unabhängigkeit!

Warum dieses Bestreben zur digitalen Unabhängigkeit nur einmal im Monat stattfinden soll, verstehe ich nicht, halte die Idee aber für gut. Die Initiative wird von einem breiten Bündnis von Organisationen aus allen Ecken der Gesellschaft unterstützt. Damit sind sie nicht die Ersten. Im letzten Herbst haben wir Endof10 gesehen, womit Unterstützung für den Umstieg von Windows 10 auf Linux angeboten wurde und wird. Ausserdem wurde die Linux-Helden-Karte von Jean-Frédéric Vogelbacher (linuxguides.de) initiiert, um ein konkretes Peer-to-Peer Angebot für Umsteigewillige anzubieten.

Das Hauptangebot des Digital Independence Days besteht aus Rezepten, die auf einfache Weise den Umstieg von proprietären auf freie Dienste beschreiben. Bisher gibt es diese Rezepte:

  • WhatsApp zu Signal
  • X zu Mastodon
  • Gmail zu unabhängiger E-Mail
  • Google zu Ecosia
  • Chrome zu Firefox
  • Amazon zum Buchladen

Die Rezepte sind strukturiert aufbereitet, richten sich insbesondere an Ein- und Umsteiger und sind einfach zu verstehen. Die grafische Aufbereitung dieser "Kochanleitungen" ist sehr freundlich und ansprechend gestaltet. Hilfreich sind die Zusatzinformationen, die zum "Nachtisch" angeboten werden. So werden beim Rezept "WhatsApp zu Signal" weitere Alternativen wie "Element/Matrix" und "Threema" gereicht.

Neben den Rezepten gibt es im Kapitel Mehr Alternativen Links auf andere Seiten, die sich den Themen bereits mit grösserer Detailtiefe angenommen haben. Häufig wird dort die Seite European Alternatives genannt. Damit der Wechsel zur digitalen Unabhängigkeit nicht im stillen Kämmerlein vollzogen werden muss, werden im Kapitel Gemeinsam wechseln & helfen Veranstaltungen genannt, die am jeweiligen DI.DAY stattfinden. Diese Veranstaltungen kann man besuchen, um gemeinsam an der Befreiung zu arbeiten. Wer Fragen zum Wieso und Warum hat, findet im Kapitel Fragen und Antworten nützliche Hinweise. Wer weitere Fragen hat, oder sich selbst am Digital Independence Day beteiligen möchte, kann an hallo@di.day schreiben.

Wir von GNU/Linux.ch überlegen zurzeit, ob und wie wir uns beim Digital Independence Day einbringen können.

Titelbild und Quelle: https://di.day/

Tags

Unabhängigkeit, diday, #did #diday, did, Digital Independence Day

Astrid
Geschrieben von Astrid am 5. Januar 2026 um 10:00

Ich glaube, der monatliche Rhythmus ist bewusst gewählt. So bleibt alles gut machbar, passt in den Alltag und niemand fühlt sich zeitlich oder inhaltlich überfordert.

So eine Art Wartung fürs Gehirn – Einstellungen prüfen, ein bisschen nachjustieren - kein Komplettumbau.

Robert
Geschrieben von Robert am 5. Januar 2026 um 13:13

Die Initiative ist eine tolle Idee. Letztendlich sollte es jedoch nicht nur alleine darum gehen den Leuten zu zeigen wie sie ohne viel Aufwand von Diensten bei Amazon, Google oder Microsoft wegkommen. Als mindestens ebenso wichtig empfinde ich die weiterführende Aufklärung zu Freier Software insgesamt. Informationen zu den vielen offenen Standards, den zahlreichen gemeinnützigen Organisationen, die sich tagtäglich um Open Source kümmern und damit mögliche Ansprechpartner sind oder Informationsbeschaffer sein können. Hier eine kleine subjektive Liste, die vielleicht dem ein oder anderen hilft einen Überblick bzw. Einstieg in das FOSS Ökosystem zu erhalten (weitere Linkvorschläge per Kontaktformular): https://neoxion.net/open-source-infos/

klausb
Geschrieben von klausb am 5. Januar 2026 um 18:23

Beim Rezept "von Amazon zum Buchladen" musste ich lachen. Sind wir schon soweit gekommen, dass es dafür ein Rezept geben muss, auch wenn es eigentlich nur ein Denkanstoss sein soll? Über die dort genannten Alternativen (neben dem "Buchladen um die Ecke") Thalia und Hugendubel kann man schon geteilter Meinung sein. Die sind nicht unbedingt förderlich für den privaten Buchladen um die Ecke, den es auch wegen der Marktmacht von Thalia & Co oft nicht mehr gibt. Auch deshalb haben sich sich in Berlin acht unabhängige Buchhandlungen zur IG Indie-Buchläden Berlin zusammengeschlossen IG Indie-Buchläden Berlin startet

PS. Damit nicht der falsche Eindruck entsteht, ich betreibe hier Eigenwerbung. Ich bin kein Buchhändler und mit den Leutchen weder verwandt noch verschwägert ;) sondern finde nur diese Idee begrüssens- und verbreitenswert. Auch solche Initiativen tragen zum Digital Independence Day bei.

Horst
Geschrieben von Horst am 6. Januar 2026 um 22:27

Es gibt z.B. auch geniallokal.de wo sich Buchläden zusammengeschlossen haben.

neffets
Geschrieben von neffets am 9. Januar 2026 um 15:02

Beim Wechsel von Google zu Ecosia, WhatsApp zu Signal, Chrome zu Firefox oder X zu Mastodon muss man lediglich aus seiner gewohnten Komfortzone herauskommen bzw. die eigene Peergroup zum Mitmachen animieren.

Der Wechsel des Mailanbieters gestaltet sich da schon aufwendiger, da er oft einen Adressumzug bedingt. Wer diesen Schritt einmal gehen möchte und etwa 3,50€ pro Monat investiert, sollte mit dieser [https://www.kuketz-blog.de/mailbox-org-verlaesslich-und-vertrauenswuerdig-e-mails-unter-kontrolle-teil2/](Anleitung von Mike Kuketz) (Stichwort: eigene Mail-Domain!) gut bedient sein.

Ebenfalls unkompliziert lassen sich Bücherbestellungen von Amazon zu Thalia/Hugendubel umstellen. Aber: der lokale Buchhandel ist ... irgendwie zu kompliziert. Zwei Beispiele: Unser Buchhändler in einer Kleinstadt bezieht ausschließlich über einen Distributor/Großhändler und will oder kann viele Sachen nicht bestellen, bspw. Fach- oder fremdsprachige Bücher, Kalender eines Verlags aus dem Nachbarort. Er lebt scheinbar nur von Schulbüchern und Last-Minute-Geschenken. Und ein Buchhändler in einer nahen Großstadt beschränkt sich neuerdings auf einen Cafe-Betrieb mit Verkauf von Belletristik. Beide sind übrigens auf der genannten Plattform nicht vertreten...

Horst
Geschrieben von Horst am 6. Januar 2026 um 22:27

Es gibt z.B. auch geniallokal.de wo sich Buchläden zusammengeschlossen haben.

Christian
Geschrieben von Christian am 14. Februar 2026 um 23:16

Bei dem Rezept musste ich auch grinsen, aber aus anderen Grund: Wenn ich meine Amazon-Bestellungen des letzten Jahres durchgucke, muss ich ca. 15 Bestellungen weit zurückgehen, bis ich das erste Mal auf etwas stoße, was ich in einem Buchladen bestellen könnte. Die verkaufen halt einfach mal alles: Grafikkarten, Süßigkeiten, Glühbirnen und Rasendünger.

Davon ab finde ich die Aktion super!

kamome
Geschrieben von kamome am 15. Januar 2026 um 09:35

Google zu Ecosia könnte man auch als Google zu Bing betiteln ;)